Konzentrationsprozesse im Gesundheitswesen: Auswirkungen auf Leistungserbringer unter besonderer Berücksichtigung von Skalen- und Verbundeffekten


Hausarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Skalen- und Verbundeffekte
2.2 Effizienz und Effektivität im Gesundheitswesen
2.3 Wirtschaftswissenschaftliche Wachstumstheorien
2.3.1 Die endogene Wachstumstheorie

3. Vor- und Nachteile von Konzentrationsprozessen im Gesundheitswesen und Bedingungen für Wachstum auf Basis endogener Wachstumstheorien
3.1 Vorteile von Konzentrationsprozessen
3.2 Nachteile von Konzentrationsprozessen
3.3 Randbedingungen für Wachstum im Gesundheits- system auf der Basis endogener Wachstumstheorien

4. Quo vadis? – Eine prognostische Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen von Konzentrations- prozessen im Gesundheitswesen

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der zunehmende Wettbewerbs- und Kostendruck im deutschen Gesundheitssystem in einem Umfeld stetiger politischer Regulierung[1],[2] führt sowohl im Bereich der Akutkrankenhäuser als auch im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung zu Entwicklungen, welche auf Konzentrationsprozesse im Bereich der Leistungserbringer von Gesundheitsleistungen hindeuten. Bereits mit dem GKV-Reformgesetz (1999), in der weiteren Folge aber auch durch die Einführung von Disease-Management-Programmen (DMP; 2002), die Flexibilisierung der Rahmenbedingungen zur Zulassung und zur kooperativen Zusammenarbeit (VändG; 2007), oder aber durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (in Kraft ab 2007) mit Ausweitung der Möglichkeiten zum Abschluss von Direktverträgen mit Krankenkassen und Öffnung der Krankenhäuser für spezielle ambulante Versorgungsmaßnahmen hat der Gesetzgeber die Vernetzung der Leistungserbringer im Gesundheitswesen mit kollektivvertraglicher Gestaltung von integrierten Versorgungsmaßnahmen eingeleitet. Diese Entwicklung wurde von vielen ambulanten Leistungserbringern dazu genutzt, sich in Form von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder Ärztezentren zu organisieren. Auch bisher eigenständige Krankenhäuser organisieren sich zunehmend als Klinikgruppen[3]. Parallel zu diesen Entwicklungen ist in Krankenhäusern eine höhere Leistungsdichte zu verzeichnen[4],[5]. Auch bei anderen Akteuren im Gesundheitswesen, wie z.B. den Krankenkassen, sind Konzentrationsprozesse nachweisbar[6],[7]. Wettbewerbliche Vorteile von Konzentrationsprozessen werden dabei u. a. in einer Stärkung der Marktstellung, der Nutzung der Kostendegression sowie der Teilhabe am technischen Fortschritt gesehen.

In der vorliegenden Arbeit sollen Vor- und Nachteile von Konzentrationsprozessen von Leistungserbringern im Gesundheitswesen am Beispiel eines Krankenhauses der Maximalversorgung analysiert werden. Ein Schwerpunkt liegt hierbei insbesondere in der Auswirkung auf Skalen- und Verbundeffekte. Auf Basis der durchgeführten Analysen erfolgt abschließend eine prognostische Einschätzung bzw. Projektion, wie sich die Akteure innerhalb des Gesundheitssektors zukünftig hinsichtlich weiterer Konzentrationsprozesse verhalten werden.

2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen

Im folgenden Abschnitt werden die für das Verständnis des Anwendungs- und Diskussionsteils notwendigen Begriffe näher definiert.

