Die Krise der Bayerischen Landesbank


Hausarbeit, 2011

25 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 STRUKTUR UND GESCHÄFTSBEREICHE DER BAYERISCHEN LANDESBANK
1.1 Position in der Bankenlandschaft
1.2 Aufbau
1.3 Funktionsdefinition im Wandel der Zeit

2 DIE LANDESBANK IN DER KRISE
2.1 Die BayernLB in der Kritik
2.2 Beteiligung an der Hypo Group Alpe Adria

3 RETTUNGSMAßNAHMEN UND JURISTISCHE FOLGEN
3.1 Inanspruchnahme des Bankenrettungspaketes
3.2 Juristische Folgen

4 ARBEIT DES UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSSES IM BAYERISCHEN LANDTAG

5 AUSBLICK

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Struktur und Geschäftsbereiche der Bayerischen Landesbank

1.1 Position in der Bankenlandschaft

Die Bayerische Landesbank gehört in ihrer Eigenschaft als öffentlich­rechtliches Kreditinstitut neben den Sparkassen zur zweiten Säule des deutschen Bankensystems.

Anders als die privaten Banken (erste Säule) und der genossenschaftliche Sektor (dritte Säule) fielen Landesbanken und Sparkassen bis zum 18. Juli 2005 uneingeschränkt unter besondere staatliche Haftungsgaran­tien.[1] Diese sicherten den Instituten ihren Fortbestand bei Zahlungsunfä­higkeit und verschaffte gerade den Landesbanken Vorteile bei der Refi­nanzierung über den Kapitalmarkt; die BayernLB profitierte in diesem Zusammenhang vom Prädikatsrating „AAA“[2] Im Jahr 2001 beschloss die Europäische Kommission den Wegfall der als wettbewerbswidrig einge­stuften Bestandsgarantie.[3]

1.2 Aufbau

Die Eigentümer der BayernLB - der bayerische Sparkassenverband und der Freistaat Bayern - übertrugen am 9. September 2002, reaktionär auf den Wegfall von Anstaltslast[4] und Gewährträgerhaftung[5], ihre Anteile auf eine Landesbank-Finanzholding AG, die als Anstaltsträgerin und unmittel­bare Eigentümerin fungiert. Der Freistaat sowie der Sparkassenverband Bayern sind damit zu mittelbaren Eigentümern der BayernLB geworden. Ein wesentlicher Vorteil dieser Dachgesellschaftskonstruktion liegt in der Möglichkeit, unter Zwischenschaltung der Holding Eigenkapital am Kapitalmarkt zu beschaffen und so strategische Partner in den Kreis der Ei­gentümer aufzunehmen.[6]

Die Umsetzung des Aufgabenkatalogs erfolgt über die Landesbank als Anstalt des öffentlichen Rechts. Vorstand, Verwaltungsrat und die Gene­ralversammlung sind Organe der BayernLB.[7] Laut gesetzlicher Regelung führt der Vorstand die Geschäfte der Bank; er hat diese nach kaufmänni­schen Grundsätzen unter Beachtung ihres öffentlichen Auftrages zu lei­ten. Die Mitglieder des Vorstands werden durch den Verwaltungsrat be- stellt.[8]

Die Aufgaben und Zuständigkeiten des Verwaltungsrats sind im Gesetz über die Bayerische Landesbank, der Satzung der BayernLB und den Corporate-Governance-Grundsätzen geregelt. Er beschließt die Richtli­nien für die Geschäftspolitik der Bank und überwacht deren Geschäftsfüh- rung.[9]

Die mittelbaren Träger, Freistaat Bayern und Sparkassenverband Bayern, üben ihre Rechte in Bezug auf die Bank in der Generalversammlung aus. Diese beschließt insbesondere über die Satzung der Bank.[10]

