„Ich habe ganz weiche Knie“, „Mir dreht sich der Magen bei dieser Abfahrt“, „Hoffentlich verletze ich mich nicht.“ Diese oder ähnliche Aussagen erhält der Skilehrer des Öfteren von seinen Skianfängern. Sie verdeutlichen, dass Skifahren nicht nur mit positiven Erlebnissen in Verbindung ge-bracht werden kann. Während auf der einen Seite Ästhetik, Naturerlebnis, Geselligkeit, Spaß und Faszination stehen, so können andererseits auch starke Angstgefühle bei den Schülerinnen und Schülern vorhanden sein.
Der Anlass für die Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist zum einen hierin begründet, zum anderen war auch mein eigenes Erlernen des Skifahrens mit Ängsten angereichert. Dort haben mir bestehende Verletzungsängste erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Die Auseinandersetzung mit diesen persönlichen Ängsten, die Ergründung der Entstehungsbedingungen und Ursachen sowie die daraus resultierenden Möglichkeiten und Grenzen waren für mich die Voraussetzung, diesen Ängs-ten zu begegnen und sie zu bewältigen. Aus diesem eigenen Interesse heraus und den beobachteten Ängsten der Schüler im Sportunterricht und beim Skifahren resultierte der Gedanke, anhand einer für viele Schüler angstbesetzten Sportart einen Unterrichtsversuch durchzuführen. Hierbei war zu ergründen, inwiefern ein angstreduzierter Sportunterricht zu gestalten ist, bei dem die Entwicklung von Übungsformen im Anfängerskifahren unter besonderer Berücksichtigung von Angstbewälti-gung im Mittelpunkt stand.
Das eingangs aufgeführte Zitat spiegelt eine Seite meines Anliegens. Entscheidender für mich als Sportlehrer und somit Kern dieser Arbeit sind die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Die Schüler sollen für die Angstthematik sensibilisiert werden, offen mit ihren Ängsten umgehen und sie bewusst mittels Übungsformen bewältigen. Durch eine Reduzierung der Angst ist die Hürde der Angstbewältigung nicht mehr so hoch. Die Erfolge und Misserfolge, die Ängste, die Freude und der Spaß, die der Anfänger erlebt, werden als Erfahrungen abgespeichert, prägen das Selbstkonzept und somit auch das Erleben und Verhalten in später wiederkehrenden Situationen. Daher ist es in diesem Unterrichtsversuch mein Bestreben, im Vorfeld durch Sicherheitsmaßnahmen, Gespräche und Übungsformen Ängste zu reduzieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Eingrenzung des Begriffes Übungsform
2.2 Lehrmethoden für Anfänger im alpinen Skilauf
2.2.1 Erfahrungslernen und ganzheitliche Lernarrangements
2.2.2 Methode über steigende Skilängen
2.2.3 Vom Inline-Skating zum Skifahren
2.3 Angstbewältigung im Skifahren
2.3.1 Definition des Begriffes Angst
2.3.2 Formen von Angst im alpinen Skilauf
2.3.2.1 Angst im sozialen Bereich
2.3.2.2 Angst vor Schmerz und körperlicher Verletzung
2.3.2.3 Angst vor Unbekanntem
2.3.3 Auswirkungen von Angst im alpinen Skilauf
2.3.4 Messmethoden und Beobachtungskriterien von Angst
2.3.5 Strategien der Angstbewältigung
2.3.5.1 Desensibilisierung
2.3.5.2 Akzeptieren und Verbalisieren
2.3.5.3 Modelllernen
2.3.5.4 Rückmeldung
2.4 Leitende Fragestellungen für den Unterrichtsversuch
3 Planung
3.1 Analyse des Bedingungsfeldes
3.1.1 Spezifische Bedingungen der Lernenden
3.1.2 Spezifische Bedingungen des Lehrenden
3.1.3 Organisatorische Lehr- und Lernbedingungen
3.2 Curriculare Vorgaben
3.3 Struktur des Unterrichtsversuchs
3.3.1 Makrosequenz der Vorbereitungsphase
3.3.2 Makrosequenz der Kompaktphase
3.4 Didaktisch-methodische Entscheidungen zum Unterrichtsversuch
3.4.1 Erste Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.1.1 Didaktisch-methodische Entscheidungen zur ersten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.1.2 Lernziele zur ersten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.1.3 Geplanter Unterrichtsverlauf der ersten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.2 Zweite Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.2.1 Didaktisch-methodische Entscheidungen zur zweiten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.2.2 Lernziele zur zweiten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.2.3 Geplanter Unterrichtsverlauf zur zweiten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
3.4.3 Zweite bis fünfte Unterrichtsstunde der Kompaktphase
3.4.3.1 Didaktisch-methodische Entscheidungen der zweiten bis fünften Stunde der Kompaktphase
3.4.3.2 Lernziele zur zweiten bis fünften Stunde der Kompaktphase
3.4.3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf der zweiten bis fünften Stunde der Kompaktphase
4 Auswertung
4.1 Darstellung und Reflexion der ersten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
4.2 Darstellung und Reflexion der zweiten Doppelstunde der Vorbereitungsphase
4.3 Darstellung und Reflexion der zweiten bis fünften Stunde der Kompaktphase
5 Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Auswertung der Schülerbefragung
5.2 Reflexion der didaktisch-methodischen Konzeption
5.3 Gesamturteil und Stellungnahme
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gestaltung eines angstreduzierten Sportunterrichts für Skianfänger am Beispiel eines Schulkurses. Ziel ist es, durch gezielte Übungsformen und Sicherheitsmaßnahmen die Angst der Schüler vor körperlichen Verletzungen und unbekannten Situationen abzubauen, um ein sichereres und freudvolles Erlernen des Skifahrens zu ermöglichen.
