Kritische Auseinandersetzung mit Hofstedes Konzept der Kulturstandards bzw. Kulturdimensionen


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Problematik kulturwissenschaftlicher Theorien

2 Grundlagen der Kulturstandardtheorie
2.1 Mentale Programmierung
2.2 Machtdistanz
2.3 Kollektivismus/Individualismus
2.4 Femininität/Maskulinität
2.5 Unsicherheitsvermeidung
2.6 Kurzfristige/Langfristige Orientierung

3 Auseinandersetzung mit Hofstedes Kulturstandardtheorie
3.1 Forschung
3.1.1 Vorannahmen/Ergebniserwartung
3.1.2 Aktualität der Daten
3.1.3 Befragte Personen
3.1.4 Kontrollgruppen
3.1.5 Westliche Orientierung
3.2 Publizierung
3.3 Begrifflichkeit und Inhalt
3.3.1 Mentale Programmierung
3.3.2 Femininität/Maskulinität
3.3.3 Kollektivismus/Individualismus
3.3.4 Kurzfristige/Langfristige Orientierung
3.4 Konkrete Aussagen
3.5 Probleme im Vergleich zu anderen Kulturtheorien

4 Umgang mit den Theorien

Literatur

1 Problematik kulturwissenschaftlicher Theorien

Die Theorie der Kulturstandards wurde besonders von Geert Hofstede übernommen und ausgebaut. Die Vorstellung einiger bestimmt definierter Dimensionen, nach welchen sich Länder - stellvertretend für verschiedene Kulturen - nach Punktwerten zueinander im Verhältnis einordnen lassen sollen (Hofstede 2001), findet immer mehr Beachtung und Verbreitung in den unterschiedlichsten, auch nicht-kulturwissenschaftlichen, Bereichen, sei es Psychologie, Wirtschaft und Management oder Belletristik (Hofstede 1997). Im universitären Unterricht der „Interkulturellen Kommunikation“ etwa sind Hofstedes Dimensionen bereits fest verankert.

Ob seine Darstellungen tatsächlich die Wirklichkeit repräsentieren oder ausgeblendet wird, dass Wissenschaft ihre Erkenntnisziele lediglich durch Eingriffe in die Wirklichkeit erreichen kann (Hansen 2000), ist fraglich. Wird übersehen, dass eine Standardisierung stets nur „[...] eine auf dem Wege der Abstraktion entstandene Konstruktion darstellt [...]“ (a.a.O.: 44)?

Solche Standardisierungen respektive „Dimensionen“ machen den Kern der Kulturstandardtheorie aus (Hofstede 1980). Auch sollte nicht vergessen werden, dass es unrealistisch ist, an die praktische Wahrheit von Modellen oder die Wahrung der Komplexität bei diesen zu glauben (Hansen 2000).

Zudem können in der Wissenschaft Ergebnisse nicht vorrangig als wahr oder falsch beurteilt werden, sondern vielmehr danach, ob sie stimmig und angemessen sind, also ob ein geeigneter Forschungsgang gewählt wird, Begriffe nachvollziehbar eingeführt werden und sich neue Handlungsmöglichkeiten, z.B. Ansätze zu Problemlösungen, erschließen (Seidel 2004).

Reflektieren Hofstedes Dimensionen bereits vorhandene Handlungsperspektiven und eröffnen sie neue oder genügen sie dieser Forderung an die Kulturwissenschaft (a.a.O.) nicht?

Im Folgenden soll Hofstedes Theorie der Kulturdimensionen auf Schwachstellen und Anlass zu Kritik überprüft und der Frage nachgegangen werden, ob die Popularität seiner Theorie problem- und gefahrlos ist.

2 Grundlagen der Kulturstandardtheorie

Zunächst sollen, um die vorliegenden Arbeit zu verstehen, die fünf Kulturdimensionen kurz erläutert werden.

Hofstede meint, dass sich die Kulturen aufgrund verschiedener Präferenzen bei der Beantwortung der Grundprobleme, mit welchen alle Menschen konfrontiert sind, voneinander unterschieden, was sich in bestimmten Strukturmerkmalen niederschlüge (Hofstede 2001). Generell sollen sich die Eigenheiten in sämtlichen Lebensbereichen, sei es beruflich, in der Schule, Familie oder Politik, unterschiedlich auswirken (a.a.O.).

2.1 Mentale Programmierung

Basis der Manifestierung kultureller Standards ist nach Hofstede die „mentale Programmierung“ des Menschen, d.h. „[...] Muster des Denkens, Fühlens und potentiellen Handelns, die er ein Leben lang erlernt hat [...]“ (a.a.O.: 2), er schreibt sogar „[...] mentale Software ist Kultur.“ (a.a.O.: 3). Laut Hofstede soll es je nach Land eine dominierende Prägung des Menschen geben. Es sind zwar nicht alle Bewohner eines Landes gleich programmiert seien, die Mehrheit aber teilt dieselbe mentale Prägung (Hofstede 1998).