Gemäß Artikel 2 des novellierten Bayerischen Landesbankgesetzes (BayLBG) vom 27. Juli 2009 habe die Bank insbesondere die Aufgabe, „in Bayern durch Ihre Geschäftstätigkeit unter Beachtung der Markt- und Wettbewerbserfordernisse den Wettbewerb zu stärken und die angemes­sene und ausreichende Versorgung der Wirtschaft, insbesondere des Mittelstands und der öffentlichen Hand mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherzustellen.“ Sie sei eine im Wettbewerb stehende Ge­schäftsbank, die sich regional schwerpunktmäßig auf Bayern, Deutsch­land und die angrenzenden Wirtschaftsräume Europas konzentriere. Wei­terhin sei sie die Zentralbank der Sparkassen. Sie übernehme die Funkti­on einer Kommunalbank und für den Freistaat Bayern die Funktion einer Hausbank.[11]

Als Kernkompetenz lässt sich die klassische Kreditfinanzierung bezeich­nen. Darunter fallen Betriebsmittel-, Investitions- und Handels- sowie ge­werbliche Immobilienfinanzierungen für mittlere bis große Firmenkunden. Zudem ist die BayernLB in der Projekt- und Exportfinanzierung aktiv. Di­verse Kapitalmarktprodukte wie z. B. Schuldscheindarlehen und Unter­nehmensanleihen ergänzen das Leistungsangebot.[12]

Um ihre Zwecke zu erfüllen, bedient sich die Bank dem Instrument diver­ser Tochtergesellschaften bzw. Beteiligungen.

Über die Deutsche Kreditbank (DKB) als Tochtergesellschaft bearbeitet die BayernLB das Privatkundensegment. Das Bauspargeschäft wird über die rechtlich unselbständige Landesbausparkasse (LBS) abgewickelt. Die Bayerische Landesbodenkreditanstalt übernimmt im öffentlichen Auftrag das Wohnungs- und Städtebaufördergeschäft.[13] Über die ungarische MKB-Bank hat die Landesbank Zugang in den ost- und mitteleuropäi­schen Markt. Bis zum Juni 2010 war die BayernLB an der Landesbank Saar beteiligt.

1.3 Funktionsdefinitionen im Wandel der Zeit

Warf man in den letzten Jahren einen Blick auf Renditevergleiche deut­scher Banken, so lies sich feststellen, dass Landesbanken trotz breiter Produktpalette eher am unteren Ende der Erfolgsskala wiederzufinden waren (siehe Anhang). Offensichtlich ist es Ihnen auch in Zeiten der staatlichen Haftung gegenüber den privaten und genossenschaftlichen Kreditinstituten nicht gelungen, überdurchschnittliche Eigenkapitalrendi­ten zu erbringen.

Die Sparkassen setzen in ihrer Strategie auf das Hausbankprinzip, bei der der persönlichen und langfristigen geschäftlichen Kundenbeziehung eine besondere Bedeutung zukommt. Es lässt sich eine gewisse Arbeitsteilung zwischen den regional aufgestellten Sparkassen und den übergreifend als Zentralinstitute agierenden Landesbanken erkennen.

Es ist nicht möglich, als Landesbank im Retail- und Mittelstandsgeschäft in Konkurrenz zu den Sparkassen zu treten.[14] Große Margen sind für Landesbanken in ihren traditionellen Geschäftsbereichen nicht zu erwirt­schaften.

Auftrag und Funktion der Landesbanken haben sich auch aus diesem Grund in den letzten Jahren stark verändert. Wurde ihnen ursprünglich vor allem die Staats- und Kommunalbankfunktion mit dem Fokus auf die Erfüllung des öffentlichen Auftrags, der Förderung des Bundeslandes unter Beachtung des Regionalprinzips zugeschrieben, so hat sich dieses Bild mittlerweile verändert.[15] Der öffentliche Auftrag hat an Bedeutung abgenommen, die Landesbanken agieren zunehmend international, wei­sen einen hohen Anteil an Interbankengeschäft auf und haben zum Teil erfolgreiche Retailbankaktivitäten aufgebaut. Die Sparkassenzentralbank­funktion ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der Landesbanken.

