Freizeitverhalten von Grundschülern- eine Vergleichsstudie

Vergleich zwischen dem Freizeitverhalten städtischer und ländlicher Kinder


Masterarbeit, 2011
93 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. „Freizeit“ – Begriff, Definitionen und Entwicklung
1.1 Begriff und Definitionen von Freizeit
1.2 Geschichte des Freizeitbegriffs
2. Veränderte Kindheit und Auswirkungen auf die Freizeit
2.1 Merkmale der veränderten Kindheit
2.2 Thesen, die sich aus der veränderten Kindheit ergeben
3. Studien zum Freizeitverhalten von Kindern
3.1 KIM Studie 2010
3.1.1 Zur Studie allgemein
3.1.2 Ausgewählte Ergebnisse der Studie
3.1.2.1 Themeninteressen der Kinder
3.1.2.2 Medienausstattung und Medienbesitz
3.1.2.3 Freizeitaktivitäten nach Häufigkeit
3.1.2.4 Medienbindung
3.1.2.5 Wo werden die verschiedenen Medien genutzt?
3.1.2.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2 Vergleichsstudie: Stadt-Land
3.2.1 Zur Studie allgemein
3.2.2 Der Fragebogen
3.2.3 Die Schulen
3.2.4 Anmerkungen
3.2.5 Analyse der Ergebnisse
3.3 Vergleich der zwei Studien
4. Konsequenzen für Eltern und Schule
4.1 Allgemeine Konsequenzen
4.2 Konsequenzen im medialen Bereich

C. Schlussteil/Fazit

D. Literaturverzeichnis

E. Anhang

Fragebogen zum Freizeitverhalten von Grundschülern

A. Einleitung

„Freizeit bedeutet für mich kein Fernsehen gucken, sondern Fahrrad fahren oder joggen und mit Freunden treffen.“

„Freizeit bedeutet für mich Fernsehen gucken und mit meinen Freunden oder meinem Bruder X-Box oder Computer spielen.“

Diese beiden Aussagen von zwei Grundschülern der vierten Klasse könnten unterschiedlicher nicht sein, sind jedoch Antwort auf ein- und dieselbe Frage, nämlich: „Was bedeutet für dich Freizeit?“.

Diese Frage ist in der Tat nicht ganz einfach und eindeutig zu beantworten und ruft bei verschiedenen Personen unterschiedliche Vorstellungen hervor, die mit dem Begriff „Freizeit“ verbunden werden können. Befragt man z.B. Lehrer nach dem Freizeitverhalten ihrer Kinder, erhält man sehr unterschiedliche Antworten. Auf der einen Seite wird häufig der Verlust von Kreativität und Eigeninitiative beklagt, andererseits verweisen aber auch viele Erwachsene auf neue Kompetenzen und Qualitäten in den Freizeitbeschäftigungen von Kindern.[1]

Der Freizeit kommt im Aufwachsen von Kindern eine wichtige Bedeutung zu, da sie diverse Funktionen erfüllt. Neben der Bedeutung als ein Ort des informellen Lernens, bei dem Kinder „spielerisch“ und „unbewusst“ bestimmte Fähigkeiten erwerben, steht Freizeit aber vor allem für Spaß und Erholung und wirkt sich stark auf das Wohlbefinden der Kinder aus.[2]

Durch zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen, die in Bezug auf Kinder unter dem Begriff „neue Kindheit“ zusammengefasst werden können, ist es in den letzten Jahren noch schwerer geworden, den Begriff der Freizeit allgemein zu beschrieben. Eine sich immer schneller entwickelnde Technisierung, veränderte Familienformen, die durch immer dichter bebaute Flächen eingeschränkten Streif- und Bewegungsräume der Kinder und ein damit verbundener Trend zur „Verhäuslichung“ sind nur ein paar Aspekte, die es immer schwieriger machen, die komplexen bzw. vernetzten und verplanten Freizeitwelten der Kinder zu durchblicken.

Betrachtet man die Aussagen der beiden Schüler nun genauer, kann man in deren Vorstellungen zum Begriff Freizeit ein häufig genanntes und oft diskutiertes Gegensatzpaar ausmachen. Nämlich auf der einen Seite die Nutzung von elektronischen Medien, z.B. „Fernsehen“ oder „An der Konsole/ dem PC spielen“ und auf der anderen Seite die Freizeitgestaltung ohne elektronische Medien, z.B. „Draußen spielen“, „Sport treiben“ oder „Lesen“.

In dieser Arbeit soll nun das Freizeitverhalten von Grundschülern erfasst und, wie in dem Untertitel bereits deutlich wird, anhand eines Vergleiches gegenübergestellt werden. Da in vielen anderen Studien zum Freizeitverhalten von Kindern der Aspekt des Wohnortes bzw. des Lebensraumes vernachlässigt wird, soll dieser Aspekt hier als Vergleichspunkt dienen und in dieser Arbeit das Freizeitverhalten von Grundschülern an ländlichen und städtischen Schulen gegenübergestellt werden. Außerdem sollen anhand der Vergleichsstudie die Ergebnisse anderer Studien überprüft und verglichen werden.

Da in den letzten Jahren in Bezug auf das Freizeitverhalten von Kindern eine stetig ansteigende Nutzung von elektronischen Medien zu erkennen ist, soll vor allem dieser Aspekt, also die Mediennutzung und dessen Verhältnis zu nonmedialen Aktivitäten von Kindern bei dem Vergleich im Mittelpunkt stehen.

In einem ersten Teil soll hierzu zunächst über eine Begriffsklärung und einer kurzen Analyse der wichtigsten Charakteristika des Begriffes „Freizeit“, ein erster Zugang zum Thema geschaffen werden.

Da wie oben bereits erläutert, die „neue Kindheit“ im Zusammenhang mit der Entwicklung des Freizeitverhaltens eine große Rolle spielt, erfolgt im zweiten Teil eine kurze Erläuterung der wichtigsten Inhalte und Begrifflichkeiten und deren Bezug zum Freizeitverhalten von Kindern.

