Der erste Teil beschreibt zunächst die theoretischen Grundlagen der interkulturellen Kunstpädagogik, interkulturellen Forschungen über Kinderzeichnungen sowie die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Ugandas. Zugleich zeigt dieser die Möglichkeiten der interkulturellen Kunstpädagogik in Bezug auf die Identitätsbildung dar, auf welche sich das Projekt ,,Zeichne mir wer du bist!" stützt. Dies erschließt sich im zweiten Teil, indem auf die Ziele sowie institutionelle Bedingungen und Verlauf des Projekts eingegangen wird. Darüber hinaus beschäftigt sich der zweite Teil mit den Ergebnisanalysen und Auswertung der deutschen und ugandischen Kinderzeichnungen. Zuerst wird dabei auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der graphischen Umsetzung der Menschendarstellung eingegangen. Es folgt darauf im interkulturellen Vergleich die Auswertung der entstandenen Bildinhalte zu den jeweiligen gestellten Zeichenaufgaben.
Inhaltsverzeichnis
0 Vorwort
I TEIL: THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1 Interkulturelle Kunstpädagogik
1.1 „Ästhetische Bildung“ in der Kunstpädagogik
1.1.1 Chancen für die Identitätsbildung durch „Ästhetische Bildung“
1.2 Kulturbegriff
1.2.1 Interkulturalität und Transkulturalität
1.2.1.1 Interkulturelle Kompetenz und Transkulturelle Kompetenz
1.2.2 Interkulturalität und Identität
1.2.2.1 Kulturelle Identität aus pädagogischer Sicht
1.3 Chancen und Möglichkeiten des interkulturellen kunstpädagogischen Arbeitens
2 Interkulturelle Kinderzeichnungen
2.1 Kinderzeichnungen heute
2.1.1 Entwicklung der Kinderzeichnung
2.1.2 Funktionen der Kinderzeichnung
2.2 Kinderzeichnungen interkulturell
2.2.1 Neuere Forschungen über interkulturelle Kinderzeichnungen
3 Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse Ugandas
3.1 Geographie
3.2 Bevölkerung
3.3 Geschichte
3.4 Aktuelle politische und soziale Lage
3.5 EWAKA - Deutsche Kinder- und Jugendförderung für Uganda e.V.
II. TEIL: KINDERZEICHNUNGEN ALS AUSDRUCK KULTURELLER IDENTITÄTEN: EIN VERGLEICH VON UGANDA UND DEUTSCHLAND
4 Ziel des Projekts „Zeichne mir wer du bist!“
4.1 Methodische Überlegungen
4.1.1 Zeichenaufgaben
4.2 Institutionelle Bedingungen und Verlauf des Projekts
4.2.1 Deutschland
4.2.2 Uganda
5 Auswertung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der graphischen Umsetzung der kulturellen Identitäten
5.1 Kriterienkatalog nach Helga John-Winde
5.2 Ergebnisanalysen
5.2.1 „Zeichne dich selbst.“
5.2.2 „Zeichne ein afrikanisches/deutsches Kind."
6 Auswertung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der interkulturellen Bildinhalte
6.1 Analysemodell zur Interpretation von Kinderzeichnungen von Hermann Hinkel
6.2 Ergebnisanalysen
6.2.1 „Ich in der Schule."
6.2.2 „Zeichne dich und deine Familie."
6.2.3 „Was ist dir wichtig?"
6.2.4 „Zeichne deine Wünsche und Träume."
6.2.5 „Was möchtest du einmal werden?"
6.2.6 „Zeichne dein Lieblingsessen."
6.2.7 „Was macht dir Angst?"
6.2.8 ,,Zeichne, was du mit deinen Freunden am liebsten spielst."
6.2.9 „Zeichne dich selbst."
7 Resümee über die Erkenntnisse des Projekts ,,Zeichne mir wer du bist!“
8 Exkurs: Interkultureller Austausch - Reaktionen der deutschen Kinder
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, Kinderzeichnungen von Heranwachsenden aus Uganda und Deutschland miteinander zu vergleichen, um herauszufinden, wie sich kulturelle Identitäten und Lebenswelten in der graphischen Umsetzung sowie in den Bildinhalten äußern.
- Untersuchung der theoretischen Grundlagen interkultureller Kunstpädagogik und des modernen Kulturbegriffs.
- Analyse der zeichnerischen Entwicklung und Funktionen von Kinderzeichnungen in verschiedenen Kulturen.
- Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen und historischen Verhältnisse in Uganda als Kontextfaktor.
- Durchführung und empirische Auswertung des kunstpädagogischen Projekts „Zeichne mir wer du bist!“.
- Vergleichende Analyse von Selbstdarstellungen und Bildmotiven mithilfe etablierter kunstpädagogischer Kriterienkataloge.
- Pädagogische Reflexion über den interkulturellen Austausch und die Reaktionen deutscher Kinder auf die Lebenswelt ugandischer Gleichaltriger.
Auszug aus dem Buch
1.2 KULTURBEGRIFF
„Wir Menschen sind wesentlich Kulturwesen.“
Wolfgang Welsch
Um den Kulturbegriff zu definieren gab es im Laufe der Geschichte viele verschiedene Ansätze. Im letzten Jahrhundert sprach man beispielsweise von sog. Nationalkulturen, welche sich „in Hinblick auf unterschiedliches Verständnis von Macht und Hierarchien, Zeitmanagement, Kommunikationsweisen“ sowie „auf die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft“ unterscheiden. Diese Definition einer Kultur erhält dadurch eine Zugehörigkeits- und Abgrenzungsfunktion, welche durch Landesgrenzen scheinbar bestätigt wird und Orientierung schaffen soll. Nach diesem Verständnis bleibt eine Kultur homogen und statisch. Dieser Kulturbegriff entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten jedoch weiter, da die vermehrte kulturelle Vielfalt innerhalb eines Landes im Zuge der Globalisierung und Internationalisierung an Bedeutung gewann.
