Hat man durch Macht das Recht auf Durchsetzung von Verboten?

Essay zu Robert Nozick


Essay, 2007

4 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Hat man durch Macht das Recht auf Durchsetzung von Verboten?

Robert Nozick wirft in seinem Buch „Anarchie, Staat, Utopia“ die These auf, dass nur vorherrschende Schutzorganisationen[1] aufgrund ihrer Macht ihre Vorstellung von Recht und Unrecht durchsetzen können, ohne befürchten zu müssen, bestraft zu werden, obwohl jede Person das Recht auf richtiges Handeln und die Abwehr von Rechtsverletzungen hat. Damit behauptet Nozick jedoch nicht, dass durch Macht Recht geschaffen würde, sondern nur, dass durch Macht Verbote durchgesetzt werden können (Nozick, R., 2006, 165).

Es geht hier nicht um grundlegende Aspekte des Naturrechts. Zum Beispiel dürfte niemand, auch kein Mächtiger, einer anderen Person das Atmen verbieten. Es sind nur die Dinge von möglichen Verboten betroffen, die ein Risiko in sich bergen, dass die Rechte anderer verletzt werden könnten (Z.B. könnte ein Verfahren zur Feststellung von Schuld, einen Unschuldigen verurteilen (Nozick, R., 2006,137-139). Aber auch jede andere Handlung, die andere gefährden könnte.).

Aber ist es gerechtfertigt, dass eine bestimmte Organisation, nur weil sie mächtiger als eine einzelne Person oder eine andere Institution ist, entscheiden darf, was verboten und was bestraft werden soll?

Um diese Frage zu untersuchen, müssen wir von einem organisationslosen Zustand (dem Naturzustand) ausgehen, in dem jeder die gleichen Rechte besitzt. Wir können davon ausgehen, dass es konkurrierende Vorstellungen über die Dinge, die verboten und bestraft werden sollen, und über die Verfahren, mit denen ein Unrecht festgestellt werden soll, gibt.

Nehmen wir einmal an, zwei Personen befinden sich in einem solchen Zustand. Beide sind in einer bestimmten Frage (z.B. das Verbot einer risikobehafteten Handlung) aneinander geraten. Es könnte sein, dass beide ein unterschiedliches Verfahren anwenden, um das eigene Recht oder Unrecht und das des anderen zu überprüfen. Und weil jeder von der Richtigkeit seines eigenen Verfahrens überzeugt ist, könnten sie sich nicht einigen, nach welchen Maßstäben der Streit gelöst werden soll. Auch würden sie sich gegen die das Verfahren des anderen wehren, da sie dessen Zuverlässigkeit und Fairness nicht kennen.

Man könnte zwei Fälle unterscheiden: Im ersten wäre eine Personen stärker als die andere. Diese Stärke kann sowohl physisch, als auch intellektuell oder rhetorisch sein und hilft dem der sie besitzt dabei, den anderen zu zwingen, dass das von ihm vertretene Verfahren angewendet wird. Gegebenfalls muss eine Entschädigung[2] geleistet werden. Es könnte aber sein, dass der Starke diese nicht leisten kann oder sie falsch (aus Sicht der unterlegenen Person) bestimmt hat. Wenn nun die Person, deren Verfahren verboten wurde, versuchen würde den Stärkeren dafür zu bestrafen, dass er ein (wiederum aus Sicht der unterlegenen Person) unsicheres Verfahren angewendet und keine ausreichende Entschädigung geleistet hat, dann könnte er aufgrund seiner Stärke die Strafe abwehren. Aber da jeder das Recht hat, andere von der Verletzung von Rechten abzuhalten, könnte andere sich zusammenschließen, somit stärker wären als die vorher stärkere Person, und ihr die Strafe auferlegen. So dass niemand sein Recht ungestraft durchsetzten könnte.[3]

[...]


[1] Schutzvereinigungen werden mit der Aufgabe beauftragt und dafür bezahlt, die Rechte ihrer Klienten zu schützen. Eine vorherrschende Schutzorganisation ist die mit der größten Macht in einem bestimmten Gebiet.

[2] Nach Nozick gilt, dass eine Benachteiligung, die das Verbot einer risikobehafteten Tätigkeit mit sich bringt, ausgeglichen werden muss (Nozick, R., 2006, 120-121).

[3] Das setzt voraus, dass sich genug Personen finden würden, die bereit sind der schwächeren zu helfen.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Hat man durch Macht das Recht auf Durchsetzung von Verboten?
Untertitel
Essay zu Robert Nozick
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
4
Katalognummer
V176221
ISBN (eBook)
9783640972159
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, recht, durchsetzung, verboten, essay, robert, nozick
Arbeit zitieren
Jan Hoppe (Autor), 2007, Hat man durch Macht das Recht auf Durchsetzung von Verboten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176221

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