Es gibt viele Gründe für Kriminalität, Armut ist nur eine Ursache. Kriminalität ist nicht ohne weiteres als Indikator für benachteiligte Lebenssituationen interpretierbar, da es laut statisti-schen Erfassungen auf regionaler Ebene keine Korrelationshäufigkeiten zwischen Kriminalität und benachteiligten Lebenssituationen gibt. Sonderauswertungen der Jugendgerichtsverfahren zufolge ist jedoch bei Jugendlichen ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Kriminalität und Armut erkennbar. Generell vermitteln und festigen urbane Raumentwicklungen delinquente Strukturen. Sie prägen die verschiedenen Kriminalitätsformen mit, „indem sie als Lernfelder, als Kontrast-Erfahrungsfelder, als Ettikettierungs- und Verfestigungsfelder sowie als Räume mit „desintegrierenden und desorientierenden Impulsen“ auf Heranwachsende einwirken (Kilb 2002, S. 48). Generell ist die Kriminalitätsbelastung in Arealen mit sozialen Risikofaktoren, die in räumlicher oder verkehrsbezogener Nähe von Stadtarealen liegen, welche über vielfältige Konsum- und Freizeitmöglichkeiten verfügen, höher als in isoliert ge-legenen Brennpunkten (Kilb 2002, S. 47). Empirische Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen benachteiligten Lebenssituationen und Kriminaität hin. „Auslösend und verstärkend wirken allerdings erst ganz bestimmte sozialräumliche Kontrast-, Konflikt- und Gelegenheits-situationen“ (Kilb 2002, S. 45).
Die unterschiedlichen Ursachen für Kriminalität, erfordern differenzierte Präventionsstrategien und –ansätze. Eine aktive Einbeziehung der Betroffenen ist wünschenswert. Dazu sind flexible und innovative Institutionen nötig (Kilb 2002, S. 49).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Delinquenz
2.2. Kriminalität
3. Auftreten und Verteilung von Fehlverhalten
3.1. Geschlecht
3.2. Altersgruppen
3.3. Migranten
3.4. Lage
4. Deliktarten
5. Gründe für Fehlverhalten
5.1. Kontrolltheorie
5.2. Entwicklungstheorie
5.3. Anomietheorie
5.4. Infrastrukturelle Gründe
6. Statistische Erfassung
6.1. Vorgehensweise
6.2. Kritik an den statistischen Erfassungen
7. Möglichkeiten zur Vorbeuge und Ursachenbekämpfung
7.1. Erhöhung des angedrohten Strafrahmens
7.2. Schnellere Verfahren
7.3. Bessere Sozialtherapie
7.4. Präventive Maßnahmen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit ein Zusammenhang zwischen Kriminalität und einer benachteiligten Lebenssituation besteht. Dabei wird analysiert, ob die soziale Lage als Ursache für delinquentes Verhalten fungieren kann und wie belastbar die diesbezüglichen statistischen Daten sind.
- Kriminalitäts- und Delinquenzbegriffe
- Soziologische Erklärungsansätze für Fehlverhalten
- Kritische Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
- Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter und Wohnlage
- Präventionsstrategien und ihre Wirksamkeit
Auszug aus dem Buch
3.4. Lage
Grundsätzlich ist die Kriminalitätsbelastung in Großstädten wesentlich höher als in ländlichen Gebieten. Dies liegt an der höheren Anonymität und der größeren Anzahl an Gelegenheiten zu Delikten, die Städte bieten. Kriminelle Handlungen sind im städtischen Raum sehr verschieden verteilt. Tatorte häufen sich vor allem an städtischen Verkehrsmagistralen, Kreuzungspunkten und Zentren. Auch die Herkunftsorte der Täter sind ungleich verteilt. Jedoch sind Herkunftsorte und verübte Deliktformen eng miteinander verknüpft. So treten Gewaltdelikte öfter in Stadtteilen auf, in denen Absteigermilieus und ökonomische Verliererschichten überwiegen, sprich in traditionellen Arbeitermilieus und niedrigen kleinbürgerlichen Milieus.
