Orson Welles, einer der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts war begeistert von Conrads Erzähltechnik und Conrads Art, die Dinge so in Worte zu kleiden, dass einem beim Lesen ein Film in seinen prächtigsten Bildern und Farben vor Augen abläuft. ,,... Es ist tragisch, ja, es ist so dunkel, wie etwas nur dunkel sein kann. Es ist das Herz der Dunkelheit, ganz gewiss. Vermutlich ist ,,schwermütig" das beste Wort dafür, aber die Geschichte ist auch so beängstigend. ..."
Nicht nur Welles hatte Schwierigkeiten die Wirkung in Worte zu fassen, die Conrads Erzählung bei den meisten Lesern hinterlässt. Jedes Wort in Conrads Geschichten müsste - oder besser :wäre es wert - auf seine psychologische Bedeutung hin untersucht zu werden. Und selbst wenn man dies noch so akribisch tun würde, hätte man die wirklich ,,richtige" Intention dieses Autors nicht unbedingt herausgefunden. Da eine solche Untersuchung den Rahmen dieser Proseminar -Arbeit sprengen würde, möchte ich mich bei ,,Heart of Darkness" darauf beschränken, die typischen und immer wiederkehrenden Eigenarten der Conradschen Erzählung zu betrachten.
Im Folgenden werden in einer kurzen Zusammenfassung zunächst der Autor und seine Geschichte,,Heart of Darkness" vorgestellt.
Im zweiten Kapitel wird eine Textanalyse vorgenommen, wobei die Rahmenhandlung von der Binnenhandlung gesondert betrachtet wird. Abschließend gebe ich einen Abriss über die Kritik an Conrads Werken und werde sie im Schlusswort mit meinen eigenen Eindrücken kommentieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Dichter und sein Werk
2. Textanalyse
2.1. Rahmenhandlung
2.2. Binnenhandlung
3. Der Dichter, sein Werk und die Kritik
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit Joseph Conrads Erzählung „Heart of Darkness“, wobei der Fokus auf der Analyse der narrativen Strukturen und der Spiegelung von Conrads eigenen Erfahrungen im Kongo liegt. Die Forschungsfrage untersucht, wie Conrad durch die spezifische Gestaltung der Rahmen- und Binnenhandlung sowie den Einsatz von Ironie und Symbolismus eine subjektive Wirklichkeit erschafft, die den Imperialismus und die menschliche Moral kritisch hinterfragt.
- Biografische Bezüge zwischen Conrad und der Figur Marlow
- Strukturelle Analyse der Rahmenhandlung auf der „Nellie“
- Untersuchung der Binnenhandlung und des Kongo-Szenarios
- Die Darstellung von Kolonialismus, Rassismus und imperialistischer Gier
- Conrads Erzähltechnik und der Einsatz von Symbolismus
Auszug aus dem Buch
2.2. Binnenhandlung
Der europäische Kolonialismus in Zentralafrika ist der historische Hintergrund für Conrads Erzählung.
Bevor Marlow mit seiner eigentlichen Geschichte beginnt, erzählt er von der Eroberung Englands durch die Römer vor 2000 Jahren, von der Zeit als England ein unerschlossenes, unterentwickeltes Fleckchen Erde war, und von den Römern entdeckt und ausgebeutet wurde.
Vergleichsweise so, wie die Engländer Afrika erschlossen und die Europäer Amerika. Unter dem Vorwand, dem entdeckten Land den Fortschritt, Zivilisation und Kultur bringen zu wollen, jedoch zunächst seine Reichtümer ausbeuteten und die dort lebenden Menschen unterdrückten. Conrad möchte vermutlich andeuten, dass die Erschließung Englands für die römischen Soldaten auch eine Reise ins „Herz der Finsternis“ war, obwohl zwischen England und Afrika rein geografisch und klimatisch ein großer Unterschied besteht, und man sich vorstellt, dass England zu bereisen für die Römer nicht so erschreckend und beeindruckend gewesen sein kann, wie es für die Europäer war Afrika zu entdecken (und es noch heute so ist).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Faszination Orson Welles’ für Conrads Erzählkunst dargelegt und die Absicht der Autorin beschrieben, die charakteristischen Erzählstrukturen von „Heart of Darkness“ zu untersuchen.
1. Der Dichter und sein Werk: Dieses Kapitel skizziert die Biografie Joseph Conrads, insbesondere seinen Übergang vom Leben als Seemann zum Schriftsteller und die Verknüpfung seiner persönlichen Erlebnisse im Kongo mit der Figur Marlow.
2. Textanalyse: Das Kapitel gliedert sich in die Untersuchung der statischen Atmosphäre der Rahmenhandlung auf der „Nellie“ und die kritische Auseinandersetzung mit der Binnenhandlung, die den Kolonialismus thematisiert.
3. Der Dichter, sein Werk und die Kritik: Hier wird Conrads eigene Verteidigung gegen zeitgenössische Kritiker behandelt, die ihm Mangel an Klarheit und Ordnung vorwarfen, sowie sein künstlerischer Anspruch, subjektive Wahrheit zu vermitteln.
4. Schlusswort: Die Autorin resümiert, dass Conrads Werk eine tiefgreifende, hochsubjektive Abrechnung mit imperialistischer Gier ist, die den Leser zur Reflexion über eigene Normen zwingt.
Schlüsselwörter
Joseph Conrad, Heart of Darkness, Kolonialismus, Marlow, Kongo, Imperialismus, Erzähltechnik, Rahmenhandlung, Binnenhandlung, Symbolismus, Subjektivität, Zivilisation, Kurtz, Literaturwissenschaft, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Joseph Conrads Erzählung „Heart of Darkness“ im Hinblick auf ihre erzähltechnischen Besonderheiten und ihren inhaltlichen Bezug zur Kolonialgeschichte des Kongo.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die biografischen Parallelen zwischen Conrad und Marlow, die Funktion der Rahmen- und Binnenhandlung sowie die Kritik am imperialistischen Gebaren in Afrika.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Eigenarten der Conradschen Erzählweise herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, wie der Autor subjektive Erfahrungen als Mittel zur Gesellschaftskritik einsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die sowohl strukturelle als auch inhaltliche Elemente wie Symbolismus und ironische Distanz untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rahmenhandlung auf dem Segelboot „Nellie“ sowie die komplexe Binnenhandlung, die Marlows Reise in den Kongo und seine Begegnung mit dem Agenten Kurtz umfasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Joseph Conrad, Heart of Darkness, Kolonialismus, Subjektivität, Imperialismus und Erzähltechnik.
Wie deutet die Autorin Marlows „Buddha-hafte“ Sitzhaltung?
Sie interpretiert diese Haltung als ein Zeichen dafür, dass Marlow nicht als oberflächlich wahrgenommen werden will, sondern als ein Beobachter, der über den Dingen steht und eine besondere, nahezu weise Distanz einnimmt.
Welche Rolle spielt die „Lüge“ am Ende für die Einschätzung Marlows?
Die Lüge gegenüber Kurtzs Verlobter wird als Ausdruck von Marlows Versuch gewertet, Kurtzs Ehre zu retten, zeigt aber zugleich das Trauma und die Verzweiflung, die die Reise in ihm hinterlassen hat.
- Quote paper
- M.A. Tamara Olschewski (Author), 1999, Heart of Darkness - Joseph Conrad, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1767