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E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann'. Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn

Title: E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann'. Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn

Seminar Paper , 2000 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Emily Mühlfeld (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

[...] Sie verleiht der Geschichte die gruselige Stimmung. Coppelius/Coppola erscheint als eine dunkle Macht; ob er jedoch wirklich der von Nathanael so gefürchtete Sandmann ist, bleibt ungeklärt. Dadurch, dass der Leser die Geschichte nur aus der Sicht von Nathanael erzählt bekommt, fühlt er seine Angst mit. Er kann jedoch nicht wissen, ob Nathanael als Wahnsinniger sich in seiner Geistesgestörtheit den Sandmann nur einbildet, oder ob dieser wirklich existent und nur für die anderen fiktiven Personen nicht sichtbar ist.3 Die Thematik des Unheimlichen behandelte Sigmund Freud in seinem gleichnamigen Aufsatz (s. u.). Danach wurde “Der Sandmann” zum meist-interpretierten Werk Hoffmanns. Kaiser bezeichnet das Stück als im “Perspektivismus und im traumartigen Übergang von figürlichmetaphorischer und gegenständlich-ereignishafter Rede das vielleicht radikalste Erzählexperiment (...)”4 Hoffmanns. Tatsächlich ist dies auch der Haupt-Ansatzpunkt vieler Interpretationen.
Nathanael als subjektiver Erzähler und später der Herausgeber, der aus Nathanaels Sicht erzählt, lassen für den Leser keine objektive Beurteilung der Geschehnisse zu. Der Gegensatz zwischen Nathanael als einem möglicherweise wahnsinnigen Protagonisten und Clara und der Außenwelt als fiktive Personen, die Nathanaels Erlebnisse realistisch und nüchtern betrachten wird von Hoffmann im “Sandmann” geradezu perfekt ausgearbeitet. Gerade diese Tatsache steigert das Unheimliche im “Sandmann”, der deshalb als exemplarisch für die so genannten “Nachstücke” zu Hoffmanns Zeit gelten kann. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Augenmotiv, einem Thema, das sehr oft untersucht wurde.
Trotz der vielen Abhandlungen zu Hoffmanns Augenmotiv im “Sandmann” habe ich versucht, eigenständig zu arbeiten und die Sekundärliteratur vor allem als Unterstützung für meine eigenen Thesen einzusetzen. Die Arbeit beschäftigt sich zuerst mit der wohl wichtigsten Literatur zum “Sandmann”, dann wird die Funktion der Augen als charakterisierendes Mittel dargestellt.
Auch die Rolle der Augen bei der Entwicklung des Wahnsinns in Nathanel habe ich berücksichtigt und untersucht. Als Abschluss dient eine kurze Überlegung darüber, inwieweit Hoffmann optische Geräte als Ergänzung des Augenmotivs dazu benutzt, die Technik-Gläubigkeit seiner Zeit zu kritisieren.

4 Kaiser, Gerhard: E. T. A. Hoffmann. Stuttgart: Metzler 1988 (= Sammlung Metzler 243). S. 54.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Der Sandmann - ein Nachtstück

2 Interpretation Sigmund Freuds

3 Das Augenmotiv

3.1 Der Mythos “Auge”

3.2 Das Augenmotiv zu Hoffmanns Zeit

4 Augen als Mittel zur Charakterisierung

4.1 Coppelius/Coppola

4.2 Clara

4.3 Olimpia

4.4 Nathanael

5 Augen als das Mittel, das zum Wahnsinn bei Nathanael führt

5.1 Augen im Märchen der Amme

5.2 Augen in der Laborszene

5.3 Nathanaels Dichtung über seine Vorahnungen

5.4 Der Kauf und das Erproben des Perspektivs

5.5 Die Rolle der Augen bei der Liebe zu Olimpia

5.6 Die Rolle der Augen bei den beiden Wahnsinnsanfällen

5.6.1 Der erste Wahnsinnsanfall

5.6.2 Der zweite Wahnsinnsanfall

6 Optische Geräte als Kritik an der Technik-Gläubigkeit zu Hoffmanns Zeit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Augen in E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. Dabei wird analysiert, inwiefern dieses Motiv als charakterisierendes Element fungiert, wie es maßgeblich zur Entwicklung von Nathanaels Wahnsinn beiträgt und in welcher Weise optische Geräte als Kritik an der zeitgenössischen Technik-Gläubigkeit eingesetzt werden.

  • Die psychoanalytische Bedeutung des Augenmotivs im Kontext der Kastrationsangst.
  • Die Funktion der Augen als Mittel zur Charakterisierung der Protagonisten.
  • Die Verbindung zwischen dem Augenmotiv und Nathanaels psychischem Verfall.
  • Die Rolle optischer Instrumente als kritische Reflexion der Romantik.

