Jugendliche in sozialen Netzwerken

Wie wirkt sich das Agieren im Internet auf die Identitätskonstruktion aus?


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Netzwerke
2.1. Communities als Treffpunkt
2.2. Jugendliche in sozialen Netzwerken

3. Auswirkungen des Internets auf die Identitätsentwicklung

4. Die Digital Natives

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Moderne Medien wie das Internet sind mittlerweile zu einer wichtigen Sozialisationsinstanz für Heranwachsende geworden (vgl. Shell 2006, S.83). Es gibt in unserer Gesellschaft nur noch wenige Jugendliche, die ohne eigenen Internetzugang aufwachsen, so dient dieser ihnen auch zur Herausbildung einer eigenen Persönlichkeit. Identität entsteht somit nicht mehr nur in Auseinandersetzung mit anderen, sondern auch in der virtuellen Welt, beispielsweise in sozialen Netzwerken, in denen Jugendliche sich ein Profil angelegt haben (vgl. Hoffmann 2004, S.157). Weltweit haben sich bis zum Jahr 2009 bereits „734 Millionen“ (Hutt in Stern 37/2009, S. 125) Menschen in sozialen Netzwerken angemeldet, Spitzenreiter dabei ist Facebook. Längst dienen diese Communities als digitale Treffpunkte, als Orte, alte Bekannten wiederzutreffen, neue Leute kennenzulernen und sich mit Freunden zu unterhalten. Spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 dienen soziale Netzwerke auch als Überbringer politischer Botschaften. „Über Facebook und Co. werden Revolutionen koordiniert, Wahlen entschieden, hier verkündet Papst Benedikt XVI. nicht nur Glaubensbekenntnisse, sondern seine nächsten Auftritte, hier macht sich der Kollege mit Kommentaren wie „Ich hatte Spaß in der Hüpfburg auf dem Flohmarkt vor meiner Haustür!“ zum Affen, hier zeigt die Nachbarin ihre Urlaubsfotos, hier trifft man die vergessene Jugendliebe aus dem Zeltlager in Dänemark wieder“ (Hutt in Stern 37/2009, S.125). Es zeigt sich, dass soziale Netzwerke nahezu über den gesamten Globus zahlreiche Möglichkeiten zum politischen Agieren, zur Interaktion ebenso wie zur Selbstdarstellung bieten. Im Folgenden soll es insbesondere um das Agieren Jugendlicher in sozialen Netzwerken gehen, daran anschließend möchte ich herausarbeiten, inwiefern sich die Herstellung einer eigenen Identität im Internetzeitalter verändert hat. Vorab möchte ich jedoch kurz erläutern, was soziale Netzwerke überhaupt sind, bevor ich tiefer in die Thematik einsteige.

2. Soziale Netzwerke

Ein soziales Netzwerk, auch Community genannt, ist eine Internetplattform, in welcher der User ein persönliches Profil anlegt. Indem er preisgibt, was er derzeit macht, wie sein beruflicher Status ist bzw. welche Uni oder Schule er besucht und welche Hobbies er hat, formt sich dieses Profil. Jeder User kann dabei frei wählen, wie viele Informationen er – abgesehen von nötigen Standardangaben – dort angibt. Bei Facebook beispielsweise muss der zukünftige Nutzer bei der Anmeldung über 90 persönliche Angaben machen, bevor er in den Kreis der Netzwerk-User aufgenommen wird (vgl. Hutt in Stern 37/2009, S.132). Das Anmeldeverfahren ist ein standardisiertes, bei Facebook beispielsweise werden die „Bewerber“ aufgefordert, sich durch ein „Profilmenü, das sich in sieben Suchraster aufgliedert, welche die Form eines Fragebogenformulars aufweisen“ (Reichert 2008, S.97), durchzuarbeiten. Aufeinander folgend werden die Kategorien persönliche Daten – wie Alter, Geschlecht und Wohnort; Kontaktdaten wie E-Mailadresse, Postadresse und Telefonnummer und Beziehungsstatus ausgefüllt. Die nächste Kategorie bildet Persönliches, hier werden Hobbies und Vorlieben angegeben, bevor es um Angaben zum Bildungsweg geht, wo angegeben wird, welche Hochschule o.ä. besucht wird. Die sechste Kategorie fragt nach der beruflichen Position, abschließend soll der User Daten zur Beschäftigungsdauer seiner beruflichen Tätigkeit machen (vgl. ebd., S.97). Hat man sich durch diesen Fragenkatalog geklickt, ist man Teil der Community, kann ein Foto hochladen, mittels Gruppen seine Vorlieben und Abneigungen zum Ausdruck bringen und sich auf die Suche nach verloren geglaubten Freunden und Gleichgesinnten machen. Längst sind Communites zu den wichtigsten Kontaktbörsen im Internet geworden und haben damit den Chat als wichtigste Kommunikationsplattform im Internet abgelöst (vgl. Dammler 2009, S.58). Mittlerweile gibt es soziale Netzwerke auch für die Job- oder Wohnungssuche sowie für Fotobegeisterte, die ihre Werke austauschen können (vgl. Hutt in Stern 37/2009, S.128): Xing oder Linkedin dienen beispielsweise dazu, ein Geschäftsnetzwerk aufzubauen oder einen Job zu finden. Soziale Netzwerke wie MySpace, Facebook und StudiVZ, die in dieser Arbeit im Zentrum stehen sollen, dienen den meisten Usern letztlich zur Selbstdarstellung und zur Vernetzung mit den Freunden (vgl. ebd., S.128).