Im dritten Teil soll nun anhand von Studien das Freizeitverhalten von Grundschulkindern beschrieben und erläutert werden.

Zunächst wird hierzu eine Betrachtung der KIM-Studie 2010 erfolgen, die vor allem das Medienverhalten von Kindern untersucht.

Im darauffolgenden Teil folgt eine ausführliche Beschreibung, Analyse und Erläuterung der vom Autor im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Befragung von Grundschulkindern zu deren Freizeitverhalten, im Rahmen eines Vergleichs zwischen Stadt und Land. Hier soll wie bereits oben erwähnt, aufgrund der aktuellen Diskussion um übermäßigen Medienkonsum und der daraus folgenden These der zu geringen Bewegung der Kinder, das Gegensatzpaar der Mediennutzung und der nonmedialen Freizeitgestaltung im Mittelpunkt stehen.

Da in den vorrangegangenen Teilen einzelne Studien separat voneinander erläutert wurden, soll in einem weiteren Teil ein Vergleich der Ergebnisse der beiden Studien erfolgen.

In einem letzten Teil sollen nun Konsequenzen abgeleitet und erläutert werden, die sich aus den vorangegangenen Ausführungen und den der verschiedenen Studien entnommenen Ergebnisse ergeben. Auch hier soll vor allem die sich aus der anwachsenden Auseinandersetzung der Kinder mit elektronischen Medien, wie z.B. dem Computer, ergebenden Notwendigkeit einer Thematisierung dieses Feldes in Bezug auf Schule, aber auch im Zusammenhang mit der Erziehung im Elternhaus, diskutiert werden.

Abschliessend sollen alle Teile in einem Fazit noch einmal kurz zusammengefasst und ein kleiner Ausblick in die Zukunft gegeben werden.

B. Hauptteil

1. „Freizeit“ – Begriff, Definitionen und Entwicklung

1.1 Begriff und Definition von Freizeit

In diesem Teil soll sich dem Thema zunächst einmal über die Betrachtung des Begriffes und verschiedenen Definitionen bzw. Vorstellungen von Freizeit genähert werden.

Zunächst einmal kann man sagen, dass der Begriff „Freizeit“ kein einheitliches Konzept ist, z.B. können verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge unter dem Begriff „Freizeit“ verstehen und ganz unterschiedliche Erfahrungen und Eigenschaften damit verbinden. Weiterhin kann Freizeit für manche Menschen eine viel größere Bedeutung haben als für andere, z.B. durch einen geringeren Anteil an Freizeit im Vergleich zu Schul- bzw. Arbeitszeit.

Aus diesem Grund sollen im Folgenden neben vereinheitlichten Definitionen des Begriffes „Freizeit“ aus Lexika und den damit verbundenen allgemeinen Merkmalen, auch spezielle Beispiele aufgegriffen werden, die die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes in den Vorstellungen von Kindern widerspiegeln.

Eine erste Annäherung an den Begriff „Freizeit“ soll folgende Definition bieten, die aus dem Lexikon Sachunterricht entnommen wurde. Hier wird der Begriff in „Freizeit für Kinder“ und „Freizeit für Erwachsene“ getrennt, d.h. hier kann man die oben bereits erwähnten, unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes für verschiedene Personen, in diesem Fall an dem Alter orientiert, erkennen. Diese Unterscheidung ist vor allem deswegen wichtig, da Kinder ihre eigenen Freizeitwelten haben[3], in denen sie ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Da in dieser Arbeit das Freizeitverhalten von Grundschülern im Mittelpunkt steht, soll hier die Betrachtung der Bedeutung des Begriffes Freizeit im Sinne der „Freizeit für Kinder“ ausreichen. Das Lexikon Sachunterricht definiert „Freizeit für Kinder“ folgendermaßen:

„Freizeit meint die Zeit, die das Kind nach Beendigung der täglichen Schulzeit und den Hausaufgaben zur Verfügung hat.“[4]

Diese Definition bezeichnet also ganz allgemein die Zeit als Freizeit, die nach Beendigung der Schulzeit und den Hausaufgaben als „freie Zeit“ übrig bleibt.

Betrachtet man eine Definition von Freizeit in einem Lexikon, das nicht wie das Lexikon Sachunterricht aus einer schulpädagogischen Perspektive heraus verfasst wurde, so findet man folgendes:

„Freizeit bezeichnet als Komplementärbegriff zu Arbeitszeit jenen Teil der menschlichen Lebenszeit, der [… ] stärker einer selbstbestimmten, selbstgestalteten individuellen Praxis zur Verfügung steht, [… ].“[5]

Diese allgemeine Definition bezieht sich ausschließlich auf die Bedeutung des Begriffes in Bezug auf die Erwachsenenwelt und lässt die Bedeutung in Bezug auf Kinder lediglich analog dazu erahnen. Außerdem wird in dieser Definition das Merkmal der Selbstbestimmung und Selbstgestaltung hervorgehoben.

Beide bisher betrachteten Definitionen zusammenfassend kann man sagen, dass sich ein übereinstimmendes Element darin findet, dass Freizeit jene Zeit bezeichnet, die außerhalb der Schulzeit/Arbeitszeit liegt. Eine Definition, die dies noch allgemeiner ausdrückt ist folgende:

„Als Freizeit wird die dem Einzelnen zu seiner freien Verfügung verbleibende Zeit bezeichnet, nachdem er seine persönlichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen erledigt hat.“[6]

Hier werden neben den gesellschaftlichen Verpflichtungen, die sich wie bereits oben mehrfach genannt, vor allem auf die Arbeits- bzw. Schulverpflichtungen beziehen, auch persönliche Verpflichtungen genannt, die ebenfalls von der Freizeit getrennt gesehen werden müssen.

