In den letzten 60 Jahren hat sich das Weltwirtschaftssystem grundlegend geändert. Heute sind Unternehmen stärker denn je ökonomisch verflochten und immer unabhängiger von räumlichen Entfernungen. Durch den Abbau von Handelshemmnissen und der Einführung von Innovationen im Transport- und Kommunikationsbereich sowie die sich daraus ergebende steigende Mobilität von Menschen, Gütern und Kapital erweiterten Unternehmen ihren Aktionsraum über die nationalstaatlichen Grenzen hinweg und ermöglichten so „[…] eine neuartige Fragmentierbarkeit der Wertschöpfung“ (Haas, Neumair, & Schlesinger, 2009, S. S. 79). Vor allem ab den 1970er Jahren ist eine immer stärkere internationale Verflechtung der Wirtschaft, welche unter dem Begriff der „Globalisierung“ zusammengefasst wird, zu beobachten (Schenk & Schliephake, 2005). Neben den eigentlichen ökonomischen Aspekten, wie dem Anstieg der Produktionsmenge oder der Ausweitung des internationalen Handels, betraf dieser Internationalisierungsprozess ebenso die Investitionstätigkeiten. Einen wichtigen Anteil an dieser Zunahme haben dabei die so genannten „ausländischen Direktinvestitionen“ (engl. foreign direct investment, kurz FDI), die zwar nur einen Teil der globalen Kapitalströme ausmachen, denen aber dabei der größte Einfluss auf den „[…] langfristigen raumwirtschaftlichen Strukturwandel […]“ (Schätzl, 2000, S. 190) zugesprochen wird. Auch Herod (2009) argumentiert, dass es zwar neben den ausländischen Direktinvestitionen noch weitere wichtige Investitionsarten gibt, aber durch ihre „[…] multi-locationality and ability to transform“ (Herod, 2009, S. 142) kommt den FDIs eine enorm wichtige Stellung in der Weltwirtschaft zu.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Aspekte ausländischer Direktinvestitionen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Hauptakteure – transnationale Unternehmen
2.3 Formen und Klassifikation ausländischer Direktinvestitionen
3 Motive des Internationalisierungsprozesses
4 Bedeutung und Relevanz für die Zielländer
5 Entwicklung der Ausländischen Direktinvestitionen
5.1 Allgemeine Entwicklungen
5.2 Sektorale Verteilung der FDIs
5.3 Regionale Verteilung der FDIs
6 Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Entwicklung, Klassifikation und ökonomische Relevanz ausländischer Direktinvestitionen (FDI) im Kontext der globalen Wirtschaft und beleuchtet dabei die treibenden Akteure sowie die Auswirkungen auf Zielländer.
- Definition und historische Einordnung von Direktinvestitionen
- Rolle transnationaler Unternehmen (TNUs) als Hauptakteure
- Motive für den Internationalisierungsprozess von Unternehmen
- Sektorale und regionale Dynamiken der globalen FDI-Ströme
- Kritische Diskussion der ökonomischen Auswirkungen auf Zielländer
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsklärung
Für den Einstieg in die Thematik wird zunächst der Begriff der ausländischen Direktinvestitionen definitorisch abgegrenzt. Im Allgemeinen handelt es sich bei diesen Investitionen um einen Teil der internationalen Kapitalströme, die sich neben den FDIs aus privaten Darlehen, Portfolio-Investitionen, Übertragungen und öffentlichen Mitteln zusammensetzen (Schätzl, 2000; Krugman & Obstfeld, 2006). In der wissenschaftlichen Literatur findet sich eine Vielzahl an Ansätzen bezüglich einer Definition des Begriffes. Einige Ansätze sind dabei zum Teil allgemein gehalten, da sie unter ausländischen Direktinvestitionen „sämtliche Investitionen privater Firmen in ausländischen Unternehmungen“ (Knox & Marston, 2001, S. 362) verstehen. Hinsichtlich einer detaillierten Definition wird zunächst Bezug auf den Begriff der Direktinvestition genommen, die als „[...] an investment by one firm in another, with the intention of gaining a degree of control over that firm´s operations” (Dicken, 2007, S. 36) abgegrenzt wird. Für die Definition der ausländischen Direktinvestitionen wird dieser Ansatz dahingehend erweitert, dass die Investition über eine nationale Grenze hinweg getätigt wird (Dicken, 2007).
