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Implizierte Gottesvorstellung und seelsorgerliche Praxis. Ein Vergleich der Seelsorge-Handbücher von Engemann und Klessmann

Title: Implizierte Gottesvorstellung und seelsorgerliche Praxis. Ein Vergleich der Seelsorge-Handbücher von Engemann und Klessmann

Term Paper , 2011 , 42 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Diplom-Theologe (Univ.) Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt (Author)

Theology - Practical Theology
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Summary Excerpt Details

Beide Herausgeber der Seelsorge-Handbücher, Engemann und Klessmann, vertreten eine lutherische Gottesvorstellung. Trotz dessen lösen sie diese in ihrer seelsorgerlichen Praxis unterschiedlich auf, was ich auf ihre Biographie zurückführe.
Engemann konzipiert Seelsorge als Gespräch mit Lehrdimension. Christlichen Ratsuchenden soll "Lebenskunst" also Hilfe zur Selbsthilfe beigebracht werden, insbesondere um sich selbst aus den gesellschaftlichen Zwängen der Erlebnisgesellschaft befreien zu können und insoweit die Heilung des "erschöpften Selbst" zu erfahren. Der "Clou" von Engemanns Theologie ist dabei die Trennung der Heilssphären Soteriologie und "Lebenskunst". Das poimenische Konzept "Lebenskunst" ist einerseits dogmatischer "Lückenfüller"; andererseits kann des-sen Grundlage, die Autonomie des Menschen, theologisch von der Gottesebenbildlichkeit ableitet und gegenüber dem Determinismus der physikalistischen Identitätstheorie mit dem Leib-Seele-Dualismus auch philosophisch verteidigt werden. Die "Freiheit zu etwas", nämlich zu einer gelungenen Lebensführung des "werdenen Selbst", unterscheidet Engemann von der "Freiheit von etwas", nämlich der Freiheit von z.B. Erbsünde oder Neurosen. Engemann grenzt sich also gegenüber beiden dominanten Paradigmen von Seelsorge des 20. Jahrhunderts, der kerygmatischen wie auch der therapeutischen Seelsorge, ab.
Klessmann hingegen übernimmt beide Paradigmen in seine poimenische Konzeption als "Begegnung" und "Begleitung" (therapeutisch) sowie "Lebensdeutung" im Horizont christlichen Glaubens (kerygmatisch). Der "Clou" von Klessmanns Poimenik ist also die Verbindung therapeutischer und kerygmatischer Elemente. Die Engemann'sche Trennung der Heilssphären kann Klessmann nicht nachvollziehen. Seine Poimenik hat durchgehend enge Bezüge zur Soteriologie, was sich inbesondere im Konzept der "Lebensdeutung" zeigt, bei der der christliche Glaube "ins Spiel" gebracht werden kann. Dass sich Klessmann gegenüber der therapeutisch üblichen Methode der affektiven Neutralität abgrenzt, ist mit der biographischen Erfahrung des "gerechten Ärger" begründbar; der "gerechte Ärger" Klessmanns findet sich wesentlich stärker im kerygmatischen Anteil von Klessmanns Poimenik in Form des Seelsorgers als "Prophet", der mit "widerständiger Haltung" das inhumane "System Krankenhaus" sowie die gesellschaftliche Überhöhung von Gesundheit als "höchstes Gut" im Gespräch mit den Mitarbeitenden des Krankenhauses sowie den Patienten kritisiert.

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Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

