Cottinghams Analyse von Descartes' trademark-Argument für die Existenz Gottes


Essay, 2009

6 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Cottinghams Analyse von

Descartes' trademark -Argument für die Existenz Gottes

Bei seiner Inventur aller Dinge, von denen er sicher weiß, dass es sie gibt oder sie stimmen, gelangt Descartes auch zu der Überzeugung, dass Gott existiert. Er gibt mehrere Gründe – oder Beweise – an, warum er sich dessen so sicher sein kann. Eines dieser Argumente, der psychologische Beweis,[1] ist auch unter dem Namen trademark- Argument bekannt geworden. Dieses – so sieht es Cotting­ham – taucht in zwei unterschiedlichen Versionen in den Meditationen auf. In diesem Essay sollen die Analysen dieser Argumente von John Cottingham rekonstruiert werden. Dabei sollen die einzelnen Schritte Descartes', so wie Cottingham sie sieht, deutlich werden. Im Anschluss an jede dieser Rekonstruk­tionen soll auch die Diskussion und Bewertung der Argumente von Cottingham, in den wesentlichen Punkten, wiedergegeben werden.

Zusammenfassung des ersten trademark -Arguments

Cottingham bestimmt folgenden Ausgangspunkt: Descartes ist sich, außer dem Bewusstsein, dass er selbst existiert, noch keinerlei Existenz irgendwelcher Dinge sicher. Daher ist ihm auch der traditionelle – und populäre – Weg versperrt, über Ereignisse, die er hier auf dieser Welt beobachten kann, die Exis­tenz Gottes als deren kausale Ursache herzuleiten. Descartes entwickelt dennoch ein kausales Argument, aber alle Effekte die es betrifft befinden sich vollständig im Geist des Meditierenden. Das Argument entwickelt sich laut Cottingham in vier Phasen.[2]

Die erste Phase lautet wie folgt: Descartes findet in sich die Idee eines „höchsten Gott[es] – ewig, unendlich, allwissend, omnipotent und Schöpfer aller Dinge.“[3] Das Vorhandensein dieser Idee hält Cottingham für die erste Prämisse des Arguments.[4]

Die zweite Phase – und Prämisse – ist nach Cottingham, das Prinzip der kausalen Angemessenheit. Zu ihm schreibt Descartes an einer Stelle, „daß in einer bewirkenden und hinreichenden Ursache zumindest ebensoviel enthalten sein muß wie in der Wirkung ebenderselben Ursache.“[5] Für Cottingham sagt dieses Prinzip im Grunde, dass für jedes x mit der Eigenschaft F, die Ursache von x mindestens genausoviel F -heit haben muss wie x selbst.[6] Descartes vertei­digt dieses Prinzip als eine Version des Axioms: Aus Nichts kommt nichts.[7]

Bei der dritten Phase – wiederum eine Prämisse – erklärt Cottingham, dass Descartes zu begründen versucht, warum das Prinzip der kausalen Ange­messenheit auch auf den repräsentativen Inhalt von Ideen angewandt werden muss. Das heißt, dass für jede Idee A gilt: wenn A ein Objekt mit der Eigen­schaft F repräsentiert, dann muss die Ursache von A mindestens genausoviel F -heit besitzen, wie man in der Idee repräsentativ findet.[8]

An dieser Stelle ist es wichtig zu erläutern, wie Cottingham zu dieser Form der dritten Prämisse gelangt. Und zwar versteht er Descartes' Gebrauch von objektiver Realität[9], entgegen dem heutigen Sprachgebrauch, als repräsen­tativen Inhalt einer Idee. Cottingham erläutert das an dem Beispiel des Eiffel­turms:

So if my idea of the Eiffel Tower represents it as having the property of tallness, say, then tallness, which really belongs to the actual tower, will be said to be present ‚objectively‘ or ‚representatively‘ in my idea.[10]

Für Cottingham ist die Bedeutung von „objektiv“ bei Descartes folglich nicht in dem Sinne zu verstehen, wie man heute von „objektiv wahr“ spricht, sondern vielmehr, mit anderen Worten gesagt, die Repräsentation eines Objekts.[11]

Bis zu diesem Punkt wird das Argument von Cottingham wie folgt zusammengefasst: (1) ich habe die Idee eines Gottes mit Eigenschaften der Vollkommenheit; (2) und (3) die Ursache meiner Idee muss in etwas liegen, dass die Eigenschaften wirklich besitzt, die sich nur repräsentativ in meiner Idee befinden.[12]

Nun wird in der vierten Phase das Argument zum Abschluss gebracht. Dabei findet Cottingham noch mehrere Prämissen bei Descartes, bevor er zu der Konklusion kommt. Eine der Prämissen ist die von Descartes erkannte persönli­che Begrenztheit. Er als Individuum ist offensichtlich unvollkommen. Das wird beispielsweise daran deutlich, dass er nicht alles weiß. Daher kann er auch nicht die Ursache der Idee von Gott sein. Genauso wenig kann die Idee von ihm selbst zusammengestellt werden, da es bei der Bildung der einen Idee aus einer anderen zu einem unendlichen Regress kommen würde. Auf Grund dieser beiden zusätzlichen Prämissen, lassen sich die eigene Person und andere Ideen als Ursache der Vorstellung von Gott ausschließen. Daher muss die eigentliche Ursache eine Entität sein, die all die Eigenschaften wirklich besitzt, die sich nur repräsentativ in der Idee befinden. Diese Entität ist daher Gott.[13]

[...]


[1] Vgl. Hügli und Lübcke 2005, 143.

[2] Ganzer Absatz: vgl. Cottingham 1986, 48. Er nennt sie Phasen, da sich in ihnen (wie bei der vierten zu sehen sein wird) nicht nur einzelne Prämissen oder Konklusionen finden.

[3] Descartes 2008, 81.

[4] Vgl. Cottingham 1986, 48-49.

[5] Descartes 2008, 81.

[6] Vgl. Cottingham 1986, 49.

[7] Cottingham schreibt jedoch an anderer Stelle, dass das Descartes nicht ausreicht. Vgl. Cottingham 1993, 165-166.

[8] Ganzer Absatz: vgl. Cottingham, 1986, 49-50.

[9] Beispielsweise: Descartes 2008, 81.

[10] Cottingham 1986, 49.

[11] Ganzer Absatz: vgl. ibid.

[12] Vgl. ibid, 50.

[13] Ganzer Absatz: vgl. ibid.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Cottinghams Analyse von Descartes' trademark-Argument für die Existenz Gottes
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V176232
ISBN (eBook)
9783640972197
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cottinghams, analyse, descartes, existenz, gottes
Arbeit zitieren
Jan Hoppe (Autor), 2009, Cottinghams Analyse von Descartes' trademark-Argument für die Existenz Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176232

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