Eigentumsdelikte hingegen treten sehr oft in Wohnarealen mit hohen Armutsindikatoren, welche unmittelbar neben Konsumzentren und/oder Verkehrsmagistralen angesiedelt sind, auf. Bei Migrantenjugendlichen sind die Eigentumsdelikte in Gebieten, in denen wenige Migranten leben höher, als in Migrantenstadtteilen. Anscheinend gibt es in letzteren eine stärkere soziale Kontrolle über die Migrationsgemeinschaft und eine höhere Integrationsintensität. Stadtteile, die von der ansässigen Bevölkerung als unsicher wahrgenommen werden, wie etwa ungepflegte gestaltlose Bereiche, rufen Rückzugswirkungen hervor (Kilb 2002, S. 44 - 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die öffentliche Diskussion um Kriminalität und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Delinquenz.
2. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe Delinquenz und Kriminalität für den weiteren Verlauf der Arbeit definiert.
3. Auftreten und Verteilung von Fehlverhalten: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Einflussfaktoren auf die Kriminalitätsrate, wie Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund und die räumliche Lebenslage.
4. Deliktarten: Es wird die Verteilung verschiedener Straftaten dargelegt, wobei insbesondere auf die Deliktstruktur bei Kindern und Jugendlichen eingegangen wird.
5. Gründe für Fehlverhalten: Das Kapitel erläutert soziologische und psychologische Erklärungsmodelle für Kriminalität, darunter die Kontroll-, Entwicklungs- und Anomietheorie sowie infrastrukturelle Aspekte.
6. Statistische Erfassung: Hier erfolgt eine methodische Darstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit deren Aussagekraft und Grenzen.
7. Möglichkeiten zur Vorbeuge und Ursachenbekämpfung: Es werden verschiedene Präventionsstrategien diskutiert, von strafrechtlichen Verschärfungen bis hin zu sozialtherapeutischen und präventiven Maßnahmen.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung, dass Kriminalität komplex bedingt ist und soziale Faktoren, insbesondere bei Jugendlichen, eine bedeutende Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Kriminalität, Delinquenz, soziale Lage, Armutsforschung, Kriminalprävention, Polizeiliche Kriminalstatistik, PKS, Jugendkriminalität, Kontrolltheorie, Anomietheorie, Sozialtherapie, Stadtteilstrukturen, Deliktarten, Tatverdächtigenbelastungszahl, Sozialraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Kriminalität, Delinquenz und benachteiligten Lebenslagen, um zu prüfen, ob soziale Faktoren maßgeblich für die Entstehung von Straftaten verantwortlich sind.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Deliktformen, den theoretischen Erklärungen für abweichendes Verhalten, der methodischen Kritik an Kriminalstatistiken sowie der Darstellung von Präventionsansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie stark der Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und Kriminalität in den Daten tatsächlich nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und bestehender soziologischer Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die statistische Verteilung von Delikten, theoretische Ursachenerklärungen, eine kritische Würdigung der Datenlage und konkrete Möglichkeiten der Kriminalitätsprävention.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kriminalprävention, soziale Lage, Jugendkriminalität, PKS und die verschiedenen soziologischen Erklärungsansätze für Kriminalität.
Welche Bedeutung hat die "Tatverdächtigenbelastungszahl" (TVBZ)?
Sie dient als Maßstab, um die Anzahl polizeilich ermittelter Tatverdächtiger pro 100.000 Einwohner einer Altersgruppe vergleichbar zu machen und so Unterschiede zwischen Altersklassen sichtbar zu machen.
Warum wird die Polizeiliche Kriminalstatistik kritisiert?
Die PKS gilt als Tätigkeitsnachweis der Polizei, der das Dunkelfeld nicht erfasst, lückenhaft ist und in der Interpretation viel Vorwissen über die Erhebungsmethodik erfordert.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Science Marie Tolkemit (Autor:in), 2008, Kriminalität und Delinquenz als Lebenslagebereich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177310