Der neue interkulturelle Kulturbegriff hebt die Dynamik, Veränderbarkeit und Vielfalt einer Kultur hervor. So beschreibt Straub Kultur als „ein komplexes Gewebe aus zahllosen aufeinander bezogenen und verweisenden wissensbasierten, dynamischen Praktiken und Praxisfeldern.“
Dazu ergänzend definiert die Anthropologie die Kultur folgendermaßen:
„Kultur [ist] im Wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden. Ganz vereinfacht kann man sagen: Kultur ist die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen.“
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Beschreibt die persönliche Motivation, die zugrundeliegenden Thesen sowie die strukturierte Gliederung der Arbeit.
Interkulturelle Kunstpädagogik: Beleuchtet ästhetische Bildung, den Wandel des Kulturbegriffs, interkulturelle Kompetenzen sowie die kunstpädagogischen Möglichkeiten in einer globalisierten Welt.
Interkulturelle Kinderzeichnungen: Erörtert die historische Entwicklung, die psychologischen und kommunikativen Funktionen sowie neuere Forschungen zu interkulturellen Besonderheiten von Kinderzeichnungen.
Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse Ugandas: Gibt einen Einblick in Geographie, Bevölkerung, Geschichte, die politische und soziale Lage sowie das Projekt Ewaka.
Ziel des Projekts „Zeichne mir wer du bist!“: Definiert die Ziele des interkulturellen Kunstprojekts, methodische Überlegungen, Zeichenaufgaben sowie die institutionellen Rahmenbedingungen in Deutschland und Uganda.
Auswertung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der graphischen Umsetzung der kulturellen Identitäten: Analysiert die Selbstdarstellungen anhand des Kriterienkatalogs nach Helga John-Winde sowie spezifischer Gesichtsdetails.
Auswertung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der interkulturellen Bildinhalte: Vergleicht die zeichnerischen Motive zu Themen wie Schule, Familie, Wünsche, Ängste und Lieblingsessen mithilfe des Analysemodells von Hermann Hinkel.
Resümee über die Erkenntnisse des Projekts ,,Zeichne mir wer du bist!“: Überprüft die eingangs aufgestellten Thesen im Licht der empirischen Ergebnisse.
Exkurs: Interkultureller Austausch - Reaktionen der deutschen Kinder: Dokumentiert die Präsentation der ugandischen Lebenswelt vor deutschen Schülerinnen und Schülern und deren Reaktionen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kunstpädagogik, Kinderzeichnungen, kulturelle Identität, Ästhetische Bildung, Uganda, Deutschland, Kulturvergleich, Selbstdarstellung, Bildinhalte, Hermann Hinkel, Helga John-Winde, Globalisierung, Transkulturalität, Kunstunterricht, Soziale Verhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht Kinderzeichnungen von Heranwachsenden aus Uganda und Deutschland, um herauszufinden, wie sich kulturelle Identitäten, Lebenswelten und Sichtweisen in der bildnerischen Gestaltung und in den Bildinhalten widerspiegeln.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Zu den Hauptthemen gehören die interkulturelle Kunstpädagogik, die Entwicklungspsychologie und Funktionen von Kinderzeichnungen, die Lebensbedingungen in Uganda sowie die empirische Auswertung und der direkte Vergleich von Zeichnungen beider Länder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und inwiefern sich Kinder aus fast gegensätzlichen Kulturen in ihrer graphischen Umsetzung und in ihren Bildmotiven (wie Familie, Schule, Ängste oder Wünsche) unterscheiden oder ob es überraschende Gemeinsamkeiten gibt.
Welche wissenschaftlichen Methoden und Analysemodelle werden verwendet?
Es wird ein empirischer Kulturvergleich durchgeführt. Für die Auswertung der Zeichnungen stützt sich die Autorin auf den Kriterienkatalog von Helga John-Winde für Menschendarstellungen sowie auf das Analysemodell von Hermann Hinkel zur Interpretation von Kinder- und Jugendzeichnungen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Durchführung des Projekts „Zeichne mir wer du bist!“ sowie der detaillierten Auswertung der verschiedenen Zeichenaufgaben zu den Themen Schule, Familie, Zukunftswünsche, Lieblingsessen, Ängste und Freizeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Interkulturelle Kunstpädagogik, Kinderzeichnungen, kulturelle Identität, Uganda, Deutschland, Ästhetische Bildung, Kulturvergleich und bildnerische Ausdrucksformen.
Welche Rolle spielen die institutionellen Bedingungen vor Ort in Uganda und Deutschland?
Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich stark: Während deutsche Kinder in einer gut ausgestatteten Schule mit zahlreichen Materialien zeichneten, nutzen ugandische Kinder im Ewaka-Projekt Stift und Papier oft als seltene Mangelware, was bei der Interpretation der zeichnerischen Entwicklung berücksichtigt wurde.
Wie reagierten deutsche Kinder im Rahmen des Exkurses auf die Zeichnungen und Fotos aus Uganda?
Die deutschen Schülerinnen und Schüler zeigten sich fasziniert und stellten fest, dass ugandische Kinder trotz äußerlicher Unterschiede und anderer Lebensumstände im Grunde die gleichen Bedürfnisse, Freuden und Ängste haben, was zu der Erkenntnis führte: „Die sind wie wir.“
- Arbeit zitieren
- Helena Weigert (Autor:in), 2017, "Zeichne mir wer du bist!" - Kinderzeichnungen als Ausdruck kultureller Identitäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1772343