Das Anliegen dieser Arbeit ist es, den Prozess der Körpererfahrung von Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht genauer zu untersuchen. Dabei interessiert zunächst der Weg weg vom Körper: Wie kam es bei beiden Protagonisten zur körperlichen Selbstentfremdung? Welche Rolle spielen diesbezüglich die Eltern und was sind die konkreten Folgen ihrer Erziehung? Wir werden sehen, wie Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht trotz unterschiedlichem Milieu ähnlich körperfeindlich sozialisiert werden. Auch wird die Frage nach dem Warum der ausgeübten Erziehung gestellt. Im weiteren Verlauf der Arbeit rückt das Selbstfinden der Protagonisten in der Mittelpunkt der Untersuchung. Beide brechen aus der Konformität aus. Wie gestaltet sich das Neuentdecken der eigenen Individualität und wie stehen Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht dieser Neuentdeckung gegenüber? Sind ihre Emanzipationsversuche bewusst getroffene Entscheidungen? Auch die Folgen der von ihnen gemachten Körpererfahrung werden uns an dieser Stelle interessieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Körper Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht in der Konformität
2.1 Die Erziehung des Körpers des Klaus Uhltzschts
2.1.1 Bernhard und Lucie Uhltzscht
2.1.2 Der erzogene Körper des Klaus Uhltzschts
2.2 Die Erziehung des Körpers des Fritz Zorns
2.2.1 Die Eltern Zorn
2.2.2 Der erzogene Körper des Fritz Zorns
2.3 Politik und Körper
3 Ekstasen der Körperlichkeit
3.1 Spielarten der Ekstase
3.1.1 Sexualität
3.1.1.1 Geweckte Körperlichkeit
3.1.1.2 Sexualität und Ekstase der Körperlichkeit bei Klaus Uhltzscht
3.1.2 Krankheit und Ekstase der Körperlichkeit bei Fritz Zorn
3.2 Folgen der körperlichen Ekstasen
3.2.1 Das Schreiben – der neue Körper
3.2.1.1 Mars – ein inszenierter Körper?
3.2.1.2 „Sein Körper ist mein Körper“ – Körpertausch
3.2.2 Mythendekonstruktion bei Thomas Brussig – Der Körper als Instrument wider Geschichtslügen und Geschichtsverklärung
3.2.2.1 Die „selbstquälerische“ und „kritisch-betroffene DDR- und Wendeliteratur“
3.2.2.2 Der Held der Wende
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess der Körpererfahrung bei Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht, um zu analysieren, wie beide Protagonisten durch die Erziehung ihrer Eltern in die Konformität gezwungen wurden und wie sie mittels körperlicher Ekstase versuchen, sich aus diesem körperfeindlichen Milieu zu befreien und ihre eigene Individualität wiederzuentdecken.
- Körperliche Selbstentfremdung und Konformitätsdruck
- Die Rolle elterlicher Erziehung und gesellschaftlicher Normen
- Sexualität und Krankheit als Ausdrucksformen körperlicher Ekstase
- Schreiben als Instrument der Identitätsfindung und -inszenierung
- Mythendekonstruktion in der Wendeliteratur (Thomas Brussig)
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Am 2. November 1976 erlag Dr. Fritz Fürchtegott Angst im Alter von 32 Jahren seinem Krebsleiden. Er war ein braver Schweizer Bürger, ein Mustermann für die Züricher Goldküste, einer, der nicht „aneckte“, der nicht störte. Mars ist die Niederschrift seines Lebens. Über sie erhält der Leser einen Einblick in die Welt des Fritz Zorns, einen Einblick, der aber, entgegen allen Erwartungen, erschüttert. Mars ist der letzte „Aufschrei eines Todkranken“. In ihm gibt sich ein Schreiber zu erkennen, der „jung und reich und gebildet; und [...] unglücklich, neurotisch und allein“ ist. Der Leser lernt Fritz Zorn als einen Mensch kennen, der an Depressionen leidet, der unfähig ist, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten und der letztlich in völliger Einsamkeit sterben wird.
In Thomas Brussigs Helden wie wir finden wir eine ähnliche Geschichte. Wie auch Fritz Zorn, lebt Klaus Uhltzscht, der Protagonist, vollkommen isoliert. Im Ost-Berlin der 80er Jahre, als Sohn des Stasi-Mitarbeiters Bernhard Uhltzscht und der Gesundheitsinspektorin Lucie Uhltzscht ist er ein von Vorschriften und Regeln umstellter Gefangener. Bestimmt vom Streben nach tradierten, moralischen Werten seines Milieus, entwickelt Klaus im Laufe seines Lebens eine Fülle an körperfeindlichen Komplexen zuge derer er das Eigene bekämpft, unterdrückt und mumifiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Lebensgeschichten von Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht ein und verdeutlicht ihre gemeinsame Isolation und den Zwang zur Konformität.
2 Die Körper Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht in der Konformität: Dieses Kapitel analysiert die prägende Erziehung durch die Eltern in den jeweiligen Milieus, die zu einer Entfremdung vom eigenen Körper führt.
3 Ekstasen der Körperlichkeit: Hier wird untersucht, wie die Protagonisten durch Sexualität und Krankheit versuchen, aus den vorgegebenen Strukturen auszubrechen und ihren Körper neu zu erfahren.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die körperliche Ekstase trotz aller Schwierigkeiten den entscheidenden Wendepunkt für beide Figuren darstellt, um zu sich selbst zu finden.
Schlüsselwörter
Körperlichkeit, Ekstase, Fritz Zorn, Klaus Uhltzscht, Konformität, Selbstentfremdung, Erziehung, Sexualität, Krankheit, Schreiben, DDR-Literatur, Wendeliteratur, Identität, Individualisierung, Thomas Brussig
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die körperliche Selbstentfremdung von Fritz Zorn und Klaus Uhltzscht und wie sie durch körperliche Ekstase versuchen, ihre Individualität wiederzuerlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Konformitätsdruck, familiäre Erziehung, der Körper als Ort der Unterdrückung sowie die befreiende Wirkung von Sexualität und Krankheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Weg der Protagonisten von der körperlichen Selbstentfremdung hin zur persönlichen Befreiung und Selbstfindung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der ausgewählten Primärtexte in Bezug auf psychologische und gesellschaftliche Aspekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die elterliche Erziehung und die Entfremdung untersucht, gefolgt von der Analyse der verschiedenen Formen der körperlichen Ekstase und deren Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Körperlichkeit, Ekstase, Konformität, Selbstentfremdung, Identität, Schreiben und Wendeliteratur.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Sexualität bei Klaus Uhltzscht?
Für Klaus ist Sexualität ein doppelschneidiges Schwert: Einerseits wird sie durch die Mutter unterdrückt und kriminalisiert, andererseits nutzt er sie als Ventil gegen staatliche Normen.
Inwieweit spielt Krankheit bei Fritz Zorn eine Rolle?
Krankheit (Krebs) wirkt bei Zorn paradoxerweise als erlösender Mechanismus, der den Zwang zur Konformität aufbricht und den Weg zum Schreiben freimacht.
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- Hans Erdmann (Author), 2011, Ekstasen der Körperlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177003