Intuitiv erkennen wir einen Text und ordnen diesen einer Textsorte zu. Woher entstammt unser Wissen, eine solche Verbindung zu realisieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Textlinguistik seit Jahren. Eine Textsorte, allgemein gesprochen, besteht aus einer Anzahl von Texten, die Kriterien aufweisen, welche uns eine spezifische Zuordnung zu einer Textsorte erlauben. Klaus Brinker, Margot und Wolfgang Heinemann und einige andere Linguisten beschäftigten sich mit der Abgrenzung des Begriffs Textsorte, welches sich als kein leichtes Unterfangen erwies. Eines der Kriterien, mit denen sich Texte spezifischen Textsorten zuordnen lassen, ist die Textfunktion. Der Verfasser richtet seinen Text immer an einen Adressaten. Mit dessen Hilfe der Autor dem Leser eine Nachricht übermittelt. Diese enthält seine Intention, mittels derer er beim Empfänger eine Reaktion hervorrufen möchte. Dadurch erhält der Text seine Funktion. Klaus Brinker stellt eine Vielzahl von Textfunktionen vor. Eine Textsorte kann mehrere Textfunktionen ausüben, aber nur eine von ihnen ist dominant.
Ziel meiner Arbeit ist es, die dominante Funktion der Textsorte "Horoskop" festzustellen. Dafür ist es von Bedeutung zunächst einmal den Begriff Textsorte zu erläutern und ihre Merkmale darzustellen. Daraufhin erfolgt die Definition des Horoskops. Diese wird zuerst unter dem astrologischen Gesichtspunkt betrachtet. Weiterführend werden die Grundlagen der Pressehoroskope genannt. Schließlich widme ich mich der Funktionalität von Texten zu, die sehr vielschichtig sind. Anhand der Textfunktionen, die für die Analyse relevant erscheinen, untersuche ich diese an Beispieltexten der Pressehoroskope aus einer Zeitung und drei Zeitschriften mit dem bereits genannten Ziel, eine dominante Textsortenfunktion festzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Erläuterung des Textsortenbegriffs unter dem linguistischen Aspekt
1.2. Klärung des Begriffs „Horoskop“
2. Funktionalität von Texten
2.1. Charakteristische Kriterien der spezifischen Textfunktionen
2.2. Die Analyse der Textfunktionen an ausgewählten Horoskopbeispielen
2.2.1. Analyse der Horoskoptexte in Bezug auf die Informationsfunktion
2.2.2. Analyse der Horoskoptexte in Bezug auf die Appellfunktion
2.2.3. Analyse der Horoskoptexte in Bezug auf die Kontaktfunktion
2.2.4. Analyse der Horoskoptexte in Bezug auf die Obligations- und die Deklarationsfunktion
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die dominante Funktion der Textsorte Horoskop innerhalb von Presseerzeugnissen linguistisch zu bestimmen und von anderen potenziellen Funktionen abzugrenzen.
- Grundlagen der Textsortenklassifikation in der Linguistik
- Definition und Charakteristika des astrologischen Horoskops
- Analyse verschiedener Textfunktionen (Informations-, Appell-, Kontaktfunktion)
- Untersuchung von Pressehoroskopen aus Zeitungen und Zeitschriften
- Herausarbeitung der Kontaktfunktion als dominantes Merkmal der Textsorte
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Analyse der Horoskoptexte in Bezug auf die Kontaktfunktion
„Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß es ihm um die Personale Beziehung zum Rezipienten geht (insbesondere um die Herstellung und Erhaltung eines persönlichen Kontakts).“ Die Äußerung seiner Gefühle ist als solches nicht relevant. Vielmehr geht es darum, dass der Emittenten eine sozialen Erwartung erfüllt, besonders bei gesellschaftlichen Anlässen. Das Horoskop bewirkt einen Kontakt zum Leser dadurch, dass sich dieser in seinem Tierkreiszeichen wiedererkennt und sich damit verbunden fühlt. Um diese Handlung zu realisieren, benutzt der Textproduzent „die direkte bzw. indirekte Anrede des Adressaten (mittels 2. Person Singular, Infinitivgruppen u. a.)“.
Da in den Pressehoroskopen ein breites Publikum angesprochen wird, findet keine Individualisierung des Horoskops statt. Der Rezipient unterliegt nur diesem Anschein, dass dieses sich speziell auf ihn bezieht. Der Produzent der Horoskops ist entweder als Astrologe oder mit seinem Namen oder überhaupt nicht ausgewiesen. Obwohl bei letzteren der Rezipient wahrscheinlich einen Autor vermutet. Der Name mit oder ohne die Nennung des Berufs „Astrologe“ ist im Kontext integriert, wobei Zeitschriften und Zeitungen einen direkten Kontakt zum Autor schaffen. Durch die Erwähnung des Produzenten erwarten diese Medien eventuell eine engere Bindung ihrer Leser.
Die Kontaktfunktion basiert auf expressive sprachliche Handlungen wie z.B. „BEDAUERN, VORWERFEN, LOBEN, WARNEN, WÜNSCHEN“. Sie erscheinen relativ häufig in den Horoskopen. In anderen Textsorten treten expressive sprachliche Handlungen vergleichsweise wenig auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Textlinguistik ein, definiert den Begriff der Textsorte und klärt die Grundlagen des Begriffs Horoskop im astrologischen und medialen Kontext.
2. Funktionalität von Texten: Hier werden theoretische Grundlagen der Textfunktion nach Brinker und Bühler erläutert und die spezifischen Merkmale verschiedener Textklassen detailliert untersucht.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Kontaktfunktion die dominierende Rolle in der Textsorte Pressehoroskop einnimmt.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Textsorte, Horoskop, Textfunktion, Informationsfunktion, Appellfunktion, Kontaktfunktion, Pressehoroskop, Kommunikation, Adressat, Linguistische Analyse, Textklassifikation, Sprechakttheorie, Medienwissenschaft, Deutungsmuster
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht linguistisch die verschiedenen Funktionen von Pressehoroskopen, um deren dominante Textsortenfunktion zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Textlinguistik, die Theorie der Textfunktionen sowie die praktische Analyse von Horoskoptexten aus Zeitungen und Zeitschriften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, welche der theoretischen Textfunktionen (Information, Appell, Kontakt, etc.) für Pressehoroskope als primär bestimmend angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Textanalyse angewandt, die sich auf handlungstheoretische Ansätze und semiotische Modelle wie das Organon-Modell stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung von Informations-, Appell-, Kontakt-, Obligations- und Deklarationsfunktionen anhand konkreter Beispieltexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Textfunktion, Textsorte, Pressehoroskop, Kommunikation und linguistische Analyse charakterisiert.
Warum spielt die Informationsfunktion bei Horoskopen keine dominante Rolle?
Obwohl Horoskope Voraussagen treffen, lässt sich die Informationsfunktion laut Analyse auf nahezu jeden Text anwenden und ist somit als Spezifikum der Textsorte zu ungenau.
Wie erzeugen Horoskope eine „fiktive Vertrautheit“?
Durch die direkte Anrede des Lesers, das Stellen von Fragen zu persönlichen Lebensbereichen und das Ausdrücken von Anteilnahme wird ein fiktiver Dialog erzeugt, der den psychologischen Effekt der Kontaktfunktion stärkt.
- Arbeit zitieren
- Sandra Schmelter (Autor:in), 2011, Untersuchung der verschiedenen Textfunktionen am Beispiel der Textsorte "Horoskop" in den Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177326