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Rollen und Kommentare eines höfischen Erzählers in Wirnts von Grafenberg "Wigalois"

Title: Rollen und Kommentare eines höfischen Erzählers in Wirnts von Grafenberg "Wigalois"

Term Paper , 2010 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bachelor of Arts Sebastian Jochum (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wer hât mich guoter ûf getân?
sî ez iemen der mich kan
beidiu lesen und verstên,
der sol genâde an mir begên,
ob iht wandels an mir sî,
daz er mich doch lâze vrî
valscher rede: daz êret in
(v. 1-7 ).

Den Prolog zu dem um 1210/20 entstandenen Artusroman Wigalois1 scheint nicht die Stimme des Autors oder Erzählers zu eröffnen, oder etwa einer Figur der Erzählung – vielmehr kommt diese Aufgabe dem Buch selbst zu, das die Leserschaft auffordernd anspricht. Wirnt von Grafenberg, Autor des mittelhochdeutschen Versepos, nimmt hier bereits zu Beginn literarische Techniken und Perspektiven vor, die seine Rolle als Verfasser auf eine aktive Ebene setzen, die stark mit der Erzählung verwoben ist. Bezeichnend für den Verlauf der Geschichte um den Titelhelden Gwîgâlois sind regelmäßige
subjektive Einschaltungen Wirnts, die der Gegenstand für die folgenden Untersuchungen sein sollen.
Dabei soll aufgezeigt werden, welche verschiedenen Rollen Wirnt annimmt, und in welchen erzählerischen Kontexten diese in Erscheinung treten. Den zentralen Fokus der vorliegenden Arbeit nehmen die Erzählerkommentare Wirnts ein, deren formale sowie inhaltliche und intentionale Aspekte voneinander abgegrenzt und erläutert werden sollen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erzählerrollen Wirnts von Grafenberg

3. Die Erzählerkommentare im Wigalois

3.1 Reflexionen

3.1.1 Frouwen und minne

3.1.2 Geistliche Kommentare

3.1.3 Zeitklagen

3.1.4 Weitere Tugenden und Weisheiten

3.2 Sentenzen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, die unterschiedlichen Rollen zu analysieren, die der Erzähler im Artusroman Wigalois von Wirnt von Grafenberg einnimmt, und dabei insbesondere die formalen, inhaltlichen und intentionalen Aspekte der Erzählerkommentare kritisch zu untersuchen.

  • Die Funktion des Erzählers im höfischen Roman
  • Analyse der Erzählerkommentare zu Frauen und Minne
  • Die Rolle religiöser Einbettungen und geistlicher Kommentare
  • Kritik an sozialen Missständen in Form von Zeitklagen
  • Die didaktische Vermittlung von Tugenden und Lebensweisheiten

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Geistliche Kommentare

Für Latzke ist der Wigalois „durchaus von frommem Geiste durchweht“. Und in der Tat kommt den religiösen Bemerkungen Wirnts ein starkes Gewicht in der Dichtung zu. „Predigthafte Exkurse“ sind keineswegs ungewöhnliche Bestandteile höfischen Erzählens und dienen einmal mehr dem direkten, belehrenden Kontakt mit dem Publikum. Zudem üben göttliche Intervention und Gnade häufig direkten Einfluss auf das erzählte Geschehen des Romans aus; so rettet Gottes Allmacht Wigalois mehrfach das Leben, lässt Beleare ihren verwundeten Mann wiederfinden (v. 5150ff.) und rettet den Fischer aus der Not (v. 5306ff.). Infolgedessen stehen die Reflexionen über Gott in enger Verbindung zum Text, da sie eine direkte Bedeutung für die Handlung haben.

[...] wand er übel unde guot erkennet ê dan ez geschiht; vor den werken er wol siht swaz daz mensche tuon will; sînem gewalte ist niht ze vil. (v. 5152-5157)

Gottes Allmacht wird als Kondition aufgeführt, die allgegenwärtig ist und den Lauf der Ereignisse mitgestaltet. Die „wunderwirkende Kraft Gottes als Urheber des Geschehens“ bietet dem Publikum geradezu „so etwas wie eine religiöse Rückversicherung“. Gleich einem Prediger preist Wirnt Christi Barmherzigkeit und die lebensnotwendige Wichtigkeit des regelmäßigen Gebets – ern welle uns genædic wesen / unser einer möhte niht genesen (v. 5312f.). Ironischerweise führt die Gnade Gottes das arme Fischerpaar an dieser Textstelle geradewegs zum bewusstlosen Wigalois, der dadurch beinahe ums Leben kommt, obwohl Gottes Vorsehung stets an dessen Seite gewesen zu sein schien – eine geradezu „desillusionierend unangemessene“ Wendung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Wigalois ein, thematisiert das Auftreten des Erzählers im Prolog und definiert den Fokus der Untersuchung auf die Erzählerkommentare.