Eine letzte Definition, die die nicht-freizeitlichen Aktivitäten noch einmal genauer unterscheidet, ist folgende:

„Unter Freizeit kann man bei Kindern jenen zeitlich definierten Freiraum verstehen, in dem ihre Handlungen nicht durch schulische, körperliche (z.B. Schlaf) oder familiäre (z.B. Hilfe im Haushalt) Obligationen bestimmt sind.“[7]

Diese Definition grenzt nun auch neben den in allen Definitionen genannten schulischen Verpflichtungen, das Schlafen und familiäre Verpflichtungen aus dem Begriff der Freizeit aus.

Geht man nun von der ursprünglichen Wortbedeutung des Begriffes Freizeit aus, so meinte die ursprüngliche „frey zeyt“ in der mittelalterlichen Sprache einen Rechtsterminus, mit dem zu Markt- und Messezeiten den Händlern Schutz gesichert werden sollte. Überträgt man diese ursprüngliche, auf die heutige Bedeutung, kann man eine Parallele darin erkennen, dass Freizeit auch heute noch als geschützter, konfliktarmer und weitgehend störungsfreier Zeitraum verstanden wird.[8]

Analysiert man das Konzept des Begriffes Freizeit nun genauer, kann man über allgemeine Definitionen hinaus, weitere Charakteristika festmachen.

Zunächst einmal wäre hier eine Unterscheidung zwischen „positiver“ und „negativer“ Freizeit zu nennen. Unter einem „positiven Freizeitbegriff“ versteht man in diesem Zusammenhang frei verfügbare Zeit, die vor allem durch zwanglose Muße und zielgerichtete Beschäftigungen gekennzeichnet ist. Unter einem „negativen Freizeitbegriff“ versteht man die Abwesenheit von Arbeit, die nicht durch eine zielgerichtete Beschäftigung gekennzeichnet ist.[9]

Charakterisiert wird Freizeit auch durch die Merkmale der Zeiteinteilung, der Freiwilligkeit, der Zwanglosigkeit und durch verschiedene Wahl- und Entscheidungs-, bzw. Initiativmöglichkeiten.[10]

Weiterhin kann man den Begriff nach „aktiven“ und „passiven“ und nach „freien/nicht institutionalisierten“ bzw. „institutionalisierten“ Freizeitbeschäftigungen unterscheiden.[11] Unter aktiven Freizeitbeschäftigungen versteht man Dinge, wie z.B. Fahrrad fahren oder Fußball spielen. Im Gegensatz dazu stehen die passiven Freizeitbeschäftigungen, die vor allem den Medienkonsum, z.B. Fernsehen meinen.

Das Gegensatzpaar der freien und der institutionalisierten Freizeitaktivitäten lässt sich so erklären, dass man unter institutionalisierten Aktivitäten solche versteht, die v.a. durch Sportvereine und Verbände organisiert sind. Freie Freizeitaktivitäten hingegen werden von den Kindern selbst organisiert und sind spontaner und freier in der Planung und Durchführung. Ergänzt wird dieses Gegensatzpaar durch die Gruppe der Indoor- Freizeitaktivitäten, bei denen die Freizeit überwiegend zu Hause, z.B. vor dem Fernseher oder der Spielekonsole, aber möglicherweise auch mit Büchern verbracht wird und die Gruppe der sportiven Freizeitaktivitäten, bei denen die Freizeit vor allem durch sportliche Aktivitäten charakterisiert ist.[12]

Nachdem nun einige Definitionen des Begriffes „Freizeit“ betrachtet und die wichtigsten Charakteristika und Merkmale des Begriffes festgehalten wurden, soll im Folgenden durch individuelle kindlichen Vorstellungen zum Begriff „Freizeit“ verdeutlicht werden, dass es das Freizeitverhalten von Kindern nicht gibt. Wie Rohlfs (2006) verdeutlicht, weist das Freizeitverhalten von Kindern heutzutage eine solche Fülle auf, dass es schwer fällt, von dem Freizeitverhalten zu sprechen.[13] Hierzu sollen exemplarisch einige Aussagen von Kindern betrachtet werden, die das individuelle und unterschiedliche Verständnis von Freizeit verdeutlichen:

„Freizeit bedeutet für mich, dass ich ab und zu mal machen darf, was ich will.“

„Für mich bedeutet Freizeit, dass man nicht arbeiten muss.“

„Etwas mit Freunden oder der Familie unternehmen“

„Freizeit bedeutet, man ist frei“

„Freizeit bedeutet für mich das Leben genießen“

„Freizeit bedeutet für mich ausschlafen und von der Schule erholen“

Durch die Betrachtung dieser Aussagen, die von Kindern im Alter zwischen 9 und 10 Jahren gemacht wurden, sollte deutlich geworden sein, dass es auf individueller Basis nicht möglich ist, den Begriff „Freizeit“ zu verallgemeinern. Bestimmte Merkmale können jedoch als charakteristisch bzw. prägnant festgehalten werden, so z.B. „Freizeit als Erholung“ (von Arbeit und Schule) oder „Spaß haben“.

1.2 Geschichte des Freizeitbegriffs

In diesem Teil soll zum besseren Verständnis von Freizeit ein kurzer Abriss der geschichtlichen Entwicklung des Begriffes erfolgen. Als Anfangspunkt soll hier die Zeit des Nationalsozialismus dienen.

Beschreibt man das Verständnis von Freizeit in dieser Zeit, so kann man sagen, dass die freie Zeit nicht mehr als individuelle Erholungs- und Konsumzeit verstanden wurde sondern v.a. den Zusammenhang zwischen dem Einzelnen und dem nationalsozialistischen System herstellen und durch kollektive Aktionen festigen sollte, d.h. die freie Zeit wurde zur Mobilisierung und Indoktrinierung der Massen genutzt, z.B. durch Organisationen wie „Kraft durch Freude“ oder „Hitlerjugend.[14]

Die Nachkriegszeit war vor allem in den Anfängen durch Existenzbedrohung gekennzeichnet, die Freizeit rückte eher in den Hintergrund und wurde jetzt eher mit Erholungsphasen, also Phasen ohne Arbeit verbunden.

