Eine einheitliche Terminologie oder gar ein einheitliches Konzept für ein „Strategisches Personalmanagement“ hat sich bis heute nicht in Literatur und Wissenschaft durchsetzen können. Trotz einer Vielzahl von Veröffentlichungen zu diesem Thema lässt sich der wissenschaftliche Stand des strategischen Personalmanagement (SPM) auch heute noch als multiparadigmatisch bezeichnen. Obgleich von führenden Personalwissenschaftlern schon immer eine strategische Ausrichtung des Personalmanagement propagiert worden ist, hat sich dies in der Praxis kaum durchgesetzt. Die veröffentlichten Konzeptionen zur Realisierung von Strategien im Personalmanagement fanden in der wirtschaftlichen Praxis kaum Beachtung. Dabei wird SPM in der Wissenschaft als Lösung für viele Probleme im Bereich Human Resource Management gehandelt, und bietet in Form von verschiedenen Konzepten Ansätze zur Implementierung und Umsetzung. Der erste Abschnitt dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem allgemeinen Forschungsstand zum strategischen Personalmanagement, wobei die Gründe für eine strategische Ausrichtung des Personalmanagements und deren Ziele, sowie auf die Bindung zur Unternehmensstrategie gesondert eingegangen wird.
Ähnlich wie beim SPM existiert in der Literatur keine übereinstimmende Definition für mittelständische Unternehmen, welche erst seit den späten 70er Jahren in das Interesse der betriebswirtschaftlichen Forschung gerückt ist. Mittelständische Unternehmen werden in der Literatur auch allgemeingültig als „Kleine und mittlere Unternehmern“ KMU bezeichnet. In dieser Arbeit steht KMU synonym für das mittelständische Unternehmen nach Abschnitt 3.2. Aufgrund der vielen Merkmale, die KMU von großen unterscheiden ist eine gesonderte Betrachtung dieser gerechtfertigt. Beispielsweise ist das Personalmanagement in mittelständischen Unternehmen gegenüber seinen großen Konkurrenten durch einen erheblichen Entwicklungsrückstand gekennzeichnet und hat meistens nur auf operativer Ebene Bestand. Die mittelständische Unternehmung, seine Definition und das Wesen des Personalmanagement ist Bestandteil des gesamten zweiten Abschnitts.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Strategisches Personalmanagement
2.1 Begriff und Bedeutung des strategischen Personalmanagement
2.2 Strategisches Personalmanagement und Unternehmensstrategie
2.2.1 Bildung der Unternehmensstrategie
2.2.2 Ebenen der Unternehmensstrategie
2.2.3 Einbindung des SPM in die Unternehmensstrategie
2.3 Gründe für die strategische Ausrichtung des Personalmanagements
2.4 Ziele des strategischen Personalmanagements
2.5 Strategisches Personalmanagement in der Realität
3. Mittelständische Unternehmen
3.1 Qualitative Merkmale
3.2 Quantitative Merkmale
3.3 Besondere Stellung des Unternehmers
3.4 Personalmanagement in mittelständischen Unternehmen
3.4.1 Eigenschaften des Personalmanagement in KMU
3.4.2 SPM in mittelständischen Unternehmen
4. INSEAD Ansatz
4.1 Rahmenbedingungen
4.2 Zielbezug und Organisationskulturen
4.3 Integration in globalen Unternehmen
4.4 Der INSEAD Ansatz im KMU
5. Michigan Ansatz
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Strategische Funktionsbereiche des SPM
5.3 Aufgabensynthese des Michigan Ansatzes
5.4 Übertragung auf KMU
6. Stuttgarter Ansatz
6.1 Rahmenbedingungen
6.2 Ergebnisse der Studie
6.3 Einfußfaktoren der Personalstrategiewahl
6.4 Übertragung auf KMU
7. Saarbrücker Ansatz
7.1 Rahmenbedingungen
7.2 Bausteine des SPM
7.3 Objekte und Rollenverteilung
7.4 Übertragung auf KMU
8. Kritische Würdigung
8.1 Allgemeingültige zu beachtende Faktoren
8.2 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung und Übertragbarkeit verschiedener Konzepte des strategischen Personalmanagements (SPM) auf mittelständische Unternehmen. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei, wie strategische Ausrichtungen in KMU implementiert werden können, um trotz struktureller Besonderheiten und begrenzerer Ressourcen Wettbewerbsvorteile durch Personalstrategien zu generieren.