Generell findet sich in den meisten Fällen eine Abgrenzung der Konzepte des Begriffes, welche von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Internationalen Währungsfonds (IMF) gemeinsam entwickelt wurde (Gast, 2006).
„Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy [...] in an entity resident in an economy other than that of the investor [...]” (OECD, 2008, S. 7). Das entscheidende Merkmal der FDI ist das Ausüben von langfristigem Einfluss und somit „[...] the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence in the management of the enterprise” (OECD, 2008, S. 7f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die wachsende globale ökonomische Verflechtung und die zunehmende Bedeutung von Direktinvestitionen im Rahmen des Globalisierungsprozesses.
2 Grundlegende Aspekte ausländischer Direktinvestitionen: Dieses Kapitel definiert FDIs, identifiziert transnationale Unternehmen als Hauptakteure und klassifiziert die verschiedenen Formen der Investitionstätigkeit.
3 Motive des Internationalisierungsprozesses: Hier werden die Gründe für Auslandsinvestitionen analysiert, insbesondere marktorientierte, kostenorientierte sowie beschaffungs- und faktororientierte Motive.
4 Bedeutung und Relevanz für die Zielländer: Das Kapitel diskutiert kontrovers die positiven Effekte wie Technologietransfer und Beschäftigungswachstum gegenüber potenziellen negativen Abhängigkeiten für die Zielländer.
5 Entwicklung der Ausländischen Direktinvestitionen: Dieses Kapitel bietet einen historischen Überblick und analysiert detailliert die weltweiten Entwicklungen, unterteilt in sektorale und regionale Verteilungsmuster.
6 Fazit und Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und die zukünftige Rolle der sogenannten „Emerging Multinationals“ hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Ausländische Direktinvestitionen, FDI, Transnationale Unternehmen, TNU, Globalisierung, Internationalisierung, Kapitalströme, Greenfield-Investition, Brownfield-Investition, M&A, Marktstruktur, Faktorpreisunterschiede, BRIC-Staaten, Zielländer, Weltwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, Motive, Formen sowie die historischen und aktuellen Entwicklungen ausländischer Direktinvestitionen in einer global vernetzten Wirtschaft.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Definition von FDIs, die Rolle transnationaler Unternehmen (TNUs), die Bestimmungsfaktoren für Internationalisierungsentscheidungen und die Auswirkungen auf die Empfängerländer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Mechanismen hinter Direktinvestitionen zu schaffen und aufzuzeigen, warum und wie Unternehmen weltweit agieren und welche Auswirkungen dies hat.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung statistischer Daten internationaler Organisationen wie der UNCTAD und des IWF.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Investitionsmotiven, eine Bewertung der Effekte für Zielländer sowie eine empirisch gestützte Untersuchung der globalen Entwicklung und Verteilung von FDI-Beständen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind FDI, transnationale Unternehmen, Greenfield- und Brownfield-Investitionen, Globalisierung, Markterschließung und die ökonomische Entwicklung der BRIC-Staaten.
Wie unterscheidet sich die "greenfield" von der "brownfield" Investition?
Während bei einer Greenfield-Investition ein Unternehmen neu im Ausland gegründet wird, beschreibt die Brownfield-Investition den Erwerb von Anteilen an bereits bestehenden Unternehmen, etwa durch Fusionen oder Übernahmen (M&A).
Welchen Einfluss haben die BRIC-Staaten auf die heutige FDI-Landschaft?
Die BRIC-Staaten haben sich von reinen Zielmärkten für FDI zunehmend zu wichtigen Investoren (Herkunftsländern) entwickelt, wobei ihre transnationalen Unternehmen eine immer einflussreichere Rolle in der Weltwirtschaft einnehmen.
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- B.Sc. Marcel Demuth (Author), 2011, Ausländische Direktinvestitionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177573