"Der Richter und sein Henker" - Überlegung zum Einsatz im Schulunterricht


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 1,75


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegung zum Einsatz des Romans im Deutschunterricht

3. Die Handlung des Buches „Der Richter und sein Henker“

4. Friedrich Dürrenmatt und Genre Krimi
4.1. Der Autor und das Buch
4.2. Dürrenmatt als Schriftsteller im Buch

5. Das Genre „Krimi“
5.1. Historische und klassifikatorische Gattungstheorie
5.2. Erwartungshorizonte von Lesertypen

6. Didaktische Aspekte
6.1. Didaktische Relevanz
6.2. Historisch – chronologische Reihe
6.3. Thematisch und formale Reihe
6.4. Graduelle Reihe

7. Methodischen Aspekte
7.1. Analytische Ebene
7.2. Handlungsorientiertes arbeiten
7.3. Textproduktivität
7.4. Medien

8. Der Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Lehrer in der Sekundärstufe, egal in welcher Schulart man tätig ist, steht man oft vor dem Problem wie man seine Schüler im Deutschunterricht für ein Buch begeistern kann. Ein großer Literaturkanon steht dabei dem Lehrer zur Auswahl. Jedoch das richtige Buch für die Klasse und seine Schüler zu finden, stellt sich manchmal schwieriger dar, als man es zu Beginn erwartet hatte. Nach welchen Aspekten geht man denn vor, als Lehrer, um das richtige Buch auszusuchen. Als erstes sicherlich die Jahrgangsstufe der Klasse. Handelt es sich um ein klassisches Werk, welches den Kindern in der Schule unbedingt näher gebracht werden muss? Um welches Genre des Buches handelt es sich, kann dieses der Leseförderung und der Lesebegeisterung der Schüler beitragen? Ist der Schriftsteller den Schülern geläufig und bekannt? Wird das Buch sowohl Schüler als auch Schülerinnen in der Klasse ansprechen können?

Alle diese Fragen stellten sich mir selber bei der Suche nach einem geeigneten Buch, welches ich im Seminar vorstellen und in der Hausarbeit untersuchen wollte. Wenn man sich als Deutschlehrer dazu entschieden hat, dass ein oberstes Ziel des Deutschunterrichts sein muss, den Schülern die Freude und die Lust am Umgang mit Literatur empfinden zu lassen, müssen nach meinen Überlegungen zwei Entscheidungen getroffen werden. Zum einen muss man sich Gedanken über die literarische Gattung machen, mit der man Schüler am ehesten erreichen kann, und zum anderen sollte man bei der Auswahl nicht allein auf den Text, sondern ebenso auf die Situation der Schüler und auf den thematischen Zusammenhang achten, da Lesen von den Erfahrungen, Erwartungen und Einstellungen des Lesers und der Lesesituation ebenso abhängt wie von den Konstituenten des Textes.

Letztendlich habe ich mich für das Buch „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt entschieden. Ein Klassiker aus dem deutschen Literaturkanon. Dieses selber begegnete mir zweimal in meiner schulischen Laufbahn. In der sechsten Klasse wurde ich in Deutschland eingeschult und in der achten Klasse habe ich „Der Richter und sein Henker“ zum ersten Mal gelesen. Trotz meines Imigrationshintergrundes und der damaligen nicht fortgeschrittenen deutschen Sprache, habe ich dieses Buch mit Begeisterung gelesen. In der Realschule wurde es zum Hauptbestandteil meiner Abschlussprüfung.

Auf den nächsten Seiten sollte dargestellt werden mit welcher Vorüberlegung man den Roman im Deutschunterricht einsetzten kann. Der Autor selber soll vorgestellt werden und seine Rolle mit und in dem Buch. Dann sollte dargestellt werden wie die Handlung im „Der Richter und sein Henker“ aufgebaut ist, welchem Genre das Buch zuspricht. Auch sollten didaktische und methodische Vorgänge bei der Arbeit mit dem Buch erläutert und aufgezeigt werden.

