Sprachtypologie und Wortarten

Typologischer Vergleich zwischen dem deutschen und dem spanischen Substantiv


Hausarbeit, 2010

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Sprachtypologie
1.1 Der isolierende Typ
1.2 Der agglutinierende Typ
1.3 Der flektierende Typ
1.4 Der introflexive Typ
1.5 Der polysynthetische Typ

2. Sprachtypologie und Wortarten
2.1 Klassifikationskriterien für Wortarten

3. Flexionsmorphologie und Paradigmenbildung
3.1 Paradigmenbildung
3.2 Hierarchien in Flexionsparadigmen
3.3 Ikonismus und morphologische Formmittel

4. Flexionsparadigmen des Substantivs im Deutschen

5. Flexionsparadigmen des Substantivs im Spanischen

6. Schluss

7. Bibliographie

Einleitung

Vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich das deutsche- und das spanische Substantiv in ihrer Typologie unterscheiden. Aufgrund der komplexen Numerus- und Kasusmarkierung des Nomens im Deutschen ist zu erwarten, dass die deutsche Sprache eine flektierende Sprache ist. Da jede Sprache nicht nur einer Typologie entspricht, sondern eine Gesamtheit von Merkmalen verschiedener Sprachtypen beinhaltet, wird in dieser Arbeit analysiert, welche Charakteristika das Substantiv beider Sprache enthält.

In dieser Hausarbeit werden die Flexionsparadigmen des deutschen Substantivs mit dem spanischen verglichen. Zuerst soll auf die Grundlagen der Sprachtypologie, die Klassifikationskriterien der Wortarten und auf allgemeines zur Flexionsmorphologie und zur Paradigmenbildung eingegangen werden. Im Anschluss wird die Flexionsmorphologie der Substantive beider Sprachen behandelt. Es soll erklärt werden, welche morphologischen Paradigmen des Substantivs im Deutschen und im Spanischen es gibt, wie diese Wortformen in der jeweiligen Sprache in Flexionsparadigmen organisiert sind, wie sich diese Wortformen innerhalb des bestimmten Paradigmas formal zueinander verhalten, wie die Substantive in den jeweiligen Sprachen dekliniert werden und wie sie sich unterscheiden. Schließlich wird analysiert, wie das Substantivische Paradigma im Deutschen und im Spanischen in der Nominalphrase aufgebaut ist.

Des Weiteren soll das spanische Nomen untersucht und dem deutschen gegenübergestellt werden. Anhand der Sprachtypologie werden dann die spanischen und deutschen Substantive verschiedenen Klassen zugeordnet. Dort wird erklärt, welcher typologische Zug bzw. zu welcher Typologie das deutsche Substantiv und das spanische Substantiv gehören.

1. Sprachtypologie

Die Lehre der Typologie beruht auf Ähnlichkeiten und Differenzen in der Grammatik der Sprachen. Die moderne Typologieforschung untersucht die einzelnen grammatischen Einheiten und Teilsysteme der Sprachen in Bezug auf ihre typologische Struktur und ihren Aufbau (Wurzel 1996: 492). Auf dieser Ebene versucht sie, die Ähnlichkeiten und Unterschiede von Sprachen zu klassifizieren. Diese Ähnlichkeiten, die im Laufe der Entwicklung der Sprache entstanden sind, haben einen Grund. Sie basieren auf bestimmten Zusammenhängen und sind nicht zufällig entstanden. Die Sprachtypologie befasst sich auch mit diesen Zusammenhängen, das heißt, mit der typologischen Entwicklung einer Sprache. Die Totalität derartiger Zusammenhänge nennt man Typ. Diese Haupttypen werden als ein Ganzes entworfen. Schon Humboldt hat aber konstatiert, dass die Sprachen nicht einheitlich typologisch aufgebaut sind, denn es ist nicht möglich, eine eindeutige Klassifikation der Sprache vorzunehmen, weil es keine Sprache gibt, die nur Eigenschaften eines bestimmten Sprachtyps zeigen, sondern vielmehr eine Gesamtheit von Charakteristika verschiedener Sprachtypen. Skalička hat auch betont, dass „jede gegebene Sprache Struktureigenschaften mehrerer Sprachtypen aufweist“(Wurzel 1996: 493 Vgl. Skalička 1979: 23).