Ende der 50-er Jahre und mit dem Wirtschaftsaufschwung bekam die Freizeit wieder eine größere Bedeutung, vor allem die Familienaktivitäten, die ins Zentrum der Freizeitbeschäftigungen rückten. In Bezug auf die Freizeit von Kindern und Jugendlichen wurden diese von Freizeitpädagogen begleitet. Diese wollten sie in kirchlichen und anderen Vereinigungen zu moralisch-sozialen Aktivitäten anregen.[15]

Anfang der 60-er Jahre bekam das Fernsehen nun eine immer größere Bedeutung im Zusammenhang mit Freizeit und die Freizeitgestaltung orientierte sich immer mehr am sozialen Status.

In den 70-er Jahren gab es nun einen endgültigen Umschwung zu einer konsumorientierten Freizeitphase, in der die freie Zeit vor allem dazu genutzt wurde, Geld auszugeben und auch dem Medienkonsum (Zeitschriften und Zeitung lesen, Radio hören, Fernsehen) nachzukommen. Speziell auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen bezogen, kann man sagen, dass diese sich in den 60-er/70-er Jahren einen jugendkulturellen Freiraum erobern, der vor allem durch die Freizeit mit Gleichaltrigen und ohne Kontrolle der Erwachsenen geprägt ist. Was sie dort untereinander lernen wird jedoch weder von den Kindern selbst, noch von Lehrern und Erziehern als Lernkapital betrachtet.

In den 80-er Jahren wandelte sich dieses Freizeitverständnis zu einer erlebnisorientierten Freizeitphase, in der die freie Zeit zum Erleben und zur Entwicklung eines eigenen Lebensstils genutzt wurde. Die Freizeit von Kindern und Jugendlichen wird nun wieder durch Erwachsene gelenkt, die die Kinder auf den Wert von Lernen - auch in der Freizeit - hinweisen und „lernwertvolle“ Hobbys unterstützen.[16]

Seit den 90-er Jahren zeigt sich eine Entwicklung, die vor allem elektronische Freizeitmedien in den Mittelpunkt stellt.[17]

Durch die Betrachtung der allgemeinen und individuellen Bedeutungen des Begriffes „Freizeit“ sollte klar geworden sein, dass es zwar einige charakteristische Merkmale von Freizeit gibt, dass es aber überwiegend von den individuellen Interessen und Gegebenheiten abhängt, was nun verschiedene Personen unter dem Begriff Freizeit verstehen.

Auch der kurze Abriss über die Geschichte des Freizeitbegriffs betont die unterschiedliche Bedeutung von Freizeit im Laufe der Zeit und zeigt, dass es viele verschiedene Aspekte gibt, die in diesem Zusammenhang in den Mittelpunkt gerückt werden können.

2. „Veränderte Kindheit“ und Auswirkungen auf die Freizeit

Da sich das Verständnis von Kindheit im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt hat und sich immer wieder tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen ergeben haben, soll im folgenden Kapitel unter dem Schlagwort „neue Kindheit“ genauer auf diese Veränderungen und deren Auswirkung auf das Freizeitverhalten der Kinder eingegangen werden.

In einem Aufsatz von Laux (2010) wird in diesem Zusammenhang von Verhäuslichung, Verinselung, Vereinzelung, Verplanung und Reduktion der Eigenständigkeit geredet.[18] Auf diese Begriffe und weitere Aspekte der „neuen Kindheit“ soll im Folgenden in einer kurzen Zusammenfassung eingegangen werden.

2.1 Merkmale der veränderten Kindheit

“’Diese Woche habe ich keine Zeit. Vielleicht nächste Woche für zwei Stunden’. Das ist nicht etwa die Antwort eines vielbeschäftigten Erwachsenen, sondern die der zwölfjährigen Alina. Ihre Oma wollte sie gerne für einen Nachmittag zum Kuchenessen einladen. Gemütlich im alten Obstgarten sitzen, Geschichten erzählen und den Tag genießen. Doch dafür hat Alina keine Zeit mehr. Die Schülerin hat einen Terminkalender wie ein gut bezahlter Manager. Musik, Sport, Schule. Da bleibt wenig Zeit für Oma und einen freien Nachmittag.“[19]

Dieses Beispiel eignet sich gut, um zum Thema veränderte Kindheit und dort explizit zu einem der Phänomene überzuleiten, das in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, nämlich die Verplanung der Kindheit oder die Terminierung der (Frei-)

Zeit.

Verdeutlicht wird dieses Phänomen auch durch den zweite Teil der Definition des Begriffes Freizeit aus dem Lexikon Sachunterricht, wo Folgendes beschrieben wird:

„Gegenwärtig ist eine von Eltern oder anderen erwachsenen Verwandten vorgeplante Fülle von Freizeitaktivitäten (Sportverein, Musikschulung, kulturelle AGs) zu beobachten, die die Möglichkeiten der Kinder für eine selbstgestaltete Freizeit gravierend einschränken.“[20]

Die Verplanung bzw. Terminierung der kindlichen Zeit ist ein grundlegendes Problem, das im Zusammenhang mit der veränderten Kindheit auftaucht. Die Kinder haben heute weniger Zeit, zumindest weniger frei verfügbare Zeit. Sie benötigen jetzt eine Uhr, um die vielfältigen Anforderungen ihres Terminplanes koordinieren zu können: Die betreute Freizeit, Kinderfeste und Musikunterricht, die festen Sendezeiten der beliebtesten Fernsehsendung, alles muss miteinander und auch noch mit dem Autofahrplan ihrer Eltern abgestimmt werden.[21] Gründe hierfür können verschiedene sein.

