Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand


Bachelorarbeit, 2009

92 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Vorgehensweise

2 DIE ENTSTEHUNG UND VERLAUF DER FINANZKRISE
2.1 Die US - Immobilienkrise
2.1.1 Die Entstehung der Immobilienblase und der übermäßigen Verschuldung in den USA
2.1.1.1 Die Dot.com - Blase als Ausgangspunkt
2.1.1.2 Die Entstehung der Immobilienblase und die Erweiterung der Kreditvergaben durch „Subprime Kredite“
2.1.1.3 Der Anstieg des fremdfinanzierten Konsums durch Zusatzkredite
2.1.2 Verbriefung
2.1.3 Die Immobilienblase platzt
2.2 DIE FINANZKRISE
2.2.1 Definition Finanzwirtschaft
2.2.2 Der Beginn der Krise
2.2.3 Die „Finanzkrisen - Welle“ schwappt nach Europa
2.2.4 Die Finanzkrise in Deutschland
2.2.4.1 Erste deutsche Banken geben Verluste bekannt
2.2.4.2 Das Bankenmisstrauen
2.2.4.3 Reaktionen der Zentralbanken
2.2.4.4 Die Finanzkrise spitzt sich zu
2.2.5 Die Krise der Finanzwirtschaft wird zur Krise der Realwirtschaft

3 DIE WIRTSCHAFTSKRISE
3.1 Die Gesamtwirtschaft
3.1.1 Die Realwirtschaft, Definition
3.1.2 Die Struktur der deutschen Wirtschaft, die einzelnen Sektoren
3.1.2.1 Bedeutung der Landwirtschaft in der deutschen Volkswirtschaft
3.1.2.2 Bedeutung der Industrie in der deutschen Volkswirtschaft
3.1.2.3 Bedeutung der Dienstleistung in der deutschen Volkswirtschaft
3.2 Die Wirtschaftskrise
3.2.1 Auswirkung der Krise auf die einzelnen Sektoren der deutschen Realwirtschaft
3.2.1.1 Auswirkung auf die Landwirtschaft
3.2.1.2 Auswirkung auf die Industrie
3.2.1.3 Auswirkung auf die Dienstleistung
3.2.2 Auswirkung der Krise auf unterschiedliche Industriebereiche innerhalb Deutschlands
3.2.2.1 Krise im Automobilbereich
3.2.2.2 Krise im Maschinen- und Anlagenbau
3.3 Maßnahmen der deutschen Regierung um der Krise entgegenzusteuern
3.3.1 Das Rettungspaket
3.3.2 Das Konjunkturpaket I
3.3.3 Das Konjunkturpaket II

4 DER DEUTSCHE MITTELSTAND IN DER KRISE
4.1 Definition Mittelstand
4.1.1 Qualitative Abgrenzung
4.1.1.1 Qualitative Abgrenzung nach Definition des Institut für Mittelstandforschung Bonn
4.1.1.2 Qualitative Abgrenzung nach Definition der Europäischen Kommission
4.1.2 Quantitative Abgrenzungen
4.1.2.1 Quantitative Abgrenzung nach Definition des Institut für Mittelstandforschung Bonn
4.1.2.2 Quantitative Abgrenzung nach Definition der Europäischen Kommission
4.2 Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Volkswirtschaft
4.3 Grundlegende Schwierigkeiten der Unternehmensfinanzierung im deutschen Mittelstand unabhängig von der Krise
4.4 Auswirkungen der Krise auf den Mittelstand
4.4.1 Entwicklung der Konjunktur
4.4.1.1 Frühjahr 2008
4.4.1.1a Die Geschäftslage im Mittelstand
4.4.1.1b Umsatzentwicklung im Mittelstand
4.4.1.1c Personalentwicklung im Mittelstand
4.4.1.2 Herbst 2008
4.4.1.2a Die Geschäftslage im Mittelstand
4.4.1.2b Umsatzentwicklung im Mittelstand
4.4.1.2c Personalentwicklung im Mittelstand
4.4.1.3 Frühjahr 2009
4.4.1.3a Die Geschäftslage im Mittelstand
4.4.1.3b Umsatzentwicklung im Mittelstand
4.4.1.3c Personalentwicklung im Mittelstand
4.4.2 Die Exporte sinken
4.4.3 Die Kreditklemme
4.4.4 Wechselkursverluste
4.5 Beispiele mittelständischer Unternehmen in der Krise
4.5.1 Firma Märklin
4.5.2 Firma Rosenthal

