Übersetzung und Grammatikalische Analyse Hartmann von Aue: Iwein


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzung der Verse 3201 –

3. Syntaktische Analyse eines Satzes

4. Wortanalyse: „mout“, „sin“, „gaehe“ und „entrôste“
4.1 Mout (Iwein, Vers 3211)
4.2 Sin (Iwein, Vers 3215)
4.3 Gaehe (Iwein, Vers 3203)
4.4 Entrôste (Iwein, Vers 3206)

5. Essay: Die Motivation des Wahnsinns im 'Iwein' und anderen höfischen Romanen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Arthusroman 'Iwein' von Hartmann von Aue entstand um das Jahr 1200 herum. Als Vorlage für Hartmanns Version steht der altfranzösische Text 'Yvain ou Le Chevalier au lion' vom französischen Dichter Chrétien de Troyes. Dieser Text ist allerdings nur eine freie Vorlage und nicht etwa Gegenstand einer exakten Übersetzung Hartmanns vom Französischen ins Deutsche.

Der Iweinroman ist der letzte seiner vier Romane der Arthusepik und gilt als eines der wichtigsten Werke von Hartmann von Aue überhaupt.

Der Protagonist wird nach einigen größeren Proben zu einem Ritter der Tafelrunde ernannt, was damals als eine sehr hohe Ehre angesehen wird und begibt sich daraufhin auf sogenannte Aventiure, auf Abenteuerfahrt, um seinen Ritterstatus zu festigen. Als er jedoch die Frist von einem Jahr nicht einhält und sich nach mehreren Anschuldigungen zu seinem Fehler bekennt, verliert er seinen Status, seine Frau Laudine und wird daraufhin wahnsinnig. Er lebt daraufhin von der höfischen Welt abgeschnitten im Wald. Die einzige Person zu der er noch Kontakt hat, ist ein Einsiedler, mit dem er aber nicht spricht sondern nur Handel betreibt.

Er wird nach einiger Zeit von drei Frauen gefunden, die mit Hilfe einer magischen Salbe seinen Wahnsinn kurieren, woraufhin er weitere Abenteuer besteht um so seinen alten Status und seine Frau zurückzugewinnen. Das „Doppelwegschema“ ist die Bezeichnung für dieses Wechselspiel von Aufstieg und Fall und liegt bereits dem 'Erec' Roman von Hartmann von Aue zugrunde.[1]

2. Übersetzung der Verse 3201 – 3230

Die Verse beschreiben in einer längeren Ausführung den Gemütszustand und die Gedanken des Iwein. Sie sind einzuordnen in das Geschehen kurz nachdem die Frau des Herrn Iwein, nach seiner verspäteten Rückkehr von seinen Abenteuern, ihn verstößt, ihren Ring zurückgibt und er vom Arthushof ausgeschlossen wird. Seine Reaktion darauf ist der Anfang des Verlustes seines Verstandes.

Die Verse bilden eine Aufzählung der Gründe warum Iwein anfängt diesen einzubüßen und was seine ersten Schritte nach der Erkenntnis dieses Verlustes sind, welcher für einen Ritter vom Arthushof eine unvergleichliche Schmach bedeutet. Nach diesen Versen beginnt der Verwilderungsprozess des Iwein.

3201 Daz smaehen daz vrou Lûnete Die Schmach der Frau Lunete

den herren Îweinen tete, die sie dem Herrn Iwein angetan hatte

daz gaehe wider kêren, ihr[2] schnelles Abwenden[3],

der slac sîner êren, die Beschädigung seiner Ehre,

3205 daz sî sô von im schiet und dass sie so von ihm ging

daz sî entrôste noch enriet, ohne ihn zu trösten[4] oder ihm beizustehen

daz smaelîche ungemach, das schmähliche Leid,

dazs im an die triuwe sprach, dass sie[5] seine Treue anzweifelte,

diu versûmde riuwe die versäumte Reue,

3210 und sîn grôziu triuwe und die starke Treue

sînes staeten muotes, seiner beständigen Seele,

diu verlust des guotes, der Verlust seines Besitzes,

der jâmer nach dem wîbe, die Trauer um seine Frau,

die benâmen sînem lîbe dies alles[6] nahm ihm

3215 viel gar vreude un dem sin. Glück und Verstand.

