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Die Bedeutung abwesender Elternteile für die Jugendhilfe

Title: Die Bedeutung abwesender Elternteile für die Jugendhilfe

Diploma Thesis , 2000 , 72 Pages , Grade: 2

Autor:in: Jens Riemann (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Die ersten Gedanken zum Thema dieser Arbeit habe ich wohl im April 1998
gehabt, ohne allerdings zu ahnen, dass sie sich jemals schriftlich
niederschlagen würden.
Damals, im April 1998, starb meine beste Freundin im Alter von 42 Jahren.
Durch sie habe ich erlebt, wie jemand ein ganzes Leben am Bild eines
Menschen festhalten kann, um dann im Angesicht des Todes dieses völlig zu
revidieren und, wie mir scheint, realistischer darzustellen. Dieser Mensch,
konkret: der Vater, wurde immer als der absolute Sonnenschein dargestellt.
Stets schien er anwesend gewesen zu sein, um sich mit ihr beschäftigen zu
können. Diese Beschreibung war aber eher die eines Wunsches. In der
"Realität" war der Vater beruflich viel unterwegs und damit wenig zu Hause;
wenn er dann da war, war da auch die Angst, dass er wieder geht. Und diese
Angst verlassen zu werden hat sie ein Leben lang, zumindest phasenweise,
begleitet.
So begann ich mich bewusst mit dem Bild und deren Bedeutung von
abwesenden Elternteilen zu beschäftigen.
Der Funke entzündete sich allerdings an einem Nebensatz in einer Vorlesung.
In der Vorlesung – es war eine Vorlesung zum Thema "Einführung in das
systemische Arbeiten mit Familien" – erwähnte der Dozent, ein häufig zu
beobachtendes Phänomen sei Folgendes: Es kommen Familien zu ihm, in
denen eine Mutter mit Kindern aus erster Beziehung/Ehe jetzt wieder mit
einem neuen Partner zusammenlebt. Auf einmal werden die Kinder aus erster
Beziehung/Ehe in einer Form auffällig, die nur schwer oder auch gar nicht
mehr für die Familie auszuhalten sind. Im Laufe der Beratung wird nun
oftmals deutlich, dass der Stiefelternteil sich redlich bemüht, mit dem
Stiefkind fair, respektvoll, fördernd und anerkennen umzugehen. Und
dennoch verhält das Kind sich auf eine Art und Weise, die für die Eltern kaum
nachvollziehbar ist. Und eines, so der Dozent, sei immer wieder zu beobachten: Der abwesende Elternteil wird vom anwesenden Elternteil – bei
dem als Problem beschriebenen Phänomen – völlig ausgespart.
Die Tatsache der Trennung findet zwar in der Anamnese Erwähnung, darüber
hinaus wird dem allerdings keine Beachtung geschenkt.
Der hier als Funke beschriebene 'Quantensprung' stellte die Verbindung zu
meiner eigenen Biographie her. Ich habe die ersten 6 Jahre alleine mit
meiner Mutter gelebt. Dann heiratete sie und war knapp 10 Jahre verheiratet.
Sie brachte einen weiteren Sohn zur Welt, meinen Bruder. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abwesenheit

2.1. Begriffsbestimmung

2.2. Abwesenheit und Verlusterfahrung als Normalität

3. Trauer

3.1 Trauerprozeß

3.2. Phasen des Trauerprozesses

3.2. Jugendliche und Trauer

4. Bilder - Bildinhalte

4.1 Definition von Bildern

4.2. Bilder als „innere Repräsentanz“

5. Interviews

5.1. Die Gesprächspartner

5.2. Emotionsfarben

5.3. Auswertung der Interviews

5.3.1. Beschreibungen von Trennungen

5.3.2. Trauerprozeßbeschreibungen

5.3.3. Beschreibung der Kommunikation über abwesende Eltern

5.4. Konflikte, die aus den oben zitierten Bildern entstehen können

5.5. Kommunikation der Bilder

6. Zusammenfassung

6.1. Vergleichende Zusammenfassung der theoretischen Diskussion und Interviewauswertung

7. Sozialpädagogische Handlungsansätze

7.1. Biographiearbeit

7.2. Narrativer Ansatz

7.2.1. Das narrative Interview

7.2.2. Die schriftliche Narration und Intervention in Form von Briefen

7.2.3. Landkarte

7.2.4. Das Familienbrett

7.3. Erlebnispädagogik

7.4. Zusammenfassung der vorgestellten Ansätze

8. Fallbeispiel

8.1 Alex

8.2. Evaluationsgespräch mit Alex

9. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung abwesender Elternteile für die seelische Entwicklung von Jugendlichen sowie den Einfluss der familiären Kommunikationskultur auf diesen Prozess. Das zentrale Ziel ist es, sozialpädagogische Handlungsansätze aufzuzeigen, die Jugendlichen helfen, unterbrochene oder festgefahrene Trauerprozesse aufzuarbeiten und ihre psychische Stabilität zu fördern.

