Ausländische Direktinvestitionen

Entwicklung, Klassifikation und Relevanz


Hausarbeit, 2011
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Kartenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegende Aspekte ausländischer Direktinvestitionen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Hauptakteure – transnationale Unternehmen
2.3 Formen und Klassifikation ausländischer Direktinvestitionen

3 Motive des Internationalisierungsprozesses

4 Bedeutung und Relevanz für die Zielländer

5 Entwicklung der Ausländischen Direktinvestitionen
5.1 Allgemeine Entwicklungen
5.2 Sektorale Verteilung der FDIs
5.3 Regionale Verteilung der FDIs

6 Fazit und Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Kartenverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Direktinvestitionen, der Produktion und des Exportes seit 1970 - Indexdarstellung

Abbildung 2: Formen der ausländischen Direktinvestitionen

Abbildung 3: Entwicklung des weltweiten FDI-Bestandes 1980 bis 2009

Abbildung 4: sektorale Verteilung der M&As mit einem Wert von über 1 Mrd. US-Dollar

Abbildung 5: FDI-outflows der BRIC-Staaten 1990, 2000 und 2008

Abbildung 6: Anzahl der weltweit existierenden transnationalen Unternehmen und Anteil der Industrieländer am Gesamtunternehmensbestand Karte 1: Verteilung der Ausländischen Direktinvestitionsbestände im Ausland 1980 Karte 2: Verteilung der Ausländischen Direktinvestitionsbestände im Ausland 2009

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den letzten 60 Jahren hat sich das Weltwirtschaftssystem grundlegend geändert. Heute sind Unternehmen stärker denn je ökonomisch verflochten und immer unabhängiger von räumlichen Entfernungen. Durch den Abbau von Handelshemmnissen[1] und der Einführung von Innovationen im Transport- und Kommunikationsbereich sowie die sich daraus ergebende steigende Mobilität von Menschen, Gütern und Kapital erweiterten Unternehmen ihren Aktionsraum über die nationalstaatlichen Grenzen hinweg und ermöglichten so „[…] eine neuartige Fragmentierbarkeit der Wertschöpfung“ (Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009, S. S. 79). Vor allem ab den 1970er Jahren ist eine immer stärkere internationale Verflechtung der Wirtschaft, welche unter dem Begriff der „Globalisierung“ zusammengefasst wird, zu beobachten (Schenk & Schliephake, 2005). Neben den eigentlichen ökonomischen Aspekten, wie dem Anstieg der Produktionsmenge oder der Ausweitung des internationalen Handels, betraf dieser Internationalisierungsprozess ebenso die Investitionstätigkeiten. Einen wichtigen Anteil an dieser Zunahme haben dabei die so genannten „ausländischen Direktinvestitionen“ (engl. foreign direct investment, kurz FDI), die zwar nur einen Teil der globalen Kapitalströme ausmachen, denen aber dabei der größte Einfluss auf den „[…] langfristigen raumwirtschaftlichen Strukturwandel […]“ (Schätzl, 2000, S. 190) zugesprochen wird. Auch Herod (2009) argumentiert, dass es zwar neben den ausländischen Direktinvestitionen noch weitere wichtige Investitionsarten gibt, aber durch ihre „[…] multi-locationality and ability to transform“ (Herod, 2009, S. 142) kommt den FDIs eine enorm wichtige Stellung in der Weltwirtschaft zu.

Durch ihre steigende Bedeutung rückten FDIs immer mehr in den Blickpunkt des wirtschaftlichen, politischen und öffentlichen Interesses. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre übersteigt das Wachstum der FDIs jene des Welthandels und der Weltproduktion (vgl. Abbildung 1) und gilt seitdem als die „[…] dynamischste Komponente im Globalisierungsprozess“ (Schätzl, 2000, S. 193).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung der Direktinvestitionen, der Produktion und des Exportes seit 1970 - Indexdarstellung (Quelle: eigene Darstellung nach Daten von Schätzl 2000, S. 125 Tab. 3.21)