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS
Online - Verzeichnis
Literatur - Verzeichnis
Sonstige Quellen

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung: Abbildungsbeschreibung: Seite:

Abbildung 1: Verschuldung der amerikanischen Haushalte

Abbildung 2: Entwicklung des deutschen Außenhandels, ab 1950

Abbildung 3: Struktur des Finanzmarktstabilisierungsfonds

Abbildung 4: Schutzschirm für Arbeitsplätze, Konjunkturpaket I

Abbildung 5: KMU - Anteile 2008 nach KMU - Definition des IfM

Abbildung 6: KMU - Anteile 2005 nach KMU - Definition der EU

Abbildung 7: Das Grundkonzept von Basel II

Abbildung 8: Chart EUR / USD Spot 03.09.2009

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen

Tabelle 2: Die größten Industriebranchen 2007

Tabelle 3: Überblick über Rettungspaket, Konjunkturpaket I, Konjunkturpaket II

Tabelle 4: KMU - Definition des Institut für Mittelstandsforschung seit 01.01.2002

Tabelle 5: KMU - Definition der Europäischen Kommission seit 01.01.2005

Tabelle 6: Geschäftslage im Mittelstand

Tabelle 7: Umsatzentwicklung im Mittelstand

Tabelle 8: Personalentwicklung im Mittelstand

Tabelle 9: Geschäftslage im Mittelstand

Tabelle 10: Umsatzentwicklung im Mittelstand

Tabelle 11: Personalentwicklung im Mittelstand

Tabelle 12: Geschäftslage im Mittelstand

Tabelle 13: Umsatzentwicklung im Mittelstand

Tabelle14: Personalentwicklung im Mittelstand

1 EINLEITUNG

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Blickt man auf den Verlauf der Geschichte, gab es immer wieder Wirtschaftskrisen mit massiven Auswirkungen auf die Volkswirtschaften vieler Länder. Erwähnt werden muss hier vor allem die Weltwirtschaftkrise von 1929, sicherlich eine der größten Krisen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Es folgten die Ölkrisen 1973 und 1979 / 1980. Die zunehmende Vernetzung der Märkte und der Einzug der Informationstechnologie im Verlauf des späten 20. Jahrhunderts eröffnete neue Möglichkeiten und ließ die Volkswirtschaften näher zusammenrücken.

Diese Entwicklung begünstigte auch das Entstehen der aktuellen Krise. Ihren Anfang nahm sie im Jahr 2000 als die Dot - Com Blase, eine Spekulationsblase des IT - Bereiches, platzte. Die Maßnahmen, welche daraufhin zur Stabilisierung der Konjunktur getroffen wurden, sorgten in der Folgezeit für eine globale Hochkonjunkturphase. In Deutschland zum Beispiel lag die Zahl der Arbeitslosen im Jahr 2006 auf dem niedrigsten Stand seit den frühen neunziger Jahren. Im Juli 2007 erreichte der deutsche Aktienindex „DAX“, mit 8151,57 Punkten seinen bis dato höchsten Stand.1

Dieser Zeitpunkt markiert jedoch auch den Wendepunkt dieser Entwicklung, das Wirtschaftswachstum begann zu stocken.2 Als die Krise auf den internationalen Finanzmärkten in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 einsetzte, verkehrte sich dieser wirtschaftliche Aufschwung langsam in eine Abwärtsspirale, die sich selbst durch den Einsatz der Zentralbanken zur Sicherung der Liquidität auf den Märkten nicht mehr aufhalten ließ. Zunächst wurde vor allem durch Medien und Politik versucht, das Ausmaß zu relativieren. Peer Steinbrück sagte noch im August 2007 „Es gibt keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft“.3 Das wahre Ausmaß der Krise wurde durch verstärkt auftretende Hiobsbotschaften, zunächst von Unternehmen des Finanzsektors, immer offensichtlicher und wirkte sich schließlich global auf unterschiedliche realwirtschaftliche Branchen und infolge dessen direkt oder indirekt auf unser individuelles Leben aus. Die Weltwirtschaft verzeichnete einen Einbruch in einem seit der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht da gewesenen Ausmaß.