Der Auftrag hat sich jedoch von der Förderung des Sparkassenverkehrs und der Liquiditätsversorgung hin zur Herstellung wettbewerbsfähiger Bankprodukte für Sparkassenkunden deutlich erweitert.[16]

2 Die Landesbank in der Krise

2.1 Die Bank in der Kritik

Unabhängig von vorhandenem Ertragspotenzial lagen den Landesbanken ehrgeizige Zielvorgaben vor. Die Eigentümer, Sparkassen und Bundes­länder, forderten eine jährliche Eigenkapitalrendite in Höhe von 15 Pro­zent.[17] Die Landesbanken haben sich zur Erreichung dieser Renditevor­gaben aufgrund ihrer begrenzten Ertragsmöglichkeiten teilweise beacht­lich von ihren originären Aufgaben entfernt - so auch die Bayerische Lan­desbank.

Es bot sich an, die bis dato überschaubaren Eigenkapitalrenditen in Höhe von 4-5 % - abweichend von ihrer Kernkompetenz - durch Geschäfte auf dem internationalen Kapitalmarkt zu steigern.[18] Nach Ansicht von Prof. Dr. Faltlhauser, dem ehemaligen bayerischen Finanzminister und Mitglied des Verwaltungsrats der BayernLB, seien bereits Gewährträgerhaftung und Anstaltslast die Einladung zu weltweiter Präsenz gewesen.[19] Ausgelöst durch den Immobilienboom in den USA erschien eine Variante besonders reizvoll: das Engagement am US-Immobilienmarkt.

Die BayernLB hat ihrem Portfolio zunächst ausschließlich mit dem Prädi­katsrating „AAA“ versehene hypothekenkreditbesicherte Wertpapiere bei­gemischt. Aufgrund der geringen Ausfallwahrscheinlichkeit der verbrieften Hypothekenkredite während des Immobilienbooms in den USA verspra­chen diese Wertpapiere überdurchschnittliche Renditen. Im Oktober 2005 änderte der damalige Vorstand der BayernLB unter dem Vorsitzenden Werner Schmidt die Bankstrategie in Bezug auf die sogenannten „Asset Backed Securities“. Von Vorteil war, dass gerade die risikobehafteteren Geschäfte mit Wertpapieren aus sogenannten Subprime-Krediten[20] über außerbilanzielle Zweckgesellschaften (Conduits) abgewickelt werden konnten, die sich der Bankenaufsicht entzogen. Dabei entzog sich nicht nur die Risikostruktur der getätigten Geschäfte, sondern auch deren Volumen.[21]

Da höhere Erträge gewünscht waren, wurden höhere Risiken einkalku­liert. Künftig sollte es erlaubt sein, in einem Umfang von 10 - 20% auch Papiere der Ratingkategorie A und BBB zu erwerben. Soweit kam es dann zwar nicht, die Position der Investments verschlechterte sich den­noch. Problematisch war die Vorgehensweise der Landesbank insbeson­dere bei der Bearbeitung der Papiere. Diese sah vor, dass die Bearbei­tung der Wertpapiere innerhalb einer Frist von acht Wochen nach Ankauf erfolgt. Diese nachträgliche Genehmigungspraxis führte im Jahr 2007, als die Finanzkrise ihren ersten Höhepunkt erreichte, zu Schwierigkeiten. Die BayernLB hatte für 1,4 Milliarden Euro ABS-Papiere erworben. Im Nach­gang bewertete die bankinterne Risikoabteilung (gemäß Feststellung durch die Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young) die Anlage nega­tiv. Den internen Regelungen der Bank folgend hätten die Papiere sofort wieder abgestoßen werden müssen, was aber aufgrund einer enormen Wertminderung bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich war. Die Immobilienblase in den USA war geplatzt; die rasant gestiegenen Finan­zierungskosten (infolge gestiegener Immobilienpreise) führten zu Zah­lungsschwierigkeiten bei den Kreditschuldnern. Sie ließen die Asset Backed Securities beinahe wertlos werden. Daraufhin setzte der Vorstand aufgrund der Besonderheit schwieriger Marktverhältnisse die eigenen Vorschriften außer Kraft und verlängerte die Frist für den Verkauf der Papiere auf Ende 2007, anschließend nochmals auf Mitte 2008.[22]

