Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich dem Leser die Motivation näher bringen, die hinter meiner Forschung steckt. In unserer Zeit fällt es vielen Firmen schwer, guten Nachwuchs zu finden, da aufgrund von geburtenschwachen Jahrgängen jedes Jahr weniger junge Menschen für eine Ausbildung zur Verfügung stehen. Eine alternative Methode, um im hart umkämpften Markt zu bestehen, sind geschulte und motivierte Mitarbeiter. Eben diese Motivation, wie sie entsteht und wie sie aufgebaut wird, welchen Einfluss dabei die Führungskraft und welchen Einfluss der Mitarbeiter selbst hat, war für mich ein Grund, mich näher damit zu beschäftigen.
Betrachten wir kurz eine Abteilung in einem fiktiven Unternehmen. Hier treffen Mitarbeiter in einer Gruppe aufeinander, die verschiedenste Charaktere haben können und somit auf unterschiedlichste Art und Weise an ihre Arbeit heran gehen. Kollege Müller ist beispielsweise jemand, der seine Arbeit mit viel Fleiß und Ehrgeiz erledigt und darauf hofft, irgendwann eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Er erfüllt alle seine Aufgaben pflichtgemäß und termingerecht. Kollege Meier ist von seiner Arbeit ebenfalls hellauf begeistert, strebt aber dagegen danach, die Position des Abteilungsleiters zu übernehmen. Hier drängt sich folgende Frage auf: Lassen sich Mitarbeiter durch mehr Bezahlung motivieren oder durch die Möglichkeit, in ihrem Job etwas zu erreichen?
Stellen wir uns eine weitere Situation vor. Hier ist Kollege Schulze eher der stille Mitarbeiter, der zwar seine Arbeit erledigt, aber nicht wirklich Freude daran hat. Auf der anderen Seite gibt es den Kollegen Schmidt, der jeden Morgen voller Elan und Tatendrang auf der Arbeit erscheint und darauf aus ist, so viel wie möglich zu schaffen. Woran liegt es nun aber, dass es Mitarbeiter gibt, die von sich aus motivierter sind als andere? Und dann ist da noch Herr Lehmann, der mit dem derzeitigen Abteilungsleiter auf Kriegsfuß steht. In seinen Augen ist sein Vorgesetzter keine gute Führungskraft und verbreitet mehr Unruhe in der Abteilung als alles andere. Frau Schäfer dagegen ist vom derzeitigen Vorgesetzten hellauf begeistert und versucht jeden Tag, ihm alles recht zu machen und in einem guten Licht zu stehen. Ist es demnach auch so, dass die Führungskraft der Abteilung eine wichtige Rolle spielt? Und wirkt sich der angewandte Führungsstil in unterschiedlicher Weise auf die Mitarbeiter aus? Die Klärung dieser Fragen ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theorie
1. Vorstellung der relevanten Konstrukte
1.1 Führung
1.1.1 Transformationale Führung
1.1.2 Transaktionale Führung
1.2 Der regulatorische Fokus des Mitarbeiters
1.3 Wahrgenommenes Empowerment
2. Bisherige Ergebnisse im Forschungsfeld
2.1 Der Zusammenhang zwischen transformationaler Führung und wahrgenommenem Empowerment
2.2 Der Zusammenhang zwischen regulatorischem Fokus und wahrgenommenem Empowerment
2.3 Der Zusammenhang zwischen regulatorischem Fokus und Führungsstil
2.4 Der Einfluss der Führungskraft auf den situativen Fokus des Mitarbeiters
2.5 Zusammenfassung
3. Ziele der vorliegenden Arbeit
II. Methoden und Ergebnisse
4. Untersuchungsdesign
5. Variablen
5.1 Unabhängige Variablen
5.1.1 Die Szenariotechnik zur Implizierung des Führungsstils
5.1.2 Der chronische regulatorische Fokus
5.2 Abhängige Variablen
5.2.1 Wahrgenommenes Empowerment
5.2.2 Der situative regulatorische Fokus
5.3 Kontrollvariablen
6. Hypothesen
6.1 Hypothese für den Zusammenhang von Führungsstil und wahrgenommenem Empowerment
6.2 Hypothese für den Zusammenhang von regulatorischem Fokus und wahrgenommenem Empowerment
6.3 Hypothese für den Moderationseffekt des regulatorischen Fokus auf den Einfluss des Führungsstils auf das wahrgenommene Empowerment
6.4 Hypothese für den Einfluss des Führungsstils auf den regulatorischen Fokus des Mitarbeiters
7. Durchführung der Untersuchung
