Die Geschichte des Fernsehens

Bewegte Bilder: Vom Traum bis Heute


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Die Macht der bewegten Bilder

Definitionen

Das Phasenmodell

Die Vision

Die Vorreiter von Plasma- und LCD-TV (Die technische Umsetzung)

Die technische Erprobung

Der Aufstieg der Flimmerkiste
Das Wohnzimmer
Zeitmanagement
Die soziale Komponente
Prestige und Design

Ausblick in die Zukunft

Literatur
Internetquellen:

Die Macht der bewegten Bilder

„Mein Eindruck ist, übertriebener Fernsehkonsum drängt vielfach den unmittelbaren Umgang der Menschen miteinander zurück. Wir alle haben selbst miterlebt, wie sehr dieses Medium unser Leben verändert hat - das politische Leben, das Leben jedes einzelnen, das Leben von Familien.“

1978 ging Altbundeskanzler Helmut Schmidt mit diesen Worten an die Öffentlichkeit. Mit seinem „Plädoyer für einen fernsehfreien Tag“ warb er um einen gemäßigten TV-Konsum. Man bedenke nochmals das Jahr dieser Ansprache: 1978! Seit gerade mal 24 Jahren gab es in Deutschland wieder Fernsehen. Nicht einmal ein viertel Jahrhundert hat es gedauert, bis ein Kanzler vor diesem Medium an sich warnt. Und genau dieser Umstand macht diese Sache so interessant. Dass ein führender Politiker oder Adliger vor Teilen eines Mediums warnt oder sie sogar verbietet, ist weit verbreitet in der Geschichte. Man denke nur an die Bücherverbrennungen der Nazis, die Skepsis gegenüber der freien Presse seitens der Staatenführer, die Angst vor Piratensendern durch die Britische Krone[1].

Aber dass vor einem kompletten Medium gewarnt wurde, ist wahrlich selten und das, obwohl Schmidt offensichtlich sehr wohl klar war, worum es sich beim Fernsehen handelt:

„Das Fernsehen ist ein sehr attraktives und bestimmendes. Medium. Das Gerät steht im Wohnzimmer, und es genügt ein Knopfdruck, um es einzuschalten. Es ist schwer, sich dieser Anziehungskraft zu entziehen und einen Schritt zu anderen Formen der Kommunikation zu machen.“[2]

Worum es Schmidt aber vor allem ging, war die lange tägliche Sehdauer, welche werktags über zwei Stunden lag und am Wochenende sogar bei über drei Stunden[3].

1978 sprach man gerne von sogenannten „Vielsehern“, also Menschen, die mehr als 3h/d fernsahen[4].

Da stellen sich die Fragen, wie es dazu gekommen ist und wie sich die Situation heute[5] und in Zukunft darstellt, kurz: Wie hat das Fernsehen den Alltag der Menschen verändert? Das sind die Fragen, welche diese Arbeit zu beantworten versucht.

Im Vordergrund steht dabei die Frage nach der Veränderung des Alltags, um das aufzeigen zu können, ist es aber nötig, zuvor die Geschichte des Fernsehens kurz darzulegen. Die Arbeit ist daher so gegliedert, dass zu Beginn grundlegende Begriffe definiert werden. Im Anschluss wird kurz die frühe Geschichte des Fernsehens erläutert, frühe Geschichte meint hier die Zeit vor der Wiederaufnahme des Sendebetriebs nach dem zweiten Weltkrieg. Bis hierhin dient der Text der Einleitung, Grundlagenvermittlung und historischen Einbettung. Darauf folgend gilt es einen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Fernsehen die deutsche Nachkriegszeit beeinflusst hat, was konkret Sachen meint wie Sendervielfalt, Teilnehmerzahlen, Einschaltquoten, Sehdauer und Verweildauer[6], technische Neuerungen, Fernsehkultur und Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuen.

Abschließen wird die Arbeit mit einem kurzen Fazit zur aktuellen Situation und dem Versuch, eine mögliche zukünftige Entwicklung zu skizzieren.

Definitionen

Der Versuch „Fernsehen“ zu definieren endet in einer kaum überschaubaren Anzahl von Definitionen, die zwar alle in etwa dasselbe meinen, sich aber immer in irgendeinem Punkt unterscheiden. Hier einmal zwei der gängigen Definitionsversuche.

„Fernsehen (TV) ist Bewegtbildübertragung mit Ton von einem Sender zu vielen Empfängern, also Broadcast. Die Übertragung ist unidirektional und hat keinen Rückkanal, zumindest nicht beim analogen Fernsehen.“[7]

„Als Fernsehen (auch kurz "TV", vom griechisch-lateinischen Kunstwort Television) bezeichnet man zunächst ein Massenmedium, das zentral konzipierte und produzierte audiovisuelle Sendungen unidirektional und synchron an ein disperses Massenpublikum vermittelt.“[8]

Diese beiden eher technischen Definitionen sollen nur exemplarisch für eine Vielzahl anderer Definitionen stehen, für diese Arbeit ist es aber nötig „Fernsehen“ viel weiter zu fassen. Es ist daher dienlich, sich an Raymond Williams zu halten. Er definiert Fernsehen als „technology and cultural form“[9], was bedeutet, dass die technische Entwicklung, die kulturellen Dimension und die sozialen Funktion von Fernsehen näher beleuchtet werden müssen.