Wie dem Internetauftritt der Bayerischen Landesbank zu entnehmen ist, wurden die ABS-Papiere inzwischen einer sogenannten „Restrukturie­rungseinheit“ angeschlossen. Darin werden seit dem 1. Juli 2009 die Port­folios untergebracht, die nicht zum Kerngeschäft der Bank gehören und von denen sich die BayernLB trennen möchte. Insgesamt erlitt sie einen Verlust in Höhe von 5,2 Milliarden Euro aufgrund der Spekulation.[23]

2.2 Beteiligung an der Hypo Group Alpe Adria

Mittel- und Osteuropa gehören zu den Regionen mit außerordentlich gu­ten Wachstumsaussichten. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Ver­flechtung und dem wirtschaftlichen Aufholprozess bieten sich auch für Banken neue Ertragschancen. Veränderungen der Eigentümerstrukturen und der Rahmenbedingungen für Kreditvergaben des Bankensektors, die Finanzmarktpolitik sowie das positive konjunkturelle Umfeld haben eine rasche Entwicklung des Finanzsektors begünstigt. Infolgedessen erhielten Unternehmen und Verbraucher besseren Zugang zu Finanzprodukten, insbesondere zu Konsum- und Hypothekarkrediten.

[...]


[1] vgl. Art. 4, Abs. 1 BayLBG

[2] vgl. Denzel/Pohl, S. 256

[3] vgl. FAZ, 28.12 2010

[4] Sie entspricht der „rechtlichen Verpflichtung des Trägers einer Anstalt, diese juristische Person im Innenverhältnis mit den für die Funktionsfähigkeit notwendigen Mitteln auszustatten.“ (Gabler Wirtschaftslexikon)

[5] Die Gewährträgerhaftung entspricht der uneingeschränkten Haftung der Gewähr­träger für die Geschäftsaktivitäten einer Landesbank im Außenverhältnis (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon)

[6] vgl. Denzel/Pohl, S. 256

[7] vgl. Art. 6 BayLBG

[8] vgl. Art. 7, Abs. 1, 3 BayLBG

[9] vgl. Art. 8, Abs. 1 BayLBG

[10] vgl. Art. 10, Abs. 1 BayLBG

[11] vgl. Art. 2, Abs. 1 BayLBG

[12] vgl. Internetauftritt Bayerische Landesbank, Unternehmensprofil

[13] vgl. Internetauftritt Bayerische Landesbank, Unternehmensprofil

[14] vgl. Aussage Dr. Siegfried Naser, Schlussbericht des Untersuchungsausschusses BayernLB / HGAA, S.36

[15] vgl. Schrooten (2009), S. 392

[16] Hilgert (2008), S. 958

[17] vgl. Fügemann (2009) vgl. Schrooten (2009), S. 393

[18] vgl. Schlussbericht des Untersuchungsausschusses BayernLB / HGAA, S.1

[19] Hypothekenmarkt, bestehend aus Kreditnehmern geringer Bonität (eigene Definition)

[20] vgl. Schrooten (2009), S. 393

[21] vgl. Ott (2009)

[22]

[23] vgl. Münchner Abendzeitung v. 30.03.2011

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Krise der Bayerischen Landesbank
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V176565
ISBN (eBook)
9783640978410
ISBN (Buch)
9783640978441
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krise, bayerischen, landesbank
Arbeit zitieren
Jennifer Rudowicz (Autor), 2011, Die Krise der Bayerischen Landesbank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176565

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