Zunächst einmal spielen hier auch die veränderten Familienformen und Arbeitszeiten der Eltern mit hinein. War es früher so, dass die Mutter zu Hause blieb, um sich um die Kinder zu kümmern und der Vater auf der Arbeit das Geld verdiente, existiert dieses typische Bild der Familie längst nicht mehr überall. Es existieren heute Familien, in denen sowohl Mutter als auch Vater ganztags arbeiten und somit beide Elternteile wenig Zeit für die Kinderbetreuung zur Verfügung haben. Neben diesen Fällen gibt es natürlich auch Kinder, die nur bei einem Elternteil sind, da die Eltern augrund einer Scheidung getrennt leben. Oft geht dieser Elternteil dann auch noch einer ganztägigen Arbeit nach, sodass die Kinder mittags allein zu Hause sind bzw. an anderen Orten betreut werden müssen. An dieser Stelle kommt der Begriff der Verplanung zum tragen. Da die Eltern aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht zu Hause sein können, wird die Freizeit des Kindes vorweg geplant, damit die Kinder in den Zeiten, in denen die Eltern arbeiten gehen, beschäftigt sind.

Jedoch beschränkt sich die Verplanung nicht nur auf die oben beschriebenen Fälle, sondern auch in Familien, in denen die Eltern nicht ganztags arbeiten und mittags Zeit für ihre Kinder haben, wird das Freizeitangebot der Kinder durch vorgeplante Aktivitäten bestimmt. Hier nehmen vor allem die Eltern eine führende Rolle ein. Pruisken (2005) stellt heraus, dass im Grundschulalter noch ein bedeutsamer Einfluss der Eltern auf die Freizeitgestaltung der Kinder festzustellen ist.[22]

Auch Zerle (2007) ist der Meinung, dass Hobby, Vereinszugehörigkeiten und Interessen der Kinder in hohem Maße durch die Eltern beeinflusst werden und oftmals auch die weitere Förderung von den Eltern abhängt.[23]

Jedoch geht die Verplanung bzw. Terminierung nicht nur von den Eltern aus, sondern auch die Kinder selbst nehmen an dieser Entwicklung aktiv teil. Es wird für Kinder immer wichtiger, Treffen mit Freunden im Voraus zu planen, etwa durch Verabredungen in der Schule oder über das Telefon.[24]

Eng verbunden mit der Verplanung bzw. Terminierung ist das Phänomen der Institutionalisierung von Freizeit. Wie bereits in Punkt 1.1 dieser Arbeit erwähnt, kann bei Freizeit zwischen freien und institutionalisierten Aktivitäten unterschieden werden.

Institutionalisierung meint in diesem Zusammenhang vor allem Vereinskindheit[25], die Mitgliedschaft im Chor oder AGs und in Verbindung mit der Verplanung, eine zu festen Zeiten festgelegte Aktivität der Kinder. In diesem Zusammenhang spricht Laux (2009) neben einer Institutionalisierung der Freizeit auch von einer „Institutionalisierung der Sozialkontakte“.[26] Damit ist gemeint, dass auch die Sozialkontakte der Kinder, d.h. Treffen mit Freunden, weniger frei oder spontan erfolgen, sondern in Verbindung mit den entsprechenden institutionalisierten Aktivitäten. Diese Phänomene führen im Großen und Ganzen dazu, dass die Kinder immer weniger spontan handeln, ihre Freizeit öfter vorausplanen und durch institutionalisierte Angebote gestalten.

Ein weiteres Phänomen, das im Zusammenhang mit der veränderten Kindheit genannt werden kann und auch in Verbindung zur Institutionalisierung und Verplanung steht, ist die Verinselung. Damit ist gemeint, dass heutige Kinder eine viel größere Mobilität (wenn auch oftmals von den Eltern abhängig) aufweisen[27], als Kinder damals. Demnach sind heutige Kinder nicht nur in der eigenen Nachbarschaft aktiv, sondern an verschiedenen Orten, die über die Stadt, in der sie leben, verstreut sind.[28] Diese Orte, an denen die Kinder aktiv werden, z.B. der Sportverein, die Schule, das Haus des Freundes, oder der Spielplatz, werden als Inseln bezeichnet, da die Entfernungen, die zwischen diesen Inseln liegen, oftmals sehr groß sind und die Kinder große Distanzen zurücklegen müssen, um von einer Insel zur nächsten zu gelangen. Die Räume, die zwischen den einzelnen Inseln liegen, werden von den Kindern größtenteils gar nicht mehr wahrgenommen, da sie die teilweise großen Distanzen oftmals im Auto zurücklegen und somit auch auf die Hilfe der Eltern angewiesen sind. Die Lebensräume werden also nicht mehr sukzessive erweiternd erschlossen, sondern stehen verbindungslos nebeneinander.[29] Der Zusammenhang zur Verplanung und Institutionalisierung besteht darin, dass die Aktivitäten der Kinder auf den einzelnen Inseln, durch die Wege die zurückgelegt werden müssen, im Voraus geplant und abgesprochen werden müssen.

Ein weiteres, in den letzten Jahren immer wieder kritisch erläutertes Merkmal der veränderten Kindheit, ist die Verhäuslichung.

Damit ist gemeint, dass zum einen der öffentliche Raum (Straße) an Bedeutung verliert und die Kinder immer mehr freie Zeit in privaten Räumen (Kinderzimmer) verbringen.[30] Auch dieser Punkt hängt wieder mit anderen Merkmalen der veränderten Kindheit zusammen. In diesem Fall vor allem mit der Verinselung und den veränderten Familienformen. Lebt ein Kind z.B. schwerpunktmäßig bei seiner Mutter und diese ist ganztags angestellt, dann ist das Kind mittags oftmals allein zu Hause und muss sich selbst beschäftigen. Möglicherweise wohnen der beste Freund oder mehrere Freunde auch noch weiter weg (Verinselung), d.h. dass das Kind aufgrund der großen Distanz auf die Hilfe der Eltern des Freundes oder anderer Verwandter angewiesen ist, um zur Insel des Freundes zu gelangen. Da dies aber nicht jeden Tag bzw. nur selten möglich ist, wird das Kind häufig zu Hause sein und Aktivitäten im Haus bzw. Kinderzimmer nutzen und wenig spontane Unternehmungen haben.

