Neue Medien und soziale Netzwerke und ihr Einfluss auf die Freiheit in der Freizeit


Studienarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Wohin nur mit der neuen freien Zeit?

2 Freizeitpsychologie als Teil der Freizeitwissenschaft
2.1 Definition Freizeitwissenschaft
2.2 Definition Freizeitpsychologie

3 Subjektives Freizeitverständnis

4 Psychosoziale Probleme der Freizeit

5 Soziale Netzwerke als psychosoziales Freizeitproblem der Neuzeit

6 Zukunftsaussicht – oder:

Wie die Medien uns sanft zwingen, dass zu tun, was sie wollen

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

– Allmendinger, Jutta/Eichhorst, Werner/Walwei, Ulrich (Hg.) (2005), IAB Handbuch Arbeitsmarkt. Analysen, Daten, Fakten, Nürnberg, Kapitel E, S. 202ff.; Werte ab 2005: IAB-KurzberIcht 3/2010

Abkürzungsverzeichnis

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1 Wohin nur mit der neuen freien Zeit?

„Freizeit [ist] die Zeit, die keinen Verpflichtungen und Zwängen unterliegt.“ (Opaschowski 2008, S. 22). Sie ist die Zeit am Tage, die zur freien Verfügung steht und stellt den Gegenpol zur fremdbestimmten Zeit dar; diejenige, die der Existenzsicherung dient, also Arbeitszeit. Im Laufe der Jahre hat sich das Verhältnis von Arbeitszeit zu Freizeit drastisch verändert. Im Jahr 1990 war es soweit: „2100 Stunden Freizeit standen nur mehr 2043 Arbeitsstunden […] gegenüber.“ (Opaschowski 2008, S. 33) Der moderne Mensch genießt mittlerweile deutlich mehr freie Zeit im Jahr als er Arbeitszeit widerwillig dulden muss. Von den 8760 Stunden, die ein Jahr hat, verbrachte der Durchschnittsdeutsche im Jahr 2009 nur noch 1390 Stunden am Arbeitsplatz. Im Jahr 1960 waren es noch 2163 Arbeitsstunden (Abb.1). War im 16. und 17. Jahrhundert Freizeit „als eine Art Restkategorie, die nach Abzug der Arbeitszeit übrig bleibt“ definiert (Freericks, Hartmann, Stecker 2010, S. 22), ist sie heute die Zeit des Tages, „wo man […] am weitesten von Arbeits- und Alltagspflichten entfernt ist.“ (Opaschowski 2008, S. 22) Aus einer eher negativen Betrachtungsweise („Bisher gehörte der Begriff Freizeit […] zu den sogenannten ''Negativbegriffen''. […] Freizeit [bezeichnete man als] die Abwesenheit von Arbeit.“ (Opaschowski 2008, S. 315)) hat sich freie Zeit zu einer vielmehr positiven Alternative zum Arbeitsleben entwickelt. Grund genug, um sich mit diesem Thema konkreter zu befassen. Diese Studienarbeit beleuchtet insbesondere den psychologischen Aspekt der Freizeit für den Menschen, zwar unabhängig von der Menge der freien Zeit, jedoch abhängig von der Art und Weise, wie er diese heutzutage verbringt.

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Abb.1: Entwicklung der Arbeitsstunden 1960 – 2009 (Allmendinger, Eichhorst, Walwei 2005)

2 Freizeitpsychologie als Teil der Freizeitwissenschaft

2.1 Definition Freizeitwissenschaft

Die Freizeitwissenschaft ist eine noch relativ junge Disziplin der Sozialwissenschaften und ein ebenso als neu zu betrachtender Teilbereich der Erziehungswissenschaften, da sie erst vor etwas mehr als 30 Jahren als eigenständiges „pädagogisches Handlungsfeld mit besonderen Merkmalen entdeckt“ wurde (Freericks, Hartmann, Stecker 2010, S. 1). Sie erforscht die Vorgänge und besonderen Gegebenheiten in dieser speziellen Lebenszeit, die laut Definition von Freizeit grundsätzlich keinen Pflichten oder Regeln unterliegt. Die pädagogische Freizeitwissenschaft, wie Abb. 2 zeigt, lässt sich in die forschungsorientierte erziehungswissenschaftliche Freizeitforschung und in die anwendungsorientierte Freizeitpädagogik unterteilen.

Es werden in der Freizeitforschung Motive und Konsequenzen ermittelt und analysiert, die auf das Freizeitverhalten des Menschen einwirken und diese im Laufe der Zeit verändern bzw. beeinflussen. Beispiele dafür sind die Untersuchung des Massentourismus, des Einflusses von Massenmedien – wie das Fernsehen oder das Internet – auf die Freizeitgestaltung oder die Analyse von Sport in der Freizeit.

Wie man aus wissenschaftlicher Sicht die frei zur Verfügung stehende Zeit am Besten nutzen könnte oder sollte, lehrt die Freizeitpädagogik. Freizeiterziehung im Kindergarten, Freizeitlehre mittlerweile als Studiengang oder Ausbildung, Freizeitplanung oder Marktanalysen und auf die Freizeit abgezieltes Marketing sind Beispiele von Tätigkeitsfeldern eines Freizeitpädagogen.

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Abb. 2: Systematik der pädagogischen Freizeitwissenschaft (Opaschowski 1996, S. 15)

Die Freizeitwissenschaft lässt sich allerdings nicht nur pädagogisch aufgliedern, sondern nach soziologischen, ökonomischen, philosophischen oder psychologischen Aspekten (Abb. 3).