Daraus ergibt sich natürlich die Frage ob das Buch „Der Richter und sein Henker“ in der Schule eingesetzt werden sollte und ob es der Leseförderung in der Schule dient.

Dazu soll auch Stellung genommen werden.

2. Vorüberlegung zum Einsatz des Romans im Deutschunterricht

„„Der Richter und sein Henker“ erschien erstmals 1950 als Fortsetzungsgeschichte in der Zeitschrift „Schweizerischer Beobachter“. Dürrenmatts Kriminalromans gilt als ein Werk, das von Friedrich Glausers „Wachtmeister Studer“ (1935) beeinflusst wurde. Dabei orientiert sich Dürrenmatt im „Richter“ – Roman und auch in der Fortsetzung mit Kommissär Bärlach („Der Verdacht“, 1951) zwar an gängigen Schemata des Kriminalromans, weist aber mit Elementen der Groteske und den Leitmotiven Gerechtigkeit und Zufall über Typisches der Gattung hinaus.“[1]

Den Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 10 sollte durch das arbeiten mit dem Buch „Der Richter und sein Henker“ das Verstehen eines komplexeren epischen Textes ermöglicht werden. Wege sollen den Schülern aufgezeigt werden die Wirkungsweisen des Textes selbst zu ermitteln. Dazu sollen Handlungsstruktur, Personenkonstellation und die Lenkung des Lesers über nur Angedeutetes bzw. Ausgelassenes untersucht werden.

„Dürrenmatts Intention, der über seinen „Richter“ sagte, „der ganze Roman ist eigentlich der Endkampf zweier Menschen“ […], entspricht die Auseinandersetzung mit der Lebenswette seiner Protagonisten Bärlach und Gastmann.“[2] Mit Bärlach für eine Komplexe Detektivfigur sowie mit dem Grotesken als Merkmal des Romans werden sowohl ein Erschließen des literarischen Textes als auch der Erwerb einer sprachlichen Begrifflichkeit geleistet. Der Einsatz der Verfilmung soll das Methodenrepertoire zur Untersuchung eines medial vermittelten Erzähltextes sichern bzw. erweitern und die Möglichkeit schaffen, die spezifische Leistung einer Literaturverfilmung in Kontrast zur Vorlage zu erkennen. Dürrenmatts Roman erscheint besonderst geeignet Lehrplananforderungen im Bereich des Umgangs mit Texten gerecht zu werden, weil darin differenzierter als in vielen der in dieser Altersstufe gelesenen Jugendbücher menschliche Abgründe dargestellt sind sowie Fragen nach Gerechtigkeit und Ethik des Handelns aufgeworfen werden. Zugleich ist die Lektüre für viele Schüler vermutlich die erste Begegnung mit Literatur, die allgemein als „anspruchsvoll“ angesehen wird und den modernen Klassikern zuzurechnen ist. Da es sich aber zugleich um einen Kriminalroman handelt ist Dürrenmatts Werk für Jugendliche, aus ihrer häufig stärker von Medien wie dem Fernsehen geprägten Erfahrungswelt, über das Genre leichter zugänglich und mit mehr Anknüpfungspunkten verbunden, als dies etwa beim Griff zu klassischen Novellen der Fall wäre. Das Anknüpfen an ein gängiges Format wie den „Krimi“ auch wenn eher TV – als Leseerfahrungen unterstellt werden können, ermöglicht immerhin eine Erfahrung mit einer vielschichtigen Lektüre.

