Meine Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, herauszufinden, ob es möglich ist, Handkes poetischen Textband "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" so zu bearbeiten, dass es als Theaterstück auf die Bühne gebracht werden kann. Falls ja, inwiefern lässt sich diese Transformation herstellen und analysieren.
Im ersten Teil werde ich mich mit Peter Handkes Sprachkritik und dessen Werke im Hinblick auf seine Erneuerungen in der modernen sowie postdramatischen Literatur befassen. Im zweiten Teil möchte ich Handkes poetischen Sammelband Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt von 1969 philologisch analysieren und hierzu die im ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigen. Dabei interessieren mich die Themenvielfalt der IAI und besonders die sprachliche Verwendung sowie Handkes Sprachbewusstsein im übergeordneten Zusammenhang mit dem Aufbau und der Strukturierung des Bandes. Im dritten und letzten Teil werde ich untersuchen, ob und inwiefern die IAI eine Möglichkeit bietet, eine dramaturgisch überzeugende Fassung für das Theater entwickeln zu können. Hierbei ist es notwendig, theatertheoretische Überlegungen dahingehend zu überprüfen, wie Handke – wenn er es gewollt hätte – diese Transformation durchgeführt haben könnte. Es ist demnach Aufgabe der Arbeit, herauszufinden, ob eine Stückfassung der IAI letztlich innovativ wäre oder problematisch bliebe.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Peter Handke und das Theater
1.1. Handkes Sprachbewusstsein und Sprachkritik
1.1.1 Zeitgemäße Gleichzeitigkeit?Die Erzählform in Handkes Prosa
1.1.2 Besondere Sprachformen
1.2. Handkes Theatertheorie
1.2.1 Die Isoliertheit der Personen
1.2.2 Die Rolle des Publikums
2. Formale und inhaltliche Analyse des Bandes Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt
2.1 Ein Gedichtband entsteht: Der Titel und seine Bedeutung
2.1.1 Aufbau und Strukturierungsmöglichkeiten
2.1.2 Sprachliche Vereinfachungen erfordern neue Analysetechniken
2.2 Experimentelles Interesse
2.2.1 Kunst vs. Natur
2.2.2 Zeitungsausschnitte
3. Theatertheoretische Überlegungen zur IAI
3.1. Aufführung als Innovation
3.2. Bearbeitung der Stückfassung
3.3. Figurenkonstellation
3.4. Problem des Ortes und der Zeit
3.5. Schlussbemerkung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Möglichkeit und praktische Durchführbarkeit, Peter Handkes Gedichtband "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" in ein modernes Bühnenstück zu transformieren, wobei insbesondere die sprachtheoretischen Implikationen und die Rolle des Publikums analysiert werden.
- Peter Handkes Sprachkritik und theatertheoretische Ansätze
- Philologische Untersuchung des Gedichtbandes "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt"
- Die Rolle des Publikums und des Lesers als aktiver Rezipient
- Dramaturgische Herausforderungen bei der Bearbeitung poetischer Texte
- Innovative Ansätze für eine theatrale Transformation
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Zeitgemäße Gleichzeitigkeit? Die Erzählform in Handkes Prosa
Handke nutzt in seinen Werken häufig die Form der Gleichzeitigkeit.9 Diese kommt durch das Ausblenden von Vergangenheit und Zukunft zustande. Die Gegenwart wird dadurch bestimmt, dass unterschiedliche sinnliche Erlebnisse miteinander in Bezug gesetzt werden, obwohl grundsätzlich keiner zwischen ihnen besteht. Interessant ist hierbei die Auswirkung der gleichzeitigen Beschreibung von Dingen und Erlebnissen. Walter H. Sokel beschreibt dies treffend folgendermaßen: „Die Schilderung des Gleichzeitigen, wenn es auch gar nicht zu einer Handlung gehört, vermindert das Gerichtetsein der Erzählzeit.“10
Verlusterlebnisse11 und damit auch -ängste begründen die bewusste Verwendung der Gleichzeitigkeit beim Erzählen. Verschiedene Bilder realisieren eine synoptische Verbindung und bewirken als Zusammenschau Inhalte, die außerhalb dieser nicht bemerkt worden wären.12 Verluste von Emotionen, Bildelementen, besonders aber von Gedanken und imaginären sowie fiktionalen Schöpfungen betreffen die Protagonisten in Handkes Werken reaktiv in Alltagsmomenten. Die Erfahrungen, die die Personen spontan machen, sind ausschlaggebend für die weiteren Handlungsabläufe und Gedankengänge.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Peter Handke und das Theater: Dieses Kapitel erörtert Handkes grundlegende Sprachkritik, seine Ablehnung konventioneller Theaterformen sowie seine theatertheoretischen Forderungen zur Rolle des Zuschauers.
2. Formale und inhaltliche Analyse des Bandes Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt: Hier erfolgt eine philologische Untersuchung des Gedichtbandes, wobei Strukturen, die Bedeutung des Titels und experimentelle Verfahren wie Collagen analysiert werden.
3. Theatertheoretische Überlegungen zur IAI: Dieses Kapitel prüft, inwieweit der Gedichtband dramaturgisch für die Bühne adaptiert werden kann, und diskutiert Fragen der Figurenkonstellation sowie der Raum-Zeit-Auflösung.
Schlüsselwörter
Peter Handke, Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt, Sprachkritik, Theatertheorie, Gleichzeitigkeit, Postavantgarde, Transformation, Bühnenstück, Rezeptionsästhetik, experimentelle Literatur, Konkrete Poesie, Sprachbewusstsein, Ent-Individualisierung, Alltagsmythen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Voraussetzungen und dramaturgischen Möglichkeiten, Peter Handkes Gedichtband aus dem Jahr 1969 als Theaterstück auf die Bühne zu bringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen Handkes Sprachkritik, seine Auffassung von "Gleichzeitigkeit" im Erzählen, das Verhältnis von Autor, Text und Publikum sowie die theatertheoretische Erforschung seiner literarischen Werke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Antwort auf die Forschungsfrage zu finden, ob eine dramaturgische Transformation des Gedichtbandes in ein Bühnenstück als innovative Leistung oder problematische Adaption einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt philologische Analysetechniken, ordnet Handkes Werk in den Kontext der Postmoderne/Postavantgarde ein und analysiert dramaturgische Adaptionsmöglichkeiten anhand theoretischer Überlegungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Handkes Sprachkritik, eine formale/inhaltliche Analyse des Bandes sowie die detaillierte Betrachtung der theatertheoretischen Umsetzungsmöglichkeiten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachkritik, Gleichzeitigkeit, wahre Empfindung, Ent-Individualisierung und die Transformation von literarischen Vorlagen in dramatische Fassungen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Publikums in Handkes Theatertheorie?
Die Autorin betont, dass Handke den Zuschauer in eine aktive Rolle drängt; dieser muss durch die Reduktion von Handlung und konventionellen Mitteln selbst reflexiv tätig werden und das Geschehen assoziativ verarbeiten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der "collagierten" Zeitungsausschnitte?
Die Autorin stellt fest, dass diese Elemente ihre Bedeutung für den Autor verloren haben, da Handke sie als "zufällig" eingestuft hat, weshalb sie in späteren Sammelbänden teilweise weggelassen wurden.
- Citar trabajo
- Nicole Hilbig (Autor), 2011, Die Transformation von Peter Handkes Textband "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" in ein Bühnenstück, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177214