Die Anfänge der Kirche und die Ausbreitung des Christentums


Essay, 2010
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Anfänge der Kirche

3. Das Urchristentum im Judentum

4. Wichtige Gruppierungen im Urchristentum

5. Träger der frühchristlichen Mission

6. Günstige und ungünstige Bedingungen für die Ausbreitung

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das Christentum ist unter den großen Religionen der Welt mit Abstand die größte. Fast zweieinhalb Milliarden Menschen sind bekennende Christen. Als Christ gilt in aller Regel, wer die Taufe empfangen hat und sich zum gekreuzigten Juden Jesus von Nazareth in Person des Christus bekennt. Der Begriff Christentum bezeichnet nach heutigen Maßstä- ben die Gesamtheit aller konfessionell gebundenen Kirchen und religiösen Gruppierun- gen, Gemeinschaften und Bewegungen, die sich auf Jesus von Nazareth und die ihm nach seinem Kreuzestod von seinen „Jüngern“ bzw. Anhängern entgegengebrachte Ver- ehrung zurückführen lassen.[1] So klar und einfach der Christentumsbegriff in seiner An- fänglichkeit zu scheinen vermag, so vielschichtig und komplex ist das mit ihm verbundene religionsgeschichtliche Phänomen, welches seine Verwurzelung in einer fast zweitausend- jährigen Überlieferungsgeschichte des frommen Glaubens an Jesus Christus als den von Gott gesandten Erlöser der sündigen Menschheit hat. Denn kaum war der historische Je- sus von Nazareth gekreuzigt, entbrannte ein Streit innerhalb der jungen Gemeinden, wel- che Lebensformen und Glaubenshaltungen für die Menschen angemessen seien, die sich zum Gekreuzigten bekannten. Die gesammelten und überlieferten Texte des Neuen Testaments der Bibel - die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, diverse Briefe und die Johannesoffenbarung - stellen ganz unterschiedliche theologische Entwürfe dar und spie- geln gleichzeitig die harten Konflikte und Auseinandersetzungen über rechten Glauben und rechte Lebensführung der Gläubigen wider. Dadurch ist diese große Vielfalt von christlich religiösen Erfahrungen keineswegs ein Phänomen moderner Zeiten, sondern prägte schon früh die Genese und Anfänge von christlichen Gemeinden und damit auch die der Kirche des antiken Zeitalters.[2]

2. Die Anfänge der Kirche

Die christliche Kirche gründete sich in ihren Anfängen auf kleinere Gruppen von Verwandten, Freunden und Anhängern des historisch belegbaren Jesus von Nazareth, welche sich nach dessen Kreuzestod im Jahre 33 n. Chr. in der Region um Galiläa und Jerusalem neu formierten bzw. weiterbestanden.

Dass die Gruppierungen und Gemeinden, die schon vor dem Tod des Jesus von Nazareth am Kreuz existierten, sich nicht aufgrund der traurigen Erfahrung durch die Hinrichtung auflösten, sondern ihr Gemeinschaftsleben durch dieses Erlebnis sogar intensivierten und starke propagandistische Aktivitäten folgen ließen, hatte einen ungewöhnlichen Grund, über den die von ihnen hinterlassenen Zeugnisse des Neuen Testaments Auskunft geben: Die aufkommende Resignation und Angst, verursacht durch das Ableben und des damit verbundenen Scheiterns ihres Rabbi (Mk 14,27f; Lk 24,20f), schlug nun zunehmend und unerwartet in eine neue Anfangsbegeisterung um. So wurden zum Beispiel neue Erfah- rungen von Begegnungen der Anhängerschaft mit Jesus im Neuen Testament bezeugt, ebenso die Aussage über die Auferstehung von den Toten (Mk 16,1-8; Mt 28,1-20; Lk 24,1-53; 1 Kor 15,3-8). Aufgrund spärlicher Quelleninformationen sind detailliertere Ein- zelheiten über das Verhalten der Anhängerschaft Jesu aus damaliger Zeit nicht rekonstruierbar.[3]

Im Fokus steht dabei nicht eine historische Berichterstattung, sondern eher das Ablegen eines Zeugnisses des Glaubens im Dienste der Verkündigung und zur Erbauung für die jeweiligen Gemeinden. Das, was die Evangelien an Historizität anbieten, ist weitestgehend erforschte Geschichte, wobei der verkündende Jesus unlösbar mit dem verkündenden Christus vermischt ist. Aufgrunddessen lässt sich auch eine lückenlose Biographie des Jesus von Nazareth nicht rekonstruieren.[4]

Geographische Angaben im Neuen Testament bezeugen hingegen, dass es sich beim Urchristentum nicht von Anfang an um eine Urgemeinde handelte, die als zentraler Mittelpunkt betrachtet werden darf, sondern eher um eine Vielzahl von kleinen, lokal verstreuten Gemeindegruppierungen; Teile ihrer Jesuserzählungen sind in die Evangelien eingegangen. Ein deutliches Zeugnis dafür stellt die Ostererzählung dar, die von Erscheinungen des auferstandenen Jesus berichtet (Mk 14,28; 16,7).[5]

3. Das Urchristentum im Judentum

Die Jesusgemeinschaft in Jerusalem hatte von Anfang an eine besondere Stellung. Durch das gemeinsame Wirken der Urapostel unter der Führung des Simon Petrus waren sie le bendige Zeugen ihres Herrn. Viele der noch Lebenden waren Augenzeugen des Wirkens, Sterbens und der Auferstehung Jesu, die mit wachsender Begeisterung die Frohe Botschaft der Erlösung zu verkünden versuchten. Die Ausbildung einer eigenen christlichen Begriffssprache mit eigener Gottesdienstgestaltung vollzog sich zuerst innerhalb der Jerusalemer Gemeinde. Diese junge Gemeinschaft verstand sich in ihren Anfängen noch als Erfüllung des Judentums. Bezeugt wird dies durch die aktive Teilnahme am jüdischen Gottesdienst, der Befolgung der jüdischen Frömmigkeitsformen und der Übernahme der jüdischen Gemeindestruktur und Gemeindeorganisation.[6]

Mit den Aposteln bildete sie aber zugleich eine eigene Gemeinschaft, die ihren eigenen Gottesdienst im dankenden Gedenken (griech. eucharistia) mit der kultischen Zelebrierung des Opfertodes ihres Herrn Jesus Christus abhielt.[7] Bedingt durch dieses Gemeinschafts- leben, wurde die Grundlage für die Frömmigkeit, Verfassung und die Gebetsordnung der Kirche festgelegt.[8] Damit war die Loslösung vom Judentum nicht mehr fern. Trotz der Teil- nahme am jüdischen Kult und der Achtung des jüdischen Gesetzes, wies die Jerusalemer Gemeinschaft durch die Taufe, das an Christus gerichtete Gebet, die Eucharistiefeier bis hin zur Abgabe privaten Besitzes zugunsten der Gemeinschaft, einen unüberwindlichen Gegensatz zur jüdischen Synagoge auf. Der offen praktizierte Christusglaube rief das Misstrauen und die Ablehnung bzw. aufkommende Feindseligkeit der Juden hervor, die in zwei großen Verfolgungswellen gipfelte. Die erste Welle der Verfolgung endete mit der Steinigung des Stephanus, der Vertreibung der hellenistischen Judenchristen aus Jerusa- lem und weiteren Verfolgungen durch Saulus von Tarsus. Die zweite Verfolgungswelle wurde durch König Herodes Agrippa I. (37-44 n. Chr.) fortgeführt, der mit dem Märtyrertod des Apostels Jakobus‘ des Älteren und der Gefangennahme und anschließenden Befrei- ung des Petrus endete (Apg 12,1ff). Die endgültige Entzweiung und zukünftig anhaltende Feindschaft zwischen Juden und Christen vollzog sich nach dem Bar-Kochba-Aufstand (132-135) der Juden gegen die römische Besatzung, der zu abermalig blutigen Verfolgun- gen gegen die Christen führte.[9]

[...]


[1] Vgl. Graf, Friedrich Wilhelm/Wiegandt, Klaus (Hrsg.): Die Anfänge des Christentums, Frankfurt am Main 2008, S. 11.

[2] Vgl. ebenda, S. 11-13.

[3] Vgl. Brox, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums, Düsseldorf 32008, S. 9.

[4] Vgl. Frank, Karl Suso: Lehrbuch der Alten Geschichte, Paderborn 21997, S 45.

[5] Vgl. Brox, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums, S. 10. Solche Ortsangaben in der Osterüberlieferung, wie z.B. Jerusalem, gelten als Hinweis für die frühe Existenz einer Jesusgemeinschaft, die ihre Erinnerungen in Textform aufbewahrt hat.

[6] Vgl. Franzen, August: Kleine Kirchengeschichte, Freiburg im Breisgau 252008, S. 27. Unter jüdischer Ge- meindeorganisation kann im weitesten Sinne eine hierarchische Gliederung verstanden werden, bei der die Führung durch die Ältesten übernommen wird, gefolgt von Presbytern und Amtsträgern mit bleibenden Voll- machten.

[7] Diese kultische Feierlichkeit ist durch die Apg 2,46 als Abendmahl überliefert und beinhaltet das „Brechen des Brotes“ in den Haushalten der Gemeindemitglieder.

[8] Vgl. Franzen, August: Kleine Kirchengeschichte, S. 27. Auf dem sogenannten „Apostelkonzil“ des Jahres 48 n. Chr. wurde auch die erste schwerwiegende Entscheidung für den zukünftigen Weg der jungen Kirche getroffen, bei der festgelegt wurde, dass die Heidenchristen vom jüdischen Gesetz grundsätzlich frei sein sollten.

[9] Vgl. ebenda S. 28f. Die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. beendete die bisherige Vorrangstellung der dort ansässigen Christusgemeinde.

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Details

Titel
Die Anfänge der Kirche und die Ausbreitung des Christentums
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Theologisches Institut)
Veranstaltung
Geschichte der Kirche I: Das Altertum
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V176834
ISBN (eBook)
9783640982622
ISBN (Buch)
9783640982752
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirchengeschichte, Essay, Altertum, Kirche, Urchristentum, Frühchristliche Mission, Judentum, Christ, Christentum, Apostel, Christus, Stephanus, Hellenisten, Heiden, Heidentum, Historische Theologie
Arbeit zitieren
Kjell Ostenrath (Autor), 2010, Die Anfänge der Kirche und die Ausbreitung des Christentums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176834

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