1. Hermeneutisches Vorverständnis

2. Exegese der Themenstellung und Methodik

II. HAUPTTEIL

1. Das Seelsorge-Handbuch von Engemann

1.1 Engemanns Biographie

1.2 Die seelsorgerliche Praxis

1.2.1 Das Verständnis von Praktischer Theologie und der Aufbau des Handbuches

1.2.2 Die Problemstellung in der Seelsorge

1.2.3 Das Ziel der Seelsorge

1.2.4 Die Mittel des Seelsorgenden

1.3 Die Gottesvorstellung und ihre Rolle für die seelsorgerliche Praxis

1.3.1 Die Prolegomena

1.3.2 Von Gott

1.3.3 Vom Mensch

1.3.4 Vom Heil zwischen Gott und Mensch

2. Das Seelsorge-Handbuch von Klessmann

2.1 Klessmanns Biographie

2.2 Die seelsorgerliche Praxis

2.2.1 Das Verständnis von Praktischer Theologie und der Aufbau des Handbuches

2.2.2 Die Problemstellung in der Seelsorge

2.2.3 Das Ziel der Seelsorge

2.2.4 Die Mittel des Seelsorgenden

2.3 Die Gottesvorstellung und ihre Rolle für die seelsorgerliche Praxis

2.3.1 Die Prolegomena

2.3.2 Von Gott

2.3.3 Vom Mensch

2.3.4 Vom Heil zwischen Gott und Mensch

3. Der Vergleich hinsichtlich der Rolle der Gottesvorstellung

3.1 Die Prolegomena und ihre Rolle für die Poimenik

3.2 Von Gott und seine Rolle für die Poimenik

3.3 Vom Mensch und seine Rolle für die Poimenik

3.4 Vom Heil zwischen Gott und Mensch und seine Rolle für die Poimenik

III. SCHLUSS

1. Kritische Anfragen an die Seelsorgelehren der Herausgeber

2. Resümee und hermeneutische Reflexion

Zielsetzung & Themen

Ziel der Arbeit ist ein Vergleich der Seelsorge-Handbücher von Wilfried Engemann (2007) und Michael Klessmann (2008). Dabei soll insbesondere untersucht werden, welche impliziten Gottesvorstellungen in den jeweiligen Seelsorgekonzepten enthalten sind und welche Rolle diese für die seelsorgerliche Praxis spielen.

  • Vergleich poimenischer Konzeptionen im Kontext lutherischer Theologie.
  • Analyse des Einflusses der Herausgeber-Biographien auf deren Seelsorgelehre.
  • Untersuchung des Verhältnisses von Dogmatik und Poimenik.
  • Erforschung der unterschiedlichen Ansätze zur Seelsorge in der modernen Erlebnisgesellschaft.

Auszug aus dem Buch

1.2.4 Die Mittel des Seelsorgenden

Engemann konzipiert Seelsorge als Gespräch mit Lehrdimension. Es geht um die Vermittlung von "Lebenskunst", was bedeutet, "unter vorgegebenen Bedingungen ein nicht vorgegebenes Leben zu führen, indem ich in Auseinandersetzung mit meinen Möglichkeiten und Grenzen einerseits und meinen Wünschen andererseits einen Spielraum erkenne und auf der Basis eigener Urteile freie Entscheidungen treffe, die meinen Willen widerspiegeln und mich in meinem Verhalten bestimmen".

Engemann grenzt sich mit seiner christlichen Lebenskunst von der populären Lebenskunst der Erlebnisgesellschaft ab, in der es nicht auf Willen des Einzelnen ankommt ("Selbst-sein-wollen"), sondern um Milieu-typische Anpassung ("Selbst-sein-sollen"), welche als eigener Wunsch missverstanden wird. Durch die "die Aufhebung der Grenzenlosigkeit seiner Wünsche" verliert ein Mensch nicht an Autonomie, sondern gewinnt an "Kontur"; die "Aufdeckung von Wunschkonflikten bzw. die Interpretation von Wünschen" statt der "Fixierung auf den Bauch" bewahrt den Menschen davor, als "erschöpftes Selbst" und Opfer des Konsumzwanges zu enden. Der biographische Kampf Engemanns gegen die Zwänge der charismatischen Theologie wird meines Erachtens weiterentwickelt in eine Frontstellung ("Intervenieren") auch gegen gesellschaftliche Zwänge, insbesondere gegen den Zwang des "Selbst-sein-sollen" mit der "Fixierung auf den Bauch". In diesem Hedonismus bekommt das zweite, abgeleitete Feindbild Engemanns scharfe Umrisse: "Das Schlimmste, was einem Menschen geschehen kann, besteht Versicherungen, Parteien und den Medien zu Folge darin, dass er zum 'Konsumkrüppel' wird [...]. Entscheidend ist [...], dass das seelsorgerliche Gespräch z.B. dazu beiträgt, dass dieser Mensch wieder in sein Leben hineinfindet [...] [um] es führen zu können - auch bei sinkendem Verbrauch." Engemann zielt mit dieser Konsumkritik vor allem auf das Spannungsschema des Unterhaltungsmilieus und des Selbstverwirklichungsmilieus ab, welche einen hedonistischen Lebensstil pflegen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Seelsorge-Handbuch von Engemann: Dieses Kapitel analysiert die Biographie Engemanns, seine seelsorgerliche Praxis als Gespräch mit Lehrdimension sowie sein Verständnis von Gottesvorstellung und Heil in dieser Konzeption.

