Drogen sind geschichtlich betrachtet schon immer ein Bestandteil unserer Gesellschaft. In traditionell organisierten Gesellschaftsordnungen sind die mit dem Rauschgiftkonsum verbundenen Gefahren durch feste Rituale gemindert.
In modernen offenen Gesellschaften besteht dieser Regelungsmechanismus nicht mehr. In der Bundesrepublik Deutschland ist Alkohol die Droge Nummer 1. Es besteht traditionell eine Tendenz zur Unterbewertung der vom Alkoholkonsum ausgehenden Gefahren. Gewalt und Alkohol stehen häufig in einer engen Beziehung zueinander.
Der Konsum anderer Drogen ist nach dem Betäubungsmittelgesetz weitestgehend kriminalisiert. Die Gefahren des illegalen Drogenmissbrauchs liegen sowohl in der Verelendung und gesellschaftlichen Ausgrenzung sowie im körperlichen Verfall des Drogenkonsumenten bzw. des Abhängigen als auch in den Folgen der Beschaffungskriminalität.
Rauschgiftbekämpfungsmaßnahmen der Polizei richten sich im Schwerpunkt gegen die illegale Herstellung und den illegalen Handel / Schmuggel mit Betäubungsmitteln sowie den dazugehörigen Grundstoffen, die bei der unerlaubten Herstellung von Betäubungsmitteln Verwendung finden und der Beschaffungs- und Folgekriminalität.
Gliederung
1. Rauschgiftkriminalität
2. Der Begriff der Rauschgiftkriminalität
3. Strafrechtliche Einordnung
4. Drogenkriminalität – organisierte Kriminalität
5. internationale Drogenbekämpfung
6. europäische Drogenbekämpfung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomenologie der Betäubungsmittelkriminalität und analysiert die notwendigen Strategien sowie die internationale polizeiliche Zusammenarbeit zu deren wirksamer Bekämpfung.
- Strukturelle Analyse der Rauschgiftkriminalität und ihrer Definition
- Strafrechtliche Einordnung der Delikte und Verfahrensregelungen
- Verknüpfung von Drogenkriminalität und organisierter Kriminalität
- Internationale und europäische Ansätze zur Drogenkontrolle
- Rolle der polizeilichen Zusammenarbeit und des Datenaustauschs
Auszug aus dem Buch
4. Drogenkriminalität - organisierte Kriminalität?
Zunächst stellt sich die Frage, was organisierte Kriminalität ist. Unter organisierter Kriminalität versteht man Gruppierungen, die kriminelle Ziele systematisch verfolgen. Man kann organisierte Kriminalität wie folgt definieren:
Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- und / oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, unter Verwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken. Der Begriff der organisierten Kriminalität umfasst nicht Straftaten des Terrorismus und ist daher von diesem abzugrenzen.
Die organisierte Kriminalität tritt in hierarchisch aufgebauten Organisationsformen auf. Es gibt allerdings auch netzwerkartige, funktional differenzierte Organisationsformen. Hiervon unabhängig werden kriminelle Organisationen häufig auch durch ethnische Solidarität, Sprache, Sitten sowie soziale und familiären Hintergründe zusätzlich gefestigt. Hierdurch entsteht unter den einzelnen Mitgliedern ein System persönlicher und gesellschaftlicher kriminell nutzbarer Verbindungen, in dem oft sehr feste Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse und Sanktionsmöglichkeiten für Abweichler bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rauschgiftkriminalität: Dieses Kapitel thematisiert die geschichtliche Einbettung von Drogenkonsum in die Gesellschaft und die polizeilichen Schwerpunkte bei der Bekämpfung illegaler Handelsstrukturen.
2. Der Begriff der Rauschgiftkriminalität: Hier wird die phänomenologische Einordnung vorgenommen, wobei insbesondere zwischen direkter und indirekter Beschaffungskriminalität unterschieden wird.
3. Strafrechtliche Einordnung: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen im BtMG sowie im StGB und beleuchtet die Besonderheiten bei der Behandlung von Straftaten in Fällen „geringer Menge“.
4. Drogenkriminalität – organisierte Kriminalität: Die Verknüpfung von organisierter Kriminalität mit dem Drogenhandel sowie die Abgrenzung zum Terrorismus stehen hier im Mittelpunkt der Analyse.
5. internationale Drogenbekämpfung: Es wird ein Abriss über die historische Entwicklung internationaler Drogenkontrollabkommen gegeben, beginnend mit der Shanghai Opium Commission.
6. europäische Drogenbekämpfung: Dieses Kapitel widmet sich den aktuellen EU-Strategien, der institutionalisierten Zusammenarbeit zwischen Polizei und Zoll sowie der Bedeutung moderner Datenaustausch-Initiativen.
7. Fazit: Die abschließende Betrachtung betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären und internationalen Kooperation bei gleichzeitigem Verständnis für den steten Wandel der Kriminalitätsphänomene.
Schlüsselwörter
Betäubungsmittelkriminalität, Beschaffungskriminalität, organisierte Kriminalität, Drogenhandel, BtMG, Rauschgiftbekämpfung, internationale Polizeiarbeit, EU-Drogenstrategie, Datenaustausch, Kriminalistik, Strafverfolgung, grenzüberschreitende Kriminalität, Prävention, polizeiliche Zusammenarbeit, Suchtstoffkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Betäubungsmittelkriminalität unter Berücksichtigung moderner polizeilicher Anforderungen an die internationale Zusammenarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Drogenkriminalität, die strafrechtliche Verfolgung, die Verflechtung mit organisierter Kriminalität sowie europäische Bekämpfungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Komplexität der Rauschgiftkriminalität darzustellen und die Effektivität von Maßnahmen sowie der institutionellen Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Behörden zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine kriminologische und rechtliche Analyse, wobei er aktuelle Gesetze, Richtlinien, Fachliteratur und Berichte aus der polizeilichen Praxis auswertet.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zur Beschaffungskriminalität vor allem die modernen Herausforderungen durch organisierte Strukturen sowie die Entwicklung gemeinsamer europäischer Ermittlungsmethoden behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Betäubungsmittelkriminalität, organisierte Kriminalität, internationale Polizeiarbeit, BtMG und grenzüberschreitende Kooperation.
Wie unterscheidet der Autor zwischen direkter und indirekter Beschaffungskriminalität?
Direkte Beschaffungskriminalität zielt unmittelbar auf den Erwerb von Betäubungsmitteln ab, während indirekte Beschaffungskriminalität Delikte umfasst, die der Finanzierung des Drogenkaufs dienen, wie etwa Diebstahl oder Raub.
Warum spielt die „Schwedische Initiative“ eine wichtige Rolle in der Arbeit?
Die Schwedische Initiative wird als wegweisendes neues Kapitel der polizeilichen Zusammenarbeit bezeichnet, da sie den Datenaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden strukturell neu definiert.
- Quote paper
- Marius Wallmeier (Author), 2011, Betäubungsmittelkriminalität im Lichte internationaler Polizeiarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177136