Das Phasenmodell

Nach Hickethier hat das Fernsehen drei Phasen durchlaufen[10]:

1. Phase der Vision und technischen Umsetzung
2. Phase der Erprobung
3. Phase des Wiederaufbaus des Fernsehen und damit der Aufstieg zum Massenmedium

Diese drei Phasen sollen im Folgenden erläutert werden, die erste und zweite Phase nur kurz, sie dienen lediglich der Heranführung an die Thematik und helfen bei der historischen Einordnung. Besonderes Augenmerk richtet sich auf Phase Drei, aber dazu später mehr.

Die Vision

Die Erfindung des Fernsehens darf man sich nicht als homogenen Prozess vorstellen, viel eher haben hier eine ganze Reihe von Menschen in verschieden Richtungen gewirkt und schließlich ist nach vielen Experimenten, Zufällen und Patenten dann das entstanden, was wir heute mehr oder weniger als Fernsehen verstehen.

Aber zurück zum Anfang: Der Wunsch, in die Ferne zu sehen, ist so alt wie die Menschheit selbst. So findet man dieses Vorstellung etwa bei dem Märchen vom Meerhäschen der Gebrüder Grimm oder bei der 598. Nacht(Erzählung) von Scheherezade. Am treffendsten hat es wohl der französische Schriftsteller Albert Robida zusammengefasst:

„Unter den besonderen Erfindungen, deren sich das 20. Jahrhundert rühmt, kann das Telephonoskop als eine der überraschendsten genannt werden. Mit dem Telephonoskop sieht man und hört man. Der Dialog und die Musik werden übertragen wie gewöhnliches Telephon, aber zur gleichen Zeit erscheint die Szene selbst mit ihrer Beleuchtung, ihren Dekorationen, ihren Darstellern auf der Kristallscheibe mit der Deutlichkeit der direkten Sicht. Man wohnt wirklich der Darbietung mit den Augen und Ohren bei. Die Illusion ist komplett, absolut! [...] Man konnte also, oh Wunder!, in Paris Augenzeuge eines Ereignisses werden, daß sich tausend Meilen von Europa entfernt abspielte.“[11]

Die Ausgangslage für die Entwicklung des Fernsehens um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhundert war also zum einen der Wunsch der Menschen und zum anderen der feste Glaube daran, dass die Technik alles bewerkstelligen kann.

Die Vorreiter von Plasma- und LCD-TV (Die technische Umsetzung)

Das erste Fernsehen, ein mechanisches Fernsehen wurde maßgeblich von einer Erfindung eines deutschen Studenten geprägt. Paul Nipkow hieß der Mann und er erfand 1883 (laut Erzählung am Heiligen Abend) die Nipkow-Scheibe. Sie war die Grundlage seines „elektrischen Teleskops“.

Mit ihrer Hilfe konnte er Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegen und wieder zusammensetzen. Die rotierende Scheibe wandert dazu zeilenweise am Bild (bei der Zerlegung) bzw. der Projektionsfläche (bei der Zusammensetzung) vorbei. Allerdings geriet diese Technik schnell an ihrer Grenzen. Um etwa eine Zeilenzahl von 600 zu ermöglich müsste eine „normal“ rotierende Nipkow-Scheibe einen Durchmesser von 4,55m haben. Mit Hilfe technischer Tricks wäre es auch möglich, die Scheibe bei ca. 50cm im Durchmesser zu belassen, dann müsste sie sich aber mit 10000 Umdrehungen/min drehen, einer Anzahl, welche aber nur im Vakuum möglich ist.

Das zweite Fernsehen der Geschichte, das sogenannte elektrische Fernsehen ist abermals von einem Deutschen geprägt. Karl Ferdinand Braun erfand 1897 die sogenannte „Braunsche Röhre“, welche er ursprünglich für Oszilloskope entwickelte. Weil dem so war, überrascht es nicht, dass es nicht Braun, sondern einem anderem Deutschen zu verdanken ist, dass sich diese Erfindung noch heute in abgewandelter Form auf dem Fernsehmarkt wiederfindet. Manfred Baron von Ardenne ist es zu verdanken dass aus der „Braunschen Röhre“ die Kathodenstrahlröhre wurde. Mit einigen Verfeinerungen wurde diese Kathodenstrahlröhre, eine Elektronenröhre, die einen gebündelten Elektronenstrahl erzeugt, fernsehtauglich. Das Prinzip funktioniert so, dass ein Elektron auf eine fluoreszierende Schicht geschossen wird und so ein Bildpunkt entsteht.

