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Verkleidung und Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel der Venusfahrt Ulrichs von Liechtenstein

Title: Verkleidung und Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur  am Beispiel der Venusfahrt Ulrichs von Liechtenstein

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Ulrich von Liechtenstein, geboren zu Beginn des 13. Jahrhunderts, nimmt in der Literatur des Mittelalters eine besondere Stellung ein. Sein um 1250 entstandenes Werk, der „Frauendienst“, ist der erste Ich-Roman in deutscher Sprache und gilt als „einmaliges formales Experiment“.1 Der epische Text umfasst 1850 Zeilen in den 58 Lieder, drei „Büchlein“ und sieben „Briefe“ eingebaut sind. Aber auch inhaltlich weist der Frauendienst einige Besonderheiten auf. Im Mittelpunkt steht der Protagonist, zugleich fiktiver Autor, dessen Leben als höfischer Minneritter mit all seinen Hoch- und Tiefpunkten geschildert wird. Er steht im Dienste seiner angebeteten, unerreichbaren Dame, wie es im hohen Minnesang, etwa bei Reimar dem Alten oder dem frühen Walther von der Vogelweide, häufig dargestellt ist.2 Doch ist Ulrichs Dame im ersten Teil des Frauendienstes besonders anspruchsvoll. Trotz aufopfernder, kreativer und oft schmerzhafter Einfälle schafft er es nicht seine Dame zu überzeugen. Um seine Misserfolge auszugleichen hat er eine besonders ausgefallene Idee: „ich will in einer vrowen wis / durch si werben umbe pris“.3 Zu Ehren seiner Minnedame organisiert Ulrich, als Liebesgöttin Venus verkleidet, eine Turnierfahrt über Kärnten, die Steiermark und Österreich bis Böhmen. In der älteren Forschung wurde häufig diskutiert, ob der reale Ulrich von Liechtenstein tatsächlich eine solche Kostümfahrt unternommen hat. Obwohl der Realitätsgehalt der Venusfahrt heutzutage höchstem Maße angezweifelt wird, lässt sich nicht leugnen, dass durch reale geographische Bezeichnungen und historisch belegte Personennamen, ein solcher Gedanke vom Autor durchaus provoziert wird. Welche Motivation also hatte einer der prominentesten und einflussreichsten Ministerialen seiner Zeit, in gewisser Weise sich selbst, als Frau beziehungsweise Königin der Liebe verkleidet darzustellen? Um die Hintergründe der längsten Partie im „Frauendienst“ herauszuarbeiten, sollen zunächst die Darstellung und Vorgehensweise der Kostümierung untersucht werden. Im darauffolgenden Kapitel werden weitere Beispiele für cross-dressing in der mittelalterlichen Literatur aufgezeigt und verglichen, bevor es im letzten Abschnitt zur näheren Interpretation der Venusfahrt, im Bezug auf Geschlechterrollen und Funktion des Motivs der Verkleidung kommt.

==
1 Ulrich von Liechtenstein: Frauendienst, hg. von Franz Viktor Spechtler, S. 3
2 Ebd
3 FD, 458, 3 f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Die Verkleidung

2. Cross-dressing in der mittelalterlichen Literatur

2.1 Beispiele: Hugdietrich, Brautschwank und Herkules

2.2 Die Funktion der Verkleidung

3. Hintergründe der Venusepisode im Frauendienst

3.1 Geschlechtermodelle im Frauendienst

3.2 Die Venusfahrt als herrschaftliche Repräsentation

3.3 Gesellschaftskritik und Parodie

III. Fazit

IV. Bibliographie:

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Verkleidung und des Cross-Dressings in der mittelalterlichen Literatur, wobei der Schwerpunkt auf der „Venusfahrt“ im „Frauendienst“ von Ulrich von Liechtenstein liegt. Ziel der Analyse ist es, die Beweggründe für diese Kostümierung zu ergründen und dabei die Wechselwirkungen zwischen Geschlechterrollen, herrschaftlicher Repräsentation sowie komischen und parodistischen Elementen in der Literatur des 13. Jahrhunderts herauszuarbeiten.

  • Analyse des Motivs der Verkleidung in mittelalterlichen Erzähltexten
  • Untersuchung der Venusfahrt als fiktiver Herrschaftsentwurf
  • Deutung der Geschlechterdarstellung und Männlichkeitskonstruktion
  • Vergleich der Venusfahrt mit anderen Beispielen von Cross-Dressing (z.B. Hugdietrich, Herkules)
  • Reflexion über Gesellschaftskritik und parodistische Züge im Werk

Auszug aus dem Buch

3.1 Geschlechtermodelle im Frauendienst

Das relativ häufige Motiv der Verkleidung in der mittelalterlichen Literatur ist keine „beliebige, periphere, oder bloß schwankhafte Angelegenheit“, sondern kann gesellschaftliche Vorstellungen von Identität und Rolle widerspiegeln. Bei näherem Hinsehen scheint die Verkleidung des Protagonisten in gewisser Weise die Geschlechterrollen und das Geschlechterverhältnis zu thematisieren.

