Forfaitierung, grenzüberschreitendes Leasing und Projektfinanzierung [Hausarbeit plus Präsentation]


Hausarbeit, 2003
102 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Forfaitierung
1.1 Begriffsdefinition „Forfaitierung“
1.2 Geschichtlicher Hintergrund
1.3 Merkmale der Forfaitierung
1.3.1 Anwendbarkeit eines á-forfait-Geschäftes
1.3.2 Bedingungen zum regresslosen Ankauf von Exportforderungen
1.3.3 Forfaitierungssicherungsinstrumente
1.3.4 Risiko des Exporteurs
1.3.5 Risiko des Forfaiteur
1.3.6 Merkmale der Forfaitierung
1.3.6.1 Forfaitierungslaufzeiten
1.3.6.2 Kreditbetrag
1.3.6.3 Kosten
1.4 Ablauf einer Forfaitierung
1.5 Vor- und Nachteile der Forfaitierung

2. Grenzüberschreitendes Leasing
2.1 Leasing und seine Ausprägungen
2.2 Historisches
2.3 Leasingobjekte
2.4 Leasingvertrag im Aussenhandel
2.5 Risiken und Risikoverteilung
2.6 Steuerliche Behandlung
2.6.1 Ertragssteuerliche Zurechnung
2.6.2 Verbuchung
2.6.3 IAS
2.6.4 „Double Dip“
2.7 Ablauf eine grenzüberschreitenden Leasinggeschäfts
2.8 Gründe für die Nutzung dieses Leasinginstruments

3. Projektfinanzierung
3.1 Definition
3.2 Betreiberkonsortium
3.3 Risiken

1. Forfaitierung

1.1 Begriffsdefinition „Forfaitierung“

A forfait kommt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt: in Bausch und Bogen, in der deutschen Sprache wird dieser Ausdruck vom Wort „Forfaitierung“ geprägt, was finanzwirtschaftlich wie folgt umschrieben wird.

Forfaitierung ist der regresslose Verkauf von gewöhnlich mittel- und langfristigen Forderungen, vorwiegend Exportforderungen gegen einen Importeur, die zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden, an einen Forfaiteur. Sie stellt eine Form der Innenfinanzierung dar, „da durch den Forderungsankauf lediglich Geldzuflüsse aus dem Umsatz beschleunigt werden“[1], d.h. dem Exporteur ermöglicht ein á-forfait-Geschäft die Refinanzierung eines gewährten Lieferantenkredits. Für den Forfaitist entsteht ein Bargeschäft, während der Forfaiteur die mit der Rückzahlung verbundenen Risiken übernimmt. Da es sich in erster Linie um Exportforderungen handelt, dient das Instrument der Forfaitierung hauptsächlich der Außenhandelsfinanzierung.

Damit eine Forderung auch vom Markt angenommen wird, muss sie mit entsprechenden Forfaitierungssicherungsinstrumenten, wie einem Wechsel, einem Akkreditiv, einer Bankgarantie oder einer Exportversicherung, besichert sein.

Als Forfaiteur treten „in der Regel international arbeitende Banken, ihnen nahe stehende bzw. von diesen kontrollierte Spezialinstitute oder Finanzierungsgesellschaften auf, teilweise aber auch unabhängige Finanzfirmen und –makler“[2].

1.2 Geschichtlicher Hintergrund

Die Forfaitierung erlangte im deutschen Sprachraum besonders dadurch an Bedeutung, dass in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg zwar die Exportanstrengungen schnell wiederauflebten, es aber an Kapital fehlte. Dies nahmen die nicht kriegsgeschädigten, kapitalstarken schweizerischen Banken zum Anlass, den Deutschen ihre Exportkredite abzukaufen. Auf diese Weise entstand in der Schweiz in leistungsstarker Forfaitierungsmarkt.

Im internationalen Wettbewerb galt es den ständig wachsenden Zahlungszielwünschen ausländischer Abnehmer und Investoren gerecht zu werden, wohingegen in der Schweiz und später auch an den Euromärkten bedeutende Geldmittel zu Verfügung standen, die eine rentable Anlagemöglichkeit mit vertretbarem wirtschaftlichem und politischem Risiko suchten.

Aufgrund des ständig wachsenden Forfaitierungsmarktes begannen in den 60er Jahren, in die Exportfinanzierung eingeschaltet Banken nicht nur á-forfait-Finanzierungen zu vermitteln sondern, kauften Exportforderungen auch auf eigene Rechnung an. In den folgenden Jahren gründeten deutsche Banken Tochtergesellschaften an internationalen Bankplätzen wie z.B. Luxemburg und sogar Zürich, um ihre Refinazierungsbasis an den Euromärkten zu verbessern und so eine wichtigere Rolle in dieser Sparte spielen zu können.[3]

Die ursprünglich beherrschenden Währungen im Forfaitierungsgeschäft Schweizer Franken, Deutsche Mark und US-Dollar wurden mittlerweile von Euro und US-Dollar abgelöst, doch generell sind á-forfait-Geschäfte „in allen frei konvertierbaren Währungen möglich, in welchen eine entsprechende kongruente Refinanzierung erhältlich ist“[4].

1.3 Merkmale der Forfaitierung

1.3.1 Anwendbarkeit eines á-forfait-Geschäftes

Forfaitierung ist keine Konkurrenz zu anderen Außenfinanzierungsformen, sondern oft eine willkommene Ergänzung.

Mit ihr eröffnen Banken ihrer Export-Kundschaft eine Möglichkeit auch dann noch gegenüber ausländischen. Abnehmern Lieferantenkredite zu gewähren, wenn andere Finanzierungsformen, ausgeschöpft sind oder nicht mehr zum Tragen kommen können.

Ein solcher Fall wäre wenn die Hermes-Kreditversicherungs-AG eine Exportforderung aus den verschiedensten Gründen nicht gegen Ausfuhrrisiken absichert und damit in der Regel auch keine Refinanzierung über AKA möglich ist. Jetzt kommt die Forfaitierung zum Tragen die frei vereinbar ist, deshalb flexibler als rigiden Hermes-Regeln, die bei einer Exportfinanzierungen über die AKA zu beachten sind.[5]

Des Weiteren kann es vorkommen, dass das trotz Hermesfähigkeit des Ausfuhrgeschäfts der Lieferant der Hausbank oder AKA nicht ausreichend kreditwürdig erscheint bzw. der Importeur möchte bestehende Kreditlinien nicht blockieren oder ihm zugesagte Kreditlinien reichen nicht aus.

Ist die Hausbank des Exporteurs oder Bank des ausländischen Abnehmers nicht bereit einen liefergebundenen Finanzkredit von Bank zu Bank zu gewähren bzw. anzunehmen, dann kann über den regresslosen Forderungsverkauf ein gewünschtes Zahlungsziel finanziert werden.

Speziell für den exportierenden Mittelstand ist die Forfaitierung besonders interessant, da die Umwandlung des eingeräumten Lieferantenkredit in ein Bargeschäft eine sofortige Liquiditätsverbesserung zur Folge hat, was wiederum eine Bilanzentlastung und damit auch eine Entlastung der Kreditlinie zur Folge hat. Darüber hinaus lassen sich fast sämtliche Ausfuhrrisiken auf den ankaufenden Forfaiteur abwälzen. Die Vor- und Nachteile der Forfaitierung sollen später noch genauer betrachtet werden .[6]

1.3.2 Bedingungen zum regresslosen Ankauf von Exportforderungen

Die zum Verkauf angebotenen Exportforderungen müssen abstrakt, d.h. vom Grundgeschäft losgelöst, einredefrei und abtretbar sein. Der Exporteur haftet für den rechtlichen Bestand der Forderung und für vertragliche Erfüllung des Grundgeschäfts, welches sowohl ein Export- als auch ein Dienstleistungsgeschäft sein kann.[7]

Eine á forfait unterzubringende Forderung muss durch eine Bank im Land des Importeurs oder einer anerkannten internationalen Bank besichert sein.

1.3.3 Forfaitierungssicherungsinstrumente

Die von einer Forfaitierungsgesellschaft angekauften Forderungen sind in der Regel stark besichert; auf diese Besicherung wird nur ganz selten beim Verkauf von Buchforderungen gegen einen ausländischen Importeur von einwandfreier Bonität verzichtet. Hier handelt es sich meist um Großfirmen von internationalem Standing, die nicht bereit sind Banksicherheiten beizubringen oder Wechsel zu begeben. Forfaitierungen dieser Art benötigen ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen dem Lieferanten der Ware und der Buchforderung übernehmenden Bank.[8]

Üblicherweise handelt es sich jedoch um die folgenden Sicherheiten:

Bankaval auf dem Wechsel

Um eine eingehende Kreditwürdigkeitsprüfung zu vermeiden, müssen zum Verkauf angebotene Wechselforderungen bankgarantiert sein. Der Bankaval tritt an die Stelle der Schuldnerbonität, dadurch erhält der Wechsel seine Bonität und Fungibilität.[9]

Die Bürgschaft ist normalerweise direkt auf der Forderseite des Wechsels, gegebenenfalls auf einem Anhang oder der Rückseite vermerkt. Sie stellt die gängigste, technisch einfachste Form einer abstrakten Sicherheit dar.