Aus diesem Grund ist es meiner Meinung nach wichtig, sowohl die Ursachen, als auch die Auswirkungen dieser Krise zu analysieren und sich bewusst zu machen, dass ihre Folgen uns alle betreffen. Auf den Mittelstand beziehe ich mich, da er in Deutschland eine wesentliche Rolle in der Volkswirtschaft spielt. In der nachfolgenden Arbeit soll dem Leser verdeutlicht werden wie die aktuelle Krise entstanden ist, welche Auswirkungen sie auf den Mittelstand bereits hat und auch noch haben könnte. Damit soll ein Beitrag zur Deutung der aktuellen Krise geleistet werden.

1.2 Aufbau und Vorgehensweise

Die vorliegende Bachelor Thesis unterteilt sich in fünf Kapitel, wovon die Kapitel eins und fünf Einleitung und Schlussbetrachtung ausmachen. Die Hauptteile der Arbeit stellen die Kapitel zwei, drei und vier dar.

In Kapitel zwei wird das Zustandekommen der Finanzkrise und deren Verlauf näher erläutert. Da der Ursprung der Krise in den USA zu suchen ist, gehe ich zunächst auf die Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte in den Vereinigten Staaten in den letzten acht Jahren und die daraus resultierenden Entwicklungen in der US - amerikanischen Volkswirtschaft ein. Des Weiteren beschreibt dieses Kapitel weshalb sich die Problematik der Finanzkrise nicht auf die USA beschränkte, in welcher Art und Weise sie sich weltweit ausbreitete und zu einem Kollaps des internationalen Finanzmarktes führte. Im Zuge dieser Betrachtung wird ein besonderes Augenmerk auf die deutsche Finanzwirtschaft gelegt.

Da die Finanzkrise eine Krise in der Realwirtschaft auslöste gehe ich in Kapitel drei zunächst auf den Aufbau der deutschen Realwirtschaft ein und wende mich anschließend den Auswirkungen der Krise in selbiger zu. In diesem Zusammenhang werden auch die Maßnahmen der Bundesregierung im Versuch gegen die Krise anzukämpfen erläutert. In Kapitel vier steht der deutsche Mittelstand während der Krise im Fokus der Betrachtung. Den Lesern soll zunächst ein Überblick über den Aufbau des Mittelstands und seiner Bedeutung in der deutschen Volkswirtschaft verschafft werden. Unabhängig von der Krise gehe ich hier auch auf seine grundlegenden Schwierigkeiten in der Unternehmensfinanzierung ein. Die direkten und indirekten Auswirkungen der globalen Krise auf den deutschen Mittelstand werden in diesem Kapitel thematisiert und anhand von zwei Unternehmensbeispielen veranschaulicht.

Den abschließenden Punkt der Arbeit bildet ein Fazit, in dessen Rahmen die Ergebnisse der Arbeit nochmals zusammengefasst werden. Es soll einen Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung der Thematik gewagt werden.

2 DIE ENTSTEHUNG UND VERLAUF DER FINANZKRISE

In diesem Kapitel werde ich mich chronologisch mit der Entstehung und dem Verlauf der Finanzkrise auseinandersetzen.

2.1 Die US - Immobilienkrise

2.1.1 Die Entstehung der Immobilienblase und der übermäßigen Verschuldung in den USA

2.1.1.1 Die Dot.com - Blase als Ausgangspunkt

Es gestaltet sich schwierig den Ausgangspunkt, beziehungsweise die Auslöser der aktuellen Finanzkrise von 2007/2008 zu finden. Zum einen entsteht eine solche Krise nicht plötzlich, sondern entwickelt sich teilweise über Jahre hinweg, zum anderen erschwert die globale Vernetzung der Marktteilnehmer und das daraus entstehende komplexe System auf dem weltweiten Finanzmarkt die Suche nach den ausschlaggebenden Ursachen für die Entstehung der Krise.

