Descartes' Leib-Seele-Dualismus


Essay, 2009
4 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Descartes' Dualismus

Ob es die Seele gibt, und wenn ja, was ihre Eigenschaften sind, hat Philosophen schon seit Jahrtausenden beschäftigt. Dabei sind viele Ansätze und Theorien entwickelt worden, die die Existenz der Seele entweder beweisen oder leugnen, oder das Verhältnis zwischen dem Leib, der ein physisches Ding ist, und der Seele ausloten. Personen die vertreten, dass Körper und Seele zwei unterschied-lichen Seiensbereichen angehören, sind Dualisten. Im Gegensatz dazu, sind Personen, die die Seele als nicht-physisches Ding verneinen, Physikalisten. In diesem Essay soll kurz eine der bekanntesten Ansichten über die Seele, entwickelt von René Descartes, skizziert und diskutiert werden. Dabei sollen besonders die zweifelhaften Aspekte seiner Ansichten hervorgehoben werden.

René Descartes entwickelte im Laufe seiner philosophischen Über-legungen eine eigenständige Seelentheorie. Er unterscheidet dabei Seele und Körper. Der Grund hierfür ist, dass Menschen sich als existierende denkende Wesen erkennen, gleichzeitig aber an ihrem Körper zweifeln können, nicht aber an ihrer Existenz und ihrem Denken.[1] Daher sind Denken und Bewusstsein notwendige Bedingungen, um einen Menschen wirklich zum Menschen zu machen, da man sich nicht als nicht denkendes Wesen denken kann, ohne zu denken.[2] Zu denken ist also die zentrale Eigenschaft der Seele, die etwas von dem Körper Verschiedenes sein muss. Nach dem Tod lebt die Seele vollständig unabhängig vom Körper weiter, kann also auch ohne ihn existieren.[3] Und da Descartes auch meint, dass die Seele eine unausgedehnte, unteilbare und geistige Substanz ist,[4] ist er Dualist.

Descartes' Argument, dass man nicht an seinem Denken zweifeln kann, geht von der Möglichkeit aus, sich ohne Körper zu denken. Daraus folgert er, dass zu denken eine Eigenschaft der Seele sein muss, die der Körper nicht haben kann. Descartes zeigt damit zumindest, dass es theoretisch möglich ist, dass Seele und Körper unabhängig von einander existieren und sie somit unterschied-lichen Seiensbereichen angehören können. Auf Basis dieses Arguments allein ist es aber nicht vernünftig an einem dualistischen Menschenbild festzuhalten. Denn nur weil man sich vorstellen kann, dass Körper und Seele von einander getrennt werden können, heißt dass noch nicht, dass das in Wirklichkeit auch der Fall ist. Beispielsweise könnte man sich Materie als immer weiter teilbar vorstellen. Dennoch scheint die Physik zu zeigen, dass es Elementarteilchen gibt, die nicht mehr teilbar sind und aus denen alle Gegenstände zusammengesetzt sind. Aus Vorstellung allein, lässt sich noch nicht auf wirkliches Sein schließen.

Ein weiteres Argument Descartes stammt aus der von ihm vorgenommenen Abgrenzung des Menschen von der Tierwelt. Der Körper ist für ihn eine mechanistische Maschine,[5] die man nachbauen könnte, würde man über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Einen solchen Körper teilen sich sowohl Mensch als auch Tier. Dennoch sieht Descartes große Unterschiede in den Fähigkeiten von Menschen und Tieren. Während selbst Taubstumme Menschen ein Zeichensystem entwickeln können, mit dem es ihnen möglich ist sinnvoll zu kommunizieren und selbst Verrückte sich verständlich machen können, bleiben Tieren solche Möglichkeiten verwehrt. Sie verfügen zwar über die entsprechenden Organe, sind aber dennoch nicht fähig, Sprache und Vernunft zu gebrauchen. Daher muss es einen nicht-körperlichen Unterschied zwischen Tieren und Menschen geben. Dieser ist die Seele, über die nur Menschen verfügen.[6]

Moderne Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass z.B. Grau-papageien und Schimpansen über linguistische Fähigkeiten verfügen, wenn auch im deutlich geringerem Maße als Menschen.[7] Außerdem ist es kaum möglich, die Nichtexistenz von Intelligenz bei Tieren zu beweisen. Immerhin könnten intellektuelle Fähigkeiten in Zusammenhängen auftauchen, die man bisher immer außer acht gelassen hat. Folglich muss Descartes' Schlussfolgerung als sehr zweifelhaft gelten.

Es treten noch weitere Probleme für Descartes auf. Eines der interessantesten, mit dem aber auch jede anderen dualistischen Sicht umgehen muss, ist das Problem der Interaktion zwischen Seele und Leib. Descartes löst dieses Problem für sich auf, indem er den Ort der Interaktion in der Zwirbel-drüse lokalisiert. Diese, so Descartes, befindet sich in der Mitte zwischen den beiden Gehirnhälften an einer gut durchbluteten Stelle. Da die Lebensgeister, die die Befehle der Seele an die einzelnen Körperteile weiterleiten, sich im Blut befinden, eignet sich die Zwirbeldrüse, um die Schnittstelle zwischen Körper und Seele zu bilden. Nach Descartes können selbst kleinste Bewegungen der Drüse die Lebensgeister so stark beeinflussen, dass sie diese steuern kann. Umgekehrt verhält es sich genauso. Die Lebensgeister geben wahrgenommene Eindrücke weiter, indem sie durch die Zwirbeldrüse laufen und diese bewegen. Die Drüse gibt die Information an die Seele weiter, was dieser nun wieder die Möglichkeit zur Reaktion gibt.[8]

[...]


[1] Vgl. Descartes, Meditationes, 189.

[2] Vgl. Ibid. 83.

[3] Vgl. Descartes, Discours de la méthode, 97.

[4] Vgl. Ibid. und Descartes, Die Leidenschaften der Seele, 51.

[5] Vgl. Descartes, Discours de la méthode, 91 und 93.

[6] Vgl. Ibid. 93-97.

[7] Vgl. Allen 2006, Kap. 4.1.

[8] Vgl. Descartes, Die Leidenschaften der Seele, 61-67.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Descartes' Leib-Seele-Dualismus
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V176233
ISBN (eBook)
9783640975365
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
descartes, leib-seele-dualismus
Arbeit zitieren
Jan Hoppe (Autor), 2009, Descartes' Leib-Seele-Dualismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176233

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