Das Portfolio - Ein Mittel zur individuellen Leistungsbewertung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
11 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Grundgedanke des Portfolios

3. Bestandteile eines Portfolios und ihre potentielle Bewertbarkeit
3.1 Das prozessorientierte Portfolio – Entwicklungen darstellen
3.1.1 Sprachenpass
3.1.2 Sprachenbiografie
3.1.3 Dossier
3.2 Das produktorientierte Portfolio – Die Beurteilung als Ziel

4. Das Portfolio als Prüfungsgrundlage

5. Fazit – Portfolio ist nicht gleich Portfolio

Literaturnachweis

1. Einleitung

Insbesondere durch die Entwicklung des Europäischen Portfolios für Sprachen hat der Portfoliogedanke in den letzten Jahren immer mehr Einzug in den Fremdsprachenunterricht gehalten. Das Fremdsprachenportfolio soll dabei ein Weg sein, um den Lerner zu Selbstständigkeit, eigenverantwortlichem Lernen und einer realistischen Selbsteinschätzung zu befähigen (vgl. Haß 2003, 203).

Zunehmend wird das Portfolio auch als ‚greifbares Produkt’ von autonomem Lernen verwendet und aufgrund der Unverzichtbarkeit von Noten auch zur Bewertung herangezogen. Es ist Ziel dieser Arbeit, zu untersuchen, inwieweit dieser Schritt mit den Zielsetzungen der Portfolioarbeit vereinbar ist. Während das Portfolio zur Bewertung von Projektarbeiten und als Grundlage von Prüfungen durchaus geeignet ist, widerspricht eine direkte Bewertung des Portfolios dem mit ihm verbundenen Grundgedanken.

Um einen Ausgangspunkt zu schaffen, soll zuerst ein Überblick über den Portfoliogedanken gegeben werden, wobei auch auf die verschiedenen Funktionen des Portfolios eingegangen wird. Im Folgenden sollen die Bestandteile eines Portfolios sowie ihre potentielle Bewertbarkeit untersucht werden. Dabei wird aufgrund ihrer besonderen Zielsetzungen speziell auf das Entwicklungsportfolio und das Beurteilungsportfolio eingegangen. Um die Verwendung von Portfolios als Prüfungsgrundlage zu veranschaulichen werden danach einige Beispiele aus einem Erfahrungsbericht von Thilo Koch angebracht und auf den Englischunterricht übertragen. Abschließend sollen die gesammelten Informationen zu einem Überblick zusammengefasst werden, der vor allem den hohen Grad an Individualität mit einbezieht, der mit der Portfolioarbeit verbunden ist.

Bei der Bearbeitung des Themas haben sich Das Handbuch Portfolioarbeit: Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung, herausgegeben von Brunner, Häcker und Winter sowie die Fachdidaktik Englisch von Frank Haß als überaus hilfreich erwiesen.

2. Der Grundgedanke des Portfolios

Will man sich den Grundgedanken des Portfolios vergegenwärtigen, so genügt dafür bereits die Gegenüberstellung der beiden Fragen ‚Was kannst du?’ und ‚Wie wurdest du bewertet?’. Die Tatsache, dass unterschiedliche Lehrpersonen dieselbe Schülerleistung nicht zwingend mit der gleichen Note bewerten, belegt die Subjektivität dieser Art von Leistungskategorisierung. Darüber Hinaus ist eine Ziffer als Bewertung nicht zwingend transparent, da sie sowohl dem Lerner selbst, als auch Außenstehenden, wie Eltern oder zukünftigen Arbeitgebern, die Leistungen eines Schülers nicht eindeutig nachvollziehbar darstellt. Das Portfolio hingegen bietet sehr viel weiter reichende Möglichkeiten, da es die tatsächlichen Kompetenzen des jeweiligen Lerners authentisch dokumentiert (vgl. Vierlinger, 40). Personen, die an den Leistungen eines Lerners interessiert sind, können sich also mithilfe seines Portfolios einen umfassenden und unverfälschten Eindruck über dessen Fähigkeiten verschaffen.

Elfriede Schmidinger beschreibt das Portfolio als eine „zweck- und zielgerichtete Auswahl eigener Arbeiten einer Schülerin bzw. eines Schülers, in welcher die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen in einem oder mehreren Bereichen dargestellt und reflektiert werden“ (Schmidinger, 68). Diese Prozesshaftigkeit und Vielfalt der Portfolioarbeit führt dazu, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen in der Fremdsprache besser einzuschätzen lernen und ihre individuellen Arbeits- und Lerntechniken insgesamt weiterentwickeln können (vgl. Klippel/Doff, 250).

Das Schülerportfolio kann Schmidinger zufolge vielfältige Anwendungen im Unterricht finden. Sie führt das Portfolio als alternatives Beurteilungsinstrument, Diagnoseinstrument, Lehr-Lern-Instrument, als Entwicklungsinstrument sowie als persönliches Dokumentationsinstrument an (vgl. Schmidinger, 68). Zudem werden grundsätzlich zwei verschiedene Funktionen von Portfolios unterschieden: Die Vorzeigefunktion, welche produktorientiert ist und der Dokumentation dient, und die pädagogische Funktion, bei welcher das Portfolio prozessorientiert ausgerichtet ist und als Motivations- und Arbeitsinstrument dient (vgl. Legutke 2005).

3. Bestandteile eines Portfolios und ihre potentielle Bewertbarkeit

Das Portfolio als Arbeitsinstrument im Unterricht ist äußerst vielseitig und kann dementsprechend auf zahlreiche Ziele ausgerichtet sein, welche im Einzelnen betrachtet jeweils andere Anforderungen an die Gestaltung und den Inhalt des Portfolios stellen. Im Folgenden soll auf zwei Arten von Portfolios und deren Gebrauch als Bewertungsinstrument genauer eingegangen.

3.1 Das prozessorientierte Portfolio – Entwicklungen darstellen

Ein Entwicklungsportfolio, hier nach dem Muster des Europäischen Portfolios für Sprachen, setzt sich in der Regel aus drei Bestandteilen zusammen: Dem Sprachenpass, der Sprachenbiografie und dem Dossier. Der Sprachenpass gibt Auskunft über die individuelle Sprachkenntnis des Lerners für alle Sprachen, die er beherrscht. Des Weiteren beinhaltet er bereits erworbene schulische oder außerschulische Zeugnisse der Sprachkenntnis. In diesen Teil des Portfolios fügt der Lerner auch eine Selbsteinschätzung an, welche er anhand der sechs Niveaustufen A1 bis C2 vorgenommen hat. In der Sprachenbiografie dokumentiert der Lerner seine persönliche Geschichte des Sprachenlernens, seine interkulturellen Erfahrungen und seine Ziele sowie die entsprechende Planung für das Sprachenlernen auf Basis der Selbsteinschätzung. Das Dossier ist mit einer klassischen Sammelmappe zu vergleichen und beinhaltet Lernerprodukte, welche exemplarisch den Lernstand des Schülers darstellen (vgl. Legutke 2005).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Portfolio - Ein Mittel zur individuellen Leistungsbewertung?
Hochschule
Universität Potsdam  (Fremdsprachendidaktik)
Veranstaltung
Lernberatung im Englischunterricht
Note
1.7
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V176635
ISBN (eBook)
9783640979882
ISBN (Buch)
9783640979967
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Englischunterricht, Lernberatung, Portfolio, Leistungsbewertung
Arbeit zitieren
Janine Börstler (Autor), 2011, Das Portfolio - Ein Mittel zur individuellen Leistungsbewertung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176635

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