- Entwicklung und Erprobung von Übungsformen zur Angstbewältigung
- Einsatz von Inline-Skating zur Vorbereitung auf das Skifahren
- Bedeutung der psychologischen Aspekte (Vertrauen, Angst) im Sportunterricht
- Reflexion didaktisch-methodischer Konzepte im Anfängerskikurs
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Definition des Begriffes Angst
Eine einheitliche Definition des Begriffs Angst ist in der zahlreichen Fachliteratur nicht zu finden. HACKFORT und SCHWENKMEZGER greifen diese in fast allen Definitionen existierenden Merkmale auf, um daraus eine allgemeinere Definition zu erstellen. Demnach ist Angst „...eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen. [...] Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann.“ Dieser Definitionsansatz wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit bzw. des Unterrichtsversuchs als Grundlage dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, des persönlichen Anlasses und der Zielsetzung der Arbeit sowie des geplanten Unterrichtsversuchs.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Begriffe, Lehrmethoden, Angstformen und Strategien der Angstbewältigung als Basis für die Planung.
3 Planung: Detaillierte Analyse des Bedingungsfeldes, der curricularen Vorgaben und die spezifische Planung der Unterrichtssequenzen.
4 Auswertung: Darstellung und Reflexion der durchgeführten Unterrichtsstunden im Hinblick auf den Lernfortschritt und die Angstbewältigung.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Auswertung der Schülerbefragung, Reflexion der methodischen Konzeption und Beantwortung der Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Skifahren, Angstbewältigung, Sportunterricht, Inline-Skating, Snowblades, Anfängerskikurs, Angst, Bewegungsformen, Sicherheitsmaßnahmen, Selbstvertrauen, psychologische Aspekte, Lernmethoden, didaktisches Konzept, Erfahrungslernen, Notfallsturz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Erprobung von Unterrichtsformen für Skianfänger, die darauf abzielen, Ängste im Sportunterricht bewusst zu machen und abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Angstthematik im alpinen Skilauf, die Anwendung von Inline-Skating als Vorbereitungsmethode sowie die didaktische Planung und Reflexion angstreduzierender Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Schülern durch ein methodisch durchdachtes Konzept einen sicheren, angstreduzierten und freudvollen Einstieg in das alpine Skifahren zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Unterrichtsversuch, der durch eine Analyse theoretischer Grundlagen, eine detaillierte Planung und eine anschließende Auswertung mittels Schülerbefragungen fundiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Betrachtung von Angst und Lehrmethoden sowie eine ausführliche Planung und Reflexion konkreter Doppelstunden in der Halle und im Skigebiet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Angstbewältigung, Skianfänger, Inline-Skating, Snowblades, Erfahrungslernen, Selbstvertrauen und pädagogische Didaktik im Schulsport.
Warum spielt Inline-Skating eine Rolle für den Skikurs?
Inline-Skating dient in der Vorbereitungsphase als ähnliche Bewegungssportart, um Bewegungsmuster, Gleichgewichtsfähigkeit und Kantenbelastung auf das Skifahren zu übertragen und so Ängste vor der neuen Situation auf der Piste zu minimieren.
Welchen Stellenwert haben die "Snowblades" in diesem Unterrichtsmodell?
Snowblades werden aufgrund ihrer kurzen Länge und ihres geringeren Gewichts als ideales Sportgerät für Anfänger genutzt, da sie drehfreudiger sind und den Schülern ein sichereres, angstreduziertes Lernen ermöglichen.
- Quote paper
- Mirko Friedrich (Author), 2003, Übungsformen für Anfänger im alpinen Skilauf unter besonderer Berücksichtigung der Angstbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17653