Im Rahmen dieser Arbeit wird sich der Thematik der ausländischen Direktinvestitionen im Detail angenommen. Dafür wird zunächst auf die grundlegenden Charakteristika der ausländischen Direktinvestitionen eingegangen. Dies beinhaltet die Vorstellung einer Definition des Begriffes, die verschiedenen Formen und Klassifikation der FDIs sowie jener Akteursgruppe, die einen Großteil der FDIs tätigen, die so genannten transnationalen Unternehmen (TNUs). Im zweiten Kapitel stehen die Motive der TNUs im Bezug auf die Tätigung von FDIs im Mittelpunkt. Im Anschluss werden im dritten Kapitel aus der „gegenüberliegenden“ Perspektive die Bedeutung und erhofften Wirkungen in den Zielländern der Investitionen dargestellt. Welche Entwicklungen sich hinsichtlich der ausländischen Direktinvestitionen in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben, wird im vorletzten Kapitel vorgenommen. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einem Fazit und einer anschließenden Zusammenfassung.

2 Grundlegende Aspekte ausländischer Direktinvestitionen

2.1 Begriffsklärung

Für den Einstieg in die Thematik wird zunächst der Begriff der ausländischen Direktinvestition definitorisch abgegrenzt. Im Allgemeinen handelt es sich bei diesen Investitionen um einen Teil der internationalen Kapitalströme, die sich neben den FDIs aus privaten Darlehen, Portfolio-Investitionen, Übertragungen und öffentlichen Mitteln zusammensetzen (Schätzl, 2000; Krugman & Obstfeld, 2006). In der wissenschaftlichen Literatur findet sich eine Vielzahl von Ansätzen bezüglich einer Definition des Begriffes. Einige Ansätze sind dabei zum Teil zu allgemein gehalten, da sie unter ausländischen Direktinvestitionen „sämtliche Investitionen privater Firmen in ausländischen Unternehmungen“ (Knox & Marston, 2001, S. 362) verstehen. Hinsichtlich einer detaillierten Definition wird zunächst Bezug auf den Begriff der Direktinvestition genommen, die als „[…] an investment by one firm in another, with the intention of gaining a degree of control over that firm´s operations” (Dicken, 2007, S. 36) abgegrenzt wird. Für die Definition der ausländischen Direktinvestitionen wird dieser Ansatz dahingehend erweitert, dass die Investition über eine nationale Grenze hinweg getätigt wird (Dicken, 2007). Generell wird sich in den meisten Fällen der Abgrenzungsversuche auf die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Internationalen Währungsfonds (IMF) gemeinsam entwickelte Konzeption des Begriffes ausländische Direktinvestitionen bezogen (Gast, 2006):

„Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy […] in an entity resident in an economy other than that of the investor […]” (OECD, 2008, S. 7). Das entscheidende Merkmal der FDI ist das Ausüben von langfristigem Einfluss und somit „[…] the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence in the management of the enterprise” (OECD, 2008, S. 7f).

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass es sich bei ausländischen Direktinvestitionen um dauerhaft angelegte Investitionen eines Unternehmens (Investor) in einem anderen Land als dem des Hauptsitzes des Investors handelt, bei der es zur Gründung eines neuen Unternehmens oder zur Übernahme eines dort ansässigen Unternehmens kommt. Der ausschlaggebende Punkt, der die FDIs von anderen Investitionsarten abgrenzt, ist der Aspekt der Übernahme von Kontrolle. Im Gegensatz zu den Portfolio-Investitionen, die nur zum Zweck der kurz- bzw. mittelfristigen Renditeerfüllung getätigt werden und nicht primär das Ziel der Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeiten und Unternehmenspolitik hat, sind FDIs langfristige strategische Investitionen, d.h. es impliziert, dass der Investor eine wirkungsvolle Einflussnahme auf die Geschäftsführung hat. In den internationalen Statistiken hat sich als „kritischer Wert“ eine Mindestbeteiligung von 10 Prozent durchgesetzt, da erst in diesem Zusammenhang eine Machtausübung innerhalb des Unternehmens möglich ist (Schätzl, 2000; Dicken, 2007; Arndt & Mattes, 2008; Gast, 2006; Krugman & Obstfeld, 2006; Haas & Neumair, 2007).

