Die Arbeit ist in drei Blöcke gegliedert: der erste beschreibt den Stand der digitalen Medien an deutschen Schulen. Hier wird die Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen in der Schule und Zuhause und der verschiedene Umgang und die Ausstattung digitaler Medien an deutschen Schulen beschrieben. Außerdem werden der Leistungsstand der Mädchen und Jungen sowie der, der Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund behandelt. Der zweite Block betrachtet den Raum als Lernraum und auch den Raum, wie er anthropologisch und phänomenologisch auf den Menschen einwirkt. Daraus folgt die Erweiterung des Raumes durch digitale Medien – wie ändert sich die persönliche Lernumgebung, wie wird der Raum geöffnet und erweitert und welche Auswirkung haben digitale Medien auf das informelle und formelle Lernen der Schülerinnen und Schüler.
Der dritte Block vereint den ersten und zweiten. Er behandelt die Chancen und Grenzen, die sich durch die Ausstattung und Nutzung digitaler Medien sowie der Erweiterung des Raumes durch digitale Medien ergeben. Das Ende der Arbeit bildet der Schlussteil. In ihm wird die Fragestellung der Veränderung des Raumverständnisses aufgegriffen und durch das neue Wissen und die Behandlung der vorherigen Kapitel zu beantworten versucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen zu digitalen Medien in der Schule
2.1 Mediennutzung Zuhause und in der Schule
2.1.1 Mediennutzung Zuhause
2.1.2 Mediennutzung in der Schule
2.2 Ausstattung
2.3 Kurzer Internationaler Vergleich
2.3.1 Zentrale Ergebnisse der ICILS
2.4 Unterschiede Mädchen und Jungen
2.5 Unterschied mit Migrationshintergrund und ohne (ICILS)
3. Zwischenfazit
4. Der digitale Raum
4.1 Lernraum Definition
4.1.1 Anthropologische Betrachtungsweise
4.1.2 Phänomenologische Betrachtungsweise
4.2 Persönliche Lernumgebung
4.3 Öffnung von Lernräumen in Schule und Unterricht durch Einsatz digitaler Medien
4.4 Aufbrechen von Grenzen informeller und formeller Bildung
5. Chancen und Grenzen
5.1 Neue Chancen individueller Förderung
5.2 Warnende Ergebnisse zur digitalen Mediennutzung
5.3 Gewalt im Internet
5.4 Die Gefahren der Smartphonenutzung
5.4.1 Cybermobbing
6. Abschluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Transformation des schulischen Lernraums im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung. Ausgehend von der zentralen Fragestellung, wie digitale Medien unser Raumverständnis in der Schule verändern, zielt die Untersuchung darauf ab, Lehrkräfte und Bildungspolitik für die Auflösung physischer Klassenzimmergrenzen zu sensibilisieren und ein vertieftes Bewusstsein für die pädagogischen Konsequenzen dieser Entgrenzung zu schaffen.
- Empirischer Status quo der schulischen und privaten Mediennutzung von Jugendlichen in Deutschland (u. a. JIM- und ICILS-Studien)
- Theoretische Neudefinition des Lernraums unter anthropologischen und phänomenologischen Prämissen (Situiertheit, Leiblichkeit, Dasein)
- Didaktische Öffnung von Lernumgebungen durch Virtual Reality, Vernetzung und Telepräsenz-Technologien
- Verschmelzung von formellen und informellen Bildungskontexten im Rahmen konnektivistischer Lerntheorien
- Chancen individualisierter und adaptiver Förderung versus Risiken digitaler Medien wie Cybermobbing, Desorientierung und Gewalt
Auszug aus dem Buch
4.1 Lernraum Definition
Ein Raum kann verschiedene Bedeutungen haben. Neben einem Wohnraum bzw. Nutzraum, kann ein Raum auch in Länge, Breite und Höhe unbegrenzt sein – so beispielsweise das Universum. Auch physikalisch gibt es den Raum als beispielsweise luftleeren Raum. Auch einen geographischen Raum, wie der mitteleuropäische Raum, beinhaltet das Wort (Vgl. Duden). Umso schwieriger ist es, den Lernraum definieren zu können.
Nach Hagedorn ist der Schulraum „ein Ort, ein geschlossener Raum, der den Menschen verortet“ (Hagedorn 2016, 154). Dieses ‚verorten‘ setzt eine Situiertheit und Zeitlichkeit voraus, die gebunden an das Individuum im Raum ist.
Platon stellt uns in seinem Werk „Politeia“ ein Gedankenexperiment vor, das Bildung und Erkenntnis mit dem Prozess der Gefangenschaft in einem Raum und der Befreiung aus diesem verbindet. Bei ihm wird bildlich der Raum als Einschränkung und Gefahr der Beschränkung gesehen. In einer Höhle befinden sich von Kindheit auf gefesselte Menschen, die nur in eine Richtung schauen können – an eine Wand. Durch eine Lichtquelle ist es anderen Menschen möglich an diese Wand Schatten zu werfen, die die gefesselten Personen sehen können. Da die gefesselten Menschen zuvor nie etwas anderes gesehen hatten, halten sie diese Schatten für die „Wahrheit“. Die Menschen in der Höhle sehen nur einen Schein der Realität. Die Anstrengung, die die Erkenntnis mit sich bringt, wird bei Platon dadurch sichtbar, dass die gefesselten Menschen an ihrem alten Weltbild hängen und dieses verteidigen. Die Räumlichkeit bei Platon stellt zwar auch eine Situiertheit dar und auch eine Verortung, allerdings verläuft der Erkenntnisweg raus aus dem Raum hin zu einer offenen Weite ohne Beschränkung. (Vgl. Platon, Politeia VII 514a-517a).