Die Verhäuslichung hängt jedoch nicht nur mit den veränderten Familienformen, sondern auch mit der Perspektive Raum und hier speziell mit der Gestaltung bzw. dem Verlust an Streifräumen die außerhalb der Wohnung für die Kinder zur Verfügung stehen, zusammen. Der Bewegungsraum vieler Kinder ist einfach begrenzt, weil z.B. freies Spiel draußen nur eingeschränkt möglich ist.[31] Gründe hierfür sind vor allem die Bebauung von Flächen[32], die als Streifräume der Kinder genutzt werden könnten und die „kinderfeindliche Umgebung“[33], die sich in vielen Städten entwickelt hat. Außerdem sind heute nahezu alle Haushalte mit spezifischen Räumen eigens für Kinder ausgestattet,[34] die es den Kindern ermöglichen, einen großen Teil ihrer Freizeit zu Hause zu gestalten. Verdeutlichen soll das Phänomen der Verhäuslichung und deren Ursachen ein Zitat von Fölling-Albers (1992):

„Die meisten Kinder leben in Städten und damit in einer Umwelt, in der Natur in ihrer ursprünglichen Form Seltenheitswert hat. Die Künstlichkeit der gebauten Welt bestimmt das Bild. In diesen Städten wohnen Kinder in Wohnungen, in denen sie kaum Raum für ihre natürliche Lebendigkeit haben. Das so beliebte Spielen vor der Haustür ist in der Regel verboten.“[35]

Ein weiterer Punkt der veränderten Kindheit findet sich in der Kommerzialisierung wieder. Kinder besitzen viel mehr Dinge als damals, z.B. die neueste Medienausstattung[36] und auf dem Markt findet sich ein derart großes Angebot an Dingen wieder, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Dinge die gestern noch neu und aktuell waren, sind heute schon wieder überholt und veraltet:

„Das Angebot ist heute größer als je zuvor, aber insbesondere größer als die Verarbeitungskapazität jedes Einzelnen [… ].“[37]

Diese Übersicht über verschiedene Merkmale der veränderten Kindheit sollte einen allgemeinen Einblick darin geben, welche Veränderungen Kindheit im Laufe der Zeit erfahren hat und mit welchen neuartigen Problemen heutige Kinder konfrontiert sind.

Obwohl man die oben beschriebenen Phänomene immer häufiger beobachten und nachvollziehen kann, muss man anmerken, dass Dinge wie Verhäuslichung und Verinselung keine Charakteristika einer gesamten Generation von Kindern sind, sondern es sind Trends bzw. Tendenzen, die es nicht für alle Kinder zu generalisieren gilt.[38]

Außerdem muss die Frage gestellt werden, auf welche Weise der Gegensatz zwischen Selbstgestaltung, Eigenverantwortlichkeit und Kreativität einerseits und Planung durch Erwachsene und Institutionalisierung andererseits, die Freizeitwelten heutiger Kinder prägt.

Hierüber soll im nächsten Teil diskutiert werden, in dem eine Verbindung zwischen der veränderten Kindheit und dem Freizeitverhalten von Kindern hergestellt werden soll.

2.2 Thesen die sich aus der veränderten Kindheit ergeben

In diesem Teil soll nun auf der Basis der eben beschriebenen Merkmale der veränderten Kindheit die Verbindung zum Freizeitverhalten von Kindern hergestellt und Thesen erarbeitet werden, die sich im Zusammenhang mit dem Freizeitverhalten von Kindern aus den Merkmalen der veränderten Kindheit ergeben.

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass es schwer fällt, aufgrund der oben angesprochenen Fülle von Freizeitangeboten, aber auch von individuellen Besonderheiten überhaupt von dem Freizeitverhalten zu sprechen.[39] Deshalb sollen die folgenden Punkte auch wie oben beschrieben eher als Tendenz bzw. Trend betrachtet werden und nicht als für alle Kinder verallgemeinert.

Eine erste These, die sich aus den oben beschriebenen Merkmalen der veränderten Kindheit ergibt, ist die, dass Kinder heutzutage durch das große Angebot an Freizeitaktivitäten nicht mehr um eine Nutzung mehrerer Angebote gleichzeitig herumkommen. Borgstedt/Calmbach (2010) drücken dies folgendermaßen aus:

„Auf der Überholspur des Lebens muss angesichts der Vielzahl attraktiver Freizeitangebote mehrgleisig gefahren werden.“[40]

Eine weitere These, die sich daraus ergibt, ist die, dass die Freizeit von Kindern heutzutage keine wirklich „freie Zeit“ mehr ist, sondern dass die Gestaltung von Freizeit vielmehr eine Herausforderung ist, ein „Sich im Optionen-Dschungel zurechtfinden“, was ein permanentes Navigieren zwischen Spaß und Ernst, Sinn und Unsinn, Pflicht und Kür mit sich bringt.[41] Dies kann dann schnell in einer Art Freizeitstress münden[42], bei dem die Kinder zu viele Aktivitäten auf einmal haben und ihnen keine Zeit bleibt um sich einfach zu erholen bzw. zu „relaxen“.

Aus dem Merkmal der Verhäuslichung, das im Zusammenhang mit der veränderten Kindheit diskutiert wurde, können zwei Thesen in Bezug auf Freizeit abgeleitet werden. Die eine ist ganz zentral und soll auch im weiteren Verlauf dieser Arbeit immer wieder aufgegriffen werden. Es ist die These, dass Kinder durch die Verhäuslichung zunehmend auf die Verwendung von elektronischen Medien wie dem Fernseher, dem PC oder der Spielekonsole zurückgreifen und somit die Rede von einer Mediatisierung der Freizeit sein kann. Fuhs (2000) verdeutlicht dies, indem er sagt, dass der Wandel von Kindheit im Sinne einer Freizeitkindheit eng mit der Nutzung von Medien zusammenhängt.[43] Daraus ergibt sich auch ein Nebeneffekt, der sich im Verlust der Eigentätigkeit der Kinder wiederspiegelt, d.h. die Tätigkeit der Kinder bleibt zunehmend beschränkt auf den Griff zum Schalter, auf den Druck eines Hebels, ist also häufig auf Bedienung reduziert.[44] An dieses Phänomen der Mediatisierung von Freizeit wird häufig bzw. in fast allen Fällen mit einer pessimistischen Sichtweise herangegangen[45], d.h. es werden die negativen Auswirkungen der Mediennutzung betont. In diesem Zusammenhang ist auch häufig von einer Tendenz zu einer übermäßigen Mediennutzung die Rede, die das „normale“ Pensum bei weitem überschreitet.