2.2 Hauptakteure – transnationale Unternehmen

Beschäftigt man sich mit der Entwicklung von FDIs muss man sich ebenso mit der Entwicklung der transnationalen Unternehmen auseinandersetzen. Unter einem transnationalen Unternehmen versteht man „[…] a firm that has the power to coordinate and control operations in more than one country, even if it does not own them” (Dicken, 2007, S. 106). Es handelt sich somit um Unternehmen, die eine global ausgerichtete Unternehmensstrategie verfolgen, somit weltweit agieren und Tochtergesellschaften sowie Zweigbetriebe im Ausland besitzen. Die Geschichte dieser Unternehmen ist deutlich älter als die des Globalisierungsprozesses. Eines der frühsten Beispiele sind Adelsfamilien, die bereits im 14. Jahrhundert grenzüberschreitenden Handel betrieben und im Bankgeschäft aktiv waren, sowie eigene Bergwerke im Ausland besaßen, welche, lässt man die genaueren Hintergründe außer Betracht, durchaus als eine Art der ausländischen Direktinvestition anzusehen sind (Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009). Eines der (vermutlich) ersten tatsächlichen TNU war die British East India Company (EIC), die u.a. Handelsstationen in Indien errichtete. Ausländische Direktinvestitionen im Bereich der Produktion haben ebenso eine lange Geschichte. Bereits weit vor dem ersten Weltkrieg agierten britische Unternehmen international und tätigten Investitionen im Ausland, bspw. baute und kaufte das Unternehmen Unilever in den 1890er Jahren Seifenfabriken in Übersee (Herod, 2009). So waren es zunächst vor allem englische Unternehmen, die Auslandsniederlassungen in Europa, China und den USA gründeten und sich so eine Vormachtstellung schufen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts traten erstmals deutsche Unternehmen hinsichtlich der ausländischen Gründungsaktivitäten in Erscheinung. Unternehmen, wie Bayer, BASF, AEG und Siemens gründeten erste ausländische Tochtergesellschaften (Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009).

Die Zahl der TNUs ist in den letzten drei Jahrzehnten exponentiell angestiegen. Aktuell gibt es rund 82.000 transnationale Unternehmen mit rund 800.000 Tochtergesellschaften (UNCTAD, 2010). Im Vergleich zur Gesamtzahl der weltweiten Unternehmen ist das nur ein verschwindend geringer Teil, allerdings ist ein Großteil dieser Unternehmen im Gegensatz zu den TNUs klein und nur lokal orientiert (Dicken, 2007). Die enorme Bedeutung der transnationalen Unternehmen in der globalen Wirtschaft ergibt sich aus verschiedenen Aspekten. Neben einem hohen Anteil am Weltexport und enormen Umsätzen, wird durch die TNUs ein Großteil der FDIs getätigt, wodurch sie heute als Hauptakteure im Globalisierungsprozess gelten (Arndt & Mattes, 2008; Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009; Haas & Neumair, 2007).

Welche genauen Motive mit der Tätigung von ausländischen Direktinvestitionen durch ein TNU verfolgt werden, wird im dritten Kapitel genauer beleuchtet. Zunächst wird sich den verschiedenen Formen und Klassifikationsmöglichkeiten der FDIs zugewendet.

2.3 Formen und Klassifikation ausländischer Direktinvestitionen

Nach der Klärung der Fragen, was unter FDIs zu verstehen ist und wer diese tätigt, soll nun aufgezeigt werden, in welcher Form ein transnationales Unternehmen im Ausland investiert. Unter Verwendung der oben aufgeführten Definition lassen sich dabei verschiedene Formen ausländischer Direktinvestitionen unterscheiden (vgl. Abbildung 2):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Formen der ausländischen Direktinvestitionen (Quelle: eigene Darstellung)

Eine ursprüngliche Form der ausländischen Direktinvestitionen besteht in der Neugründung von Tochterunternehmen oder Zweigbetrieben im Ausland. Diese Form wird als so genannte „greenfield investment“ bezeichnet. Die Errichtung einer Tochtergesellschaft erfordert dabei einen Kapitaleinsatz von 100 Prozent durch das Mutterunternehmen. Der wichtige Aspekt der „Kontrollübernahme“ stellt sich bei dieser Form erst gar nicht, da ein neugegründetes Unternehmen vollständig in die unternehmerische Struktur der Muttergesellschaft integriert ist (Schätzl, 2000; Haas & Neumair, 2007).