Um den Zeitrahmen einzuschränken beziehe ich mich lediglich auf Entwicklungen und Geschehnisse des vergangenen Jahrzehntes und beginne mit dem Platzen der so genannten „Dot.com“ - Blase im Jahr 2000. Hierbei handelte es sich um eine weltweit aufgebauschte Spekulationsblase. Laut Definition ist eine Spekulationsblase die „Bezeichnung für einen völlig überkauften Markt, der sich von der realen Wirtschaftsentwicklung völlig gelöst hat. Immer mehr Anleger kaufen auf Grund von Erfolg versprechenden Berichten schon zu überhöhten Preisen und hoffen noch immer auf eine rasche Wertsteigerung ihrer Investition. Anfangs scheinen die Preise weiter zu steigen, bis sich der reale Wert des Spekulationsobjektes durchsetzt und Käufer zu gewinnbringenden Preisen ausbleiben. Es kommt zum Krach und die Werte fallen rapide. Die Spekulanten erleiden ab diesem

Zeitpunkt einen Verlust ihrer Investitionen. Spekulationsblasen treten in der Regel im Börsen-, Rohstoff- oder Immobilienbereich auf.“4 Diese erreichte im Jahr 2000 in ihrer Abkopplung von der realen Wirtschaftsentwicklung ihren Höhepunkt und platzte zwangsläufig. Betroffen waren vor allem Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche, kurz IT - Branche. Der weltweit größte Markt für IT - Unternehmen war die gleichzeitig größte elektronische amerikanische Börse mit dem Namen „NASDAQ“, ausgeschrieben „National Association of Securities Dealers Automated Quotations“.5

2.1.1.2 Die Entstehung der Immobilienblase und die Erweiterung der Kreditvergaben durch „Subprime Kredite“

Um stärkere Auswirkungen des Zusammenbruches des „Dot.com“ Marktes auf die amerikanische Volkswirtschaft zu verhindern, steuerte die US - Notenbank, auch „Federal Reserve System“ und im folgenden „Fed“ genannt, mit einer Niedrigzinspolitik dagegen und senkte den Leitzinssatz deutlich.

Nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001 folgte eine weitere Senkung des Leitzinssatzes, um negative Einflüsse der Ereignisse auf die Wirtschaft zu beschränken. Ein Rekordtief von 1 % erreichte der Leitzins Mitte 2003.6 Damit lag er unter der Inflationsrate des US - Dollars. Dieser günstige Zinssatz wurde an die Kunden der Geldinstitute weitergegeben und machte eine Kreditaufnahme zur Vermögensbildung durch Eigentum reizvoller als eine Geldanlage bei einer Bank, da dies demzufolge einen Wertverlust dargestellt hätte. Das Ergebnis war ein regelrechter Run auf diese günstigen Kredite. Zu den angebotenen Konditionen konnten sich nun deutlich mehr Menschen einen Kredit leisten, auch solche, deren Bonität zuvor nicht ausreichend gewesen wäre. Der Markt wurde seiner natürlichen Selektionsfähigkeit beraubt.7 Finanzmarktakteure erhöhten ihre Eigenkapitalrendite durch einen sehr hohen Fremdfinanzierungsgrad. Banken gingen der niedrigen Zinsen wegen dazu über, ihre langfristigen Außenstände mit kurzfristigen Verbindlichkeiten zu refinanzieren. Damit verletzten sie die Bilanzierungsregel der Fristenkonformität.

Diese kurzfristigen Verbindlichkeiten haben sich die Banken meist über den bisher funktionierenden Interbankenhandel besorgt. Dieser brach später zusammen, worauf ich im Folgenden noch zu sprechen kommen werde. Anleger investierten verstärkt in Immobilien, unterstützt durch Kreditinstitute, welche ihre Bedingungen bei der Kreditvergabe nach und nach lockerten. Fast jedem, nach der Abschöpfung der "guten" Kreditnehmer auch finanziell schwächeren Interessenten, wurde in den USA ein Haus verkauft beziehungsweise der dafür benötigte Kredit gewährt. Es folgte ein Boom am Immobilienmarkt, mit einer jährlichen Steigerung der Immobilienpreise von rund 20 %. Das Ziel war, aus den USA eine Nation der „Häuslebauer“ zu machen, in der sich die breite Masse Wohneigentum leisten können sollte. Ermutigt durch die Politik und das Amerikanische Bundesgesetz „Community Reinvestment Act“, kurz „CRA“, passten die US - Banken ihr Kreditvergabesystem an, um diesem Ziel gerecht werden zu können.8 Die Kreditinstitute lockten ihre Kunden mit variablen, sehr niedrigen Anfangszinssätzen.9