Eine zweite These, die sich aus den Folgen der ersten ergibt, wäre die Befürchtung von vielen Experten, dass sich heutige Kinder in ihrer Freizeit bzw. bei ihrer Freizeitgestaltung zu wenig bewegen. Diese Annahme bezieht sich sowohl auf sportliche Aktivitäten im Verein bzw. mit Freunden (z.B. Fußball spielen, Fangen spielen), als auch auf die Bewegung beim spontanen „herumstreunen“ mit Freunden in der freien Natur.

Nachdem nun in diesem Teil die wichtigsten Veränderungen der Kindheit im Zusammenhang mit kindliche Freizeitwelten erläutert und einige Thesen zu diesem Thema aufgestellt wurden, sollen im folgenden Teil Studien zum Freizeitverhalten von Kindern analysiert und erläutert werden. Außerdem soll auf der Basis der Ergebnisse ein Bezug zu den in diesem Teil erläuterten Aspekten hergestellt werden.

3. Studien zum Freizeitverhalten von Kindern

In diesem Teil soll nun explizit das Freizeitverhalten von Kindern untersucht werden. Zu diesem Zweck werden im ersten Teil eine bereits durchgeführte Studie, die KIM-Studie 2010, analysiert und die wichtigsten bzw. auffälligsten Daten näher erläutert.

Im zweiten Teil wird nun die vom Autor durchgeführte Studie zum Freizeitverhalten von Grundschülern analysiert, die neben allgemeinen Aussagen vor allem einen Vergleich zwischen einer städtischen und einer ländlichen Schule zum Ziel hatte.

Im letzten Teil sollen die Ergebnisse durch einen Vergleich der beiden Studien gegenübergestellt und mögliche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten hervorgehoben werden.

3.1 KIM-Studie 2010

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: MPFS 2011, S. 1

3.1.1 Zur Studie allgemein

Die KIM-Studie (Kind und Medien/Computer und Internet) wird seit dem Jahr 1999 alle zwei Jahre vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, der sich aus der „Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg“ (LFK) und der „Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz“ (LMK) zusammensetzt, veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um eine Basisuntersuchung zum Medienverhalten 6-13 jähriger, die etabliert wurde, um die Gesamtentwicklung der Diskussion über „Kinder und Medien“ überblicken zu können.[46]

Neben den Hauptthemen, die sich mit der Mediennutzung der Kinder beschäftigen, werden aber auch Daten zu den allgemeinen Themeninteressen der Kinder erhoben.

Die aktuelle Studie wurde im Februar 2011 veröffentlicht und die Kinder, die für die Studie befragt wurden, kamen zu 56% aus Grundschulen. Insgesamt wurden ca. 1200 Kinder zu verschiedenen Themenkomplexen befragt. Als Methode wurde eine Befragung im Rahmen eines persönlichen Interviews genutzt, in dem die Kinder zu Themen, wie z.B. Geräteausstattung, Medienbeschäftigung, Verzichtbarkeit und Wichtigkeit von Medien, Themeninteressen u.v.m. befragt wurden.

3.1.2 Ausgewählte Ergebnisse der Studie

Im Folgenden sollen nun ausgewählte Themenbereiche der Kim-Studie 2010 betrachtet, deren Ergebnisse erläutert und in diesem Zusammenhang als erstes die unterschiedlichen Themeninteressen der Kinder betrachtet werden.

3.1.2.1 Themeninteressen der Kinder

Um die Themeninteressen der Kinder zu erfragen, wurden bei der KIM-Studie 2010 16 Aktivitätsbereiche erarbeitet, zu denen die Kinder ihr Interesse angeben sollten. Mögliche Antworten waren: „sehr interessant“, „interessant“, „weniger interessant“ und „gar nicht interessant“.[47]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Quelle: MPFS 2011, S. 5

Zunächst einmal fällt bei der Betrachtung von Abbildung 1 auf, dass es viele verschiedene Themeninteressen gibt, die von der Mehrheit der Kinder als interessant bewertet werden. Allein 11 der 16 vorgegebenen Themeninteressen werden von über 50% der Kinder als interessant bzw. sehr interessant empfunden. 7 dieser 11 Interessensgebiete liegen sogar bei über 60 %.

Betrachtet man nun die einzelnen Themeninteressen genauer, kann man interessante Feststellungen machen. So kann z.B. gesagt werden, dass das Interesse an „Freunden/Freundschaften“ mit 94% auf Platz 1 der Themeninteressen liegt. 62% der befragten Kinder finden diesen Punkt sehr interessant und 32% interessant, d.h. nahezu alle Kinder gaben an, an Freunden/Freundschaften zumindest interessiert zu sein.

Auf Platz 2 der beliebtesten Interessen liegt die „Musik“. Hier gaben 76% der Kinder an, diesen Komplex interessant bzw. sehr interessant zu finden. Auffällig wird hier schon der Abstand zwischen den Plätzen 1 und 2, zwischen denen ein Unterschied von 18% liegt.

Die Punkte „Sport“ und „Schule“ wurden von 68% der befragten Kinder als interessant/sehr interessant eingestuft, wobei gesagt werden muss, dass der Anteil der Kinder die diesen Bereich als „sehr interessant“ einstuften, im Bereich Sport (31%) höher ist, als im Bereich Schule (20%).