Allerdings lässt sich ein Tochterunternehmen ebenso durch den Erwerb von Anteilen eines im Ausland bereits bestehenden Unternehmens gründen. Gemäß definitorischer Abgrenzung und dem ausschlaggebenden Aspekt der Kontrollübernahme, muss dabei eine Mindestbeteiligung von 10 Prozent vorliegen. Dies bezeichnet man als so genannte „brownfield investment“. Eine weitere Differenzierung dieser Form ist an Hand der Beteiligungshöhe möglich. Bis zu einem Anteil von bis zu 50 Prozent spricht man in solchen Fällen von angegliederten Unternehmen („associate company“), alle Beteiligungen über 50 Prozent zählen als echte Tochtergesellschaften („subsidiary company“). Diese Investitionsform der Übernahme eines bestehenden ausländischen Unternehmens bzw. einer Fusion mit einem solchen Unternehmen, kurz M&A (aus dem englischen „Mergers & Acquisitions“), hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Mit FDIs werden häufig Neuansiedlungen im Sinne der greenfield-Investitionen verbunden. Tatsächlich hat diese Form seit Anfang der 1980er Jahre sehr stark an Bedeutung verloren. Waren es in der „Frühzeit“ noch vorwiegend greenfield-Investments, u.a. im Rohstoffbereich, wurden FDIs ab den 1980er Jahren vermehrt über M&As getätigt. Bereits 1997 erfolgten 58 Prozent der FDIs in Form der M&As (Schätzl, 2000). Gerade die letzte große Wachstumsperiode Anfang der 2000er, welche im letzten Kapitel noch dargestellt wird, ist vor allem auf Mega-Fusionen bzw. Mega-Akquisitionen[2] zurückzuführen. Regelmäßig ziehen diese die mediale Aufmerksamkeit auf sich und beeinflussen auch die internationalen Finanzmärkte (Haas & Neumair, 2007). Problematisch ist dabei, dass mit dieser Form nicht unbedingt eine tatsächliche Investition vorgenommen werden muss und somit bspw. neue Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern dass sich lediglich die Besitzverhältnisse ändern (Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009; Gast, 2006; Schätzl, 2000).

[...]


[1] Vor allem in Folge der GATT-Verhandlungsrunden und dem fortschreitenden Liberalisierungsbestreben der 1991 gegründeten Welthandelsorganisation (WTO). Die im Vorfeld des zweiten Weltkrieges stark gestiegenen Handelshemmnisse, u.a. durch den so genannte Smoot-Hawley-Tariff-Act der USA, in Folge dessen Importzölle auf ein historisches Hoch von bis zu 50 Prozent anstiegen, wurden schrittweise abgebaut. Gleichermaßen wurden nichttarifäre Handelshemmnisse im Zuge der Gründung der WTO erstmals rechtliche Gegenmaßen entgegen gestellt.

[2] U.a. die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone oder die Fusion von Daimler und Chrysler.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ausländische Direktinvestitionen
Untertitel
Entwicklung, Klassifikation und Relevanz
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geowissenschaften )
Veranstaltung
Internationale Wirtschaftsräume II
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V177573
ISBN (eBook)
9783640993130
ISBN (Buch)
9783640993338
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FDI, Direktinvestitionen, Ausländische Direktinvestitionen, TNU, Transnationale Unternehmen, Mutlinationale Unternehmen, Investitionen, Globalisierung, Greenfield-Invesments, USA, BRIC, Investitionsmotive
Arbeit zitieren
B.Sc. Marcel Demuth (Autor), 2011, Ausländische Direktinvestitionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177573

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ausländische Direktinvestitionen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden