Ist die Existenz eines theistischen Gottes beweisbar?


Essay, 2009

5 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Ist die Existenz eines theistischen Gottes beweisbar?

Die Frage nach der Existenz Gottes wird seit Jahrhunderten gestellt. Und gerade in letzter Zeit gewinnt sie durch den Aufstieg des „neuen Atheismus“ an Aktualität. Der Schirmherr dieser Bewegung, Richard Dawkins, lehnt die Existenz jedes übernatürlichen Wesens ab.[1] Im Gegensatz dazu wollen die meisten Theisten nicht nur die Existenz irgendeines beliebigen Wesens beweisen. Für sie muss Gott bestimmte Eigenschaften, wie z.B. Allmacht, Allgüte und Allweisheit, besitzen. Der Gott, der alle diese Eigenschaften in sich vereinigen kann, ist theistisch. Es geht also in weiten Teilen der Frage nach Gott nicht allein um die Existenz eines übernatürlichen Wesens. Vielmehr geht es um die Existenz eines theistischen Gottes. Aber ist ein Beweis für Gott möglich? Und wenn ja, kann auch bewiesen werden, dass er alle notwendigen Eigenschaften hat? Im Folgenden soll dafür argumentiert werden, dass es nicht geht.

Zunächst muss festgelegt werden, was erfolgreiche Beweise für die Existenz Gottes leisten müssen. Kann eine Schlussfolgerung (wie: „der theistische Gott existiert“) so durch Prämissen gestützt werden, dass sich das Argument als zweifelsfrei schlüssig erweist und sich über jegliche Kritik erhebt? Da es offensichtlich kein voraussetzungsloses Wissen gibt, sind solche Prämissen nur Wunschdenken. Ein Beweis dieser Stärke kann folglich nicht geleistet werden. Jedes Argument ist auf die eine oder andere Weise kritisierbar.

Betrachtet man jedoch etwas schwächere Beweise, wie z.B. die Beweise mathematischer Theoreme, so kann erkennen, dass von sehr offensichtlichen (wenn auch nicht unanfechtbaren) Prämissen ausgegangen wird. Das es in der Mathematik um sehr sicheres Wissen geht, wird kaum jemand bestreiten. Aber die lange Debatte um die Gottesbeweise zeigt, dass die in ihnen enthaltenen Prämissen nicht so offensichtlich und einleuchtend sind wie die der Mathematik. Grund sind Prämissen die sich immer wieder in Gottesbeweisen finden und Aussagen über Komplexität, Zielrichtung und logische oder zeitliche Abfolgen machen. Solche Prämissen müssen abgewägt werden (es müssen Fragen beantwortet werden, wie z.B. ob es keine andere Erklärung für die Komplexität gibt oder ob es nicht auch andere mögliche Abfolgen geben kann). Auch wenn es vernünftiger sein sollte, die einzelne Prämisse für wahr zu halten als ihre Negation, so ist ihre Wahrheit nicht offensichtlich.

In Bezug auf die subjektive Überzeugungskraft sehen sich die Gottesbeweise mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert (auch wenn damit nichts über die Güte der Beweise ausgesagt wird). Es kommt nämlich hinzu, dass die Existenz eines solchen Gottes Konsequenzen für das persönliche Leben nach sich zieht. Menschen lassen sich durch Gottesbeweise im Allgemeinen nicht so überzeugen, dass sie ihr Weltbild und vor allem ihre Lebensführung umkrempeln. Daher müssen die Erfolgsaussichten einen Beweis zu finden, dem jeder zustimmt, aufgrund der genannten Probleme stark herabgesetzt werden. Schließlich lässt sich immer irgendetwas an einem Argument finden, das im Nachhinein kritisiert werden kann, wenn die Schlussfolgerung nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Diese Tendenz hat auch Kelly James Clark beobachtet, während er sich intensiv mit verschiedenen Gottesbeweisen auseinander gesetzt hat. Er bemerkt dazu auf seine ironischen Art:

A suspicion arises: Theistic proofs and Christian evidences support what the Christian [...] wishes, with all her heart, to believe (and vice versa for the nontheist). Lucky (or providential) for her that all of the evidence comes out – forcefully, clear, and unambiguously – on her side. The suspicion ripens: The heart guides, for better or for worse, the assessment of the evidence (on both sides of the debate). (Clark 2000, 365).

Meiner Meinung nach ist das Grund genug anzunehmen, dass es keinen Beweis für die Existenz eines theistischen Gottes geben kann. Zumindest keinen der in seiner Überzeugungskraft z. B. mit dem Beweis eines mathematischen Theorems vergleichbar wäre. Und sollte es doch welche geben, so würden die meisten Menschen sich nicht überzeugen lassen, wenn sie nicht wollen.

Die nächste Schwierigkeit, der sich Gottesbeweise stellen müssen, betrifft die Attribute Gottes. Schließlich soll uns das Argument von der Existenz eines theistischen Gottes überzeugen. Jeder der klassischen Gottesbeweis zielt jedoch nur auf einzelne Eigenschaften Gottes ab. Der kosmologische begründet die Macht Gottes, indem er von der Bewegung in dieser Welt auf einen unbewegten Beweger schließt. Der teleologische zeigt seine Weisheit oder Intelligenz, aufgrund des Eindruckes, dass die Natur und das Leben auf ein Ziel ausgerichtet zu sein scheinen. Andere Beweise begründen andere Eigenschaften. Es reicht nicht, sich auf ein einzelnes Argument zu stützen, wenn man einen theistischen Gott beweisen will. Man würde nur zu einem übernatürlichen Wesen mit einer bestimmten Eigenschaft gelangen. Daher verwenden die meisten heutigen Theisten mehr als ein Argument, von denen jedes ein anderes Attribut zusammen mit der Existenz Gottes nachweist.[2]

[...]


[1] Vgl. Dawkins 2006, 36.

[2] Vgl. Geisler 1999, 283.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Ist die Existenz eines theistischen Gottes beweisbar?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V176220
ISBN (eBook)
9783640975334
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
existenz, gottes
Arbeit zitieren
Jan Hoppe (Autor), 2009, Ist die Existenz eines theistischen Gottes beweisbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176220

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