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Die Varusschlacht - Antike Überlieferung und politischer Mythos

Title: Die Varusschlacht - Antike Überlieferung und politischer Mythos

Bachelor Thesis , 2010 , 92 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christina Gieseler (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

Diese Abschlussthesis thematisiert die Varusschlacht als historisches Ereignis in der antiken Überlieferung und ihre Entwicklung zum politischen Mythos mit den zugrundeliegenden Fragestellungen, ob die Varusschlacht als Wendepunkt der Geschichte und Beginn deutscher Geschichte betrachtet werden kann.

Aus der Einleitung:

Als Einstieg erfolgt ein kurzer Überblick über die Erforschung der Varusschlacht in der Altertumswissenschaft seit dem 19. Jh., woran sich eine Erläuterung der Bedeutung des Germanen- und Germanienbegriffes anschließt.

Im Anschluss wird auf die römische literarische Traditionsbildung um die Varusschlacht und die Quellenlage zu diesem Ereignis eingegangen. Danach geht es um die Varus-Niederlage selbst[...].

Das darauffolgende Kapitel behandelt die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht. Der Fokus liegt hier besonders auf der Germania des Tacitus. Danach wird die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht vom 16. bis ins 21. Jh. vorgestellt.

Im letzten Kapitel der Arbeit geht es um die Varusschlacht als politischem Mythos. Zu Beginn wird darin erläutert, was unter einem Geschichtsmythos oder politischen Mythos überhaupt zu verstehen ist.

Für die Analyse des Varusschlacht-/Hermannsmythos werden Erkenntnisse aus der Mythosforschung von Heidi Hein-Kircher und einige ergänzende Bemerkungen von Dieter Timpe und Hans Ottomeyer einbezogen und direkt in Verbindung zum Mythos der Varusschlacht erörtert.

Danach geht es um die Bedeutung des Arminius-Dialogs des Ulrich von Hutten für den Prozess der Mythenbildung um das Schlachtereignis sowie die Person des Arminius. Der Dialog Huttens wird von Historikern, wie Hans-Gert Roloff feststellt, häufig als der Ursprungstext für den Beginn der Mythisierung und der Begründung des Arminius-Kultes genannt, aber nicht weitergehend erläutert. Dies soll in dieser Arbeit geschehen, besonders weil über die Interpretation des Textes, über die seit der grundlegenden Bearbeitung Jacques Ridés in den späten 70er Jahren lange Zeit Einigkeit bestand, im Jahr 2009 von Reinhold F. Glei eine andere Lesart vorgestellt worden ist.

Nach der Beschäftigung mit dem Arminius-Dialog soll der Prozess der Mythenbildung um die Varusschlacht im Verlauf der Rezeptionsgeschichte abschließend in seinen wichtigsten Eigenschaften und Auswirkungen zusammengefasst und die Frage beantwortet werden, inwiefern dieser ein identitätsstiftendes Ereignis darstellt und vielleicht als Mythos im Sinne eines Wendepunktes verstanden werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Interpretation der Varusschlacht in der Altertumswissenschaft seit dem 19. Jahrhundert