Schüler sollen mit dem Produktionsorientiertem Schreiben an Perspektivenwechsel hingeführt werden. In Anlehnung an die literarische Vorlage sollen eigene Texte sinnvoll verfasst werden. Alle diese Vorüberlegungen sollten nicht nur bei der Wahl dieses Buches berücksichtigt werden, sondern der Lehrer sollte generell vor einer Buchwahl sich an bestimmten Kriterien sich orientieren und diese als Hilfestellung bei seiner Wahl befolgen.[3]

3. Die Handlung des Buches „Der Richter und sein Henker“

„Der Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen, deren Verbindung sich dem Leser erst im Verlauf der Handlung offenbart, in letzter Konsequenz sogar erst im Schlusskapitel. Auf den ersten Blick geht es um die Aufklärung eines Mordes, doch das gesamte Geschehen entpuppt sich schließlich als uralte „Abrechnung“ zweier Wett – Kontrahenten, in der eine höchst zweifelhafte Form von Selbstjustiz geübt wird.“[4]

Das Romangeschehen, dass sich in der Umgebung des Bielers Sees in der Schweiz abspielt, setzt im Jahr 1948 ein. Der Polizeileutnant der Stadt Bern, Ulrich Schmied wird tot in seinem Wagen aufgefunden. Mit der Lösung des Mordfalls wird Kommissär Bärlach betraut. Aufgrund einer Erkrankung erbittet er die Unterstützung seines Kollegen Tschanz. Ihre Nachforschungen ergeben, dass sich Schmied mehrfach mit dem erfolgreichen Geschäftsmann Gastmann in dessen Haus getroffen hat. Als Bärlach und Tschanz Gastmann einen Besuch abstatten wollen, kommt es zu einem Gespräch mit seinem Anwalt, Nationalrat von Schwendi, dessen Äußerungen die beiden Ermittler kaum weiterbringen. Von Schwendi sucht am nächsten Tag Bärlachs Vorgesetzten auf, Dr. Lutz, und besteht darauf dass die Ermittlungen gegenüber Gastmann eingestellt werden.

Nach der Beerdigung von Schmied kehrt Bärlach in seine Wohnung zurück, wo ihn bereits Gastmann erwartet. Erst hier erfährt der Leser, dass sich die beiden Männer bereits vor vierzig Jahren kennen gelernt haben. Ihr beider Schicksal ist durch eine menschenverachtende Wette miteinander verbunden. Seit dieser Wette verübte Gastmann unter ständig wechselnden Identitäten immer gewagtere Verbrechen, während Bärlach verbissen versucht, ihm diese, bisher erfolglos, nachzuweisen.

Tschanz`s Ermittlungen konzentrieren sich gegen Gastmann, Bärlach hingegen weist diese immer wieder zurück. Dem Leser erscheint dies verständlich da es zu einer Aussprache zwischen Lutz und Bärlach kommt, in derer die brisante Rolle Gastmanns erläutert wird.

Nachdem Bärlach eines Nachts fast einem gefährlichen Attentat in seiner Wohnung zum Opfer gefallen wäre, kommt es zu einem letzten Zusammentreffen zwischen Gastmann und Bärlach. Der Kommissar deutet hier seinem Kontrahenten gegenüber den Plan an, den er die ganze Zeit über verfolgt hat. Er will Gastmann des Mordes an Schmied überführen, wohl wissend, dass jener daran nicht schuldig ist. Diese Überführung soll stellvertretend für all die Verbrechen stehen, die Gastmann nicht nachgewiesen werden konnten. Der Kommissar selber bezeichnet sich als „Richter“ und kündigt Gastmann einen „Henker“ an.

Tatsächlich macht sich Tschanz am nächsten Tag auf den Weg zu Gastmanns Villa und erschießt diesen und dessen Diener. Damit scheint der Fall Schmied abgeschlossen zu sein.

