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Geschichte der deutschen Orthographie am Beispiel der Klein- und Großschreibung

Titel: Geschichte der deutschen Orthographie am Beispiel der Klein- und Großschreibung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 31 Seiten , Note: 1

Autor:in: Dorothee Schaible (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Regelung der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen nimmt eine Sonderstellung unter den Alphabetschriften ein. Trotz dieser für viele Menschen (besonders Schriftsteller und Journalisten) identifikationsfördernden Besonderheit gab und gibt es bis heute zahlreiche Verfechter einer gemäßigten Kleinschreibung, die das deutsche System der Groß- und Kleinschreibung als grundsätzlich verfehlt und für nicht reformierbar halten (vgl. Munske 1997, S. 397).
Doch wie kam es zu dieser „Sonderstellung“ der deutschen Groß- und Kleinschreibung und warum wurde sie, trotz heftiger Kritik und zahlreicher Reformvorschläge der letzten Jahre, nicht „aufgegeben“?
Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich im Verlauf dieser Seminararbeit die geschichtliche Entwicklung der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen darstellen. Nur mit Hilfe der Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung lässt sich die Groß- und Kleinschreibung in ihrer heutigen Form verstehen. Dazu werde ich zunächst auf die Epoche des Frühmittelalters und des Hochmittelalters eingehen, da in ihr der Grundstein der Groß-und Kleinschreibung durch die Entwicklung der karolingischen Minuskel im 9. Jahrhundert gelegt wurde. Ausgehend von dieser Entwicklung, soll die Rolle des Buchdrucks und des Reformators Martin Luther im ausgehenden Mittelalter skizziert werden. Außerdem möchte ich kurz auf die Ausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache eingehen. Eine allgemeingültige Orthographie konnte sich schließlich nur mittels einer in ganz Deutschland verbindlichen und einheitlichen Schriftsprache durchsetzen.
Anschließend möchte ich die Rolle Gottscheds und Adelungs bei der Normierung der Groß-und Kleinschreibung im 17. Jahrhundert erläutern. Ein Fokus soll auf den Entwicklungen im 19. und frühen 20. Jahrhunderts liegen, da sich hieraus viele Unregelmäßigkeiten in den Regelungen der Groß- und Kleinschreibung erklären lassen, die schließlich in der Rechtschreibreform von 1996 vereinfacht wurden.
Das Wissen um die Entwicklung der deutschen Groß- und Kleinschreibung und ihrer teilweise komplizierten Regeln ist für meine spätere Arbeit als Deutschlehrerin sehr wichtig.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Die Entwicklung vom 8. bis 14. Jahrhundert

2.1 Das Althochdeutsche

2.2 Das Mittelhochdeutsche

3. Die Entwicklung vom 15. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert

3.1 Zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

3.2 Die Entwicklung der Groß- und Kleinschreibung im 15. und 16. Jahrhundert

4. Die Entwicklung vom 17. bis 18. Jahrhundert

5. Die Entwicklung im 19. Jahrhundert

5.1 Die I. Orthographische Konferenz

5.2 Die preußische Schulorthographie

6. Die Entwicklung im 20. Jahrhundert

6.1 Die II. Orthographische Konferenz

6.2 Der Buchdruckerduden

6.3 Der Weg zu den „Wiener Gesprächen“

6.4 Die Rechtschreibreform von 1996

6.5 Die Entwicklung bis heute

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung der deutschen Groß- und Kleinschreibung, um ihre heutige „Sonderstellung“ unter den Alphabetschriften zu erklären und die Ursachen für die Komplexität und den Fortbestand dieser Regelungen zu ergründen.

  • Die Entwicklung der deutschen Orthographie von den Anfängen im Mittelalter bis zur Gegenwart.
  • Der Einfluss technischer und gesellschaftlicher Faktoren, insbesondere des Buchdrucks und der Bibelübersetzungen Martin Luthers.
  • Die Rolle historischer Sprachnormierungen durch Grammatiker wie Gottsched und Adelung.
  • Der Verlauf der Rechtschreibreformen, insbesondere die Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert bis zur Reform von 1996.
  • Die identifikationsstiftende Wirkung der Groß- und Kleinschreibung als Ausdruck kultureller Tradition.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Entwicklung der Groß- und Kleinschreibung im 15. und 16. Jahrhundert

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern aus Metall durch Gutenberg um 1450 stellte eine zusätzliche entscheidende Voraussetzung für die „Verschriftlichung“ des sprachlichen Lebens dar. Erstmals erhielten große Teile der Bevölkerung durch rascher und vor allem günstiger herzustellende Bücher und Schriften Zugang zum geschriebenen Wort. Des Weiteren beginnt mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern aus Metall die Steigerung des Einflusses der Buchdrucker auf die Schreibung (vgl. Scheuringer 1996, S. 17). Mit Beginn des Buchdrucks tauchten auch die ersten Regelwerke zu orthographischen Teilbereichen auf (in erster Linie zur Interpunktion) (vgl. Scheuringer 1996, S. 24). Die Notwendigkeit, die neuhochdeutsche Schriftsprache zu beherrschen um somit die Bibel lesen zu können, förderte gleichzeitig die Auseinandersetzung mit der deutschen Orthographie.