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Abb. 3: Die Teilbereiche der Freizeitwissenschaft (eigene Darstellung)

2.2 Definition Freizeitpsychologie

Die Freizeitpsychologie beschäftigt sich „mit Motivationen, Einstellungen, Verhaltens- und Erlebensweisen sowie Lernvorgängen in der Freizeit [...]“ (psychology48.com) und ist eine der wesentlichen Teilbereiche der Freizeitwissenschaft. In den letzten Dekaden wurde vornehmlich Augenmerk auf die Forschung des Freizeitverhaltens gelegt, was zur Folge hatte, dass die Erkenntnisse auf den Gebieten des Erlebens von Freizeit, der Freizeitmotivationen und Freizeitinteressen in Relation zum Freizeitverhalten noch nahezu unerforscht blieben (psychology48.com). Wurde anfänglich überwiegend quantitativ untersucht, richtet sich nun der freizeitpsychologische Fokus auf die Betrachtung der Qualität von Freizeit; zum Einen kann dies nach Zielgruppen erfolgen (z.B. Arbeitslose, Schüler und Jugendliche, etc.) oder aber auch sachspezifisch geordnet sein (z.B. Sport, Kultur, Unterhaltung, Neue Medien). Grundlage für die Auseinandersetzung mit diversen Problemen, die sich im Zusammenhang mit diesen Themenfeldern in der Freizeit ergeben, ist dabei immer die allgemeine Psychologie vom Menschen im Zusammenspiel mit seiner Umwelt (psychology48.com).

3 Subjektives Freizeitverständnis

Jedes Individuum versteht unter Freizeit etwas anderes: Für den Einen ist Freizeit bereits noch der morgendliche Weg zur Arbeit, den er frei bestimmen kann, und der Selbe meint auch, Freizeit beginnt sofort mit dem Feierabend oder mit dem abschließenden Klingeln nach der letzten Unterrichtsstunde in der Schule. Ein Anderer hingegen vertritt die Auffassung, dass mit Freizeit diejenige Zeit gemeint ist, die keiner anderen Sache oder Verpflichtung noch an aufzuwendender Zeit schuldig ist; also Zeit, die absolut noch keine Verwendung hat und beliebig genutzt werden kann. Folgt man der Definition Opaschowskis, dass Freizeit „keinen Verpflichtungen und Zwängen unterliegt.“ (Opaschowski 2008, S. 22), trifft letztgenanntes eher zu.

Bei Betrachtung des Berufslebens Deutscher Bürger in den 1950er bis 1970er Jahren stellt man fest: „Fast die Hälfte der Arbeiter hatte […] weniger als drei Stunden freie Zeit für sich zur Verfügung.“ (Opaschowski 2008, S. 38) Je höher die Stellung im Unternehmen, desto geringer wurde die freie Zeit. Erst mit der Erledigung routinemäßiger Aufgaben nach Arbeitsschluss beginnt dann auch tatsächlich die Freizeit. Doch dies soll

keine unumstößliche Regel sein. Empfindet man bspw. eher Frust beim Wochenendeinkauf mit der Familie oder ist dies bereits eine Art Erholung vom Arbeitsalltag? Gleichen die beiden Verabredungen in der Woche nach dem Spätdienst mit der Freundin eher einer Last oder freut man sich womöglich mehr auf seine Partnerin, um sich mit ihr zu unterhalten und zu entspannen? Vielmehr spielt es also eine Rolle, wie ein Individuum bestimmte Erledigungen in der arbeitsfreien Zeit subjektiv wahrnimmt.

Im Gegensatz zur Nachkriegszeit in den 1950er Jahren, in denen eine Woche 6 Werktage hatte und eine regelmäßige Arbeitswoche durch 48 Arbeitsstunden geprägt war (Opaschowski 2008, S. 32), könnte man allgemein annehmen, dass durch nur noch 5 Werktage und ca. 40 Arbeitsstunden pro Woche das Freizeitbewusstsein gestiegen sei. Die Mehrheit der deutschen Bürger empfindet jedoch trotz weniger Arbeitsstunden ein geringeres Volumen an Freizeit, als in der Vergangenheit. Die neuen Verpflichtungen in der eigentlich frei bestimmbaren Zeit sind soziale Verpflichtungen, die daher rühren, dass man dank verringerter Arbeitszeiten mehr soziale Kontakte knüpft – und sei es lediglich über das Internet – oder dem Bedürfnis nachgeht, sich selbst zu verwirklichen. Aus der Menge der subjektiven Empfindungen über das Potenzial an Freizeit könnte man ein objektives Bild zeichnen, das veranschaulicht, wie der durch verringerte Arbeitszeiten gewonnene Freiraum von einer „sozialen Verantwortung“ gegenüber der gestiegenen Kontakte eingenommen wurde und somit wieder verloren ging (Abb. 4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Neue Medien und soziale Netzwerke und ihr Einfluss auf die Freiheit in der Freizeit
Hochschule
Hochschule für Gesundheit und Sport, Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V176401
ISBN (eBook)
9783640976041
ISBN (Buch)
9783640976058
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue Medien, facebook, Freizeit, Freizeitpsychologie, Freiheit, soziale Netzwerke, studiVZ, Freizeitwissenschaft, Subjektives Freizeitverständnis, Psychosoziale Probleme, soziale Verantwortung
Arbeit zitieren
Ricardo Apel (Autor), 2011, Neue Medien und soziale Netzwerke und ihr Einfluss auf die Freiheit in der Freizeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176401

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