2.1 Skalen- und Verbundeffekte

Der Begriff des Skaleneffekts (engl.: economies of scale) leitet sich von der Produktionstheorie innerhalb der Betriebswirtschaftslehre sowie der Mikroökonomie her. Er beschreibt die Abhängigkeit der Produktionsmenge von der Menge der eingesetzten Produktionsfaktoren. Unterschieden werden weiter konstante, positive und negative Skaleneffekte. Konstante Skaleneffekte beschreiben die Situation, in welcher die Steigerung der Einsatzfaktoren eine Steigerung der Produktionsmenge um den gleichen Faktor zur Folge hat. Bei positiven Skaleneffekten (Skalenelastizität >1) steigt die Produktionsmenge verhältnismäßig stärker an als die eingesetzten Faktoren. Analog handelt es sich um negative Skaleneffekte (Skalenelastizität <1), wenn bei steigendem Faktoreneinsatz keine Ertragssteigerung um den gleichen Faktor möglich ist. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist somit insbesondere ein positiver Skaleneffekt wünschenswert, wobei in der Regel bei einer Steigerung der Produktionsmenge die Grenzkosten (Kosten der letzten hergestellten Einheit) sinken. Ein unbegrenzt steigender Skaleneffekt in Betrieben ist theoretisch denkbar, führt jedoch praktisch dazu, dass kein Betrieb mehr seine Herstellkosten decken kann. Ursachen positiver Skaleneffekte liegen im effektiven Ersatz menschlicher Arbeitskräfte, z. B. durch Automatisierung, Arbeitsteilung bei komplexen Abläufen, sinkenden Durchschnittskosten, der Nutzung größerer und effektiverer Produktionsmittel, der Verwendung normierter Teile, aber auch in einer zu erwartenden Lernkurve.

Von den Skaleneffekten ist der Begriff der Verbundeffekte (engl.: economies of scope) abzugrenzen, welcher Vorteile beschreibt, die sich durch die Breite und/oder die Tiefe der Produktion ergeben. Ein Beispiel für Verbundeffekte wäre z. B. ein Autohersteller, welcher neben einem Kombi für Familien noch einen Sportwagen und einen Geländewagen herstellt. Durch die Verbreiterung der Produktpalette lassen sich bei gemeinsamer Nutzung von Produktionsfaktoren Kostenvorteile realisieren bzw. der Output und damit letztlich der Gewinn bei konstanten Kosten erhöhen. Prinzipiell werden Bündelungseffekte und Verkettungseffekte unterschieden. Der Bündelungseffekt beschreibt eine horizontale Bündelung von Produktsegmenten, also eine Erhöhung der Leistungsbreite. Verkettungseffekte hingegen beschreiben eine vertikale Verkettung von Wertschöpfungsstufen, also eine Erhöhung der Leistungstiefe. Positive Verbundeffekte ergeben sich demnach, wenn die Gesamtkosten einer Produktion eines kompletten Produktprogramms niedriger ausfallen, als die Summe der Produktionskosten der einzelnen Produkte bei getrennter Herstellung

2.2 Effizienz und Effektivität im Gesundheitswesen

Bei der Betrachtung von Skalen- und Verbundeffekten sind ökonomische Aspekte von hoher Bedeutung. Diese gehen in der Regel mit der Etablierung effektiver und effizienter Strukturen und Prozesse einher. Da jedoch die Bedingungen der freien Marktwirtschaft nicht ohne Weiteres auf das Gesundheitssystem übertragen werden können und insbesondere auch eine Kommerzialisierung von Gesundheitsleistungen vermieden werden muss[8], sollen die Begriffe Effizienz und Effektivität bzw. ihre Bedeutung innerhalb des Gesundheitswesen zunächst näher beleuchtet werden.

Allgemein betrachtet ist Effizienz ein Maß für ein Ergebnis unter Berücksichtigung der eingesetzten Mittel. Es bedeutet demnach für die Praxis, die Dinge richtig zu tun.