Handelt es sich nicht um einen Solawechsel (Promissory Note), sondern um einen gezogenen, dann „wird zur Klarstellung, dass nicht etwa für den Aussteller gebürgt wird, folgender Zusatz vor die Unterschrift der avalierender Bank gesetzt: “Als Bürge (oder: per Aval) für den Bezogenen:...““[10].

Solawechsel sind gezogenen Wechseln an eigene Order oder Order des Exporteurs vorzuziehen, da der Exporteur laut Art. 9 II/3 Wechselgesetz seine Haftung durch Vermerke „ without recours“ oder „ohne Haftung“ nicht ausschließen kann.

Separate Wechseleinlösungsgarantie

Der Wechsel ist mit einer unwiderruflichen und abstrakten Garantie außerhalb des Wechsel unterlegt, dass dieser eingelöst werden wird.

Separate Bankgarantie

Wird eine Buchforderung ohne Wechselhergabe forfaitiert, sind „unbedingt eine abstrakte Zahlungserklärungen des Importeurs und eine Zahlungs-garantie einer Bank zu erbringen“[11], die außerdem übertragbar sein muss, da die Rechte an den Forfaiteur übertragen werden müssen. Begleitet wird die Bankgarantie von einem Zessionsvertrag zwischen Exporteur und Forfaiteur.

Defferred Payment Akkreditiv

Kurzfristigere Forfaitierungsgeschäfte werden meist über Akkreditive auf deferred-payment-Basis abgewickelt. Das bedingte Zahlungsversprechen eines Akkreditivs wird zu einem unbedingten, wenn die Akkreditivbank die vorbehaltslose Annahme der vorzulegenden Dokumente erklärt. Die vorzulegenden Dokumente beinhalten gewöhnlich Liefernachweise und Rechnungskopien, um die Rechtmäßigkeit des Exportgeschäfts zu belegen. Das Deffered-Payment-Akkreditiv wirkt nun wie die oben genannte Garantie.

Auch diese Sicherheit wird von einem Zessionsvertrag begleitet.

Exportversicherung

Die HERMES-Deckung eines Exportgeschäfts kann auch zur entscheidenden Besicherung einer Forfaitierung herangezogen werden. Ihre Abtretung bedarf der Zustimmung des Bundes.

Im Vergleich zu anderen Exportkreditversicherungen ist es bei der HERMES-Versicherung möglich den üblichen Selbstbehalt auf den Forfaiteur abzuwälzen.

Das bedeutet, dass der Forfaiteur alle vom Exporteur im Zusammenhang mit der Hermes-Versicherung abgegebenen Erklärungen gegen sich gelten lassen muss. Das bedeutet z.B. HERMES über eventuelle Geschäftsabweichungen und gefahrenerhöhende Umstände zu informieren und die Haftung für Erfüllung von Voraussetzungen der Hermes-Deckung.

Mit privaten Kreditversicherungen ist eine Forfaitierung von Forderungen meist gar nicht möglich, weil sich diese nicht in der Lage sehen das Länderrisiko abzusichern.[12]

1.3.4 Risiko des Exporteurs

Damit eine Forfaitierung als vollständig bezeichnet werden kann, dürfen dem Exporteur keinerlei Risiken erhalten bleiben; gelingt das nicht so ist sie unvollständig.

Mindesthaftung

„Trotz des Verkaufs der Forderung in Bausch und Bogen (= a forfait) bleibt eine gewisse Mindesthaftung des Exporteurs“[13], welche in § 437 Abs.1 BGB festgeschrieben ist:

” Der Verkäufer einer Forderung oder eines sonstigen Rechts haftet für den rechtlichen Bestand der Forderung oder des Rechtes.”

Eine Forderung kommt nämlich erst gar nicht zustande, sollten noch offene Gewährleistungsverpflichtungen existieren.

Des Weiteren haftet der Exporteur für die tatsächliche Übertragbarkeit der auf den Forfaiteur übertragenen Rechte und Ansprüche.