  • Bedeutung innerer Repräsentanzen abwesender Eltern
  • Einfluss der Kommunikation über Abwesende auf Loyalitätskonflikte
  • Trauerprozesse während der Adoleszenz
  • Sozialpädagogische Methoden wie Biografiearbeit, narrativer Ansatz und Familienbrett

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Kommunikation über Abwesende

Nicht die divergenten oder kongruenten Bilder, sondern die Kommunikation über sie ist entscheidend für die seelische Entwicklung von Jugendlichen. Kinder und Jugendliche befinden sich immer in einem Loyalitätskonflikt nach einem Verlust, um so stärker, wenn es sich um Trennung oder Abwesenheit aus anderen Gründen als den Tod handelt.

Konflikte können durch die Art der Kommunikation (auch nonverbal), über Abwesende, initiiert werden. Und als Verstärker eines solchen Konfliktes ist die Adoleszenz zu sehen. Martha Wolfenstein schreibt sogar, daß es unmöglich ist, einen Trauerprozeß während der Adoleszenz zu beenden, "that mourning becomes possible only after adolescence has been passed through." (Wolfenstein, M., 1966: 433)

Wenn Jugendlichen eine Möglichkeit angeboten wird, sowohl ihre positiven, als auch negativen Gefühle zu artikulieren, ohne daß von außen Partei ergriffen wird, ist die Chance wesentlich größer, Konflikte in angemessener Form zu bewältigen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der persönlichen und fachlichen Motivation sowie der Zielsetzung, den Einfluss der Kommunikation über abwesende Elternteile auf die Jugendhilfe zu untersuchen.

2. Abwesenheit: Theoretische Begriffsbestimmung der Abwesenheit und Einordnung von Verlusterfahrungen als ein normaler, aber potenziell traumatischer Bestandteil des menschlichen Lebens.

3. Trauer: Erläuterung der Phasen von Trauerprozessen und der spezifischen Herausforderungen, die sich für Jugendliche bei der Verarbeitung von Verlusten während der Adoleszenz ergeben.

4. Bilder - Bildinhalte: Definition und psychologische Bedeutung von "inneren Bildern" (Imagos) abwesender Personen für die Ich-Entwicklung Heranwachsender.

5. Interviews: Empirische Analyse von Gesprächen mit Jugendlichen und Erwachsenen über ihre Erfahrungen mit Abwesenheit und den damit verbundenen familiären Kommunikationsmustern.

6. Zusammenfassung: Synthese der theoretischen Diskussion und der Interviewergebnisse zur Bedeutung von gestörten Trauerprozessen.

7. Sozialpädagogische Handlungsansätze: Vorstellung konkreter Methoden wie Biografiearbeit, narratives Interview, Arbeit mit Landkarten, Familienbrett und Erlebnispädagogik als Interventionsmöglichkeiten.

8. Fallbeispiel: Detaillierte praktische Anwendung der theoretischen Konzepte anhand der Fallgeschichte des Jugendlichen Alex.

9. Schlußbemerkung: Resümee über die Notwendigkeit, das Thema abwesender Elternteile stärker in der Ausbildung und Praxis der Sozialpädagogik zu verankern.

Schlüsselwörter

Abwesenheit, Eltern, Jugendhilfe, Trauerprozess, Adoleszenz, Loyalitätskonflikt, Kommunikation, Biografiearbeit, Familienbrett, Erlebnispädagogik, Identitätsentwicklung, Verlusterfahrung, soziale Arbeit, narrative Methoden, innere Landkarte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie abwesende Elternteile die seelische Entwicklung von Jugendlichen beeinflussen und welche Rolle dabei die familiäre Kommunikationskultur spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Trauerprozess bei Jugendlichen, die Bildung von inneren Bildern (Imagos) über Abwesende sowie der Umgang mit Loyalitätskonflikten in Restfamilien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Bedeutung von Trauerprozessen zu verdeutlichen und sozialpädagogische Handlungsansätze vorzustellen, die betroffene Jugendliche bei ihrer Ich-Findung unterstützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verknüpft theoretische Grundlagen mit einer empirischen Auswertung von Interviews sowie der methodischen Anwendung von Konzepten der systemischen Beratung und Biografiearbeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Dynamik von Abwesenheit, die Phasen der Trauer, die empirischen Interviews sowie spezifische pädagogische Handlungsansätze wie das narrative Interview und das Familienbrett.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Abwesenheit, Trauerprozess, Adoleszenz, Loyalitätskonflikt und sozialpädagogische Handlungsansätze definiert.

Warum ist das "Familienbrett" für diese Arbeit so relevant?

Es dient als therapeutisches Medium, um die familiäre Struktur und die inneren Bilder des Jugendlichen sichtbar zu machen und eine "wohltuend spielerische Distanz" zur Konfliktsituation zu gewinnen.

Welche Rolle spielt die Kommunikation in der Familie nach einer Trennung?

Die Kommunikation (oft auch nonverbal) darüber, wie der abwesende Elternteil bewertet wird, bestimmt maßgeblich, ob der Jugendliche den Trauerprozess abschließen kann oder in einem Loyalitätskonflikt verharrt.

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Details

Title
Die Bedeutung abwesender Elternteile für die Jugendhilfe
College
Catholic University of Applied Sciences Vechta
Grade
2
Author
Jens Riemann (Author)
Publication Year
2000
Pages
72
Catalog Number
V17732
ISBN (eBook)
9783638222273
Language
German
Tags
Bedeutung Elternteile Jugendhilfe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Riemann (Author), 2000, Die Bedeutung abwesender Elternteile für die Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17732
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