Die Rechnungslegung nach IFRS und HGB fördert bzw. ermöglicht eine Konvergenz des internen und externen Rechnungswesens. Dabei stellt sich die Rechnungslegung nach IFRS als die geeignetere Variante zur Erreichung einer Konvergenz heraus. Das Harmonisierungspotenzial der IFRS sowie die daraus resultierenden Wirkungen auf das Controlling werden besonders in Bereichen wie Segmentberichterstattung, Goodwill Impairment Test, Langfristige Fertigungsaufträge und den selbst erstellten immateriellen Vermögensgegen-ständen deutlich. Wobei auch die Aktivierung der selbst erstellten immateriellen Vermögens-gegenstände durch das BilMoG als Wahlrecht in das HGB eingeführt wurde und deshalb ebenfalls in diesem Bereich zur Förderung einer Konvergenz beiträgt.
Das Controlling wird immer mehr zum Informationsdienstleister für die externe Rechnungslegung und muss daher auch Anpassungen und Erweiterungen in den Vorsystemen vornehmen. Deutlich wird dies vor allem bei der Segmentberichterstattung und beim Goodwill Impairment Test.
In diesem Zusammenhang müssen die Controller ein adäquates Wissen auf dem Gebiet der Rechnungslegung aufweisen, d.h. die Qualifikationsanforderungen an das Controlling steigen durch die zunehmende Konvergenz im Rechnungswesen. Durch die steigenden Qualifikationsanforderungen ist es sinnvoll eine Kooperation zwischen Controlling und Bilanzierung zu erreichen bzw. eine organisatorische Integration der beiden Bereiche anzustreben, jedoch ist hierbei die unternehmensindividuelle Situation ausschlaggebend.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Unterscheidung von internem und externem Rechnungswesen
3 Merkmale des Controllings
4 Überblick über die Gründe und die Entwicklung der Konvergenz
4.1 Begriffsdefinition Konvergenz
4.2 Konvergenzfelder
5 Wirkungen der Konvergenz auf das Controlling
5.1 Überblick
5.2 Veränderte Aufgaben und Instrumente
5.2.1 Management Approach
5.2.1.1 Definition
5.2.1.2 Segmentberichterstattung
5.2.1.3 Goodwill Impairment Test
5.2.2 Projektcontrolling
5.2.2.1 Selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte
5.2.2.2 Langfristige Fertigungsaufträge
5.3 Qualifikationsanforderungen an das Controlling
5.4 Organisation des Controllings
6 Möglichkeiten und Grenzen der Konvergenz
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der zunehmenden Annäherung (Konvergenz) von internem und externem Rechnungswesen auf die Aufgaben, Instrumente, Qualifikationsanforderungen und die Organisation des Controllings im Unternehmen unter Berücksichtigung von IFRS und BilMoG.
- Analyse der Treiber für die Konvergenz von internem und externem Rechnungswesen.
- Untersuchung veränderter Controlling-Instrumente wie Management Approach und Projektcontrolling.
- Evaluierung der Anforderungen an die Controller-Qualifikation in einem konvergenten Rechnungswesen.
- Diskussion organisatorischer Anpassungen der Controlling-Strukturen.
- Kritische Würdigung der Möglichkeiten und Grenzen einer vollständigen Integration.
Auszug aus dem Buch
5.2.1.3 Goodwill Impairment Test
Zunächst gilt es zu klären, wie der Goodwill definiert ist. Mit dem Goodwill ist sowohl in der IFRS-Rechnungslegung als auch in der Bilanzierung nach dem HGB der derivative Geschäfts- oder Firmenwert gemeint. Nach dem HGB ergibt sich der derivative Goodwill bei tatsächlichem Erwerb des Unternehmens, d. h. bei der Ermittlung des derivativen Goodwills sind auch die stillen Reserven und Lasten mit einzuberechnen.
Nach folgendem Berechnungsschema wird der derivative Geschäfts- oder Firmenwert nach HGB ermittelt:
Kaufpreis des Unternehmens
- Aktueller Wert der Vermögensgegenstände bei Übernahme des Unternehmens
+ Schulden bei der Übernahme des Unternehmens
= Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert
Bei der Bilanzierung nach IFRS wird der Kaufpreis durch die Kaufpreisallokation auf die verschiedenen Vermögenswerte, Schulden und den Goodwill aufgeteilt. Ist der Kaufpreis höher als die Fair Values der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden, so ist die Restgröße als Goodwill zu aktivieren. In den IFRS wird der derivative Goodwill als der künftige wirtschaftliche Nutzen aus Vermögenswerten, die nicht einzeln identifiziert und separat angesetzt werden können definiert. Auch aus der Kaufpreisallokation des Goodwills ergeben sich Auswirkungen auf das Controlling, welche hier aber nicht näher betrachtet werden.
