Wie können literarische Gestaltungsmittel politische Bedeutung erzeugen? Dieser Frage geht die vorliegende Hausarbeit am Beispiel von Peter Weiss’ dokumentarischem Theaterstück Die Ermittlung nach.
Im Mittelpunkt stehen die auffälligen Figurenbezeichnungen des Stücks. Die Zeugen und Angeklagten werden nicht mit individuellen Namen, sondern beispielsweise als „Erster Zeuge“, „Zweiter Zeuge“ oder „Angeklagter 1“ bezeichnet. Die Arbeit untersucht, welche ästhetischen und politischen Funktionen diese Form der Figurenbenennung erfüllt und wie dadurch Wahrnehmung, Sichtbarkeit und sprachliche Ordnung gestaltet werden.
Die Analyse erfolgt zunächst eigenständig und textnah. Anschließend werden die gewonnenen Beobachtungen mit zwei unterschiedlichen theoretischen Perspektiven auf das Politische verbunden: Jacques Rancières Konzept der „Aufteilung des Sinnlichen“ und Roland Barthes’ Verständnis von Schreibweise (écriture). Dadurch wird herausgearbeitet, wie die Figurenbezeichnungen einerseits kollektive Sichtbarkeit ermöglichen und andererseits durch ihre sachlich-protokollartige Form Wahrnehmung und Bedeutungsbildung strukturieren.
Die Arbeit verbindet damit eine konkrete Dramenanalyse mit literatur- und kulturtheoretischen Fragestellungen und zeigt, wie politische Wirkung nicht nur über den Inhalt eines Textes, sondern bereits über seine formale Gestaltung entstehen kann.
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- Anonym (Author), 2026, Politik der Form. Die Figurenbezeichnungen in "Die Ermittlung" im Lichte von Jacques Rancière und Roland Barthes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1769198