Diese Arbeit beleuchtet das in der Diskussion bisher eher weniger beachtete Thema der ursprünglichen Akkumulation. Grob gesagt, versucht Karl Marx hier zu erklären aus welchen Gründen der Kapitalismus entstehen konnte und so erfolgreich war.
Die Rolle dieses Konzepts wird dann umfassend diskutiert. Schließlich wird auch beleuchtet wie aktuell die Thematik ist.
Als Grundlage dienten deshalb neben Marxs Schriften (allen voran des 1. Bandes des Kapitals) auch die Arbeiten jener Theoretiker, die sich mit ursprünglichen Akkumulation auseinandergesetzt haben, u.a. David Harvey, Rosa Luxemburg oder Fritz Sternberg.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Wesen der (sogenannten) ursprüngliche Akkumulation
2.1 Vorläufer: Überlegungen von Adam Smith
2.2 Definition und Beschreibung nach Karl Marx
3. Kritik an der (sogenannten) ursprünglichen Akkumulation
3.1 Unzureichende Darstellung von Marx
3.2 Historische Phase oder kontinuierlicher Prozess?
3.3 Eurozentrismus und der Aufstieg der USA als Antithese
3.4 Alternative Erklärung: Max Webers „Protestantismusthese“
4. Aktualität der (sogenannten) ursprünglichen Akkumulation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der „sogenannten ursprünglichen Akkumulation“ bei Karl Marx, analysiert deren theoretische Fundierung sowie kritische Gegenentwürfe und beleuchtet die fortwährende Relevanz dieses Prozesses für den modernen Kapitalismus.
- Historische Herleitung und marxsche Definition der ursprünglichen Akkumulation
- Kritische Auseinandersetzung mit der Einmaligkeit vs. Kontinuität des Prozesses
- Vergleich mit alternativen ökonomischen und soziologischen Erklärungsmodellen (z.B. Max Weber)
- Analyse der Aktualität durch moderne Ansätze wie die „Akkumulation durch Enteignung“
Auszug aus dem Buch
2.2 Definition und Beschreibung nach Karl Marx
Karl Marx begreift die Wichtigkeit der ursprünglichen Akkumulation wie folgt und fasst kurz zusammen, was sie ist: „[…] Indes setzt die Akkumulation des Kapitals den Mehrwert, der Mehrwert die kapitalistische Produktion, diese aber das Vorhandensein größerer Massen von Kapital und Arbeitskraft in den Händen von Warenproduzenten voraus. Diese ganze Bewegung scheint sich also in einem fehlerhaften Kreislauf herumzudrehn (sic!), aus dem wir nur hinauskommen, indem wir eine der kapitalistischen Akkumulation vorausgehende ‚ursprüngliche‘ Akkumulation (‚previous accumulation‘ bei Adam Smith) unterstellen, eine Akkumulation, welche nicht das Resultat der kapitalistischen Produktionsweise ist, sondern ihr Ausgangspunkt.“
Diese Betrachtungen von Marx finden hauptsächlich im 24. Kapitel des 1. Bandes von „Das Kapital“ statt. Doch auch im Vortrag „Lohn, Preis und Profit“ sagt Marx, dass die „sogenannte ursprüngliche Akkumulation nichts andres […] als eine Reihe historischer Prozesse, die in einer Auflösung der ursprünglichen Einheit zwischen dem Arbeitenden und seinen Arbeitsmitteln resultieren“ ist. Im Folgenden sollen seine Betrachtungen daher genauer untersucht werden.
Marx kritisiert die Auffassung von Adam Smith, aber auch der klassischen Ökonomie insgesamt – dies wird klar, wenn man sich den Untertitel von „Das Kapital“ ansieht: „Kritik der politischen Ökonomie“. Auf das, was bis dahin „sittlich“ oder der Standard über den Ursprung des Kapitals gedacht wird, widerlegt Marx und zeichnet den wahren Kern dieses Ausgangspunkts. Wie im obigen Zitat zu sehen ist, benennt Marx Smiths Beobachtungen als „previous accumulation“ (auch: „primitive“ oder „original accumulation“). Diese vorherige, vor der kapitalistischen Produktionsweise vollzogene, Akkumulation fand friedlich statt, wie wir schon Smiths Position zeichneten. Für Marx aber ist es eine geschönte Auffassung wie das nachfolgende Zitat zeigt:
„In der wirklichen Geschichte spielen bekanntlich Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt die große Rolle. In der sanften politischen Ökonomie herrschte von jeher die Idylle. Recht und ‚Arbeit‘ waren von jeher die einzigen Bereicherungsmittel, natürlich mit jedesmaliger Ausnahme von ‚diesem Jahr‘. In der Tat sind die Methoden der ursprünglichen Akkumulation alles andre, nur nicht idyllisch.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der marxschen Theorie der ursprünglichen Akkumulation ein und stellt das Ziel der Arbeit dar, die Bedeutung dieses Konzepts für das Wesen des Kapitalismus zu untersuchen.