Mit den digitalen Medien treten Raumbegriffe auf, die diese Situiertheit und Wirklichkeit nur noch bedingt fordern. Der Raum wird geöffnet, ganz im Sinne Platons, hin zu einer unendlichen Weite. So beispielsweise der ‚Cyberspace‘, das Internet als ‚Bildungsraum Internet‘, ‚Chatrooms‘, oder ‚Bildungsportale‘. Diese können ebenfalls als Lernräume fungieren, haben allerdings diese Situiertheit nicht mehr, da von überall darauf zugegriffen werden kann. Somit wird eine Definition von Lernräumen benötigt, die sehr offen und zeitlich sowie örtlich nicht gebunden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die gesellschaftliche Relevanz der schulischen Digitalisierung ein und formuliert die leitende Fragestellung nach der Veränderung des Raumverständnisses durch digitale Medien.
2. Grundlagen zu digitalen Medien in der Schule: Anhand empirischer Studien (u. a. JIM, BITKOM, ICILS) werden Geräteaustattung, Mediennutzungsmuster Jugendlicher Zuhause sowie im Unterricht beleuchtet und demografische sowie geschlechtsspezifische Differenzen herausgearbeitet.
3. Zwischenfazit: Die empirischen Befunde zur schulischen Ausstattung und Mediennutzung werden verdichtet, um die Grundlage für die theoretische Reflexion des veränderten Raumbegriffs zu legen.
4. Der digitale Raum: Dieses Kapitel fundiert den Begriff des Lernraums philosophisch, anthropologisch sowie phänomenologisch und beschreibt die Öffnung der traditionellen Klassenzimmergrenzen hin zu vernetzten, konnektivistischen Lernumgebungen.
5. Chancen und Grenzen: Diskutiert werden einerseits innovative Potenziale der individuellen Förderung und adaptiven Lernens sowie andererseits akute Gefahren wie Gewaltkonsum, Reizüberflutung und Cybermobbing.
6. Abschluss: Die Autorin resümiert die Ergebnisse, plädiert für einen additiven statt ersetzenden Medieneinsatz und betont die Notwendigkeit pädagogischer Reflexion angesichts des Spannungsverhältnisses von körperlicher Begrenzung und leiblicher Raumerweiterung.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Schule, digitaler Raum, Raumverständnis, Lernraum, Anthropologie, Phänomenologie, Leiblichkeit, Konnektivismus, Medienkompetenz, individuelle Förderung, Cybermobbing, ICILS-Studie, JIM-Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation analysiert die Digitalisierung an Schulen aus einer raumtheoretischen Perspektive und erörtert, wie digitale Werkzeuge die traditionellen Grenzen des Lern- und Klassenraums durchbrechen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit analysiert?
Die Themenschwerpunkte umfassen den empirischen Status der Mediennutzung Jugendlicher, philosophisch-anthropologische Raumtheorien, didaktische Modelle der Raumerweiterung sowie die Chancen und psychosozialen Risiken vernetzter Lernwelten.
Was ist das primäre Ziel bzw. die Forschungsfrage der Publikation?
Das Werk verfolgt das Ziel zu klären, wie digitale Medien unser Raumverständnis in der Schule verändern, und will Pädagogen dafür sensibilisieren, dass Medienkompetenz primär im kritischen Umgang mit Inhalten statt in reiner Bedienfertigkeit besteht.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine interdisziplinäre theoretische Literatur- und Dokumentenanalyse, die quantitative empirische Schulleistungs- und Nutzungsstudien (ICILS, JIM, BITKOM) mit philosophischen, anthropologischen und phänomenologischen Raumkonzepten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Neudefinition des Lernraums über Ansätze von Platon, Heidegger und Merleau-Ponty, das Konzept des Konnektivismus sowie die systematische Diskussion von Förderpotenzialen und Gefährdungen wie Cybermobbing.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Digitalisierung, Lernraum, Raumverständnis, Phänomenologie, Leiblichkeit, Konnektivismus, Cybermobbing und Medienkompetenz.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen physischem Körper und leiblicher Raumerfahrung?
Gestützt auf Maurice Merleau-Ponty wird dargelegt, dass der physische Körper räumlich durch die Haut und die physikalischen Schulwände begrenzt bleibt, während die Leiblichkeit durch Medien und Imaginationsprozesse in den virtuellen Raum hinein erweitert wird.
Welche Funktion erfüllen Telepräsenz-Roboter wie der Avatar AV1 für den Schulraum?
Sie ermöglichen langzeiterkrankten Kindern über Audio- und Videostreams die interaktive Teilnahme am Unterricht, wodurch das Klassenzimmer transparent wird und die Grenze zwischen Krankenhaus bzw. Zuhause und Schule virtuell überwunden wird.
Welche juristischen und pädagogischen Konsequenzen werden für den Umgang mit Cybermobbing gefordert?
Neben dem Rekurs auf Straftatbestände des Strafgesetzbuches (wie Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung) betont die Arbeit präventive schulische Schutzkonzepte und Vertrauensräume, da der unendliche digitale Raum den Betroffenen oft keinen Rückzugsort mehr lässt.
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- Doreen Klink (Autor), 2019, Digitale Medien in der Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1768157