Kohäsion und Leistung im Sport


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung:
1.1 Was ist Kohäsion

2. Wie hängen Kohäsion und Leistung zusammen?
2.1 Heuristisches Modell (1998)
2.2 Gruppenzusammensetzung
2.3 Gruppenkontext
2.4 Gruppenstruktur
2.5 Kritik
2.6 Kommunikation
2.7 Konvergenz
2.8 Soziales Faulenzen

3. Ergebnisse

4. Praxis

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

Eine Mannschaft aus hochbezahlten Stars verliert gegen eine Überraschungsmannschaft ohne herausragende Spieler - eine der gängigen Erklärungen ist oft der mangelnde Zusammenhalt. Die Vermutung, dass der Gruppenzusammenhalt, der in der Sozialpsychologie mit dem Begriff Kohäsion untersucht wird, sich durch Kommunikation, Akzeptanz, Hilfsbereitschaft und andere Gruppenprozesse auf die Leistung einer Gruppe auswirkt, liegt nahe. Von Trainern sind Aussagen wie „elf Freunde müsst ihr sein“ und „der Star ist die Mannschaft“ bekannt, aus den leistungsorientierten Spitzenklassen des Sports wie aus Managerkreisen hört man immer wieder von Teambildenden Maßnahmen. Was ist dran, wie lässt sich der Zusammenhang untersuchen, welche Erkenntnisse gibt es bereits? Die Fragestellung bezieht sich hier natürlich auf den Sport, Vergleiche mit anderen Bereichen werden nur am Rande vorkommen. Es sei jedoch vorweggenommen, dass Gruppen im Sport oft deutlichere Zusammenhänge zwischen Kohäsion und Leistung zeigen als anderswo, insofern ist der Sport für dieses Thema anscheinend ein geeignetes Beobachtungsfeld.

1.1 Was ist Kohäsion?

Das Wort stammt aus dem lateinischen cohaerere, cohaesio und bedeutet zusammenhängen, Zusammenhang. In mehreren Wissenschaften wird es verschieden benutzt, z.B. in der Physik und Chemie für die Zusammenhangskräfte zwischen den Atomen bzw. Molekülen eines Stoffes, in der Biologie ein Phänomen, welches für die Abgrenzung von Spezies zu anderen Spezies und deren inneren Zusammenhalt verantwortlich ist. Für den Sport interessiert uns die Kohäsion aus der Sozialpsychologie, ein Phänomen des Zusammenhalts von Gruppen. Einer der ersten, die Kohäsion direkt im Sport untersuchten war Albert V. Carron. Seine Definition von Kohäsion als „a dynamic process which is reflected in the tendency for a group to stick together and remain united in the pursuit of its goals and objectives“ (1982, S. 124) greift bereits den veränderlichen Charakter auf. Auffallend ist aber der Zusatz der Orientierung auf Gruppenziele hin - wie er dazu kam wird sich im folgenden noch zeigen. Weil sich mit zunehmendem Interesse an sozialpsychologischer Kohäsion und zunehmenden Definitionen ihre Mehrdimensionalität verdeutlicht, soll hier die so treffende wie weitfassende Definition aus dem Jahr 1950 von Festinger et al. den Anfang machen: „...the total field of forces which act on members to remain in the group...“ (nach SCHLICHT, STRAUß 2003, S. 80).

Wie Kohäsion entsteht und wie sie sich auf Leistung auswirkt soll im Folgenden anhand einiger Kohäsionsfaktoren und an für Gruppen leistungsrelevanten Vorgängen, in denen sie wiederum einen Faktor ausmacht, gezeigt werden. Selbstverständlich ist das Suchen und Aufzählen von Kohäsionsfaktoren nie abschließend möglich. Nach neueren Ansätzen der Kohäsionsforschung (vgl. CARRON 1998) wird Kohäsion wesentlich von zwei Dimensionen bestimmt: Vom Zusammenhalt der einzelnen Gruppenmitglieder vor dem Hintergrund der Teamaufgabe und dem persönlichen sozialen Bedürfnisse jedes einzelnen Mitglieds des Teams. Wie oben bereits angedeutet ist der Gruppenzusammenhalt in jeder Gruppe verschieden bedingt und meist dynamisch. Sogar bei Gruppen mit gleicher Struktur oder Aufgabe können der interpersonelle und der aufgabenorientierte Zusammenhalt verschieden verteilt sein. Die zweckorientierten Gründe einer Gruppenbildung unterscheiden sich ebenso: Sportgruppen, Arbeitsgruppen und sogar reine soziale Gruppen (z.B. um andere Menschen kennen zu lernen oder Zugehörigkeit zu entwickeln). Schließlich hat Kohäsion auch eine affektive und zeitliche Dimension. Zum einen sind da die verschiedenen Phasen im Verhältnis Subjekt-Gruppe und auch in der Gesamtgruppe können soziale Beziehungen innerhalb einer Gruppe von Anfang an da sein oder sich dort erst entwickeln. Im Groben wird Kohäsion in zwei Dimensionen unterteilt: In die Aufgabenorientierte und in die Beziehungsorientierte. Diese Frageorientierungen werden je weiter unterschieden für die Gruppe als ganzes und für das Individuum in der Gruppe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1: Strukturierung der Untersuchung von Kohäsion (vgl. Copper, Mullen, 1994, S. 212)

