Berlin stellt auf Grund seiner Geschichte einen Sonderfall unter den Bundesländern dar und kann daher nicht ohne weiteres mit diesen verglichen werden. Um die besonderen Herausforderungen für die Wirtschaft und auch die Wirtschaftsförderpolitik in Berlin zu verdeutlichen, wird zu Beginn der Arbeit ein kurzer Abriss der Geschichte des Wirtschaftsstandortes Berlin im 19. und 20. Jahrhundert geliefert. Dem schließt eine Betrachtung des Strukturwandels der Berliner Wirtschaft an, die zu der These hinführt, dass der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt vorerst als gescheitert angesehen werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GESCHICHTE DES WIRTSCHAFTSSTANDORTES BERLIN
3. STRUKTURWANDEL DER BERLINER WIRTSCHAFT
4. DAS 3-SEKTOREN-MODELL
5. BERLIN ALS DIENSTLEISTUNGSSTADT
6. WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IN BERLIN
7. AUSBLICK
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Berlin nach der Wiedervereinigung und analysiert, warum der angestrebte Wandel von einer Industriemetropole zu einer Dienstleistungsstadt bisher als gescheitert betrachtet werden muss.
- Historische Einordnung des Wirtschaftsstandortes Berlin im 19. und 20. Jahrhundert
- Analyse des Strukturwandels und der Auswirkungen des Wegfalls von Fördermitteln
- Kritische Beleuchtung des 3-Sektoren-Modells in Bezug auf die Berliner Realität
- Untersuchung der Schwächen der Berliner Dienstleistungsbranche und des öffentlichen Sektors
- Darstellung der aktuellen Ansätze zur wirtschaftlichen Neuausrichtung und Clusterbildung
Auszug aus dem Buch
Geschichte des Wirtschaftsstandortes Berlin
Die preußische Residenzstadt Berlin und seit 1871 Hauptstadt des Deutschen Reiches hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Industriemetropole und zum Mittelpunkt des industriellen Fortschritts entwickelt: „Mit der Gründung des Reiches wird Berlin beides: eine Entscheidungszentrale in der europäischen und später auch in der Weltpolitik und eine Metropole der Wirtschaft“1. Neben der Bedeutung als Industriestandort war Berlin auch wichtiger Finanzplatz und konnte sich selbstbewusst in die Reihe anderer europäischer Metropolen wir London, Paris und Wien stellen.
Seit 1875 gab es erstmals mehr als eine Million Einwohner2, von denen die Mehrheit aus Schlesien und anderen östlichen Provinzen kamen, so dass man auch bis heute geflügelt davon spricht, dass in Berlin stets mehr als die Hälfte der Einwohner nicht aus Berlin gebürtig sind. Um die Jahrhundertwende wohnten in Berlin etwa 2 Millionen Einwohner, davon arbeiteten nach einer Statistik von 1905 etwa 55% in der Industrie, 25% in Handel und Verkehr und nur 7% im öffentlichen Dienst oder in den freien Berufen.3 Auf den massiven Zuzug von Neu-Berlinern wurde 1920 mit dem Groß-Berlin-Gesetz reagiert, durch das 6 kreisfreie Städte, 59 Gemeinden und 27 Gutsbezirke eingemeindet wurden. Die Fläche der Stadt vergrößerte sich auf einem Schlag von 66km² auf 883km², die Einwohnerzahl verdoppelte sich auf nahezu 4 Millionen Einwohner.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Besonderheit Berlins als historischen Sonderfall und führt in die zentrale Problemstellung ein, dass der Strukturwandel Berlins zur Dienstleistungsstadt bislang nicht den erhofften Erfolg brachte.
GESCHICHTE DES WIRTSCHAFTSSTANDORTES BERLIN: Dieses Kapitel zeichnet den Aufstieg Berlins zur Industriemetropole im 19. Jahrhundert sowie die Auswirkungen von Krieg, Teilung und Wiedervereinigung auf die Wirtschaftsstruktur nach.