Als die Quelle der kreditwürdigen Darlehensnehmer erschöpft war, aber noch lange nicht die Gier nach Rendite, von der nicht nur die Geldinstitute selbst, sondern auch die als Berater zwischen Kreditinstitut und Kreditnehmer geschaltete Vermittler profitieren, begannen die Kreditinstitute, wie zum Beispiel der US - Hypothekenfinanzierer New Century Financial, so genannte „Subprime Kredite“ zu vergeben.10

Subprime Kredite sind Hypothekenkredite an Kreditnehmer mit geringem oder gar keinem Einkommen. Hier wird bei der Kreditvergabe nicht geprüft, ob die Kreditnehmer die aufgenommenen Kredite überhaupt bedienen können.11

So kam es dazu, dass selbst wirtschaftlich schwache Personen Kredite aufnehmen und Hauseigentümer werden konnten. Ein immer wieder erwähntes Beispiel dafür ist der Erdbeerpflücker Alberto Ramirez, der sich fremdfinanziert ein 720.000 US - Dollar teures Haus kaufte. Sein jährliches Einkommen betrug 14.000 US - Dollar. Über Rücklagen verfügte er nicht.12

Durch die niedrigen, bzw gegen Null tendierenden Vorraussetzungen bei der Kreditvergabe, sowie den günstigen Zinssätzen stiegen die Nachfrage, sowie die Preise von Immobilien weit über deren eigentlichen Wert hinaus. Es entstand eine Immobilienblase. Dies bedeutet, dass die Preise zu denen Immobilien gehandelt wurden nicht durch Gegenwerte gedeckt waren.

2.1.1.3 Der Anstieg des fremdfinanzierten Konsums durch Zusatzkredite

Der tatsächlich fortschreitende Anstieg der Immobilienpreise, kombiniert mit der falschen Annahme, dass die Preise auch zukünftig weiter steigen würden, waren genügend Argument für die Kreditinstitute, den Kreditnehmern auf ihre, mittlerweile im Wert gestiegene Immobilie Zusatzkredite zu vergeben. Diese schienen durch die ständig an Wert zunehmende Immobilie gesichert.

Die Zusatzkredite sorgten dafür, dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung nicht nur im auf "Pump" finanzierten Eigenheim wohnte, sondern auch in ihrem gesamten Konsumverhalten über ihre Verhältnisse lebte. Dieses fremdfinanzierte Konsumverhalten der US - Bürger, welches vor allem für die sicherheitsliebenden Europäer schwer nachvollziehbar ist, führte im Endeffekt dazu, dass die USA auf der einen Seite zum größten Schuldner der Welt wurden.

Folgendes Schaubild soll der Veranschaulichung der jährlich zunehmenden Privatverschuldung amerikanischer Haushalte dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verschuldung der amerikanischen Haushalte

Quelle: Informationsportal Globalisierung13

Auf der anderen Seite boomte die US - Konsumbranche. Ein fremdfinanzierter Boom in der realen Wirtschaft. Allen voran die Automobilbranche, die ihren Kunden Rabattprogramme und Null-Zins Finanzierungen anbot. Des Weiteren kündigten viele Haushalte ihre veralteten Kreditverträge um sie zu niedrigeren, variablen Zinsen zu refinanzieren. Durch den niedrigeren Schuldendienst blieb mehr Geld für den Konsum über.14

2.1.2 Verbriefung

Die stetig wachsende Anzahl von Kreditanträgen und deren Bewilligung zwang die Kreditinstitute dazu, das benötigte Kapital auf zusätzliche Art und Weise zu beschaffen. Aus diesem Grund gingen vor allem kleinere

Banken, sowie Hypothekenbanken dazu über, ihre Forderungen an Investmentbanken weiter zu verkaufen. Diese bündelten und verbrieften die Hypothekenkredite anschließend und verkauften die damit neu geschaffenen synthetischen Wertpapiere im großen Stil an Anleger in aller Welt weiter. Die Definition von Verbriefung besagt, dass offene Forderungen in handelbare Wertpapiere umgewandelt werden, welche dann als neue Anlageinstrumente gehandelt werden können.15