2. Wie hängen Kohäsion und Leistung zusammen?

Zunächst könnte man annehmen, dass ein starker Zusammenhalt z.B. auch eine zusätzliche Motivation liefert, Kooperation erhöht und vielleicht Schwachstellen im Team auszugleichen in der Lage ist, kurzum einfach immer leistungsfördernd ist, wenn nicht sogar eine Leistungs-vorraussetzung. Man kann sich andersherum vorstellen, dass z.B. die Vorgänge bei einem Teambuilding-Seminar (Fallenlassen in Gruppe, gemeinsames Erleben, erfolgreiches Lösen von Gruppen-aufgaben) mit ihrem gemeinsamen Erleben von Erfolg das Bestehen einer Gruppe suggerieren oder dass der gemeinsame Erfolg erst die Attraktivität der Gruppe und deren Zusammenhalt ausmacht. Und ist Kohäsion überhaupt immer leistungsförderlich oder steht der Leistungsfaktor Kohäsion dem Faktor Konkurrenz gegenüber, kann ein individualistisches Team besser sein als ein teamorientiertes, und wenn, nach welchen Prinzipien stelle ich z.B. meine Mannschaft auf? Oder sind die direkten Gruppenprozesse wie Kommunikation, Kooperation und Konkurrenz unter Umständen gar unabhängig von Kohäsion?

Die Messung von Kohäsion geschieht meist über verschiedene Fragebögen („Sport Cohesiveness Questionaire“ (SCQ) 1972 von MARTENS, LANDERS u. LOY. “Kohäsionsfragebogen Sport“ (KFS) 1999 von SCHMIDT, HENKIES und FISCHER - diese beschränken sich aber überwiegend auf die interpersonelle Attraktivität der Gruppenmitglieder und die Attraktivität der Mannschaft. „Multidimensional Sport Cohesion Instrument“ (MSCI) 1984 von YUKELSON, WEINBERG u. JACKSON, ebenso wie der bis heute viel genutzte „Group Environment Questionaire“ (GEQ) 1985 von CARRON, WIDMEYER u. BRAWLEY unterteilen weiter in den vier oben erwähnten Dimensionen). Mannschaftsleistungen werden meist in Anzahl gewonnener Spiele gemessen. Übergeordnete Zusammenhänge im Bereich des Sports fassten 1994 COPPER/MULLEN (s. S 12) und 2002 CARRON, COLMAN, WHEELER und STEVENS (s. S. 12) in Metastudien zusammen, kamen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Auf die Ergebnisse dieser Studien wird im Weiteren noch eingegangen. Zunächst soll zur Vereinfachung und Veranschaulichung im nächsten Abschnitt ein Modell vorgestellt werden, das Bedingungen von Kohäsion und ihren Zusammenhang zur Gruppenleistung beinhaltet.