- Analyse und Vergleich führender SPM-Konzepte (INSEAD, Michigan, Stuttgarter, Saarbrücker Ansatz)
- Charakterisierung mittelständischer Unternehmen als spezifisches Umfeld für Personalmanagement
- Identifikation der Rolle des Unternehmers und der Personalabteilung in KMU
- Erörterung der Erfolgskriterien und Hürden bei der Implementierung von Personalstrategien
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Eigenschaften des Personalmanagement in KMU
Mittelständische Unternehmen haben im vielen Bereichen gegenüber Großunternehmen in ihrem Personalmanagement weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Aufgrund der allgemein stärkren Finanzkraft haben große Unternehmen einen größeren Spielraum bei der Entgeldfindung und durch die hohen Hierarchieebenen besser Aufstiegsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter. So kommt nach der Studie von Ackermann und Blumenstock der Arbeitsmarktattraktivität, besonders auf dem Bereich der Fach und Führungskräfte eine problemhafte Bedeutung zu. Die mangelnde Institutionalisierung des Personalwesens ist ein weiterer elementarer Nachteil der Personalmanagement in KMU. Ackermann und Blumenstock stellten in Ihrer Untersuchung von 1993 fest, das zwar viele Unternehmen ein Personalmanagement besaßen, aber keine Personalabteilung. Sofern es überhaupt einen Personalleiter gibt, ist dieser im mittleren Management angesiedelt und hat aufgrund dessen nur begrenzte Möglichkeiten Personalmanagementinteressen durchzusetzen. Dem entsprechend wird dem Entwicklungspotential der Beschäftigten eine geringere Beachtung geschenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zum strategischen Personalmanagement und die Relevanz einer gesonderten Betrachtung mittelständischer Unternehmen.
2. Strategisches Personalmanagement: Definiert die Grundlagen, Ziele und Zusammenhänge zwischen Unternehmensstrategie und Personalmanagement.
3. Mittelständische Unternehmen: Analysiert die qualitativen und quantitativen Merkmale von KMU sowie die besondere Rolle des Unternehmers.
4. INSEAD Ansatz: Beschreibt den Fokus auf zielbezogene, internationale Ansätze und deren bedingte Anwendbarkeit auf KMU.
5. Michigan Ansatz: Untersucht die funktionsorientierte Strategiebildung und die Bedeutung der Leistungsbeurteilung im Personalzyklus.
6. Stuttgarter Ansatz: Präsentiert empirische Befunde zu Personalstrategietypen und deren Abhängigkeit von Umweltfaktoren.
7. Saarbrücker Ansatz: Führt das dreidimensionale Modell des Personalmanagements ein und betont die Rolle von Personalmarketing und -controlling.
8. Kritische Würdigung: Synthetisiert die Erkenntnisse und gibt allgemeingültige Gestaltungsempfehlungen für die SPM-Konzeption in KMU.
Schlüsselwörter
Strategisches Personalmanagement, SPM, KMU, Personalstrategie, Unternehmensführung, Personalentwicklung, Personalauswahl, Personalmarketing, Leistungsbeurteilung, Organisationskultur, Mittelstand, Strategieimplementierung, Personalcontrolling
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse und Anpassung von Konzepten des strategischen Personalmanagements (SPM) für mittelständische Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definition des SPM, die Besonderheiten des Mittelstandes, den Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Ansätze (INSEAD, Michigan, Stuttgart, Saarbrücken) sowie die praktische Anwendbarkeit dieser Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu formulieren, wie KMU ihre Personalarbeit strategisch ausrichten können, um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es erfolgt eine fundierte Literaturanalyse und der Vergleich verschiedener Managementkonzepte, ergänzt durch die kritische Reflexion empirischer Studien, um diese auf den Kontext mittelständischer Betriebe zu übertragen.
Was umfasst der Hauptteil?
Im Hauptteil werden vier bekannte SPM-Ansätze detailliert vorgestellt, ihre Kernmerkmale analysiert und auf ihre Eignung in mittelständischen Unternehmensstrukturen hin geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Strategisches Personalmanagement (SPM), KMU, Personalstrategie, Unternehmensführung, Leistungsbeurteilung und Organisationskultur.
Warum ist das Thema Nachfolge in KMU für das SPM relevant?
Da viele KMU eigentümergeführt sind, ist die Sicherung der Unternehmenskontinuität eine kritische strategische Aufgabe, bei der das Personalmanagement durch die Vorbereitung von Nachfolgesystemen unterstützen muss.
Welche Herausforderung stellt das Personalcontrolling für KMU dar?
KMU verfügen oft nur über begrenzte Ressourcen; das Personalcontrolling muss daher so gestaltet werden, dass es aussagekräftige Daten liefert, ohne einen unverhältnismäßig hohen administrativen Aufwand zu verursachen.
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- Carsten Schneider (Author), 2002, Planungskonzepte für das strategische Personalmanagement in mittelständischen Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17622