Auszug aus dem Buch

4.1 Coppelius/Coppola

„Denke Dir einen großen, breitschultrigen Mann mit einem unförmlich dicken Kopf, erdgelbem Gesicht, buschigten grauen Augenbrauen, unter denen ein paar grünliche Katzenaugen stechend hervorfunkeln.“ (S. 7)

So beschreibt Nathanael Coppelius in seinem Brief an Lothar. Buschige Augenbrauen galten zu Hoffmanns Zeit als ein Zeichen für den „bösen Blick“. Die Beschreibung des Coppelius drückt aber auch ohne dieses Hintergrundwissen schon aus, dass er eine dunkle Gestalt ist. Die dunkle Macht, die er als Sandmann in Nathanaels Augen hat, spiegelt sich in allen seinen Handlungen wider. Nicht nur in der Laborszene, wo Coppelius Nathanaels Augen fordert, beschwört er in dem Jungen Angst hervor. Auch in der Nacht, als Nathanaels Vater stirbt, sieht er Coppelius immer vor sich: „Coppelius stand vor mir mit funkelnden Augen und lachte mich hämisch an, vergebens trachtete ich sein Bild los zu werden.“ (S. 11)

Coppolas Ähnlichkeit mit dem Advokaten aus Nathanaels Kindertagen wird im Brief an Lothar zunächst nur von Nathanael beschrieben. Figur und Gesichtszüge des piemontesischen Mechanikus erinnern an Coppelius, schreibt Nathanael. Doch später, als Coppola dem Studenten Brillen verkaufen will, werden die Augen genauso beschrieben, wie sie Nathanael in der Mordnacht vor sich gesehen hatte: Er redet, „indem (...) die kleinen Augen unter den grauen langen Wimpern stechend hervorfunkelten.“ (S. 26) Dies ist zwar ebenfalls eine Beschreibung aus Nathanaels Sicht, doch kann man so verstehen, weshalb er Angst bekommt, als ihn die Brillen anstarren und er sich gleichzeitig an den Sandmann erinnert fühlt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Der Sandmann - ein Nachtstück: Einführung in das literarische Genre des Nachtstücks und Einordnung des Werkes als Hoffmanns erstes Exemplar dieser Gattung.

2 Interpretation Sigmund Freuds: Analyse von Freuds psychoanalytischer Deutung, insbesondere der Verknüpfung von Augenangst und Kastrationskomplex.

3 Das Augenmotiv: Untersuchung der herausragenden Bedeutung des Augenmotivs und seiner mythologischen sowie romantischen Hintergründe.

4 Augen als Mittel zur Charakterisierung: Darstellung der Augen als Spiegel der Seele zur individuellen Charakterisierung von Coppelius, Clara, Olimpia und Nathanael.

5 Augen als das Mittel, das zum Wahnsinn bei Nathanael führt: Erläuterung, wie das Augenmotiv als Auslöser für Nathanaels Kindheitsängste und seine späteren Wahnsinnsanfälle wirkt.

6 Optische Geräte als Kritik an der Technik-Gläubigkeit zu Hoffmanns Zeit: Betrachtung der Rolle optischer Instrumente als Symbol für die Gefahren einer rein technisierten Sichtweise.

Schlüsselwörter

E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann, Augenmotiv, Wahnsinn, Sigmund Freud, Unheimliches, Charakterisierung, Optische Geräte, Romantik, Perspektiv, Coppelius, Kastrationsangst, Nathanael, Olimpia, Technik-Kritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle des Augenmotivs in E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und dessen Einfluss auf die Charakterentwicklung und den geistigen Verfall des Protagonisten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die psychoanalytische Deutung, das Augenmotiv im mythologischen Kontext, die Charakterisierung der Figuren durch ihre Augen sowie die Kritik an optischen Hilfsmitteln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hoffmann das Augenmotiv als strukturelles und inhaltliches Element nutzt, um Nathanaels Wahnsinn sowie die Wirkung der Geschichte auf den Leser zu steuern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Interpretation, die Sekundärliteratur (insbesondere Freud) mit einer textnahen Analyse des Augenmotivs verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Augenmotivs als Charakterisierungsmittel, dessen Rolle beim psychischen Zusammenbruch des Protagonisten sowie die Analyse optischer Geräte.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Augenmotiv, Unheimliches, Wahnsinn, Perspektiv, Kastrationsangst, Coppelius/Coppola und Technik-Kritik.

Warum spielt das „Perspektiv“ eine solch zentrale Rolle?

Das Perspektiv fungiert als einäugiges Instrument, das Nathanaels Wahrnehmung einschränkt und ihn – im Gegensatz zum dreidimensionalen Sehen – in einer subjektiven, manipulierten Realität gefangen hält.

Wie unterscheidet sich die Interpretation von Coppelius und Coppola?

Die Arbeit zeigt auf, wie Nathanael den piemontesischen Mechanikus Coppola mit der Schreckgestalt Coppelius identifiziert, was den Prozess seines Wahnsinns maßgeblich vorantreibt.

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Details

Title
E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann'. Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Proseminar: Einführung in die psychoanalytische Literaturinterpretation
Grade
1,7
Author
Emily Mühlfeld (Author)
Publication Year
2000
Pages
22
Catalog Number
V17744
ISBN (eBook)
9783638222389
Language
German
Tags
Hoffmanns Sandmann Augenmotiv Erzählung Mythos Augen Mittel Charakterisierung Grund Nathanaels Wahnsinn Proseminar Einführung Literaturinterpretation Thema Der Sandmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Emily Mühlfeld (Author), 2000, E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann'. Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17744
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