7.1 Stichprobe
7.2 Versuchsmaterial und Ablauf der Untersuchung
8. Ergebnisse
8.1 Angewandte Methoden zur Datenauswertung
8.2 Datenausfälle
8.3 Überprüfung der Skala zum wahrgenommenen Empowerment
8.4 Überprüfung der Skala zum regulatorischen Fokus
8.5 Interkorrelationstabelle
8.6 Ergebnisse für den Einfluss des Führungsstils auf das Empowerment
8.7 Ergebnisse für den Einfluss des regulatorischen Fokus auf das wahrgenommene Empowerment
8.8 Ergebnisse für den Moderationseffekt des regulatorischen Fokus auf den Einfluss des Führungsstils auf das wahrgenommene Empowerment
8.9 Ergebnisse für den Einfluss der Führungskraft auf die Zugänglichkeit der Ideale und Pflichten des Mitarbeiters
8.10 Zusammenfassung der Ergebnisse
III. Diskussion
9. Diskussion der Ergebnisse
9.1 Transformationale Führung und wahrgenommenes Empowerment
9.2 Regulatorischer Fokus und wahrgenommenes Empowerment
9.3 Das Zusammenspiel von Führungsstil und Fokus
9.4 Transformationale Führung und situativer Fokus
9.5 Grenzen der Studie
9.5.1 Der Einfluss der Stichprobengröße
9.5.2 Problematische Operationalisierung
10. Schlussfolgerungen für die Theorie und die weitere Forschung
10.1 Die Szenariotechnik
10.2 Der Fragebogen zum wahrgenommenen Empowerment
10.3 Die lexikalische Entscheidungsaufgabe zur Vorhersage des regulatorischen Fokus
10.4 Allgemeine Hinweise für die weitere Forschung
10.5 Rückblick auf die gestellten Ziele dieser Arbeit
11. Schlussfolgerungen für die Praxis
11.1 Ein höheres Maß an wahrgenommenem Empowerment
11.2 Das Zusammenspiel von Führungsstil und regulatorischem Fokus
11.3 Transformationale Führung - Das Allheilmittel?
11.4 Die fiktive Abteilung
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einfluss des Führungsverhaltens auf das wahrgenommene Empowerment sowie auf den situativen regulatorischen Fokus von Mitarbeitern in einem Laborexperiment zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie transformationale im Vergleich zu transaktionalen Führungsstilen bei Mitarbeitern mit unterschiedlichen regulatorischen Foki (Promotions- vs. Preventionsfokus) wirken und ob diese Kombinationen das Ausmaß an Empowerment beeinflussen.
- Transformationale versus transaktionale Führung im Arbeitskontext
- Regulatorischer Fokus (Promotions- und Preventionsfokus) als Moderator
- Wahrgenommenes Empowerment als motivationales Konzept
- Einfluss der Führungskraft auf den situativen Fokus des Mitarbeiters
- Zusammenspiel von Führungsstil, regulatorischem Fokus und Empowerment
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Transformationale Führung
Die Theorie der transformationalen Führung wurde stark durch Burns (1978) beeinflusst. In einem von ihm veröffentlichtem Buch, welches sich mit politischer Führung befasst, stellt er transformationale und transaktionale Führung auf politischer Ebene gegenüber. In den vergangenen Jahrzehnten beschäftigten sich zahlreiche Forscher mit den Eigenschaften von Führungskräften, wobei ein neuerer Aspekt der Führungsforschung verstärkt die transformationale und die charismatische Führung behandelt (Bass, 1985; Conger & Kanungo, 1988). Durch die große Überschneidung der beiden Theorien werden beide Begriffe auch teilweise synonym verwendet (House & Shamir, 1993). Das wachsende Interesse an transformationalen Führungskräften wird damit begründet, dass es diesen Führungskräften aufgrund ihrer Eigenschaften besonders gut gelingen soll, ihre MA zu herausragende Leistungen zu motivieren. Zu diesen Eigenschaften zählen z.B. das Kommunizieren eines Weges zur gemeinsamen Zielerreichung und das Vermitteln attraktiver Visionen. Aber auch die Wirkung dieser Führungskräfte als Vorbilder und ihre Unterstützung der Entwicklung der Mitarbeiter trägt zu dieser Leistungssteigerung bei (Bass, 1985, 1998). Gerade im Zeitalter der Globalisierung und einem starken Wettbewerb sind diese Leistungen von hoher Bedeutung.