Aus Anlagen mit schlechtem Rating entstanden auf diese Art und Weise Wertpapiere mit der Bestnote AAA. Hier kamen nun die Rating - Agenturen ins Spiel, die diesen Vorgang vornahmen. Sie bewerteten die neu kreierten Wertpapiere und stuften sie in unterschiedliche Risikotranchen ein, gestaffelt von sehr hoch bis niedrig.16 Damit ging einher, dass die Höhe der Verbindlichkeiten den Vermögenswert der Anlage überstieg. Dies funktionierte zunächst, denn die Jagd nach Rendite trieb die Preise von Vermögenswerten nach oben. Fonds, Investoren, Anleger und Banken rissen sich um die neu kreierten Finanzprodukte. Dadurch wurde neue Liquidität geschaffen, welche in das fremdfinanzierte Konsumverhalten der amerikanischen Bevölkerung einfloss.17

2.1.3 Die Immobilienblase platzt

Ab Mitte 2004 war die Konjunktur so gefestigt, dass die Fed damit beginnen konnte den Leitzins anzuheben. Auf diese Weise sollte einer Inflation entgegengewirkt werden. Der Leitzins stieg von 1 % auf bis zu 5,25 % im Juni 2006.18

Dies führte dazu, dass aus den aufgeblähten Vermögenswerten die Luft entwich. Anfänglich hoffte man auf ein langsames Zusammenschnurren der Blase. Doch im Jahr 2007 platzte sie, als die Zahlungsausfälle vor allem bei den Subprime Krediten ihren Höchststand erreicht hatten. Der starke Anstieg des Leitzinssatzes hatte zur Folge, dass für die Kreditnehmer der Preis ihrer Kredite zu steigen begann, da die Kreditinstitute ihre Zinssätze dem Leitzins anpassten. Dadurch erhöhte sich für die Kreditnehmer die Restschuld und die Höhe der zu zahlenden Raten. Vor allem die finanziell schwachen Kreditnehmer der Subprime Kredite waren durch die variablen Zinssätze ihrer Kreditverträge stark von dieser Entwicklung betroffen, konnten die angestiegenen Rückzahlungsraten nicht mehr bewältigen und verursachten massive Zahlungsausfälle für die Kreditinstitute.19 Die Folge war eine Kettenreaktion: Die Nachfrage nach Hypothekenkrediten sowie nach Immobilien sank, Immobilienpreise stagnierten und brachen später ein. Durch die Zahlungsunfähigkeit vieler Schuldner mussten massenweise Immobilien zwangsversteigert und unter Wert verkauft werden, da die Kreditinstitute nur der Verkauf vor einem Totalausfall der ausstehenden Forderung bewahren konnte.20 Grund dafür ist ein amerikanisches Bundesgesetz, laut dem ein Rückgriff auf die Person des Schuldners nicht möglich ist. Anders als in Deutschland haftet nicht die Person, sondern nur die Immobilie.

Die zu synthetischen Wertpapieren verbrieften Hypothekenkredite sanken durch die ungesicherten Kreditforderungen in der Folge im Wert und sorgte für riesige Verluste bei den Fonds, Investoren, Anlegern und Banken, die Unmengen dieser synthetischen Wertpapiere aufgekauft hatten. Erste Banken bekamen Liquiditätsprobleme.21 Durch die Globalisierung, auch auf dem Kapitalmarkt, und die Verbreitung dieser „faulen“ Kredite als Investitionsmöglichkeit weltweit, beschränkten sich die Auswirkungen der geplatzten Immobilienblase kombiniert mit den Verlusten aus ausgefallenen Subprime Krediten nicht auf die Vereinigten Staaten und die dort beteiligten Banken, Anleger, Investoren und Hedgefonds, sondern hatten weitreichende Folgen für den weltweiten Finanzmarkt.

2.2 DIE FINANZKRISE

Unter dem Begriff „Finanzkrise“ versteht man eine, meist in einer kurzen Zeit auftretende, qualitative Verschlechterung der Ausprägungen von wesentlichen Finanzmarktindikatoren, wie Zinsen, Wechselkursen und Wertpapierkursen. Es ist nötig den Begriff in Einzel- und Gesamtwirtschaftliche Finanzkrise zu differenzieren. Während sich bei einer Einzelwirtschaftlichen Finanzkrise die finanzielle Situation eines einzelnen Wirtschaftssubjektes, einer Unternehmung oder einer Institution derart verschlechtert, dass Illiquidität oder Überschuldung droht, aktuelle Beispiele dafür sind die wirtschaftlichen Entwicklungen von Porsche und Arcandor, ist bei einer gesamtwirtschaftlichen Finanzkrise die Stabilität und effiziente Funktionsweise des Finanzsystems einer gesamten Volkswirtschaft oder des internationales Finanzsystems bedroht.22

Als Finanzsystem bezeichnet man ein Geflecht aus Institutionen, Märkten und Verträgen, welches dafür sorgt, dass ein Kapitalgeber seine Mittel nutzbringend anlegen kann und ein Kapitalnehmer seine Ausgaben finanzieren kann, sollten seine eigenen Mittel nicht ausreichend vorhanden sein.23

Wenn im Folgenden der Begriff Finanzkrise verwendet wird, ist damit eine gesamtwirtschaftliche Finanzkrise gemeint.