Durch das Projekt „Business Combinations“ sind die planmäßigen Abschreibungen des/der Goodwills abgeschafft worden. Aufgrund dessen muss nun jährlich, unter Berücksichtigung des Stetigkeitsgebots, für den aktivierten derivativen Goodwill ein Impairment Test durchgeführt werden, um die Werthaltigkeit des Vermögensgegenstandes festzustellen. Des Weiteren muss der Goodwill einem Impairment Test unterzogen werden, wenn ein besonderer Anhaltspunkt vorliegt. Diese Anhaltspunkte (Triggering Events) werden nach internen und externen Indikatoren unterschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Konvergenz von internem und externem Rechnungswesen ein und erläutert den Gang der Untersuchung.
2 Unterscheidung von internem und externem Rechnungswesen: Dieses Kapitel definiert die zwei Teilbereiche des Rechnungswesens und stellt deren unterschiedliche Zielsetzungen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen gegenüber.
3 Merkmale des Controllings: Hier werden Definitionen und Aufgabenfelder des Controllings sowie dessen Rolle im Unternehmen erläutert, wobei insbesondere die Perspektive der IGC eingenommen wird.
4 Überblick über die Gründe und die Entwicklung der Konvergenz: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen für die Konvergenzdiskussion und definiert zentrale Begriffe sowie die in der Praxis relevanten Konvergenzfelder.
5 Wirkungen der Konvergenz auf das Controlling: Der Hauptteil der Arbeit untersucht detailliert, wie Konvergenz die Controlling-Instrumente, Qualifikationsanforderungen und die Organisation des Controllings beeinflusst.
6 Möglichkeiten und Grenzen der Konvergenz: In diesem Kapitel werden kritisch die Voraussetzungen für eine Integration des Rechnungswesens sowie die Grenzen einer solchen Entwicklung diskutiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Auswirkungen der Konvergenz auf das Controlling zusammen und gibt einen Ausblick auf die notwendigen Anpassungen in der Controlling-Praxis.
Schlüsselwörter
Konvergenz, internes Rechnungswesen, externes Rechnungswesen, Controlling, IFRS, BilMoG, Management Approach, Projektcontrolling, Segmentberichterstattung, Goodwill Impairment Test, Teilgewinnrealisierung, Controller-Qualifikation, Unternehmenssteuerung, Finanzberichterstattung, Harmonisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Trend zur Angleichung (Konvergenz) von internem und externem Rechnungswesen in Deutschland und analysiert, welche Auswirkungen dieser Prozess auf die Rolle, Aufgaben und Struktur des Controllings hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Rechnungswesens, die Einflussnahme durch IFRS und das BilMoG auf die Controlling-Instrumente sowie die daraus resultierenden neuen Herausforderungen für Controller.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Konvergenz auf die Unternehmenssteuerung auswirkt und inwieweit das Controlling seine Rolle als Informationsdienstleister unter geänderten Rahmenbedingungen anpassen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse. Es werden diverse Controlling-Konzepte und die Auswirkungen gesetzlicher Änderungen (wie BilMoG und IFRS) kritisch ausgewertet, ergänzt durch Praxisbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Instrumente (z. B. Management Approach, Projektcontrolling, Goodwill Impairment Test), diskutiert veränderte Qualifikationsanforderungen an das Controlling und beleuchtet organisatorische Ansätze zur Integration der Bereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Konvergenz, internes und externes Rechnungswesen, Controlling, IFRS, BilMoG, Management Approach und Projektcontrolling.
Wie verändert der "Management Approach" die Arbeit des Controllers?
Der Controller agiert stärker als Informationsdienstleister für externe Adressaten, da interne Steuerungsgrößen direkt in die externe Rechnungslegung übernommen werden, was eine hohe Datenqualität und methodische Übereinstimmung erfordert.
Warum spielt die Qualifikation für Controller eine zunehmende Rolle?
Da sich die beiden Rechnungswesen annähern und Controller zunehmend IFRS-konforme Daten für die interne Steuerung aufbereiten müssen, ist fundiertes Wissen über externe Bilanzierungsregeln unabdingbar geworden.
Sind die Ergebnisse zur organisatorischen Zusammenlegung allgemeingültig?
Nein, der Autor betont, dass es keine universelle Lösung gibt, da die Organisation des Controllings stark von unternehmensindividuellen Faktoren und dem spezifischen Grad der angestrebten Konvergenz abhängt.
- Arbeit zitieren
- Tobias Niess (Autor:in), 2011, Wirkungen der Konvergenz von internem und externem Rechnungswesen auf die Rolle des Controllings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177502