3 Der römische Germanen- und Germanienbegriff

3.1 Vorbemerkungen

3.2 Die Entwicklung und Bedeutung des Germanen- und Germanienbegriffes in der römischen Geschichte

3.3 Die Lebensweise der Germanen – Archäologische Erkenntnisse und Beschreibungen antiker Autoren

3.4 Der Bedeutungsrahmen des römischen Germanen- und Germanienbegriffes

4 Die antike Überlieferung über die Varusschlacht

4.1 Die literarische Traditionsbildung um die Varusschlacht in der römischen Geschichtsschreibung

4.2 Die Quellen und ihre Autoren

4.3 Bewertung der antiken Überlieferung und Auswahl der Quellen

5 Die politische Ausgangslage vor der Varusschlacht

5.1 Die Eroberung und Erschließung Germaniens

5.2 Germanien – Eine römische Provinz?

5.3 Germanien als Teil des Imperium Romanum

6 Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung

6.1 Das Schlachtereignis

6.2 Angaben über Herkunft und Lebenslauf von Arminius und Varus

6.2.1 Arminius

6.2.2 Publius Quintilius Varus

6.3 Die heimliche Vorbereitung und die möglichen Hintergründe des Aufstandes

6.4 Die Ereignisse unmittelbar nach der Varusschlacht und die römischen Rachefeldzüge

6.5 Die Abberufung des Germanicus

6.6 Ausblick über die weiteren Entwicklungen der römisch-germanischen Beziehungen

6.7 Die Varusschlacht als historischer Wendepunkt und Arminius als Befreier Germaniens?

7 Die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht

7.1 Die Wiederentdeckung der antiken Überlieferung im 15./16. Jahrhundert und die Entwicklung des Germanenmythos

7.2 Arminius/Hermann als Befreier „Teutschlands“ im 16. Jahrhundert

7.3 Hermann als Liebesheld und Freiheitskämpfer im 17. Jahrhundert

7.4 Hermann als „guter Barbar“ und Opfer des politischen Systems im 18. Jahrhundert

7.5 Hermann als Vorkämpfer der Freiheit und Vaterlandseiniger im 19. Jahrhundert

7.6 Hermann im 20. und 21. Jahrhundert

8 Die Varusschlacht als politischer Mythos

8.1 Vorbemerkungen

8.2 Die Funktionen und Wirkungen der Varusschlacht als politischem Mythos

8.3 Der Beginn der Mythenbildung: Der Arminius-Dialog des Ulrich von Hutten

8.4 Die Varusschlacht als identitätsstiftendes Ereignis?

9 Schlussbemerkungen

10 Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht einerseits die historischen Fakten der Varusschlacht auf Basis antiker Quellen und aktueller Forschung, andererseits die Entwicklung und Instrumentalisierung dieses Ereignisses als politischer Mythos vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen historischen Geschehen und der mythischen Überhöhung als "Gründungsakt" der deutschen Nation aufzudecken.

  • Historische Analyse des Schlachtverlaufs und der politischen Ausgangslage
  • Untersuchung des römischen Germanenbildes und der germanischen Gesellschaftsstrukturen
  • Kritische Quellenanalyse zur antiken Überlieferung (u.a. Cassius Dio, Tacitus)
  • Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht als nationaler Identitätsstifter
  • Funktionsanalyse des politischen Mythos um Arminius/Hermann

Auszug aus dem Buch

Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung

Als sich Varus im Jahr 9 n. Chr. mit der 17., 18., und 19. Legion von der Weser auf den Weg zu den Militärbasen an Lippe oder Rhein machte, hatte er laut Cassius Dio nicht im Geringsten mit einem Aufstand der verbündeten Cherusker gerechnet. Diese hatten ihm berichtet, dass es zu einer „Aufstandsbewegung […] bei den Völkerschaften, die von ihm entfernt wohnten“, gekommen war. Bei dieser Nachricht handelte es sich aber nur um einen „wohlüberlegte[n] Plan“, denn: „Varus sollte gegen diese Unruhestifter zu Felde ziehen und auf dem Marsch durch angeblich befreundetes Gebiet mit geringerer Mühe überwältigt werden, anstatt dass er sich, wie bei einem allgemeinen, plötzlichen Ausbruch von Feindseligkeiten gegen ihn zu erwarten war, besonders in acht nahm.“

Das befreundete Gebiet, das Dio erwähnt, war das Stammesgebiet der Cherusker zwischen Weser und Ems. Der Weg, den die Legionen, Reiter und Hilfstruppen und ihr Tross mit Frauen, Kindern, Sklaven und vielen Wagen dann auf dem Marsch zu dem angeblichen Aufstand nahmen, führte durch Berge und Schluchten und war dicht bewaldet, sodass „die Römer bereits vor dem Überfall mit dem Fällen der Bäume, der Anlage von Wegen und der Überbrückung von Geländeabschnitten, wo solches nötig war, Mühe genug hatten“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das historische Ereignis der Varusschlacht und die Forschungsfrage bezüglich der anschließenden Mythenbildung.

2 Die Interpretation der Varusschlacht in der Altertumswissenschaft seit dem 19. Jahrhundert: Darstellung der Entwicklung historischer Sichtweisen auf die Schlacht als Wendepunkt der Geschichte.

3 Der römische Germanen- und Germanienbegriff: Analyse der römischen Ordnungsbegriffe, der germanischen Lebensweise und der Stammesstrukturen.