Die Substantivgroßschreibung wurde seit dem 16. Jahrhundert von den Druckern verwendet und damit weder von Grammatikern noch von Schulmeistern eingeführt und durchgesetzt. Diese Durchsetzung lässt sich an zwei Beispielen anschaulich verdeutlichen.

Die Gutenbergbibel von 1455 stand noch am Anfang der Entwicklung der Substantivgroßschreibung (es wurden Eigennamen und der Name Gottes kleingeschrieben). Der „Teuerdank“ dagegen, ein Prachtband aus dem Jahr 1517, weist einen ständisch verteilten Versaliengebrauch auf. Personen ohne ständischen Rang, wurden in dieser Schrift kleingeschrieben, obwohl sie zu den Hauptcharakteren zugeordnet werden können (vgl. hierzu die Schreibweise Künig, Held und Ritter im Gegensatz zu knecht, pawr und schreiber). Die Großschreibung ist in diesem Prachtband ein Mittel zur thematischen und affektiven Auszeichnung von Begriffen (so wurden die Substantive Jagd und Jäger ebenfalls großgeschrieben, da der Kaiser eine persönliche Bindung zu diesen Substantiven hatte) (vgl. Scheuringer 1996, S. 31 f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung nach der historischen Begründung der deutschen Groß- und Kleinschreibung und deren Bedeutung für das Verständnis komplexer Rechtschreibregeln.

2. Die Entwicklung vom 8. bis 14. Jahrhundert: Das Kapitel beschreibt die Anfänge der Schriftkultur im Mittelalter, insbesondere die Entwicklung der Karolingischen Minuskel und deren Funktion zur Kennzeichnung.

3. Die Entwicklung vom 15. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert: Der Abschnitt behandelt den Einfluss des Buchdrucks und der Bibelübersetzung Luthers auf die Herausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache sowie erste Ansätze zur Substantivgroßschreibung.

4. Die Entwicklung vom 17. bis 18. Jahrhundert: Hier wird die Normierung der Orthographie durch Grammatiker wie Freyer, Gottsched und Adelung als Beitrag zu einer einheitlichen Schriftsprache dargestellt.

5. Die Entwicklung im 19. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert die Diskussionen zwischen historischer und phonetischer Reformrichtung sowie das Scheitern der I. Orthographischen Konferenz.

6. Die Entwicklung im 20. Jahrhundert: Hier werden die Rolle des Buchdruckerdudens, der Weg zu den Wiener Gesprächen und die Hintergründe der Rechtschreibreform von 1996 detailliert beleuchtet.

7. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont die identifikationsstiftende Rolle der Groß- und Kleinschreibung.

Schlüsselwörter

Großschreibung, Kleinschreibung, Orthographie, Rechtschreibreform, Sprachgeschichte, Buchdruck, Martin Luther, Substantivgroßschreibung, Schriftsprache, Normierung, Karolingische Minuskel, Wiener Gespräche, Deutsche Rechtschreibung, Sprachkultur, Regelwerk.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und Entwicklung der deutschen Groß- und Kleinschreibung sowie die Gründe für ihre Sonderstellung und ihren Fortbestand bis heute.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der deutschen Schriftsprache von den Anfängen im Mittelalter, der Einfluss des Buchdrucks und Luthers Bibelübersetzung, die Normierungsbemühungen des 18. Jahrhunderts und die verschiedenen Phasen der Rechtschreibreformen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die geschichtlichen Hintergründe aufzuzeigen, die zur aktuellen Regelung der Groß- und Kleinschreibung führten, um diese für zukünftige Lehrkräfte verständlich und vermittelbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse der sprachwissenschaftlichen Literatur und der Untersuchung der Entwicklung von Schreibtraditionen anhand von historischen Textbeispielen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch die Epochen der deutschen Rechtschreibung, angefangen bei den Klöstern über die Ära des Buchdrucks und die Bemühungen von Sprachgesellschaften und Grammatikern bis hin zur modernen Rechtschreibreform.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orthographie, Großschreibung, Sprachgeschichte, Normierung, Buchdruck und Rechtschreibreform charakterisiert.

Welchen Einfluss hatte der Buchdruck konkret auf die Großschreibung?

Der Buchdrucker-Usus, insbesondere in den Lutherbibeln, trug maßgeblich zur Verbreitung und Verfestigung der Substantivgroßschreibung bei, obwohl diese anfangs nicht durch feststehende grammatische Regeln definiert war.

Warum konnte sich die Forderung nach gemäßigter Kleinschreibung bisher nicht durchsetzen?

Der Autor argumentiert, dass die Groß- und Kleinschreibung für viele Menschen einen eigenen Wert besitzt und als identifikationsstiftendes Element der deutschen Kultur wahrgenommen wird, was Reformbestrebungen oft erschwert hat.

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Details

Titel
Geschichte der deutschen Orthographie am Beispiel der Klein- und Großschreibung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1
Autor
Dorothee Schaible (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
31
Katalognummer
V176172
ISBN (eBook)
9783640975242
ISBN (Buch)
9783640974870
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orthographie Groß- und Kleinschreibung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dorothee Schaible (Autor:in), 2011, Geschichte der deutschen Orthographie am Beispiel der Klein- und Großschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176172
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Leseprobe aus  31  Seiten
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