2. Erzählerrollen Wirnts von Grafenberg: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Identitäten des Erzählers, vom literarischen Anfänger bis zum belesenen Autor, untersucht.

3. Die Erzählerkommentare im Wigalois: Dieser Abschnitt bildet den Hauptteil und analysiert systematisch die Reflexionen des Erzählers zu Ethik, Religion und Gesellschaft.

3.1 Reflexionen: Hier werden thematische Schwerpunkte der Kommentare wie Frauenbilder, göttliches Eingreifen und zeitgenössische Kritik vertieft.

3.1.1 Frouwen und minne: Dieses Unterkapitel befasst sich mit den häufigen Erzählerkommentaren zu weiblichen Figuren und dem Konzept der Minne.

3.1.2 Geistliche Kommentare: Analyse der religiösen Exkurse und der Bedeutung göttlicher Intervention im erzählten Geschehen.

3.1.3 Zeitklagen: Untersuchung der scharfen Gesellschaftskritik und Nostalgie des Erzählers gegenüber zeitgenössischen Missständen.

3.1.4 Weitere Tugenden und Weisheiten: Überblick über allgemeine Ratschläge und moralische Belehrungen des Autors.

3.2 Sentenzen: Untersuchung der sprachlichen Verdichtung von Weisheiten in Form von Sentenzen am Ende von Handlungsabschnitten.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Erzählerkommentare für den Erfolg des Wigalois zusammen und ordnet Wirnt in die Tradition höfischer Dichter ein.

Schlüsselwörter

Wigalois, Wirnt von Grafenberg, Artusroman, Erzählerkommentare, höfischer Roman, Mittelalter, Minne, Didaktik, Zeitklage, Tugenden, Literaturanalyse, Mittelalterliche Dichtung, Erzählperspektive, Gott, Reflexionen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle des Erzählers im mittelhochdeutschen Artusroman Wigalois und analysiert, wie Wirnt von Grafenberg durch subjektive Kommentare aktiv in die Erzählung eingreift.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Erzählerrollen, die moralische Didaktik, die Rolle der Minne und der Frau, religiöse Einschübe sowie die Kritik des Autors an seiner sozialen Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die formalen, inhaltlichen und intentionalen Aspekte der Erzählerkommentare voneinander abzugrenzen und deren Funktion im Kontext des höfischen Romans zu erläutern.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es wird eine philologische Analyse angewandt, die den Text des Romans in den Kontext der zeitgenössischen Erzähltradition (wie bei Hartmann von Aue oder Wolfram von Eschenbach) stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden detailliert die Reflexionen zu Frauen und Minne, die geistlichen Kommentare, die Zeitklagen sowie allgemeine tugendhafte Weisheiten und Sentenzen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Wigalois, Erzählerkommentare, höfischer Roman, Didaktik, Zeitklage und mittelalterliche Erzählstrukturen.

Wie bewertet der Erzähler das Verhalten von Frauen im Wigalois?

Der Erzähler nutzt Frauenfiguren häufig, um Lob und Beistand auszudrücken, lehrt aber auch Umgangsregeln und kritisiert in manchen Fällen moralisches Fehlverhalten.

Warum spielt das Thema der Zeitklage für Wirnt eine so große Rolle?

Die Zeitklagen spiegeln die Nostalgie des Autors wider, der gegenwärtige Missstände wie Treulosigkeit und Habgier einer idealisierten, ritterlichen Vergangenheit gegenüberstellt.

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Details

Title
Rollen und Kommentare eines höfischen Erzählers in Wirnts von Grafenberg "Wigalois"
College
University of Freiburg
Grade
1,0
Author
Bachelor of Arts Sebastian Jochum (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V176341
ISBN (eBook)
9783640974443
ISBN (Book)
9783640974641
Language
German
Tags
Artusroman Mediävistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Sebastian Jochum (Author), 2010, Rollen und Kommentare eines höfischen Erzählers in Wirnts von Grafenberg "Wigalois", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176341
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