Industrial – Die Vertonung des Krieges


Seminararbeit, 2009

9 Seiten, Note: 1,3

Luciana K.haotica (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Gothic-Szene

3. Der Begriff „Gothic“

4. Ausgewählte Musikstile der Szene

5. Industrial

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Angehörige von Randgruppen sind Menschen, die sich anders verhalten, anders aussehen, andere Neigungen oder Wertvorstellungen haben als die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder. Sie weichen in irgendeiner Art und Weise von geltenden Normen und Regeln ab und werden von der Mehrheit an den Rand der Gesellschaft gedrängt.“[1]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer Randgruppe, die sich aufgrund musikalischer Vorlieben bewusst vom Rest der Gesellschaft absondert: die Gothic-Szene. Nur ein kleiner Teil der Gesellschaft konsumiert diese Musik, die zudem selten bis gar nicht im Radio gespielt wird. Deshalb bezeichnet man sie als Randgruppenmusik. Zur Gothic-Szene in Deutschland zählen etwa 50’000 Anhänger.[2] Im Folgenden werde ich diese Szene näher vorstellen. Dabei gehe ich zunächst auf die Geschichte sowie den Begriff „Gothic“ ein bis ich schließlich einige relevante Musikstile vorstelle. Anschließend beschäftige ich mich näher mit dem sogenannten Industrial und werde die Frage erörtern, warum man besonders dieses Genre unter dem Begriff Randgruppenmusik einordnen kann.

Während der erste Teil meiner Arbeit vorwiegend auf Literaturrecherchen beruht, fließen im Kapitel „Industrial“ meine eigenen Beobachtungen mit ein.

2. Die Geschichte der Gothic-Szene

Die Anfänge der Gothic-Szene liegen im Großbritannien der späten 1970er Jahr, wo sie aus der Punkbewegung heraus entstanden ist. Punk („Abfall“) - so bezeichneten sich Ende der 70er Jahre Jugendliche in England, die sich von der Gesellschaft abgrenzen wollten. Als musikalische „Gründerväter“ des Punk gelten die Mitglieder der 1975 gegründeten Band Sex Pistols. Die Musik war recht einfach gestaltet und fand in erster Linie bei Jugendlichen aus dem Arbeitermilieu Gehör. Der Punk verstand sich als offene Kritik gegenüber der Gesellschaft. Mit der Zeit kristallisierten sich sogenannte Nobel-Punks heraus, die sich mit dem typischen Bild des auf der Straße herumlungernden Punks nicht mehr identifizierten. Diese entstammten hauptsächlich der Mittelschicht. So entwickelte sich langsam der New Wave, dessen Musik komplexer als die des Punk war. Einen düsteren Touch verliehen dieser Bewegung Bands wie The Cure oder Siouxsie and the Banshees. Der Sänger von The Cure, Robert Smith, gilt als optischer Vorreiter der entstehenden Gothic-Szene: androgynes Aussehen, schwarze Kleidung, hochtoupierte Haare, bleiches Gesicht und schwarz umrandete

Augen. Weitere Bands, die sich ab Ende der 70er Jahre dieser Strömung zuordnen lassen, sind Joy Division, The Damned und Adam and the Ants (alle GB). Als die Gothic-Szene noch in den Kinderschuhen steckte, entwickelt sich „Bela Lugosi’s dead“ (1979) von der britischen Band Bauhaus zu ihrer inoffiziellen Hymne.[3]

Insbesondere in den 1990er Jahren entwickelten sich neue musikalische Substile. Zunehmend fanden klassische, sakrale oder auch elektronische Klänge Verwendung.[4]

3. Der Begriff „Gothic“

Der Begriff „Gothic“ geht vermutlich auf die englischen Schauerromane („gothic novels“) aus dem 18./19. Jahrhundert zurück. Diese lassen sich stilistisch der Romantik zuordnen und beschäftigen sich mit den Themen Tod und Mystik. „Bis zum Jahr 1982 setzt[e] sich der Begriff [schließlich] durch, um das Umfeld von bestimmten Bands zu beschreiben.“[5] In Deutschland konnte sich die Bezeichnung erst gegen Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre etablieren. Die Mitglieder der Szene wurden vorher schlicht „Waver“ genannt.[6]

4. Ausgewählte Musikstile der Szene

Die musikalische Bandbreite innerhalb der Gothic-Szene ist sehr vielfältig. Es lassen sich in erster Linie zwei verschiedene Richtungen erkennen: gitarrenorientierte Musik einerseits sowie elektronische Klänge andererseits. Daneben gibt es eine Reihe weiterer musikalischer Genres, die einen Einfluss auf die Szene haben. Aus diesem Grund ist es kaum möglich, einen geeigneten Oberbegriff für die Musik zu finden. Ganz allgemein trifft es „Schwarze Musik“ wohl am besten.[7] Diese Bezeichnung darf jedoch auf keinen Fall mit der US-amerikanischen „Black Music“ verwechselt werden.