4 Die antike Überlieferung über die Varusschlacht: Untersuchung der römischen Traditionsbildung und Bewertung der zentralen antiken Quellen.

5 Die politische Ausgangslage vor der Varusschlacht: Erörterung der römischen Eroberungsstrategien und des Status Germaniens als (potenzielle) Provinz.

6 Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung: Detaillierte Rekonstruktion des Schlachtverlaufs, der Biografien von Akteuren und der historischen Einordnung.

7 Die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht: Chronologische Darstellung der Wiederentdeckung und künstlerisch-literarischen Verarbeitung der Varusschlacht vom 16. bis zum 21. Jahrhundert.

8 Die Varusschlacht als politischer Mythos: Theoretische Herleitung und Analyse des politischen Mythos als identitätsstiftendes Instrument.

9 Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der historischen Realität versus der Mythenbildung.

10 Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Varusschlacht, Arminius, Hermann, Germanien, Römisches Reich, Politische Mythen, Rezeptionsgeschichte, Germanenmythos, Tacitus, Geschichtsschreibung, Nationale Identität, Hermannsdenkmal, Wendepunkt, Publius Quintilius Varus, Humanismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das historische Ereignis der Varusschlacht und dessen langfristige Umdeutung zum deutschen Gründungsmythos, insbesondere durch die Rezeption antiker Schriften in der Neuzeit.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Im Fokus stehen die römische Germanienpolitik, die antike Quellenlage, die Entwicklung des "Germanenbegriffs" sowie die Instrumentalisierung des Arminiusstoffes für politische Zwecke in den vergangenen 500 Jahren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Thesis?

Die Autorin geht der Frage nach, ob die Varusschlacht historisch tatsächlich einen "Wendepunkt" darstellte oder ob diese Einordnung primär das Resultat einer über Jahrhunderte gewachsenen mythischen Überhöhung ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer antiker Überlieferungen und moderner fachwissenschaftlicher Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der antiken Ereignisse sowie eine umfassende rezeptionsgeschichtliche Untersuchung, die von der Wiederentdeckung der Germania des Tacitus im 16. Jahrhundert bis hin zur heutigen musealen Vermarktung in Kalkriese reicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind: Varusschlacht, Arminius, politischer Mythos, Identitätsstiftung, römische Geschichtsschreibung, Germanenmythos, Rezeptionsgeschichte.

Warum spielt die Person des Arminius eine so zentrale Rolle im Mythos?

Arminius dient im Mythos als idealisierte Projektionsfläche für deutsche Tugenden wie Freiheitsliebe und militärische Stärke; seine Stilisierung zum "ersten deutschen Freiheitskämpfer" ist dabei maßgeblich durch das Urteil des Tacitus geprägt worden.

Welche Rolle spielt der Fundplatz Kalkriese für die aktuelle Debatte?

Kalkriese verdeutlicht die Problematik einer "musealen Vermarktung" historischer Stätten, da die Verknüpfung archäologischer Funde mit nationalen Identitätskonzepten heute als wissenschaftlich problematisch und historisch überhöht kritisiert wird.

Inwiefern hat die Reformation die Mythenbildung beeinflusst?

Die Reformation förderte die Popularisierung des Arminiusstoffes, wobei Reformatoren diesen teilweise in den Kontext eines nationalen Stolzes stellten, um sich gegen die päpstliche Vorherrschaft aus Rom abzugrenzen.

Wie wurde die Rolle des Varus historisch bewertet?

Während Varus kurz nach der Schlacht als tragisches Opfer galt, verschlechterte sich sein Bild in der späteren Historiografie durch den Einfluss innerrömischer Machtpolitik und die Notwendigkeit, eine Erklärung für die katastrophale Niederlage zu finden.

Excerpt out of 92 pages  - scroll top

Details

Title
Die Varusschlacht - Antike Überlieferung und politischer Mythos
College
University of Wuppertal
Grade
1,0
Author
Christina Gieseler (Author)
Publication Year
2010
Pages
92
Catalog Number
V176868
ISBN (eBook)
9783640982677
ISBN (Book)
9783640982721
Language
German
Tags
Varusschlacht Bachelor-Thesis BA-Thesis Alte Geschichte Neue Geschichte politischer Mythos
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Gieseler (Author), 2010, Die Varusschlacht - Antike Überlieferung und politischer Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176868
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