Die große Wendung nimmt das Geschehen jedoch im letzten Kapitel. Der todkranke Bärlach lädt Tschanz zu sich nach Hause, wo es zu einer grotesk anmutenden „Henkersmahlzeit“ kommt. Hier erst wird Tschanz zusammen mit dem Leser offenbart, dass es sich um ein von Bärlach geschickt eingefädeltes Spiel gehandelt hat. Ulrich Schmied war von Bärlach auf Gastmann und dessen Verbrechen eingesetzt worden, um doch noch den todkranken Bärlach zum Gewinner der Wette werden zu lassen. Tschanz durchkreuzte die Pläne Bärlachs, da er selber Schmied aus Eifersucht und Neid ermordete. Für diese Tat benötigte Tschanz dringend einen Sündenbock und versuchte daher mit aller Macht Gastmann als Täter zu überführen. Diese Absichten machte sich Bärlach zu Eigen, der die ganze Zeit vom Tschan`s Verbrechen wusste. Er drängte den Kollegen so in die Enge, dass diesem keine andere Wahl blieb als Gastmann zu erschießen, wollte er selber nicht in den Verdacht geraten. Bärlach der „Richter“ will Tschanz nicht anklagen und richten, sondern schickt ihn weg. Dieser begeht jedoch Selbstmord, während sich Bärlach nun einer gefährlichen Operation unterzieht, um sein Leben noch ein wenig verlängern zu können.[5]

4. Friedrich Dürrenmatt und Genre Krimi

4.1. Der Autor und das Buch

„Mit dem Namen Friedrich Dürrenmatt verbindet man sicherlich zuerst den erfolgreichen Dramatiker, dessen Bühnenwerke „Der Besuch der alten Dame“, oder „Die Physiker“ die Bühnen der Welt erobert und das Publikum begeistert haben. Friedrich Dürrenmatt ist aber auch ein erfolgreicher Kriminalschriftsteller, den seine Kriminalromane, besonderst „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“, sind in Millionen von Exemplaren verkauft, in vielen Sprachen übersetzt worden und gehören seit Jahren auch schon zum Kanon der Schullektüren.

Nach einer Phase der Nicht – Beachtung und Skepsis, im ersten Jahrzehnt nach dem Erscheinen der beiden Romane, hat auch die Literaturwissenschaft die beiden Kriminalromane zum Gegenstand der ausführlicher Betrachtungen gemacht. Beide Romane gelten als Beispiele dafür, wie das Genre „Krimi“ aufgenommen und zugleich weitergeführt, parodiert und als Spielmaterial benutzt werden kann.“[6]

[...]


[1] Kottkamp, Martin/Staude, Astrid. Unterrichtsmodel, Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Hrsg: Diekhans, Johannes. Paderborn: Schöningh Verlag 2002. S.11

[2] Kottkamp, Martin/Staude, Astrid. Unterrichtsmodel, Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Hrsg: Diekhans, Johannes. Paderborn: Schöningh Verlag 2002. S.11

[3] Vgl. Kottkamp, Martin/Staude, Astrid. Unterrichtsmodel, Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Hrsg: Diekhans, Johannes. Paderorn: Schöningh Verlag 2002. S.11

[4] Kottkamp, Martin/Staude, Astrid. Unterrichtsmodel, Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Hrsg: Diekhans, Johannes. Paderborn: Schöningh Verlag 2002. S.9

[5] Vgl. Kottkamp, Martin/Staude, Astrid. Unterrichtsmodel, Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Hrsg: Diekhans, Johannes. Paderborn: Schöningh Verlag 2002. S.9 - 10

[6] Matzkowski, Bernd. Interpretation zu Friedrich Dürrenmatt. Der Richter und sein Henker. 6.Aufl.;Hollfeld: Bange Verlag 2009. S. 5

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Der Richter und sein Henker" - Überlegung zum Einsatz im Schulunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Fakultät III)
Veranstaltung
Das letzte Buch-Leseförderung in einer Mediengesellschaft
Note
1,75
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V176209
ISBN (eBook)
9783640973712
ISBN (Buch)
9783640973408
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich Dürrenmatt Henker Unterricht
Arbeit zitieren
Haris Imamovic (Autor), 2010, "Der Richter und sein Henker" - Überlegung zum Einsatz im Schulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176209

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