Und auch für die Höhe des Betrags der abgetretenen Forderung, dass keine offenen Steuern, Abgaben und Gebühren diesen kürzen.[14]

Wechselhaftung

Ist eine á-forfait-Forderung mit einem bankavalierten Solawechsel oder einem gezogenen Wechsel an eigene Order besichert, ist das Blankoindossament mit dem Zusatz „without recours“ (ohne Regress) zu versehen, um einen Rückgriff auszuschließen. Vergleich hierzu Art. 15 Wechselgesetz:

”Der Indossant haftet mangels eines entgegenstehenden Vermerks für die Annahme und Zahlung”

Dieser Ausschluss wird auch als Angstindossament bezeichnet.

Art. 9 des Wechselgesetzes lautet:

”Der Aussteller haftet für ... die Zahlung des Wechsels. ...Jeder Vermerk, durch den er die Haftung für die Zahlung ausschließt, gilt als nicht geschrieben.”

Um dieses Gesetz zu umgehen, empfiehlt es sich, den Importeur einen Solawechsel ziehen zu lassen, der von ihm blanko indossiert wird und damit der Exporteur als Indossant nicht in die Wechselhaftung geraten kann. „Der Exporteur hat durch diese Konstruktion erreicht, dass er weder als Aussteller noch als Indossant haftet.“[15]

War ursprünglich keine Forfaitierung geplant und wurde auf Art des Wechsels nicht geachtet oder sollte ein gezogener Wechsel unumgänglich sein, besteht noch Möglichkeit einer Haftungsausschlusserklärung durch den Forfaiteur. Eine Erklärung dieser Art sollte jedoch nur mit Instituten vereinbart werden, bei denen man sich auf die Haftungsfreistellungsbestätigung auch in mehrjähriger Laufzeit noch verlassen kann. Für eine solche Bestätigung lohnt es sich auch geringfügig höhere Kosten in Kauf zu nehmen, um sich bei einer erstklassigen á-forfait-Adresse auf die Haftungsfreistellungsbestätigung verlassen zu können.[16]

Kursrisiko

Ein Kursrisiko besteht für Exporteur nur bis zum Zeitpunkt des Forfaitierungsabschlusses, danach geht es auf den Forfaiteur über.

Dieser Zeitraum könnte mit einem Devisentermingeschäft (Verkauf der Fremdwährung auf Termin) überbrückt werden. Termingeschäft wird durch Fremdwährungszufluss durch den Diskonterlös bei der Forfaitierung gedeckt.

Finanzierungsrisiko

Die sorgfältige Auswahl des á-forfait-Partners ist von großer Bedeutung, um die Finanzierung des Exportgeschäfts nicht zu gefährden. Die ausgewählte á-forfait-Adresse muss zum vereinbarten Zeitpunkt in der Lage sein die Forderung ohne Regress, zu kontrahierten den Konditionen anzukaufen. Es wäre für den Exporteur sehr ungünstig, wenn er im Vertrauen auf die Finanzierung mit der Produktion begonnen oder die Lieferung sogar schon ausgeführt hätte und diese ihm dann zusammenbricht.[17]

[...]


[1] Zantow R., 2002, S. 104

[2] Kissner Erich, 1982, S.11

[3] vgl. Kissner Erich, 1982, S. 10ff

[4] „Schweizer Außenwirtschaft“, S.1,

[5] vgl. Zantow R., 2002, S.111

[6] vgl. Kissner Erich, 1982, S. 15f

[7] Meyer Karin, 2002

[8] vgl. Kissner Erich, 1982, S.14

[9] vgl. Jahrmann F.-Ulrich, 1999, S.235

[10] Zantow R., 2002, S.105

[11] Jahrmann F.-Ulrich, 1999, S. 234

[12] vgl. Zantow R., 2002, S. 106

[13] Zantow R., 2002, S. 104

[14] vgl. a.a.O.

[15] Zantow R., 2002, S. 107

[16] vgl. Kissner Erich, 1982, S. 25

[17] vgl. Kissner Erich, 1982, S.12f

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Forfaitierung, grenzüberschreitendes Leasing und Projektfinanzierung [Hausarbeit plus Präsentation]
Hochschule
Fachhochschule Aachen  (Wirtschaft)
Veranstaltung
Internationales Finanzmanagement
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
102
Katalognummer
V17681
ISBN (eBook)
9783638221894
Dateigröße
2509 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die ZIP-Datei enthält die Hausarbeit und die dazugehörige Präsentation mit 69 Folien.
Schlagworte
Forfaitierung, Leasing, Projektfinanzierung, Präsentation], Internationales, Finanzmanagement
Arbeit zitieren
Jan Philipp Hölz (Autor), 2003, Forfaitierung, grenzüberschreitendes Leasing und Projektfinanzierung [Hausarbeit plus Präsentation], München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17681

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