Die Sprachtypologie basiert auf morphologischer Grundlage basiert, d.h. sie hat ursprünglich indogermanische Sprachen mit stärkeren Flexionsmerkmalen verglichen. Aus diesem Grund galt der morphologische Bau des Wortes selbst als das wichtigste Klassifikationsmerkmal in der Sprachtypologie. Diese Sprachen wurden dann mit anderen Familien und Gruppen auf der morphologischen Ebene verglichen, um eine Klassifikation zu erzielen (Loukine 2001: 1-2).

In seinen „Sprachtypologischen Untersuchungen“ unterscheidet Skalička fünf morphologisch unterschiedliche Sprachtypen: Der isolierende Typ, der agglutinierende Typ, der flektierende Typ (auch fusionierend genannt), der introflexive Typ und der polysynthetische Typ, der zum polysynthetisch-inkorporierenden Typ erweitert wurde.

1.1 Der isolierende Typ

Das wichtigste Merkmal dieses Typs ist die Unveränderlichkeit der Wörter. Man benutzt keine Affixe bei der Deklination und Konjugation, und die Satzkonstruktion wird durch die Wortfolge sowie durch Hilfswörter (Konjunktionen und Präpositionen) gebildet. Substantive und Adjektive bleiben unverändert und sie werden mit anderen Wörtern durch ein besonderes Wort verbunden. Weitere Eigenschaften des isolierenden Typs sind die Neigung zur Einsilbigkeit, das Fehlen der Genera, die zahlreichen Präpositionen, das Fehlen der Homonymie und Synonymie, die Vermeidung der Bildung von Komposita und der Ableitung durch Suffixe, keine vollkommen scharfe Abgrenzung zwischen Substantiven und Verben, das häufige Auftreten von Pronomina, u. a.

Ein bekanntes Beispiel der isolierenden Sprache stellt das Chinesische sowie die polynesischen Sprachen dar. Viele westeuropäische Sprachen gehören jedoch auch zu diesem Typ bzw. weisen starke Züge dieses Sprachtyps auf. Nach Ansicht von Skalička gelten das Französische und das Englische auch als isolierend. In Bezug auf die Substantive erfüllt das Französische die Bedingung der Unveränderlichkeit der Wörter. Das Subjekt und das direkte Objekt sind endungslos und werden durch die Wortfolge ausgedrückt; weitere syntaktische Konstruktionen werden in der Regel mittels Präpositionen ausgedrückt.

Mon père m´a dit. (Mein Vater hat mir gesagt)

C´est mon père. (Er ist mein Vater)

Je vois mon père. (Ich sehe meinen Vater)

Avec mon père (mit meinem Vater)

1.2 Der agglutinierende Typ

Die Haupteigenschaft des agglutinierenden Typs ist die hochentwickelte Deklination und Konjugation und das reichhaltige System der Endungen: Es werden viele Suffixe an ein Wort angehängt, z.B. Kasus und Numerus werden durch besondere Endungen ausgedrückt. Es können mehrere Suffixe aneinander gereiht werden, wobei jedes einzelne eine grammatische Funktion hat. Wegen der hohen Anzahl von Suffixen beinhaltet dieser Sprachtyp ganz wenige Präpositionen und Postpositionen. Das Fehlen der Genera, Possessivsuffixe, das Anhängen der Ableitungssuffixe an Endungen, das seltene Vorkommen von Alternation, der einheitliche Konjugationstyp, die Häufigkeit von infiniten Verbalformen und die begrenzte Anwendung von Nebensätzen sind weitere Eigenheiten dieses Typs.

Dieser Typ kommt vor allem in den sog. Altaisprachen (Türkisch), in den mongolischen Sprachen sowie in den tungusischen Sprachen (Tungusisch in Ostsibirien) vor. Ferner zählen die finnougrischen Sprachen (Finnisch, Ungarisch) dazu. Dieser Typ ist auch in einigen indogermanischen Sprachen stark ausgeprägt, z.B. Armenisch und Neupersisch. Agglutinierende Sprachen sind auch das Ketschua (die Sprache der Inkas) und viele Indianersprachen. Wichtiges Kriterium dieses Sprachtyps ist der endungslose Nominativ, der sowohl beim türkischen Substantiv als auch im Spanischen und im Deutschen die Regel ist. Das spanische Nomen bleibt jedoch in einem anderen Kasus unverändert.