Meine Darstellung der einzelnen Musikstile beschränkt sich auf die wichtigsten und orientiert sich am Buch „Die Gothic-Szene: Selbst- und Fremdpräsentation der umstrittenen Jugendkultur“ von Ute Meisel aus dem Jahr 2005.

Den Ausgangspunkt der Szene bildet der Gothic-Rock, der sich Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre direkt aus dem Punk heraus entwickelt hat. Das dominierende Element ist neben Schlagzeug und E-Bass die E-Gitarre. Der düstere Sound wird oftmals durch einen tiefen, männlichen Gesang unterstrichen. Zu den ersten echten Gothic-Bands zählen UK Decay, Sisters ofMercy, The Mission und Fields ofthe Nephilim.[8]

Eine Verbindung zwischen dem Gothic-Rock und elektronischen Elementen stellt der Dark Wave dar. Die Lieder sind sehr eingängig und gekennzeichnet durch eine Vielfalt an Instrumenten, die von einfacher Klavier- oder Gitarrenbegleitung bis zu kompletten Orchesteraufstellungen reicht. Auch hier wird aufgrund der tiefen Stimmlage des meist männlichen Sängers eine melancholische und z.T. sehnsuchtsvolle Stimmung erzeugt. Die bekanntesten Vertreter des Dark Wave sind Deine Lakaien, Project Pitchfork und Sopor Aeternus. Die genannten Bands sind alle deutscher Herkunft. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass der Schwerpunkt dieses Musikstils in Deutschland liegt.[9]

Komplett ohne Gitarrensound kommt der Synthie Pop aus, der - wie der Name schon verrät - klanglich auf den Synthesizer zurückgreift. Die Rhythmen und Texte sind sehr eingängig. Im Gegensatz zu den bisher genannten Musikstilen verbreitet der Synthie Pop eine eher fröhliche Stimmung, die zum Tanzen verleitet. Die musikalischen Vorreiter sind ohne Frage Depeche Mode aus England. Heute sind es v.a. And One, De/Vision oder Welle:Erdball (alle D), die mit ihrem Sound die Tanzfläche zum Beben bringen.[10]

Die belgische Band Front 242 begründete mit ihrer Musik Anfang der 80er Jahre ein neues Genre: EBM (Electronic Body Music). Charakteristisch sind harte, z.T. aggressive Rhythmen, minimale Beats und kalte Klänge, dominiert von kräftigen Bass-Schlägen. Ähnlich wie der Synthie Pop zeichnet sich der EBM durch einfache Texte, eingängige Melodien und eine gute Tanzbarkeit aus. Weitere EBM-Bands sind Front Line Assembly in ihren Anfängen, The Klinik oder Die Krupps. Die Musiker fallen oftmals durch ihr militaristisches Aussehen auf.[11]

5. Industrial

Auf das Genre Industrial werde ich im Folgenden etwas genauer eingehen. Anhand der Komponenten Atmosphäre, Kleidung, Musik, Tanz und Liedtexte werde ich erörtern, warum dieser Musikstil für andere gesellschaftliche Gruppen eine abschreckende Wirkung hat und somit als Randgruppenmusik klassifiziert werden kann. Ein Teil der nachfolgenden Darstellungen beruht auf meinen eigenen Erfahrungen.

Am Beispiel des Clubs „Fabrix“ in Werdau bei Zwickau (Sachsen) lässt sich die Atmosphäre eines für Industrial ausgelegten Tanzbereiches sehr gut beschreiben.

[...]


[1] Internet: Hewener 1988.

[2] Vgl. Meisel 2005: 5.

[3] Internet: vgl. Zimmermann 2000.

[4] Vgl. Meisel 2005: 12.

[5] Internet: Zimmermann 2000.

[6] Internet: vgl. Zimmermann 2000.

[7] Vgl. Schmidt/Neumann-Braun 2004: 261.

[8] Vgl. Meisel 2005: 53f.

[9] Vgl. Meisel 2005: 54; Schmidt/Neumann-Braun 2004: 270.

[10] Vgl. Meisel 2005: 55.

[11] Vgl. Meisel 2005:54.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Industrial – Die Vertonung des Krieges
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Randgruppenmusik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V176813
ISBN (eBook)
9783640982394
ISBN (Buch)
9783640982240
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Industrial, Gothic, Krieg, Punk, Wumpscut
Arbeit zitieren
Luciana K.haotica (Autor), 2009, Industrial – Die Vertonung des Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176813

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