Auffällig ist, dass bei Ulrichs Venusfahrt in keiner Weise negative Beurteilungen auftauchen. Während doch „Männlichkeit“ zu den wichtigsten Tugenden ritterlichen Benehmens zählt, erhält der als Frau verkleidete Ulrich Lob und sogar Neid für den Ruhm, den er auf seiner „ritterlichen Fahrt“ errungen hat. Der offenbare Grund für diese Reaktion scheint die bestehende Erkennbarkeit Ulrichs als Mann zu sein. Im Mittelalter wurde männliches cross-dressing nämlich dann toleriert, wenn der Mann trotz seiner Verkleidung, deutlich als Mann zu erkennen war.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Werk „Frauendienst“ und Fragestellung bezüglich der Motivation Ulrichs von Liechtenstein für seine kostümierte Venusfahrt.

II. Hauptteil: Analyse der Verkleidung als literarisches Motiv, Vergleich mit anderen Beispielen und Untersuchung der Hintergründe der Venusepisode unter drei zentralen Aspekten.

1. Die Verkleidung: Untersuchung der verschiedenen Traditionen der Venusdarstellung und der detaillierten Beschreibung der prunkvollen Kleidung Ulrichs.

2. Cross-dressing in der mittelalterlichen Literatur: Analyse literarischer Beispiele wie Hugdietrich, Herkules und Neidharts Brautschwank zur Definition und Funktion des Motivs.

2.1 Beispiele: Hugdietrich, Brautschwank und Herkules: Detaillierte Darstellung spezifischer Erzählungen, in denen Männer in Frauenrollen auftreten oder dazu gezwungen werden.

2.2 Die Funktion der Verkleidung: Zusammenfassende Analyse der Motive, die von ernsthaften Eroberungsversuchen bis hin zur Degradierung und Parodie reichen.

3. Hintergründe der Venusepisode im Frauendienst: Einleitung in die komplexe Venusepisode unter den Gesichtspunkten Geschlecht, Repräsentation und Gesellschaftskritik.

3.1 Geschlechtermodelle im Frauendienst: Untersuchung, wie Ulrich durch die Venusfahrt männliche Identität und das Begehren des Weiblichen verhandelt.

3.2 Die Venusfahrt als herrschaftliche Repräsentation: Erläuterung der Venusfahrt als bewusster, herrschaftlicher Akt der Selbstdarstellung und Machtinszenierung.

3.3 Gesellschaftskritik und Parodie: Analyse der kritischen Töne gegenüber dem Niedergang ritterlicher Ideale und der spielerisch-parodistischen Elemente der Kostümfahrt.

III. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Vielschichtigkeit des Werkes und des literatur- sowie sozialgeschichtlichen Erkenntniswertes.

IV. Bibliographie:: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Ulrich von Liechtenstein, Frauendienst, Cross-Dressing, Mittelalterliche Literatur, Venusfahrt, Geschlechterrollen, Männlichkeit, Weiblichkeit, Minnedienst, Kostümierung, Herrschaftliche Repräsentation, Parodie, Komik, Identität, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Verkleidung im „Frauendienst“ des Ulrich von Liechtenstein, insbesondere die berühmte Venusfahrt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Konstruktion von Geschlechterrollen im Mittelalter, die Rolle des ritterlichen Minnedienstes und die Funktion von Verkleidungen als Mittel der Selbstdarstellung und Gesellschaftskritik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Beweggründe für Ulrichs aufwendige Kostümierung als Frau Venus zu ergründen und die daraus resultierenden literarischen und gesellschaftlichen Effekte zu interpretieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die verschiedene Forschungsansätze der Gender-Studies und historische Kontextualisierungen des 13. Jahrhunderts kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Untersuchung des Cross-Dressings in der Literatur, eine detaillierte Analyse der Venusepisode im Frauendienst und eine Diskussion über die Absichten des Autors.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Typische Begriffe sind Frauendienst, Cross-Dressing, Minnedienst, Geschlechterkonstruktion, Venusfahrt und höfische Repräsentation.

Wie unterscheidet sich die Verkleidung im Brautschwank von der im Frauendienst?

Während bei Ulrich die Verkleidung Teil einer hochkomplexen Minnethematik und herrschaftlichen Repräsentation ist, dient sie im Brautschwank bei Neidhart eher zur Parodie und zur Unterhaltung durch die Kontrastierung höfischer und bäuerlicher Milieus.

Warum wird Ulrichs Männlichkeit trotz der Verkleidung als Frau Venus nicht ernsthaft in Frage gestellt?

Die Forschung argumentiert, dass Ulrich seine männliche Identität durch seine ritterlichen Taten und sein heterosexuelles Begehren für das Publikum außerhalb des Textes stets erkennbar hält.

Welche Rolle spielt das „Lachen“ innerhalb der Venus-Episode?

Das im Text erwähnte Lachen der Figuren signalisiert, dass die Verkleidung durchschaut wird, was Ulrich jedoch vor echtem Statusverlust schützt, da die Situation als Spiel mit der literarischen Tradition verstanden wird.

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Details

Title
Verkleidung und Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel der Venusfahrt Ulrichs von Liechtenstein
College
University of Heidelberg
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2010
Pages
24
Catalog Number
V176518
ISBN (eBook)
9783640983360
ISBN (Book)
9783640983490
Language
German
Tags
verkleidung cross-dressing literatur beispiel venusfahrt ulrichs liechtenstein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2010, Verkleidung und Cross-Dressing in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel der Venusfahrt Ulrichs von Liechtenstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176518
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