Aufgrund dieser kulturell bedingten mentalen Prägung meint die Kulturstandardtheorie den Ablauf bei interkulturellen Begegnungen und dabei entstehende Probleme vorhersagen zu können und durch vorbeugendes Training letztere vermeiden zu können (Lüsebrink 2003).

Diese Prognosen sollen durch eine Einordnung sämtlicher Länder nach Kategorien ermöglicht werden, die Hofstede folgendermaßen beschreibt:

2.2 Machtdistanz

Unter Machtdistanz versteht Hofstede den Grad, zu dem weniger mächtige Mitglieder von Organisationen oder Gruppen akzeptieren und erwarten, dass Macht ungleich verteilt ist (Hofstede 2001).

Es geht also um den Umgang mit Ungleichheit (a.a.O.). Machtdistanz variiert allerdings auch innerhalb eines Landes je nach sozialer Schicht, Bildungsniveau und Beruf (a.a.O.). Im Berufsleben kann eine große Machtdistanz konkret bedeuten, dass die Angestellten von ihrem Vorgesetzten abhängig sind (Dependenz) und ihm nicht widersprechen dürften - oder aber es tritt das Gegenteil ein und diese Abhängigkeit wird abgelehnt (a.a.O.). Letzteres nennt Hofstede Kontradependenz (a.a.O.). Geringe Machtdistanz dagegen bedeutet, dass sich Vorgesetzter und Mitarbeiter emotional nahe sind, die Mitarbeiter dem Vorgesetzten widersprechen und beide voneinander abhängen, d.h. Interdependenz herrscht (a.a.O.).

Im Privatleben wirkt sich große Machtdistanz darin aus, dass Gehorsam und Respekt erwartet werden und ältere Geschwister als Autoritätspersonen gelten (Hofstede 2001). Ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Älteren und Jüngeren ist Ausdruck eines verinnerlichten Bedürfnisses, das während der Sozialisation festgelegt wird (a.a.O.). Dagegen erwarten Kulturen mit geringerer Machtdistanz von Kindern frühe Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, zudem sind Kinder Erwachsenen gleichberechtigt (a.a.O.).

Allgemein tendieren Länder mit geringer Machtdistanz zu Dezentralisation, wohingegen die mit größerer zu Zentralisation neigen (a.a.O.).

2.3 Kollektivismus/Individualismus

Kollektivismus trifft auf Gesellschaften zu, in welchen man in eine geschlossene „Wir“-Gruppe hineingeboren wird, von der man lebenslang geschützt wird und der man im Gegenzug bedingungslose Loyalität beweist (a.a.O.).

Individualismus dagegen herrscht in Gesellschaften, in welchen die Bindung zwischen ihren Mitgliedern lockerer ist und von jedem erwartet wird, für sich selbst und nur die engste Familie zu sorgen (a.a.O.). Ausdruck findet dies beispielsweise darin, dass in einer individualistisch geprägten Gesellschaft die eigene Meinung Zeichen von Aufrichtigkeit ist, in einer kollektivistischen jedoch Harmonie das oberstes Gebot ist und Auseinandersetzungen lieber vermieden werden (a.a.O.). Im Kollektivismus haben zwischenmenschliche Beziehungen (Familie, Freunde) Vorrang vor z.B. beruflichen Aufgaben, im Individualismus ist es umgekehrt (a.a.O.).

2.4 Femininität/Maskulinität

In von Maskulinität gekennzeichneten Gesellschaften sind die Geschlechterrollen klar gegeneinander abgegrenzt: Männer sollten bestimmt, hart und materiell orientiert sein, Frauen eher bescheiden und sensibel und mehr Wert auf Lebensqualität legen (a.a.O.). In Gesellschaften, die als feminin bezeichnet werden, gehen die Geschlechterrollen ineinander über, sowohl Frauen als auch Männer sollten bescheiden und sensibel sein und Wert auf Lebensqualität legen (a.a.O.). Konkrete Beispiele für maskuline Gesellschaften sind, dass man lebt um zu arbeiten, die Leistungsgesellschaft als Ideal gilt und Konflikte ausgetragen werden (a.a.O.).. In femininen Gesellschaften arbeitet man um zu leben, der Wohlfahrtsstaat gilt als Ideal und Konflikte werden durch Verhandeln und Kompromisssuche ausgetragen (a.a.O.). Insgesamt sind maskuline Gesellschaften weniger tolerant als feminine und stellen egoistische Ziele vor soziale Belange (a.a.O.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kritische Auseinandersetzung mit Hofstedes Konzept der Kulturstandards bzw. Kulturdimensionen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Literatur- und Kulturwissenschaft. Neuere Konzepte der Kulturwissenschaft.
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V177625
ISBN (eBook)
9783640994106
ISBN (Buch)
9783640995363
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritische, auseinandersetzung, hofstedes, konzept, kulturstandards, kulturdimensionen
Arbeit zitieren
M.A. Maria Gruber (Autor), 2005, Kritische Auseinandersetzung mit Hofstedes Konzept der Kulturstandards bzw. Kulturdimensionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177625

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kritische Auseinandersetzung mit Hofstedes Konzept der Kulturstandards bzw. Kulturdimensionen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden