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Abenteuersport als pädagogische Präventivmaßnahme gegen Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen

Titel: Abenteuersport als pädagogische Präventivmaßnahme gegen Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen

Bachelorarbeit , 2022 , 40 Seiten , Note: 1.1

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Didaktik - Sport, Sportpädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Welche Prinzipien sind notwendig, um Konzepte entwickeln zu können, die eine Integration des Abenteuersports als Gewaltprävention in den Schulsport zulassen?

Die Gewaltbereitschaft Minderjähriger ist ein hoch relevantes Thema in der deutschen Gesellschaft. 17 Prozent aller polizeilich erfassten Gewalttaten in Deutschland wurden im Jahr 2020 von Personen unter 18 Jahren begangen. Zwar nimmt die Zahl der vom Kriminalamt erfassten Gewalttaten seit einigen Jahren langsam ab, jedoch ist diese Zahl, insbesondere unter Beachtung der Dunkelziffer jener Taten, die nicht polizeilich erfasst wurden, immer noch erschreckend hoch. Umso alarmierender ist es, dass es eine hohe Rückfallquote bei der Gewaltbereitschaft gibt und Täter, trotz des Erziehungsauftrages der Schule und des Jugendstrafrechts sowie verschiedener gesellschaftlicher Maßnahmen, häufig mehrmals verurteilt werden müssen. Diese Tatsachen unterstreichen die Notwendigkeit, alternative Konzepte im Umgang mit gewaltbereiten Minderjährigen zu entwickeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewalt

2.1 Erscheinungsformen der Gewalt

2.2 Zahlen und Fakten: Gewaltbereitschaft Kinder und Jugendlicher

2.3 Risikofaktoren und Motive als Ursachen für Gewaltbereitschaft

3. Der gesellschaftliche Umgang mit Kinder- und Jugendgewalt

3.1 Ansätze des Jugendstrafrechts

3.2 Gewaltprävention als Erziehungsauftrag der Schule

3.3 Kritik und Grenzen der konventionellen gesellschaftlichen Maßnahmen

4. Abenteuersport

4.1 Klassifikation

4.2 Motive für die Teilhabe am Abenteuersport

5. Potenziale des Abenteuersports für die Gewaltprävention

5.1. Potenziale für die psychische und emotionale Entwicklung

5.2 Potenziale für die kognitive und neuronale Entwicklung

5.3 Potenziale für die soziale Entwicklung

5.4 Potenziale für die Reduktion endokrinologischer Risikofaktoren

6. Prinzipien für die Integration des Abenteuersports in den Schulsport

7. Diskussion und Ausblick

Zielsetzung und Themenschwerpunkte

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht das Potenzial des Abenteuersports als alternative, handlungsorientierte Präventivmaßnahme gegen Gewaltbereitschaft im Kindes- und Jugendalter. Ausgehend von den Grenzen und hohen Rückfallquoten traditioneller strafrechtlicher sowie rein schulisch-kognitiver Sanktions- und Präventionsmaßnahmen wird der Frage nachgegangen, welche pädagogischen und didaktischen Prinzipien erforderlich sind, um abenteuersportliche Konzepte nachhaltig und gewaltpräventiv in den regulären Schulsport sowie schulische Sonderformate zu integrieren.

  • Erscheinungsformen, statistische Daten und biopsychosoziale Risikofaktoren von Jugendgewalt
  • Kritische Würdigung bestehender Interventionen im Jugendstrafrecht und Schulalltag
  • Begriffliche Schärfung und Motivanalyse des Abenteuersports im Vergleich zu Extrem- und Risikosport
  • Entwicklungsfördernde Potenziale des Abenteuersports auf psychischer, kognitiver, neuronaler, sozialer und endokrinologischer Ebene
  • Entwicklung von Leitprinzipien zur praxistauglichen Implementierung im schulischen Kontext

Auszug aus dem Buch

5. Potenziale des Abenteuersports für die Gewaltprävention

Kinder und Jugendliche können nicht nur physisch vom Abenteuersport profitieren, auch für die psychische, kognitive, neuronale, emotionale und soziale Entwicklung bringt er Vorteile. Dem Abenteuersport können dabei Potenziale in zwei Bereichen zugeschrieben werden. Er kann sowohl als alternative Motivbefriedigung dienen als auch den entwicklungsbedingten Risikofaktoren und den Ursachen für Gewaltbereitschaft entgegenwirken. Diese Vorteile werden im vorliegenden Kapitel erläutert und bilden die Grundlage für die Diskussion, welche Ansätze der Abenteuersport bietet, um die Gewaltbereitschaft zu reduzieren.

Kriminalität, Aggression und Gewalt, Drogenmissbrauch, aber auch der Sport, insbesondere der Abenteuer- und Risikosport stellen Bereiche des Risikoerlebens/-verhaltens dar (Kuhn & Todt, 2003). Diese Gemeinsamkeit bedingt, dass die Zielgruppen, der zur Disposition stehenden Bereiche, häufig ähnliche Eigenschaften aufweisen. So streben Personen mit einem hohen optimalen Erregungsniveau meist nach reizintensiven äußeren Stimulationen. Diese können die sogenannten Sensation-Seeker sowohl im Abenteuersport als auch in der Ausübung von Gewalt, Kriminalität o.ä. finden (Kuhn & Todt, 2003). Hinsichtlich dieser Tatsache erlangt der Abenteuersport seinen Status als alternative Motivbefriedigung, als Ventil für das Verlangen nach Gewalthandlungen. Die Gewaltausübung als reizintensive äußere Stimulation hebt die bei dieser Personengruppe meist geringe Aktivierung des autonomen Nervensystems und die geringe endogene Stimulation für kurze Zeit auf. Der Abenteuersport, der mit ähnlichen Stimulationen arbeitet, hat somit das Potenzial eine Alternative zur Gewaltbereitschaft darzustellen. Er gibt den Minderjährigen ein Mittel gegen die Reizarmut, resultierend aus einer geringen Aktivierung des autonomen Nervensystems und dem damit in Verbindung stehenden niedrigen Serotonin- und Adrenalinspiegel, an die Hand.

Kindern und Jugendlichen, die Gewalt als Mittel zum Austesten ihrer und der gesellschaftlichen Grenzen nutzen, dient der Abenteuersport in zweierlei Hinsicht. Erstens können die Minderjährigen ihre eigenen psychischen und physischen Grenzen austesten (Neuber, 2021; siehe Kapitel 4.1), zweitens zeigt die Natur oder auch die initiierte Abenteuerumwelt den Kindern und Jugendlichen feste Grenzen auf, die nicht überwunden oder ignoriert werden können (Opaschowski, 2000). Hängt das Ignorieren oder ständige Austesten der Grenzen mit der Befreiung von dem Gefühl der Fremdsteuerung, die in unserer Gesellschaft durchaus ein Problem darstellt, zusammen, bietet die Selbstermächtigung im Abenteuersport eine alternative Motivbefriedigung (Bette, 2005).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Führt in die Relevanz der Jugendkriminalität sowie Rückfallquoten ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach notwendigen Prinzipien für die Integration des Abenteuersports in den Schulsport.

2. Gewalt: Definiert den Gewaltbegriff, analysiert Kriminalstatistiken und beleuchtet differenziert die biopsychosozialen Risikofaktoren sowie individuellen Handlungsmotive gewaltbereiter Minderjähriger.

3. Der gesellschaftliche Umgang mit Kinder- und Jugendgewalt: Skizziert den gesetzlichen Erziehungsauftrag im Jugendstrafrecht und in der Schule und diskutiert kritisch bestehende Belastungsgrenzen sowie institutionelle Hürden.

4. Abenteuersport: Klassifiziert den Begriff im Vergleich zu Extrem-, Risiko- und Natursportarten und analysiert grundlegende Teilhabemotive wie Sensation-Seeking, Kompetenzerleben und Flow-Erfahrungen.

5. Potenziale des Abenteuersports für die Gewaltprävention: Begründet theoriegeleitet die präventive Wirksamkeit auf die emotionale Selbstkontrolle, kognitive Problemlösekompetenzen, Teaminteraktionen sowie neurobiologische Regulationsmechanismen.

6. Prinzipien für die Integration des Abenteuersports in den Schulsport: Entwickelt anhand induktiver Inhaltsanalyse sechs konkrete didaktisch-pädagogische Prinzipien zur praxistauglichen und sicheren Umsetzung von Abenteuersportangeboten an Schulen.

7. Diskussion und Ausblick: Wägt die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Prinzipien gegen praktische Realisierungsgrenzen ab und formuliert Implikationen für nachfolgende empirische Interventionsstudien.

Schlüsselwörter

Abenteuersport, Gewaltprävention, Schulsport, Minderjährige, Jugendkriminalität, Erlebnispädagogik, Sensation-Seeking, Selbstwirksamkeit, Risikokompetenz, Aggression, Impulskontrolle, Schulentwicklung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern Abenteuersport als alternatives pädagogisches Interventions- und Präventionskonzept genutzt werden kann, um der Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?

Die Veröffentlichung verknüpft kriminologische und psychologische Befunde zu Ursachen von Jugendgewalt mit sportpädagogischen Ansätzen, Erlebnispädagogik und didaktischen Konzepten des Schulsports.

Was ist das primäre Ziel bzw. die Forschungsfrage der Untersuchung?

Ziel ist es herauszuarbeiten, welche Prinzipien notwendig sind, um didaktisch fundierte Konzepte zu entwickeln, die eine erfolgreiche Implementierung von Abenteuersport zur Gewaltprävention in den Schulsport ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Untersuchung basiert auf einer qualitativen, interdisziplinären Literaturanalyse aus Sportpädagogik, Psychologie und Soziologie in Verbindung mit einer induktiven Inhaltsanalyse zur theoriegeleiteten Formulierung didaktischer Prinzipien.

Was wird im Hauptteil analysiert?

Im Hauptteil werden die Motive und biopsychosozialen Wirkmechanismen des Abenteuersports untersucht und sechs handlungsleitende Prinzipien formuliert: Wagnis und Risiko, Eigen- und Fremdverantwortung, Individualisierung, Relation von Risiko und Sicherheit, soziale Bindung sowie aktive pädagogische Begleitung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Abhandlung?

Prägende Fachbegriffe sind Abenteuersport, Gewaltprävention, Wagnis, Sensation-Seeking, Risikokompetenz, Selbstwirksamkeit und Erziehungsauftrag im Schulsport.

Warum reicht konventionelle Bestrafung über das Jugendstrafrecht oft nicht aus?

Klassische Maßnahmen wie Jugendarrest und Jugendstrafe weisen sehr hohe Rückfallquoten von bis zu 78 Prozent auf, da Erziehung im institutionellen Zwangskontext kaum fruchtet und delinquente Jugendliche selten neue, konstruktive Verhaltensmuster erlernen.

Welche Funktion hat das subjektive Risiko im Abenteuersport für gewaltbereite Jugendliche?

Ein subjektiv empfundenes Risiko ermöglicht intensive emotionale Erregung ohne reale Lebensgefahr; es dient als Ventil gegen Reizarmut, befriedigt das Bedürfnis nach Grenzerfahrungen (Sensation-Seeking) und eröffnet Lernfelder zur Affektregulation.

Welche Rolle spielen Reflexionsphasen bei abenteuersportlichen Interventionen?

Ohne gezielte pädagogische Reflexion bleibt das Erlebte bloße Aktion. Erst durch das geleitete Nachbesprechen können im Sportunterricht erfahrene Problemlösestrategien, Grenzziehungen und Rollenwechsel erfolgreich auf den Alltag und reale Konfliktsituationen übertragen werden.

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Details

Titel
Abenteuersport als pädagogische Präventivmaßnahme gegen Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Sportwissenschaft)
Note
1.1
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
40
Katalognummer
V1768494
ISBN (PDF)
9783389206577
ISBN (Buch)
9783389206584
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abenteuersport präventivmaßnahme gewaltbereitschaft minderjährigen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Abenteuersport als pädagogische Präventivmaßnahme gegen Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1768494
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Leseprobe aus  40  Seiten
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