Auf Platz fünf folgt nun der erste Themenbereich, der im Zusammenhang mit Mediennutzung genannt werden kann, nämlich Computer-/Konsolen-/Onlinespiele. Dieser Bereich wurde von 65% der befragten Kinder als interessant/sehr interessant bewertet, wobei das Verhältnis zwischen interessant (33%) und sehr interessant (32%) fast ausgeglichen ist.

An sechster und siebter Stelle können weitere mediale Bereiche, nämlich Kino/Filme und Internet/Computer angeführt werden, die von mehr als bzw. genau 60% der befragten Kinder genannt wurden. Bei Internet/Computer ist das Verhältnis von interessant zu sehr interessant mit jeweils 30% ausgeglichen.

Weitere mediale Themeninteressen finden sich mit dem „Handy“ (57%) und „Bücher/lesen“ (47%) auf Rang 10 und 12 wieder. Somit kann festgehalten werden, dass bei den Medien alle Bereiche, die mit elektronischen Medien zusammenhängen vor den nicht-elektronischen Medien stehen. Außerdem ist anzumerken, dass 4 der ersten 10 aufgeführten Themenbereichen den medialen Angeboten zuzuordnen sind, was immerhin 40 % ausmacht.

Ein weiterer nichtmedialer Bereich, der die 50% Marke überschreiten konnte, ist das Interesse an Tieren. Hier gaben 58% der Kinder an, interessiert bzw. sehr interessiert zu sein.

Als erster Bereich, der unter der 50% Marke zu nennen ist, kann das Interesse an „Film-/Fernsehstars“ angeführt werden. Hier kann man herausstellen, dass 48% diesen Bereich als interessant/sehr interessant ansehen.

Als Themeninteressen, bei denen der Anteil an weniger interessiert bzw. gar nicht interessiert viel größer ist, als das Interesse an diesem Bereich, sind vor allem „das aktuelle Weltgeschehen“ (31%, jedoch nur für 4% sehr interessant), „Fremde Länder“ (36%) und „Technik“ (38%) zu nennen, die alle unter der 40% Marke liegen.

Mit 46% gaben ungefähr die Hälfte aller befragten Kinder an, Interesse am Bereich „Umwelt/Natur“ zu haben.

Interessant ist auch ein Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2008, bei dem Abnahmen vor allem im Bereich „Sport“ (-13%), Schule (-12%) und Tiere (-16%) und eine Zunahme im Bereich „Filme/Filmstars“ (+ 8%) festgestellt werden können.

[...]


[1] Vgl. Laux 2009, S. 8

[2] Vgl. Zerle 2007, S. 268

[3] Vgl. Rohlfs 2006, S. 20

[4] Kaiser 1997, S. 61

[5] Brockhaus Enzyklopädie 1988, S. 640

[6] http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l51/l5149.htm [letzter Zugriff:03.07.11]

[7] Fries 2002, S. 169

[8] Vgl. Prahl 2002, S. 131

[9] Vgl. http://www.sonderpaed-online.de/unter/freiz/freiz.htm [letzter Zugriff:03.07.11]

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Laux 2009, S. 8

[12] Vgl. Zerle 2007, S. 261

[13] Vgl. Rohlfs 2006, S. 13

[14] Vgl. Prahl 2002, S. 106 f.

[15] Vgl. te Poel/du Bois-Reymond/Zeijl 2000, S. 220

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. http://www.sonderpaed-online.de/unter/freiz/freiz.htm [letzter Zugriff:03.07.11]

[18] Vgl. Laux 2009, S. 8

[19] http://www.familie-kompakt.de/artikel/freie-zeit-fuer-kinder-terminstress-vermeiden.html [letzter Zugriff:03.07.11]

[20] Kaiser 1997, S. 61

[21] Vgl. Rolff/Zimmermann 2001, S. 168

[22] Vgl. Pruisken 2005, S. 276

[23] Vgl. Zerle 2007, S. 245

[24] Vgl. Dees 2008, S. 2

[25] Vgl. Fuhs 2000, S. 717

[26] Vgl. Laux 2009, S. 9

[27] Vgl. Stange 2006, S. 48

[28] Vgl. Dees 2008, S. 2

[29] Vgl. Stange 2006, S. 49

[30] Vgl. Dees 2008, S. 2

[31] Vgl. Pruisken 2005, S. 273

[32] Vgl. Rolff/Zimmermann 2001, S. 169

[33] Vgl. Zerle 2007, S. 246

[34] Vgl. Fries 2002, S. 171

[35] Fölling-Albers 1992, S. 7

[36] Vgl. Liegle 2008, S. 25

[37] Fromme/Meder 2003, S. 206

[38] Vgl. Rohlfs 2006, S. 165

[39] Vgl. Ebd., S. 13

[40] Borgstedt/Calmbach 2010, S. 25

[41] Vgl. Ebd.

[42] Vgl. Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland Pfalz e.V. 2011, S. 2

[43] Vgl. Fuhs 2000, S. 716

[44] Vgl. Rolff/Zimmermann 1992, S. 31

[45] Vgl. Fries 2002, S. 71

[46] Vgl. MPFS 2011, S. 3 f.

[47] Vgl. Ebd., S. 5 f.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Freizeitverhalten von Grundschülern- eine Vergleichsstudie
Untertitel
Vergleich zwischen dem Freizeitverhalten städtischer und ländlicher Kinder
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter, Arbeitsbereich Grundschulpädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
93
Katalognummer
V177426
ISBN (eBook)
9783640991044
ISBN (Buch)
9783640991372
Dateigröße
1886 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Anhang befindet sich der für die Studie genutzte Fragebogen zum Freizeitverhalten von Grundschülern.
Schlagworte
Freizeitverhalten, Grundschüler, Grundschule, Freizeit, Stadt-Land, Mediennutzung
Arbeit zitieren
Julian Kettenhofen (Autor), 2011, Freizeitverhalten von Grundschülern- eine Vergleichsstudie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177426

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