2. Das Seelsorge-Handbuch von Klessmann: Hier wird der Ansatz von Klessmann untersucht, der Seelsorge als Begegnung, Begleitung und Lebensdeutung begreift, wobei der Fokus auf der Rolle der Gottesvorstellung im Kontext der Krankenhausseelsorge liegt.

3. Der Vergleich hinsichtlich der Rolle der Gottesvorstellung: Dieser Abschnitt stellt die beiden Konzepte gegenüber und reflektiert, wie trotz lutherischer Gemeinsamkeiten unterschiedliche praktische Schwerpunkte in der Poimenik gesetzt werden.

Schlüsselwörter

Seelsorge, Praktische Theologie, Gottesvorstellung, Wilfried Engemann, Michael Klessmann, Poimenik, lutherische Theologie, Erlebnisgesellschaft, Lebenskunst, Krankenhausseelsorge, Lebensdeutung, Rechtfertigung, hermeneutische Wahrnehmungswissenschaft, Seelsorgelehre, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht die Seelsorge-Handbücher von Wilfried Engemann (2007) und Michael Klessmann (2008) und analysiert, welche Gottesvorstellungen diesen Werken zugrunde liegen und wie diese die praktische Seelsorgearbeit beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?

Zentrale Themen sind das Verständnis von Praktischer Theologie, die Herausforderungen durch die moderne Erlebnisgesellschaft, die Konzepte "Lebenskunst" (Engemann) und "Lebensdeutung" (Klessmann) sowie das Verhältnis von Seelsorgelehre zu dogmatischen Fragen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Rolle der Gottesvorstellung in der jeweiligen Poimenik der beiden Autoren aufzuzeigen und zu klären, wie diese die seelsorgerliche Praxis und Identität des Seelsorgers prägt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt einen hermeneutisch-vergleichenden Ansatz. Dabei werden die Konzepte der Herausgeber analysiert und in den Kontext lutherischer Theologie eingeordnet, unter Berücksichtigung biographischer Einflüsse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Handbuchs von Engemann und des Handbuchs von Klessmann. Für beide Autoren werden Biographie, seelsorgerliche Praxis, das Ziel der Seelsorge sowie das Gottesbild detailliert untersucht und anschließend miteinander verglichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Seelsorge, Poimenik, lutherische Theologie, Erlebnisgesellschaft, Lebenskunst, Lebensdeutung, Rechtfertigung und hermeneutische Wahrnehmungswissenschaft.

Wie unterscheidet sich Engemanns Ansatz von dem Klessmanns in Bezug auf die Bibel?

Beide Autoren sind zurückhaltend mit direkten Bibelzitaten als Handlungsanweisung. Engemann nutzt die Bibel eher zur Illustration der "Lebensweisheiten Jesu", während Klessmann sie als Grundlage der "Lebensdeutung" im Glaubenshorizont verwendet.

Welche Bedeutung hat das "System Krankenhaus" für Klessmann?

Klessmann sieht das Krankenhaus als "totale Institution", die zur Entmenschlichung neigt. Er postuliert daher eine prophetische "Parteinahme" des Seelsorgers für die Patienten, um deren Würde zu wahren.

Warum spielt die Biografie für den Autor der Arbeit eine Rolle?

Die Arbeit reflektiert das eigene Vorverständnis des Autors, da dieser als Pfarrerskind und durch seine eigene Ausbildung Einflüsse auf die Analyse nicht ausschließen kann, was Teil der hermeneutischen Reflexion ist.

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Details

Title
Implizierte Gottesvorstellung und seelsorgerliche Praxis. Ein Vergleich der Seelsorge-Handbücher von Engemann und Klessmann
Grade
3,0
Author
Diplom-Theologe (Univ.) Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt (Author)
Publication Year
2011
Pages
42
Catalog Number
V176543
ISBN (eBook)
9783640979233
ISBN (Book)
9783640979516
Language
German
Tags
Seelsorge Engemann Klessmann Krankenhausseelsorge Praktische Theologie Systematische Theologie Dogmatik Gottesbild Mission Lebensdeutung Lebenskunst Erlebnisgesellschaft Freiheit Theodizee Rechtfertigung Rolle des Seelsorgenden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Theologe (Univ.) Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt (Author), 2011, Implizierte Gottesvorstellung und seelsorgerliche Praxis. Ein Vergleich der Seelsorge-Handbücher von Engemann und Klessmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176543
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