1.3 Der flektierende Typ

Dieser Typ kennzeichnet sich durch die Ansammlung von bedeutungstragenden Suffixen in einem Wortteil. Grammatische Beziehungen werden dabei durch Veränderungen der inneren Struktur von Wörtern vermittelt. Sie werden durch Affixe, die mehrere grammatische Bedeutungen beinhalten, ausgedrückt. Die Kasusendungen der Substantive und der Adjektive erfüllen eine dreifache Funktion: als Kasus, Numerus und Genus. Dieser Typ findet sich in mehreren indogermanischen Sprachen: nämlich in allen slawischen Sprachen, in baltischen Sprachen (Litauisch), im Alt- und Neu Griechischen, u.a. Das Latein ist ein eindeutiges Beispiel für eine flektierende Sprache, aber auch das Deutsche, das Kasus und Numerus durch ein Morphem ausdrückt, gehört zu dieser Gruppe. Mit Bezug auf das Substantiv hat das lateinische Nomen ähnlich wie das türkische Kasusendungen. Der Unterschied besteht darin, dass die Endungen bei dem flektierenden Typ eine „numerische Bedeutung“ haben, d.h. ein Suffix dabei kann mehrere Bedeutungen auf einmal haben, während beim agglutinierenden Typ ein Suffix nur eine grammatische Funktion tragen kann. Z.B. bei dem Wort femin-as drückt das Suffix as sowohl den Plural als auch den Kasus aus (Skalička 1979: 45).

Eine weitere wichtige Abweichung zwischen Latein und Türkisch befindet sich im Nominativ. Im Türkischen gibt es einen endungslosen Nominativ. Im Lateinischen hat der Nominativ gewöhnlich eine Endung und nur in einigen Fällen fehlt die Endung. Die Funktion des Nominativs gilt als Kasus des Subjekts, d.h. im Gegensatz zum Türkischen ist der Nominativ im Latein ein Kasus wie alle anderen.

Wichtiges Merkmal dieses Typs ist auch die Kongruenz der Wörter, d.h. die morphologischen Kategorien des Adjektivs und des Substantivs, des Verbs und des Substantivs stimmen überein. Weitere Kennzeichen dieses Typs sind das Unterscheiden der Genera, der Ausdruck des Zueignens durch ein besonderes Wort, das häufige Vorkommen von Synonymie und Homonymie, die Unterschiedlichkeit in der Deklination der Substantive und Adjektive, u.a.

1.4 Der introflexive Typ

Die wichtigste Eigenschaft dieses Typs ist die Anhäufung der Bedeutung in der Wortwurzel, d.h. die morphologischen Kategorien werden an der Wortwurzel markiert. Dieser Typ ist in den semitischen Sprachen (Arabisch, Hebräisch), weniger in den keltischen und germanischen Sprachen verbreitet. Beim Substantiv ist vor allem die Pluralbildung wichtig. Diese geschieht entweder durch Stammveränderung oder durch eine Endung. Das Deutsche weist mit seinem Plural-Umlaut einen deutlichen introflexiven Zug auf. Der Umlaut allein oder der Umlaut verbunden mit einem Deklinationssuffix kann Plural markieren:

Vater - Väter Wolf - Wölfe

Mutter - Mütter Haus - Häuser

Die morphologischen Prozesse ergeben sich hier durch Modifikation. In Vater - Väter ist das a zu ä modifiziert .

1.5 Der polysynthetische Typ

Die hervorstechendste Eigenschaft des polysynthetischen Typs ist das reichliche Vorhandensein von Komposita. Dieser Typ erscheint vor allem in den ostasiatischen Sprachen, im Vietnamesischen, im Chinesischen, in geringerem Grad im Japanischen und Koreanischen. Unter den europäischen Sprachen findet er sich am stärksten im Deutschen, auch im Griechischen, ferner in etlichen finnisch-ugrischen Sprachen, so im Finnischen und Lappischen. Im Deutschen findet man zahlreiche Substantive, die durch die Bildung von Komposita ausgedrückt werden. Beispiele hierfür sind: Hausmeister, Bedeutungswort, Sonnenblumenöl.

Ein weiteres wichtiges Merkmal dieses Typs ist es, dass die Wörter weder dekliniert noch konjugiert werden. Dies geschieht besonders bei Verben.

2. Sprachtypologie und Wortarten

Die Sprachtypologie und die Theorie der Wortarten sind aufeinander bezogen, denn die Typologie hat sich auf einer morphologischen Grundlage etabliert, und die Morphologie gilt als eins der Kriterien in der Klassifikation von Wortarten, d.h. Wörter wurden als Teile der Rede und ihre Form als Grundlage für die morphologische Klassifikation betrachtet (Loukine 2001: 2 Vgl. Finck 1910: 5). Außerdem spielt der Begriff „Merkmal“ in diesen beiden Disziplinen eine zentrale Rolle und ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass es keine Sprache gibt, die nur Merkmale eines Typs aufweist.

Wortartenklassifikation und Sprachtypologie streben danach, charakteristische Eigenschaften als Einteilungsprinzipien der zu erforschenden Phänomene aufzubauen. Dabei spielen die morphologischen Merkmale traditionell eine grundlegende Rolle. Das Wort ist aber auch eine Kategorie, die sehr komplex ist und viele Dimensionen umfasst, denn in der traditionellen Grammatik gilt das Wort als „die Einheit“ und die Grundlage in der Forschung der Morphologie, Syntax und Lexikologie (Loukine 2001: 5 Vgl. Lyons 1995: 197). Aus diesem Grund spielen morphologische, syntaktische und lexikalische Eigenschaften eine vergleichbare Rolle bei der Festlegung sowohl von Wortarten als auch von Sprachtypen und das Wort steht im Mittelpunkt aller Theorien der Wortarten und der meisten typologischen Theorien.

2.1 Klassifikationskriterien für Wortarten

In allen Sprachen werden Wörter in Klassen eingeteilt, welche diese aufgrund gemeinsamer inhaltlicher und formaler Eigenschaften charakterisieren: sie stellen die sogenannten Wortarten dar. Diese formalen und semantischen Merkmale sind relevant, denn sie haben dabei einen unterschiedlichen Stellenwert für die Einordnung von Wörtern in Wortarten. Semantische Eigenheiten kennzeichnen eine zentrale prototypische Leistung, denn sie stellen die Bedeutung der Wörter dar, z.B. Adjektive können sowohl für Eigenschaften als auch für Zustände stehen (Kaltenbacher 1996: 5).

Unter den formalen Merkmalen sind syntaktische und morphologische zu unterscheiden. Syntaktische Merkmale beziehen sich auf die Distribution von Wörtern im Satz, oder auf ihre wichtigste syntaktische Funktion, d.h. auf die Klassifikation von Wörtern aufgrund ihrer Verwendung im Satz. Als ein weiteres syntaktisches Kriterium gilt die Kombinationsfähigkeit zwischen Wörtern. Die Berücksichtigung dieser Kombinationsfähigkeit spielt vor allem bei der Untersuchung flexionsarmer bzw. flexionsloser Sprachen eine wichtige Rolle (Kaltenbacher 1996: 5).

Morphologische Kriterien beziehen sich auf die Flexion der Wörter. Die Flexion ist das wichtigste und am häufigsten angewendete Kriterium, denn dieses Kriterium ist entscheidend, ob ein Wort veränderbar ist oder nicht (Knobloch & Schaeder 2000; 676). Nach diesen morphologischen Kriterien unterscheidet man die „offene“ von den „geschlossenen“ Wortarten. Zu der offenen Klasse gehören die Wortarten, die flektiert werden können, variieren können und ständig in einem Veränderungsprozess stehen (Substantive, Verben, und, in einigen Sprachen auch Adjektive und Adverbien). Bei dieser Klasse werden neue Wörter gebildet und werden als „Inhaltswörter“ kenntlich gemacht. Die Wörter der geschlossenen Klasse, im Gegensatz dazu, können nicht erweitert werden und bleiben unverändert. Zu dieser Gruppe gehören Wortarten wie Präpositionen, Konjunktionen und Pronomen. Diese Wortarten gelten als „Funktionswörter“. Mit der Unterscheidung der Wortarten in einer offenen und in einer geschlossenen Klasse ergibt sich eine typologische Variation, denn die Wörter der offenen Klasse bilden die sogenannten Flexionsparadigmen. d.h. verschiedene Wortformen, abhängig von ihrer Flexion (Kaltenbacher 1996: 6 Vgl. Schachter 1990: 13).

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Details

Titel
Sprachtypologie und Wortarten
Untertitel
Typologischer Vergleich zwischen dem deutschen und dem spanischen Substantiv
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie)
Veranstaltung
Wortarten
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
30
Katalognummer
V176781
ISBN (eBook)
9783640982103
ISBN (Buch)
9783640982172
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachtypologie, wortarten, typologischer, vergleich, substantiv
Arbeit zitieren
Isadora Rojas Marquez (Autor), 2010, Sprachtypologie und Wortarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176781

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