Der transformationale Führungsstil ist dadurch gekennzeichnet, dass die Führungskraft das Verhalten und die persönlichen Ziele der Mitarbeiter transformiert, also weg von ihren eigenen Interessen hin zu den Interessen des Unternehmens verwandelt (Bass, 1985). Die kurzfristigen und eigensinnigen Ziele der Mitarbeiter werden an die Ziele der Organisation angepasst oder durch diese ersetzt. Die Mitarbeiter einer transformationalen Führungskraft zeigen im Vergleich zu anderen Führungsstilen mehr Loyalität, mehr Vertrauen, mehr Bewunderung und mehr Respekt gegenüber ihrem Vorgesetzten und setzen sich für höhere Ziele als ihre persönlichen ein (Wegge & Rosenstiel, 2004). Gemessen wird transformationale Führung durch vier hoch miteinander korrelierende Skalen des Multifactor Leadership Questionnaire (MLQ, Bass & Avolio, 1995).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorstellung der relevanten Konstrukte: Einführung in die zentralen Begriffe Führung (transaktional und transformational), regulatorischer Fokus und wahrgenommenes Empowerment.
2. Bisherige Ergebnisse im Forschungsfeld: Literaturüberblick über Zusammenhänge zwischen Führungsstilen, regulatorischem Fokus und Empowerment, unter Einbeziehung relevanter Studien.
3. Ziele der vorliegenden Arbeit: Definition der Forschungsziele und Hypothesenbildung bezüglich des Einflusses von Führung auf Empowerment und regulatorischen Fokus.
4. Untersuchungsdesign: Erläuterung des gewählten quasiexperimentellen 2x2-between-Designs für die Laboruntersuchung.
5. Variablen: Beschreibung der unabhängigen (Führungsstil, chronischer Fokus), abhängigen (Empowerment, situativer Fokus) und Kontrollvariablen.
6. Hypothesen: Formulierung der vier zentralen Hypothesen zur Interaktion von Führung, Fokus und Empowerment.
7. Durchführung der Untersuchung: Darstellung von Stichprobe, Versuchsaufbau, Szenarien und dem zeitlichen Ablauf der Datenerhebung.
8. Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen, Hypothesenprüfungen und Validitätsüberprüfungen der verwendeten Skalen.
9. Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der Befunde, Einordnung in den theoretischen Kontext sowie Diskussion der Einschränkungen.
10. Schlussfolgerungen für die Theorie und die weitere Forschung: Reflexion über die verwendete Methodik und Anregungen für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
11. Schlussfolgerungen für die Praxis: Übertragung der Erkenntnisse auf organisationale Handlungsfelder und Führungsalltag.
Schlüsselwörter
Transformationale Führung, transaktionale Führung, regulatorischer Fokus, Promotionsfokus, Preventionsfokus, wahrgenommenes Empowerment, Mitarbeiterführung, Organisationspsychologie, Führungserfolg, situativer Fokus, Selbstregulation, Motivationspsychologie, Arbeitsleistung, Commitment, Szenariotechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Führungsstile die Motivation von Mitarbeitern beeinflussen, wobei besonders das Konzept des wahrgenommenen Empowerments und der regulatorische Fokus (Promotions- vs. Preventionsfokus) der Mitarbeiter berücksichtigt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der transformationalen und transaktionalen Führung, den selbstregulatorischen Strategien von Mitarbeitern und der Frage, wie diese Faktoren zusammenwirken, um Empowerment am Arbeitsplatz zu fördern.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss von Führungsverhalten auf das wahrgenommene Empowerment sowie den situativen regulatorischen Fokus zu analysieren und zu prüfen, ob der regulatorische Fokus die Wirkung des Führungsstils moderiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine quasiexperimentelle Laborstudie mit einem 2x2-between-Design durchgeführt, bei der Versuchspersonen mittels Szenariotechnik unterschiedlichen Führungsstilen ausgesetzt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der die Konstrukte und den Stand der Forschung beleuchtet, sowie einen methodischen Teil, der das Studiendesign, die Hypothesen, die Durchführung und die statistische Auswertung der Ergebnisse präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Transformationale Führung, regulatorischer Fokus, wahrgenommenes Empowerment, situativer Fokus, Selbstregulation und Arbeitsmotivation.
Wie beeinflusst die transformationale Führung das Empowerment laut den Ergebnissen?
Die Ergebnisse bestätigen, dass eine transformationale Führungskraft bei Mitarbeitern zu einem höheren Grad an wahrgenommenem Empowerment führt als eine transaktionale Führungskraft.
Welche Rolle spielt der regulatorische Fokus für das Empowerment?
Es zeigte sich eine Tendenz, dass Personen mit einem Promotionsfokus generell mehr Empowerment empfinden als Personen mit einem Preventionsfokus, wobei dieser Effekt im Rahmen der Studie jedoch nicht statistisch signifikant belegt werden konnte.
- Arbeit zitieren
- Matthias Grohmann (Autor:in), 2010, Der Einfluss der Führungskraft auf die Motivation und den regulatorischen Fokus des Mitarbeiters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177168