Nâch einem dinge jâmert in, Nur eine Sache wünschte er sich traurig

daz er waere etewâ dass er irgendwo wäre

daz man noch wîp enweste wâ so dass weder Mann noch Frau wüsste wo

und niemer gehôrte maere und auch keiner hören würde

3220 war er komen waere. w ohin er gegangen war

Er verlôs sîn selbes hulde: Er verlor seine Selbstachtung

wan ern mohte die schulde da er niemand anderem

ûf niemen anders gesagen: die Schule zu geben vermochte[7]

in hete sîn selbes swert erslagen. Es hatte ihn sein eigenes Schwert erschlagen.

3225 ern ahte weder man noch wîp, Er achtete weder auf Mann noch Frau

niuwan ûf sîn selbes lîp. s ondern nur auf sich selbst.

Er stal sich swîgende dan Er stahl sich schweigend davon

(daz ersach dâ nieman) (und niemand bemerkte ihn)[8]

unz daz er kam vür diu gezelt bis er vor die Zelte kam

3230 ûz ir gesihte an daz velt. Aus ihrem Blickfeld auf das freie Feld.

3. Syntaktische Analyse

Bei der Analyse von Sätzen im mittelhochdeutschen muss immer darauf geachtet werden, dass viele Sätze oft nicht eindeutig sind in ihrer Bedeutung. Die grammatischen Konstruktionen können unpräzise oder unvollständig sein und daher ergeben sich manche Wortbedeutungen oder Worte bei der Übersetzung ins Neuhochdeutsche nur aus dem inhaltlichen Kontext. Paul drückt dies so aus: „Die inhaltliche Komponente besitzt gegenüber der formalen ein deutliches Übergewicht; aus dem Kontext ergeben sie die logischen Relationen.“[9] (S. 462)

Im folgenden soll der Satz in den Versen: 3201 – 3215 analysiert werden. Der Satz ist etwas länger und wirkt auf den ersten Blick kompliziert.

Daz smaehen daz vrou Lûnete / den herren Îweinen tete, / daz gaehe wider kêren, / der slac sîner êren, / daz sî sô von im schiet / daz sî entrôste noch enriet, / daz smaelîche ungemach, / dazs im an die triuwe sprach, / diu versûmde riuwe / und sîn grôziu triuwe / sînes staeten muotes, / diu verlust des guotes, / der jâmer nach dem wîbe, / die benâmen sînem lîbe / viel gar vreude un dem sin. /

Der Satz weißt eine Aufzählung auf, die die verschiedenen Gründe nennt, warum Iwein am Ende des Satzes „vreude“ und „sin“ verliert. Einzuordnen ist der Satz kurz nachdem er vom Arthushof verstoßen wird und in diesem Moment sich des Verlustes seiner Frau und der Trauer darüber bewusst wird, die ihn betrifft.

Die Verse sind ein langer Relativsatz, der zum Schluss in dem Hauptsatz die benâmen sînem lîbe viel gar vreude un dem sin. mündet, wobei sich sämtliche vorher aufgezählten Dinge, die etwas zur Trauer des Iwein beitragen, in dem Relativpronomen die widerspiegeln, welches daraufhin mit dem finiten Verb in Anfangsstellung den Hauptsatz einleitet und auch gleichzeitig zu Ende bringt, welcher vorher mit der Aufzählung begonnen wurde. Die gesamte Aufzählung ist das Subjekt des Hauptsatzes, welches Iwein den Frohsinn und Verstand raubt.

|[...] (Aufzählung) | , die benâmen sînem lîbe viel gar vreude un dem sin. |

HS I Rel.Pronomen HS I

Jeder Teil der Aufzählung, die alle jeweils durch ein Komma abgetrennt sind, besitzt ein Subjekt, welches individuell seinen Teil zu der Trauer des Iwein beiträgt.

Jedoch gibt es manche Aufzählungen, die in sich selbst nochmal eigene Satzkonstruktionen haben.