2. Das Wesen der (sogenannten) ursprüngliche Akkumulation: Das Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen bei Adam Smith und die anschließende, kritische Definition durch Karl Marx, die den Prozess als gewaltsamen Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise identifiziert.
3. Kritik an der (sogenannten) ursprünglichen Akkumulation: Es werden verschiedene wissenschaftliche Gegenpositionen und Kritiken an Marx’ Darstellung diskutiert, darunter die Frage nach der Historizität des Prozesses, eurozentristische Perspektiven und Max Webers protestantische Ethik.
4. Aktualität der (sogenannten) ursprünglichen Akkumulation: Dieses Kapitel verknüpft die klassische Theorie mit modernen Phänomenen wie der Privatisierung und der „Akkumulation durch Enteignung“, um die fortdauernde Relevanz des Konzepts zu belegen.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert die Bedeutung der ursprünglichen Akkumulation als sich wiederholenden Prozess im Kapitalismus und plädiert für weitere Forschung zur Überwindung der Skizzenhaftigkeit der marxschen Quellenanalyse.
Schlüsselwörter
Ursprüngliche Akkumulation, Karl Marx, Kapitalismus, Mehrwert, Lohnarbeit, Klassengesellschaft, Enteignung, David Harvey, Adam Smith, Max Weber, Kapitalbildung, Industrielle Reservearmee, Privatisierung, Politische Ökonomie, Historischer Materialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit dem Konzept der „ursprünglichen Akkumulation“ bei Karl Marx auseinander, hinterfragt dessen theoretischen Ursprung und untersucht seine Bedeutung für das Verständnis kapitalistischer Entwicklungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entstehung des Kapitals, die Rolle von Gewalt und Enteignung, die Entstehung der Lohnarbeit sowie die Frage, ob diese Prozesse einen abgeschlossenen historischen Zustand oder eine permanente Bedingung des Kapitalismus darstellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die ursprüngliche Akkumulation nicht nur als einmaliges historisches Ereignis zu betrachten, sondern ihren Stellenwert als notwendige Grundvoraussetzung und fortwährendes Merkmal kapitalistischer Dynamiken herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse marxistischer Klassiker sowie deren zeitgenössischer Rezeption und kritischer Einordnung durch andere Ökonomen und Historiker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Herleitung, eine tiefgehende kritische Analyse verschiedener theoretischer Gegenpositionen und eine Untersuchung der heutigen Aktualität des Konzepts anhand aktueller ökonomischer Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die ursprüngliche Akkumulation, Kapitalakkumulation, Mehrwert, Enteignung und Kapitalismus, ergänzt durch theoretische Kontexte wie den historischen Materialismus.
Inwiefern spielt David Harvey eine Rolle in der Arbeit?
David Harvey dient als zentrale Instanz, um die Theorie der „Akkumulation durch Enteignung“ zu begründen und aufzuzeigen, wie Marx’ historische Beobachtungen in der modernen Weltwirtschaft, etwa durch Privatisierungsprozesse, eine neue Form der Aktualität erhalten.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Max Weber von derjenigen von Marx?
Während Marx den Ursprung des Kapitalismus primär in gewaltsamen Akkumulationsprozessen und der Trennung der Arbeiter von ihren Produktionsmitteln sieht, betont Weber die Rolle religiös geprägter Ethiken und Geisteshaltungen als treibende Kraft für die kapitalistische Entwicklung.
- Arbeit zitieren
- Ole Karnatz (Autor:in), 2011, Die (sogenannte) ursprüngliche Akkumulation und ihre Weiterentwicklung in der marxeschen Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177428