Diese allgemeine Definition erfordert in Bezug auf ein Krankenhaus jedoch eine präzisere Betrachtung. Mit Ergebnis kann hier alleine die Wirtschaftlichkeit (Kosten-Nutzen-Relation) des Krankenhauses gemeint sein, also das Ergebnis zwischen der Größe der erbrachten Versorgungsleistungen und der Größe des entsprechenden Aufwandes. Die rein ökonomische Betrachtungsweise von Effizienz wird aber der eigentlichen Aufgabe eines Krankenhauses nur unzureichend gerecht. Aus Sicht der Patienten sollte beim Mitteleinsatz durch das Krankenhaus als Ergebnis eine verbesserte Gesundheit resultieren. Die Wirtschaftlichkeit ist für den Patienten dabei sekundär. Die Maxime bezüglich Effizienz in einem Krankenhaus wäre demnach eine qualitativ hochwertige Gesundheitsleistung mit minimalem eigenem Mitteleinsatz. Da dieser Ansatz in Reinform nicht praktikabel ist, muss in der Realität eine Mischform im Sinne des Pareto-Optimums angestrebt werden.

Effektivität bezeichnet das Verhältnis zwischen erreichtem Ziel und definiertem Ziel, oder in der Praxis, die richtigen Dinge zu tun. Das Kriterium für das Vorhandensein von Effektivität stellt dabei das Ausmaß dar, in welchem die beabsichtigten Wirkungen erreicht werden. Übertragen auf ein Krankenhaus kann Effektivität analog zur Effizienz aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Für die Träger und Betreiber eines Krankenhauses können Ziele z.B. monetärer Art oder auch fachlicher Art in Form einer qualitativ hochwertigen Versorgung von Patienten sein. Von Seiten der Patienten wird das definierte Ziel durch die Gesundheitsleistungen des Krankenhauses in der Regel der maximal zu erreichende Gesundheitszustand sein. Auch bezüglich der Effektivität ist in der Realität somit vom Einpendeln auf ein Pareto-Optimum auszugehen, welches sowohl mit den Zielen und Interessen des Krankenhauses und seiner Mitarbeiter als auch mit den Zielen und Vorstellungen der Patienten kompatibel ist.

2.3 Wirtschaftswissenschaftliche Wachstumstheorien

Konzentrationsprozesse im Gesundheitswesen gehen unter der Vorraussetzung stabiler Patientenzahlen zwangsläufig mit dem Wachstum einzelner großer auf Kosten kleinerer Versorgungseinheiten einher. Zur prognostischen Einordnung der zukünftigen Entwicklung lohnt daher neben einer Analyse der bisherigen Entwicklungen[9] möglicherweise die Integration wirtschaftswissenschaftlicher Wachstumstheorien[10]. Naturgemäß kann dieser Komplex im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit nur skizziert werden. Der Fokus soll hierbei auf wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten liegen. Soziologische, politologische und kulturelle Betrachtungen müssen trotz ihrer unbestrittenen Relevanz für das wirtschaftliche Wachstum ausgeklammert werden, insofern kann kein Anspruch auf eine vollständige Integration aller Aspekte wirtschaftlichen Wachstums erhoben werden.

[...]


[1] Vgl. Warth, A., 2009

[2] Vgl. Warth, A., 2010a

[3] Vgl. N.N., 2007

[4] Vgl. Klauber, J. / Geraedts, M. / Friedrich, J., 2010

[5] Vgl. N.N., 2001

[6] Vgl. Lauterbach, K. W. / Stock, S. / Brunner, H., 2006. S. 159ff.

[7] Vgl. N. N., 2010

[8] Vgl. Warth, A., 2009

[9] Vgl. Klauber, J. / Geraedts, M. / Friedrich, J., 2010

[10] Vgl. Frenkel, M. / Hemmer, H.-R., 1999

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Konzentrationsprozesse im Gesundheitswesen: Auswirkungen auf Leistungserbringer unter besonderer Berücksichtigung von Skalen- und Verbundeffekten
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V177286
ISBN (eBook)
9783640988754
ISBN (Buch)
9783640988884
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzentrationsprozesse, gesundheitswesen, auswirkungen, leistungserbringer, berücksichtigung, skalen-, verbundeffekten
Arbeit zitieren
Dr. med. Arne Warth (Autor), 2011, Konzentrationsprozesse im Gesundheitswesen: Auswirkungen auf Leistungserbringer unter besonderer Berücksichtigung von Skalen- und Verbundeffekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177286

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