Der erste Teil der Aufzählung, welcher zwei Verse einnimmt, enthält einen eigenen Nebensatz.

| Daz smaehen | daz vrou Lûnete den herren Îweinen tete, |

HS I NS I

Daz smaehen (Die Schmach nhd.) ist der Teil der Aufzählung, der später im weiteren Verlauf des Hauptsatzes für Iwein relevant ist. Die Konkretisierung, die im Nebensatz dahinter steht und durch das Relativpronomen daz eingeleitet wird, ist die Beschreibung, dass die Schmach durch die Frau Lunete, die Dienerin von Frau Laudine, die die schlechte Nachricht überbringt, ausgelöst wird.

[...]


[1] Kurt Ruh in Hartmann von Aue S. 413f.

[2] Mit „ihr“ ist hier in der Übersetzung nicht das Fräulein Lunete gemeint, die allerdings gerade anwesend und lediglich die Dienerin von der Frau des Iwein „Laudine“ ist. Sämtliche nachfolgenden Handlungen, die dem Iwein hier am Ende das Glück und den Verstand nehmen, sind ebenfalls auf seine Frau Laudine zurückzuführen.

[3] Das „ wider kêren “ wird hier als substantiviertes Verb verbunden und würde im neuhochdeutschen als das „Widerkehren“ zusammen geschrieben werden. Man verwendet hier ein Substantiv um die Aufzählung verständlicher zu machen, bei der so in jedem Vers ein Substantiv vorkommt, welches etwas zur Trauer des Iwein beiträgt.

[4] Das Präfix en- ist im Allgemeinen eine Negation des darauffolgendes Verbs und darum werden hier die zwei Verben jeweils mit „nicht-“ übersetzt.

[5] Das Pronomen „Sie“ wird bei der Übersetzung zum besseren Verständnis eingesetzt. Oftmals wird bei mittelhochdeutschen Texten das Pronomen weggelassen, wenn es sich aus dem Kontext erschließt. Da es hier nicht ganz eindeutig ist, wurde es bei der Übersetzung hinzugefügt.

[6] Die ergänzende Übersetzung von „ die “ auf „dies alles“ ist eine logische Ergänzung, da eine einfache Übersetzung mit „die“ oder „dieses“ den Schluss zulassen würde, dass sich das Relativpronomen nur auf den vorausgehenden Vers bezieht. Allerdings ist „ die “ im Mittelhochdeuten hier ein Pronomen für die gesamte Aufzählung vorher.

[7] Der Ritter beschreibt hier im mittelhochdeutschen Text, dass er seine Schuld „ ûf“ niemand anders „ge sagen“ „mohte“. Dies kann einerseits als ritterlicher Akt gesehen werden, da er die ganze Schuld auf sich selbst nimmt und es gar nicht anders wollte, andererseits trägt er allein auch die Schuld an seinem Versagen und da dadurch seine Qual noch größer wird, ist hier die Übersetzung, dass er es nicht „vermochte“, also nicht konnte, sinnvoller um seinen Zustand zu erklären.

[8] Die Satzkonstruktion funktioniert hier ohne den Vers, der in der Klammer steht. Iwein schleicht sich davon, bis er vor die Zelte kommt, die um den Arthushof herum ,aufgrund des Zusammentreffens, aufgebaut sind, was immer ein größeres Ereignis darstellt und zu dem auch mehr Menschen anreisen als nur die Betroffenen. Der Vers in der Klammer ist eine genauere Beschreibung des „Davonstehlens“. Er verdeutlicht nochmal, dass Iwein absolut nicht bemerkt wird.

[9] Mittelhochdeutsche Grammatik, Paul (S. 462)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Übersetzung und Grammatikalische Analyse Hartmann von Aue: Iwein
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V177447
ISBN (eBook)
9783640991006
ISBN (Buch)
9783640991211
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grammatikalische, analyse, hartmann, iwein
Arbeit zitieren
Jan Heemann (Autor), 2010, Übersetzung und Grammatikalische Analyse Hartmann von Aue: Iwein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177447

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