Zu beachten gibt es einiges in diesen Netzwerken – insofern der User nicht möchte, dass der eigene Chef oder die Eltern persönliche und peinliche Erlebnisse im eigens angelegten Fotoalbum bestaunen können. Nicht selten jedoch werden diese privaten und peinlichen Fotos auch bei anderen Mitgliedern in den Fotoalben veröffentlicht, so kann ich mich kaum dagegen wehren, wenn ein mit mir vernetzter Freund dort die Beweismaterialien meiner Partyexzesse hochlädt. „Solche Freizügigkeit ist weit verbreitet in dem Studentennetzwerk. Die Mitglieder präsentieren Abertausende Fotos, die keiner sich in sein Zimmer hängen würde – es könnte ja der Paketbote hereinkommen: tätowierte Schambeine, blanke Hinterteile, gebleckte Zungen, delirös verdrehte Augen“ (Blech/Bonstein/Dworschak/Evers/Kneip/Müller/Schmitt/Schmundt in Der Spiegel 10/2009, S.119).

2.1. Communities als Treffpunkte

Soziale Netzwerke sind für viele Menschen zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags geworden: Hier ist es ein Leichtes, auch mit den Freunden in Australien Kontakt zu halten. Hier kann der User alte Bekannte wiederfinden, auf Gleichgesinnte stoßen, indem er Gruppen beitritt, in denen über die Lieblingsband o.ä. diskutiert wird. Häufig lauten die Argumente dafür, warum sich jemand in einem sozialen Netzwerk anmeldet, wie folgt: „Erstens hört man meist, dass man bei Facebook sein muss, weil es alle anderen auch sind, und als Zweites, dass Facebook sehr praktisch ist: Man kann sein Netzwerk managen, sich Nachrichten schicken, Videos und Fotos hochladen, chatten. Und man bekommt das Gefühl, immer unter Freunden zu sein, nie allein“ (Hutt in Stern 37/2009, S.125). Hierzulande kam beispielsweise Facebook im Jahr 2009 auf 7,5 Mio. Nutzer, weltweit waren 250 Mio. User, Tendenz steigend (vgl. ebd., S.125): So verzeichnet Facebook „täglich fast 700 000“ (ebd., S.132) Neuanmeldungen. Auch in unserer Gesellschaft leisten soziale Netzwerke insbesondere für Heranwachsende einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung einer eigenen Persönlichkeit. „Mitte des Jahres 2008 war bereits gut ein Drittel der deutschen Jugendlichen bei einer oder mehreren Internet-Communites registriert. Die meisten Nutzer hatten schuelervz (42% der registrierten Nutzer), gefolgt von MySpace (23%) und studivz (18%), dem älteren Bruder von schuelervz“ (Dammler 2009, S.57).

2.2. Jugendliche in sozialen Netzwerken

Mittlerweile gehört es also für den Großteil der Heranwachsenden zum Erwachsenwerden dazu, Teil einer oder mehrerer Communites zu sein, sich hier ein Profil anzulegen und mit Freunden und alten Bekannten in Kontakt zu stehen, sich zu präsentieren und andere Profile und Fotoalben anzusehen. In diesen sozialen Netzwerken fühlen sich die Heranwachsenden frei. Communites sind weitgehend elternfreie Räume – und gleichzeitig Orte, um Freunde zu treffen. Diese Netzwerke sind für die Heranwachsenden von enormer Bedeutung: So sagt Theunert[1] „Online-Communites üben in der Pubertät eine besondere Anziehungskraft aus“ (Bonstein in Der Spiegel 20/2008, S.101). Durch Netzwerke wie SchülerVZ und Facebook werden den Jugendlichen Möglichkeiten der Identitätsarbeit geboten, die im Zuge des Heranwachsens von enormer Bedeutung sind (vgl. ebd, S.101).

[...]


[1] Helga Theunert ist „Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Medienpädagogik München. In einem Forschungsprojekt untersuchte sie Medienverhalten und Alltag von Jugendlichen im digitalen Zeitalter“ (Der Spiegel 20/2008, S.101).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Jugendliche in sozialen Netzwerken
Untertitel
Wie wirkt sich das Agieren im Internet auf die Identitätskonstruktion aus?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V176165
ISBN (eBook)
9783640975211
ISBN (Buch)
9783640975006
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendliche, netzwerken, agieren, internet, identitätskonstruktion
Arbeit zitieren
Hanna Ruehle (Autor), 2011, Jugendliche in sozialen Netzwerken , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176165

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