STRUKTURWANDEL DER BERLINER WIRTSCHAFT: Hier wird der ökonomische Einbruch nach 1990 analysiert, insbesondere der Verlust industrieller Arbeitsplätze und die Folgen des Subventionsabbaus.
DAS 3-SEKTOREN-MODELL: Das Kapitel erläutert die theoretische Verschiebung von Arbeitsplätzen in den tertiären Sektor nach Jean Fourastié und reflektiert deren Anwendbarkeit auf die Berliner Situation.
BERLIN ALS DIENSTLEISTUNGSSTADT: Diese Analyse zeigt auf, dass der Dienstleistungssektor in Berlin bisher nicht in der Lage war, die Verluste aus dem produzierenden Gewerbe zu kompensieren, da oft in den Niedriglohnsektor ausgewichen wurde.
WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IN BERLIN: Das Kapitel liefert eine Bestandsaufnahme der schlechten Kennzahlen im Bundesvergleich und thematisiert die Auswirkungen der Haushaltskonsolidierung auf die regionale Wirtschaft.
AUSBLICK: Der Ausblick diskutiert Hoffnungszeichen durch den Regierungsansiedlungsboom und die neue Strategie der Senatsverwaltung zur Förderung von Kompetenzclustern.
Schlüsselwörter
Berlin, Wirtschaftsentwicklung, Strukturwandel, Industriemetropole, Dienstleistungsstadt, 3-Sektoren-Modell, Bruttowertschöpfung, Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstandort, Haushaltskonsolidierung, Kompetenzfelder, Wirtschaftscluster, Wirtschaftsförderung, Beschäftigung, Regionalwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wirtschaftliche Transformation Berlins nach der Wiedervereinigung und analysiert kritisch den Wandel des Standortes von einer Industriemetropole hin zu einer Dienstleistungsstadt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Entwicklung Berlins, die Auswirkungen des Strukturwandels auf den Arbeitsmarkt, die Analyse der Dienstleistungsbranche sowie aktuelle politische Ansätze der Wirtschaftsförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht die These, dass der angestrebte Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt in Berlin vorerst als gescheitert angesehen werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung statistischer Daten sowie der Untersuchung aktueller wirtschaftspolitischer Strategiepapiere und Gutachten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die statistische Analyse des Beschäftigungsrückgangs in der Industrie, die theoretische Einordnung mittels des 3-Sektoren-Modells sowie eine kritische Bewertung der Berliner Wirtschaftslage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Strukturwandel, Industriemetropole, Dienstleistungssektor, Bruttowertschöpfung, Wirtschaftscluster und Wirtschaftsförderung.
Warum ist Berlin als Wirtschaftsstandort ein Sonderfall?
Berlin unterscheidet sich durch seine spezifische Geschichte, insbesondere die Teilung, die über Jahrzehnte andauernde Subventionierung West-Berlins und den abrupten Wegfall dieser Unterstützung nach 1990.
Welche Rolle spielt der öffentliche Dienst in der Berliner Wirtschaft?
Der öffentliche Sektor hatte in Berlin eine stabilisierende Wirkung, wird aber aufgrund von Haushaltszwängen stark reduziert, was wiederum die regionale Gesamtwirtschaft negativ beeinflussen kann.
Wie bewertet der Autor die aktuelle "Jobmaschine Dienstleistung"?
Der Autor stuft diese Entwicklung als kritisch ein, da oft ein kaufkraftschwacher Niedriglohnsektor entstanden ist, der die Bruttowertschöpfung nicht nachhaltig steigern kann.
Welche Hoffnung gibt es für die wirtschaftliche Zukunft Berlins?
Hoffnungsträger sind Neuansiedlungen durch den Hauptstadtumzug der Bundesregierung sowie die Fokussierung auf wissensintensive Wirtschaftscluster wie Biotechnologie und Medizintechnik.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Pol. Martin Reiher (Autor:in), 2008, Die Wirtschaftsentwicklung des Landes Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176751