Die Stadtbevölkerung im Spätmittelalter


Seminararbeit, 2011
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Leben in der Stadt

III. Soziale Gliederung der Stadt

IV. Fazit: Städte als Gewinner der Entwicklungen

V. Bibliographie

I Einleitung

„Das Bürgertum des sogenannten Mittelalters war eine dynamische und aktive Kraft, die die Wirtschaft und Gesellschaft der Epoche revolutionär entfaltete und mitgestaltete, aber nicht grundlegend veränderte und politisch beherrschte, sondern eingebettet blieb in ihre feudale Gesellschaft und Welt, neben und in ihr sich entfaltete, aber von ihr beschattet blieb.“[1]

Die Stadtbevölkerung der spätmittelalterlichen Stadt zu beleuchten ist Inhalt dieser Reflektion. Basierend auf dem Vortrag von Herrn Müller am 30.05.2011 soll ein kurzer Überblick über Gesellschaft, tägliches Leben und Wirtschaft dieser Zeit gegeben werden.

II Leben in der Stadt

Die soziale Gruppe der Stadtbewohner entstand in einer Zeit, in welcher auch viele Quellen entstanden. Ein offizieller Stadtbürger war man entweder durch Geburt oder durch das Zuziehen vom Lande, wenn man denn frei war von einem Grundherrn (Juden bspw. konnten als Nicht-Christen kein Bürgerrecht erlangen, sie waren lediglich „Einwohner“[2] ).

Für die Mitte des 14. Jahrhunderts wird der Anteil der Stadtbewohner auf etwa 20% der Gesamtbevölkerung geschätzt[3].

In den Städten erreichte man eine hohe Effizienz bei der Produktion aller Produkte, Absatzmärkte gab es direkt dort am Markt. Die Produktion war meist höher als der Stadtverbrauch, dies nutzte man für Fernhandelsgeschäfte.

Geschlossene Städtebünde bekamen dadurch politisches und militärisches Gewicht, wurden aber trotz ihres meist defensiven Charakters 1231 reichsrechtlich verboten.[4]

Ein großes Sozialgefälle herrschte innerhalb der Städte: Die wohlhabende Ratsfamilien bildeten die Oberschicht, kleine Handwerker, Gesellen, Tagelöhner usw. die Unterschicht auf Existenzminimum (in diese Sparte gehörten auch Bettler etc.) Einen besonders negativen Status hatten gewisse „unehrliche“ Berufe, wie der des Scharfrichters, Henkers oder Abdeckers. Auch fahrende Spielleute und Totengräber gehörten dazu; Nachkommen dieser „unehrlichen Familien“ hatten kaum Chancen, später einen anderen, ehrlichen Bruf auszuüben.[5]

Als Frühstädter bezeichnete man diejenigen Stadtbewohner, welche aus den Landbewohnern hervorgingen. Diese waren zunächst personenrechtlich unfrei (d.h. den jeweiligen Stadtherren unterworfen und damit auch abgabepflichtig), jedoch erzwang man sich ab dem 13. Jahrhundert zunehmend Freiheiten (die „Emanzipation“ vom Stadtherren).

Im Inneren waren größere Orte oder Städte keine „Stätten brüderlicher Gleichheit“[6], Kleiderordnungen und Konsumgesetze grenzten die Menschen voneinander ab und schärften die Unterschiede des täglichen Lebens und Miteinanders innerhalb einer Stadt.

Unter der Führung der Oberschicht bildeten die Bürger einen selbstständigen Bürgerstand, welcher der Form nach dem des Adels gleichgestellt war.

Das Bürgerrecht bekam, wer ein Jahr und einen Tag in der Stadt gelebt hatte, und damit personenrechtlich frei von Adeligem oder Grundherren war. Jedoch hieß das Bürgerrecht zu besitzen nicht gleichzeitig, ein Bürger der Stadt zu sein; Tagelöhner beispielsweise waren zwar frei, aber keine Bürger der Stadt. Das Kriterium um diesen Status zu erreichen war, dass der Bürger Grundbesitz mit Steuerpflicht in der Stadt innehatte. Allgemein gesagt sollte der Bürger nichts gegen seine Stadt unternehmen, sondern „deren Nutzen und Ehre mehren sowie Rat und Bürgermeistern gehorsam sein.“[7]

Die städtische Oberschicht bestand ursprünglich aus Angestellten des Stadtherren, ihre Aufgabenbereiche lagen in der Verwaltungen und den Steuereinnahmen („Ministerialen“).[8]

Sie sollten das Umland beobachten und zwischen der städtischen Führungsschicht und dem Landadel Vergleiche anstellen, um die Differenzierung in der Stadtbevölkerung zu verstehen. Ministerialen gab es auch auf dem Land. Ihre Aufgaben waren Rechtsprechung, Abgabeneinziehen, militärische Aufgaben als Konkurrenz zu den Rittern. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts hatten diese sogar ein „Ritterethos“ mit spezieller Kampfform und speziellem Kulturideal entwickelt, einschließlich insbesondere auch dem Minnedienst. Ritter waren freie Dienstleute, Ministeriale jedoch unfrei. Es folgte hieraus, dass die Grenzen verschwammen und Ritter sowie Miniestriale später zum „niederen Landadel“ verschmolzen.

Die alten feudale Kräfte, hier vor allem der Landadel, sah auf die städtischen „Peffersäcke“ herab[9], unter anderem wohl da sie ihnen deren steigenden Wohlstand neideten während der eigene immer weiter herab sank[10].

Die städtische Unterschicht bildeten Bettler und Tagelöhner, auch dies hing von der Abstammung ab. Der gesellschaftliche Aufstieg war in der Stadt leichter als auf dem Land, der Abstieg jedoch ebenso.

[...]


[1] Karl Bos, Grundlagen der modernen Gesellschaft im Mittelalter, Band II, 1972, S. 248

[2] Ernst Döll, Städte und Bürger im Mittelalter, Hamburg 1990, S. 48

[3] Norbert Fuchs, Werner Goez, Die Stadt im Mittelalter, München 1977, S. 7

[4] Bernd Fuhrmann, Die Stadt im Mittelalter, Stuttgart 2006

[5] Ebd., S. 97

[6] Norbert Fuchs, Werner Goez, Die Stadt im Mittelalter, München 1977, S. 8

[7] Bernd Fuhrmann, Die Stadt im Mittelalter, Stuttgart 2006, S. 77

[8] lt. Vortrag Peter Müller, Universität Hildesheim, am 30.05.2011 im Seminar „Herbst des Mittelalters“

[9] Norbert Fuchs, Werner Goez, Die Stadt im Mittelalter, München 1977, S. 8

[10] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Stadtbevölkerung im Spätmittelalter
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Das 14. und 15. Jahrhundert - Herbst des Mittelalters?
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V176642
ISBN (eBook)
9783640979929
ISBN (Buch)
9783656367109
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadtbevölkerung, spätmittelalter
Arbeit zitieren
Svenja Strohmeier (Autor), 2011, Die Stadtbevölkerung im Spätmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176642

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