Die technische Erprobung

Die Erwartungen waren groß, schon vor der ersten Bildübertragung auf deutschem Boden wurde das Volk durch die Presse alarmiert, dass da etwas Großes, nie Dagewesenes kommt:

"Neues, noch nie Dagewesenes bahnt sich an. Das Fernsehen! Bald bringt uns der Rundfunk das sprechende, singende, das von Musik begleitete Bild auf den Wellen des Äthers ins Haus. Es zeigt uns die Wasserfälle des Niagara und lässt uns ihren Ton hören. Er führt uns durch die Stätten der Weltindustrie und übermittelt uns in gleichzeitigem Geschehen ihre Melodien." [12]

Am 8. März 1929 um Punkt 23 Uhr war es dann endlich soweit. Im Fernsehlaboratorium der Post schauten sich 50 Gäste die erste Fernsehübertragung auf deutschem Boden an. Hierzu legte der ungarisch-deutsche Erfinder Dénes von Mihály im Rundfunksender Witzleben am Berliner Funkturm eine Filmrolle in den Projektor. Die Nipkow-Scheibe zerlegte den Streifen in optische Bildpunkte und das ganze wurde per Kabel ins etwa sieben Kilometer entfernte Labor der Post übertragen. Das gerade mal 4x4cm große Bild begeisterte zwar auf den ersten Blick nicht gerade. Die „B.Z. am Mittag“ schrieb:

"Wir sahen nicht allzu viel. Es waren nur auf Glasstreifen gezeichnete Buchstaben, sowie eine sich öffnende und schließende Zange." [13]

Trotzdem war man sich der Sensation bewusst, welche man gerade erlebte. Bewegtbildübertragung von einem Ort zum anderen. Es wundert daher nicht, dass wenig später auf der Funkausstellung im Juni 1929 das Fernsehen mit Begeisterung aufgenommen wurde. Zwar hatten erst wenige eine Bildröhre an ihr Radio angeschlossen, aber die Menge scharte sich gerade zu um die Bildschirme auf der Funkausstellung, für die eigens der Sender Witzleben in den Hörfunkpausen täglich eineinhalb Stunden Fernsehprogramm ausstrahlte. Trotz alledem war Fernsehen zu dieser Zeit vor allem ein Thema für Technikfans und Fachleute, es war das Ereignis auf den Funkausstellungen, aber von einem wirklichen Medium noch weit entfernt. Erst als es gelang, die mechanische Bildzerlegung durch ein vollelektronisches Funktionsprinzip zu ersetzen, war der Weg frei, das Fernsehen aus den Versuchslaboratorien hinaus in die Öffentlichkeit zu bringen[14]. Am 22. März 1935 war es so weit.

[...]


[1] Vgl. Piratensender, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Piratensender#Gro.C3.9Fbritannien (Stand: 25.03.10)

[2] Schmidt, Helmut, Plädoyer für einen fernsehfreien Tag“, in: DIE ZEIT, 26.05.1978 Nr. 22.

[3] Ebenda, Kapitel 2: Das Fernsehen tritt an die Stelle einer unmittelbaren Kommunikation

[4] Buß, Michael, Die Vielseher. fernseh-Zuschauerforschung in Deutschland. Theorie – Praxis – Ergebnisse, Schriftenreihe Media Perspektiven, Berg, Klaus, Kiefer, Marie-Luise (Hrsg.), Frankfurt am Main 1985, S. 111.

[5] Man bedenke, dass 1978 noch kein Privatfernsehen existierte und die Sender noch nicht 24h/d auf Sendung waren.

[6] Es ist ein Unterschied ob jemand vor dem Fernseher verweilt oder aktiv zusieht, zum „verweilen“ zählt auch das einfach „laufenlassen“ des Geräts während man selbst etwas anderes tut.

[7] TV, in: ITWissen. Das große Online-Lexikon für Informationstechnologie, unter: http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Fernsehen-TV-television.html (Stand: 1.3.10)

[8] Fernsehen, in: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehen (Stand: 1.3.10)

[9] Hickethier, Knut, Geschichte des deutschen Fernsehens, Weimar 1998. S. 2.

[10] Ebenda, S.6.

[11] Albert Robida. Le vingtième siècle (1892), zitiert in Elsner, Monika, Müller, Thomas & Spangenberg, Peter Michael. 1991. “Der lange Weg eines schnellen Mediums: Zur Frühgeschichte des deutschen Fernsehens”, in: William Uricchio (Hg.) Die Anfänge des deutschen Fernsehens. Kritische Annäherungen an die Entwicklung bis 1945, Tübingen: Niemeyer, S. 153-207, hier: S. 160.

[12] Zitiert nach Hickethier, 1998, S. 24.

[13] Köpcke, Monika, „Wir sahen nicht allzu viel“, Der Berliner Sender Witzleben zeigt die ersten Fernsehbilder in Deutschland, unter: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/929419/ (Stand: 2.3.10)

[14] Hickethier, 1998, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Fernsehens
Untertitel
Bewegte Bilder: Vom Traum bis Heute
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V176374
ISBN (eBook)
9783640975792
ISBN (Buch)
9783640975914
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, fernsehens, bewegte, bilder, traum, heute
Arbeit zitieren
Philipp Berner (Autor), 2010, Die Geschichte des Fernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176374

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