2.1 Heuristisches Modell (1998)

Dass der Begriff „Gruppe“ dynamisch zu verstehen ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, auf welche Weise eine Gruppe auf das dazugehörige Individuum wirkt und inwiefern die Individuen die Gruppe gestalten. Gruppen spielen quantitativ und qualitativ im Leben eines jeden Menschen eine große Rolle. Jeder Mensch gehört im Laufe seines Lebens vielen unterschiedlichen Gruppen an. Mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit können sich die Bedürfnisse des Individuums wandeln. Vorher interessante Gruppen können dann uninteressant werden und zu einem Verlassen der einen Gruppe und dem Beitritt zu einer anderen Gruppe führen. Gruppen beeinflussen die dazugehörigen Individuen in ihren Verhaltensweisen und Ansichten. Ebenso beeinflussen die Individuen die Gruppe als ganzes. Die Höhe der Kohäsion kann hier die Intensität dieser Wechselbeziehung beeinflussen. In dem folgenden Modell von CARRON und HAUSENBLAS geht es um die Erforschung sozialer Prozesse speziell in Sportgruppen. Sportgruppen definieren sich zum Beispiel durch gemeinsame Gruppenziele. Die Mitglieder teilen dadurch eine gewisse Identität und das gleiche Schicksal. Gruppen verfügen über typische Interaktions- und Kommunikationsmuster. Es kennzeichnet sie also eine spezielle Gruppenstruktur, die auch durch die jeweiligen sportartspezifischen Regeln determiniert wird. Wenn die Sportpsychologie hier von Gruppenforschung spricht, geht es ins Besondere um die Mannschaftsleistung und die dafür verantwortlichen Variablen im Zusammenhang mit der Gruppenkohäsion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Das heuristische Modell (Alfermann, Strau ß , 2001, S. 82)

Das heuristische Modell stellt Variablen dar, die zum einen eine Gruppe generieren, Kohäsion herbeiführen und zum anderen die Ergebnisse dieser Gruppenkohäsion aufzeigen. Die Folgenden Punkte beschreiben einige der wichtigsten dieser Variablen.

2.2 Gruppenzusammensetzung

Die Gruppenzusammensetzung beschäftigt sich mit dem Individuum und dem Gruppenbild. Möchte ein Individuum einer Gruppe beitreten stellt es sich die Frage, inwiefern die Gruppe seinen Ansprüchen gerecht wird und wie hoch die eigenen Fähigkeiten sind. Welche Ziele habe Ich und stimmen diese Ziele mit den Gruppenzielen überein? Wie hoch sind die Anforderungen an mich? Kann Ich ihnen gerecht werden? Sind die Antworten zum größten Teil positiv, dann sind die Gruppenmerkmale und die eigenen Merkmale deckungsstark und dem Beitritt der Gruppe steht wenig im Wege. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dann nicht richtig in die Gruppe aufgenommen wird bleibt bestehen, das hätte jedoch dann eher interpersonale Gründe.

Variablen wie Geschlecht, Alter und Motivation beeinflussen die Gruppenkohäsion ebenfalls. Sind die Altersunterschiede zum Beispiel zu groß, können die individuellen Bedürfnisse und Ziele stark voneinander abweichen und die Gruppenkohäsion negativ beeinflussen. Werden Verantwortungsbereiche innerhalb der Gruppe nach Alter oder nach Kompetenz vergeben? Wie findet man dann eine gruppeninterne allgemeingültige Norm, mit der alle zufrieden sind? Um solche Fragen nicht zu Problemen heranwachsen zu lassen, ist es nötig, dass innerhalb der Gruppe die Gruppenziele immer wieder neu gesichert werden. Dem Trainer obliegt es, aus der Vielfalt der Individuen einer Gruppe eine Mannschaftsaufstellung zusammenzusetzen, die möglichst sicher einen Erfolg einholt. Er kombiniert die Mitglieder nach ihrer Kompatibilität und den Anforderungen und Zielvorstellungen der Gruppe entsprechend.

Eine Rudermannschaft würde demzufolge summativ zusammengesetzt werden. Homogene Fähigkeiten erbringen hier die höchste Mannschaftsleistung und die Erfolgswahrscheinlichkeit ist höher, als wenn eine heterogene Mannschaft den Wettkampf bestreiten würde. Die Mitglieder stellen eine Einheit auf dem gleichen Fertigkeits- und Fähigkeitsniveau dar, was zu einer höheren Gruppenkohäsion beitragen kann, wenn es zum Erfolg kommt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kohäsion und Leistung im Sport
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Aktuelle Probleme der Sportpsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V176187
ISBN (eBook)
9783640972135
ISBN (Buch)
9783640973118
Dateigröße
1516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kohäsion, Leistung, Sport, Psychologie, Gruppenzusammensetzung, Gruppe, Gruppen, Zusammensetzung, Kontext, Soziales Faulenzen, Social Loafing, Kommunikation, Konvergenz, Struktur
Arbeit zitieren
Wanja von der Felsen (Autor), 2009, Kohäsion und Leistung im Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176187

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