Der Dynastiewechsel im Jahre 751 vom merowingischen zum karolingischen Herrschergeschlecht
gilt als einer der entscheidendsten Wendepunkte in der fränkischen und europäischen
Geschichtsschreibung. Diesem Zeitalter der frühen Karolinger im 8. nachchristlichen Jahrhundert
wird deshalb so große Bedeutung zugemessen, weil sich in dieser verändernden
Mächtekonstellation ein zukunftsweisendes Bündnis von geistlicher und weltlicher Gewalt
zwischen dem römischen Bischof und dem fränkischen König zusammengefunden hat, welches
weitreichende Konsequenzen für die abendländische Geschichte eingeleitet hat. Es ist
somit zu einem Vorbild für die Ausbildung und Struktur der europäischen Staatsordnung und
kulturellen Wesensart des abendländischen Kulturkreises geworden. Hierbei vollzieht sich der
Übergang von spätantiker Zeit in das Mittelalter.3 In dieser Hausarbeit soll der Ablauf der
Geschehnisse der Jahre 751 und 754 unter Hinzuziehung der Vorgeschichte, also des Aufstiegs
der karolingischen Hausmeier unter Karl Martell und der wichtigsten Quellen dieser
Zeit mit anschließender kritischer Auseinandersetzung und Bewertung derselben, kurz dargestellt
werden. Diese Phase des Umbruchs von spätmerowingischer und frühkarolingischer
Zeit wurde in den letzten Jahrzehnten intensiv diskutiert und hat sich somit zu einem
Schwerpunkt der Mediävistik herausgebildet. Die dabei verwendete Literatur entspricht weitestgehend
dem neuesten Forschungs- und Diskussionsstand, wobei aber auch einige ältere
Werke Verwendung finden. Arnold Angenendt liefert mit seinem Aufsatz zu dieser Thematik
die neueste Veröffentlichung. Anhand der wichtigsten Quellen, der fränkischen Reichannalen, den Metzer Annalen und dem Liber Pontificalis sollen diese historisch bedeutsamen
Vorgänge verifiziert und ebenfalls kritisch diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vorgeschichte: Der Aufstieg der Karolinger
2.1 Karl Martell und seine Söhne Pippin und Karlmann
3. Der Dynastiewechsel von 751 vor seinem geschichtlichen Hintergrund
3.1 Die Anfrage an Papst Zacharias im Jahre 750
3.2 Die Königserhebung Pippins in der Pfalz zu Soisson
4. Die fränkische Königssalbung von 754 im historischen Kontext
4.1 Die Reise von Papst Stephan II. in das Frankenreich
4.2 Die fränkische Königssalbung in St. Denis
5. Die Quellen der Ereignisse mit kritischer Bewertung
5.1 Die Annales regni francorum – Die fränkischen Reichannalen
5.2 Der Liber Pontificalis
5.3 Die Annales Mettensis priores – Die Metzer Annalen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den bedeutenden Dynastiewechsel von 751 sowie die fränkische Königssalbung von 754. Dabei wird analysiert, wie das Bündnis zwischen dem römischen Papsttum und den Karolingern unter Pippin dem Jüngeren zu einer neuen, sakral legitimierten Staatsordnung führte, die den Übergang von der Spätantike zum Mittelalter markierte.
- Aufstieg der karolingischen Hausmeier unter Karl Martell
- Die diplomatische Anfrage an Papst Zacharias und die Legitimation durch die Kirche
- Ablauf und historische Einordnung der Königserhebung Pippins in Soisson
- Die Rolle von Papst Stephan II. bei der Königssalbung von 754 in St. Denis
- Quellenkritische Bewertung zentraler historischer Schriften dieser Ära
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Anfrage an Papst Zacharias im Jahre 750
Aus dieser Situation heraus und unter der ausdrücklichen Hinzuziehung des fränkischen Adels wurde im Jahre 750, unter der Führung des Bischofs Burchard von Würzburg und dem Abt Fulrad von St. Denis, eine geistliche Gesandtschaft nach Rom zu Papst Zacharias geschickt. Bischof Burchard von Würzburg stammte aus angelsächsischem Hause und gehörte damit dem Kreis der Vertrauten um Winfried Bonifatius an. Bedingt durch seine Bischofswürde lebte er zugleich in einer Umgebung, die stark unter dem Einfluß des karolingischen Hochadels stand und ihren Machtbereich vom Maas-Moselraum bis zum mittleren Main ausgedehnt hatte. Desweiteren hatte Burchard sich schon im Jahre 738 für längere Zeit am päpstlichen Hof aufgehalten, was ihn letztendlich wohl zum Delegationsleiter prädestinierte. Abt Fulrad von St. Denis zählte zu den führenden Köpfen der fränkischen Politik; er gehörte ebenfalls der Umgebung der von Pippin beeinflussten Adelskreise an und war zugleich der kirchlichen Reform im Frankenreich angeschlossen.
Die Gesandten sollten wohl im Auftrage Pippins und der fränkischen Heeresversammlung den Papst fragen, wie es auch in den fränkischen Reichsannalen heißt, ob es richtig sei, dass im Reiche der Franken Könige regierten, die nur den königlichen Namen, nicht aber die königliche Macht besäßen. Der Liber Pontificalis enthält zu der fränkischen Anfrage keinerlei Einträge, die Metzer Annalen schweigen ebenfalls zu diesem Ereignis. Durch diese Anfrage in Rom wurde deutlich, dass der Hausmeier Pippin, die fränkische Reformkirche und der weltliche Adel eine solche grundlegende Verfassungsfrage zu dem geplanten Dynastiewechsel, also der Frage nach dem Verhältnis von Macht und Recht, nicht in eigener Sache beziehungsweise von sich alleine aus entscheiden wollten. Die Antwort des Papstes auf die Anfrage aus dem Frankenreich erfolgte, wie zu erwarten, auf schnellem Wege und lautete wie gewünscht: Es sei besser, denjenigen auch König zu nennen, der die königliche Gewalt ausübe, als jenen, der ohne königliche Gewalt nur den Königsnamen innehabe. In der heutigen Forschung geht man von der Annahme aus,
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Dynastiewechsel von 751 als einen entscheidenden Wendepunkt der europäischen Geschichte und definiert den methodischen Rahmen der Hausarbeit.
2. Die Vorgeschichte: Der Aufstieg der Karolinger: Dieses Kapitel behandelt die Stabilisierung des karolingischen Prinzipats unter Karl Martell und die Reform der fränkischen Landeskirche.
2.1 Karl Martell und seine Söhne Pippin und Karlmann: Hier wird die Machtübernahme der Söhne Karl Martells beschrieben und wie diese ihre Herrschaft als Hausmeier legitimierten.
3. Der Dynastiewechsel von 751 vor seinem geschichtlichen Hintergrund: Das Kapitel analysiert die kirchenpolitische Konstellation und das wachsende Gewicht der päpstlichen Autorität im 8. Jahrhundert.
3.1 Die Anfrage an Papst Zacharias im Jahre 750: Es wird der diplomatische Prozess beschrieben, durch den Pippin bei der römischen Kurie die moralische Rechtfertigung für den Dynastiewechsel einholte.
3.2 Die Königserhebung Pippins in der Pfalz zu Soisson: Dieser Abschnitt beschreibt den formalen Akt der Königserhebung sowie die sakrale Überhöhung durch die Salbung.
4. Die fränkische Königssalbung von 754 im historischen Kontext: Hier steht die weitreichende Neuausrichtung der päpstlichen Politik unter Stephan II. und deren Bündnis mit den Franken im Fokus.
4.1 Die Reise von Papst Stephan II. in das Frankenreich: Das Kapitel beleuchtet die diplomatischen Motive und den historischen Wendepunkt der päpstlichen Orientierung weg von Byzanz hin zum Frankenreich.
4.2 Die fränkische Königssalbung in St. Denis: Der Schwerpunkt liegt auf der Schilderung der persönlichen Begegnung zwischen Papst und König sowie dem symbolträchtigen Akt der doppelten Königssalbung.
5. Die Quellen der Ereignisse mit kritischer Bewertung: Dieses Kapitel prüft die historiographische Glaubwürdigkeit und die politischen Zielsetzungen der zeitgenössischen Quellenwerke.
5.1 Die Annales regni francorum – Die fränkische Reichannalen: Eine Untersuchung des offiziellen karolingischen Geschichtsbildes und der möglichen Einflussnahme auf die Berichterstattung.
5.2 Der Liber Pontificalis: Kritische Analyse der päpstlichen Perspektive auf die Ereignisse der Jahre 751 und 754.
5.3 Die Annales Mettensis priores – Die Metzer Annalen: Untersuchung dieses speziellen Quellenwerks auf seine innerfränkische Tendenz und die Darstellung karolingischer Tugenden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der päpstlich sanktionierten Königssalbungen für die langfristige Entwicklung der europäischen Staatsordnung zusammen.
Schlüsselwörter
Karolinger, Dynastiewechsel, Pippin der Jüngere, Königssalbung, Papsttum, Merowinger, Hausmeier, Reformkirche, 751, 754, Quellenkritik, Annales regni francorum, Liber Pontificalis, Legitimierung, mittelalterliches Königtum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Übergang der fränkischen Herrschaft von den Merowingern zu den Karolingern im Jahr 751 sowie die erneute Königssalbung im Jahr 754.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentral sind die Entwicklung des karolingischen Prinzipats, die kirchenpolitische Rolle des Papsttums und die Ausbildung eines sakral legitimierten Königtums im Frankenreich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den historischen Ablauf des Dynastiewechsels kritisch zu beleuchten und die Bedeutung der päpstlichen Einbindung in diesen Machtwechsel zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historiographischer Werke, insbesondere der fränkischen Reichsannalen, der Metzer Annalen und des Liber Pontificalis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte, die Ereignisse um 751, die diplomatischen Reisen von Papst Stephan II. sowie eine detaillierte Auswertung der historischen Quellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Karolinger, Königssalbung, Papsttum, Legitimierung und Quellenauswertung charakterisiert.
Warum war die Rolle von Papst Zacharias für Pippin so entscheidend?
Der Papst lieferte die notwendige moralische und religiöse Autorität, um den Bruch mit der merowingischen Tradition zu legitimieren und Pippins Herrschaftsanspruch zu stützen.
Welchen Einfluss hatte der Regierungswechsel auf die Bedeutung der Abtei St. Denis?
Die Abtei spielte als Ort diplomatischer Gesandtschaften und durch die Anwesenheit von Abt Fulrad eine Schlüsselrolle bei der Verbindung zwischen der karolingischen Führung und dem Papsttum.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den Metzer Annalen von der anderer Quellen?
Die Metzer Annalen weisen eine starke innerfränkische Ausrichtung auf und idealisieren die Karolinger als christliche Herrscher, die durch göttliches Recht legitimiert sind.
- Quote paper
- Kjell Ostenrath (Author), 2009, Von den Merowingern zu den Karolingern: Der Dynastiewechsel von 751 und die fränkische Königssalbung von 754, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176829