2.2.1 Definition Finanzwirtschaft

Die Gesamtwirtschaft gliedert sich laut der neoklassischen Wirtschaftstheorie in zwei Teile auf. Zum einen die Finanzwirtschaft, zum anderen die Realwirtschaft. Im Folgenden möchte ich auf die Finanzwirtschaft eingehen, da diese zuerst, nämlich in der Finanzkrise, betroffen war. Auf den Punkt Realwirtschaft gehe ich später genauer ein. Zum Verständnis ist es jedoch hier schon nötig kurz zu erläutern was die Realwirtschaft ist. Die Realwirtschaft ist der Teil der Gesamtwirtschaft, der reale Güter produziert, mit ihnen handelt oder Dienstleistungen anbietet. Die Finanzwirtschaft bietet die Grundlage für dieses Handeln. Sie versorgt die Realwirtschaft mit finanziellen Mitteln, um diese handlungsfähig zu machen und um diese Handlungsfähigkeit zu erhalten. Dies bedeutet, dass das gesamtwirtschaftliche System Kapital bedarf, um zu funktionieren. Sobald also das finanzwirtschaftliche System funktionsunfähig wird, wird es in der Gesamtwirtschaft zu Störungen kommen.24 Man kann die Finanzwirtschaft als Dienstleisterin für die Realwirtschaft betrachten. Allerdings besteht das Risiko, dass, wenn durch Kapitaltransferleistungen wesentlich höhere Renditen erzielt werden können, als durch Dienstleistungen oder die Produktion und den Handel von Sachwerten, die Gefahr einer Krise besteht, da die Kapitalleistung nicht durch fundierte Gegenwerte gedeckt ist.

2.2.2 Der Beginn der Krise

Zu Beginn des Jahres 2007 kamen in den USA die ersten Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit, als die Hypothekenbank New Century, einer der größten Subprime Kreditgeber, im April ein Insolvenzverfahren eröffnen musste.25 Im Juni 2007 gerieten dann zwei Hedgefonds der 1923 gegründeten, fünftgrößten US - amerikanische Investmentbank Bear Stears in Schieflage und mussten ihren Kunden mitteilen, dass die Einlagen, die Ende 2006 noch 1,5 Milliarden US-Dollar wert waren, nun fast keinen Wert mehr hatten.26

Anfang 2007 verkündete die größte europäische Bank „HSBC“, ausgeschrieben „Hongkong and Shanghai Banking Corporation“, die ersten Gewinnwarnungen seit ihrer Gründung 1865. Dies war der Zeitpunkt, der Finanzexperten und Analysten genauer auf den Zusammenhang der Märkte schauen ließ.

Die erste spürbare Welle erreichte Europa am 9. August 2007, als um 16 Uhr die „Europäische Zentralbank“, im folgenden kurz „EZB“ genannt, die Nachricht veröffentlichte, dass sie den Geschäftsbanken im Euroraum zusätzliches Liquidität zur Verfügung stellen werde, um den Geldmarkt stabil halten zu können.27 Es folgte eine, aus der Immobilienkrise resultierende und nicht mehr aufzuhaltende internationale Finanz- und Bankenkrise.

2.2.3 Die „Finanzkrisen - Welle“ schwappt nach Europa

Aufgrund der Vernetzungen, Globalisierung und der Gier europäischer Banken nach höheren Renditen, blieben die Auswirkungen der im Jahr 2007 in den USA geplatzten Immobilienblase, kombiniert mit dem Problem der Ausfälle der Subprime Kredite und der hohen Verschuldung vieler US - Amerikaner, nicht innerhalb der Landesgrenzen der USA, sondern weiteten sich noch im selben Jahr zu einer Krise des globalen Finanzsystems aus. Jedes Land hat sein eigenes Finanzsystem. Durch Verflechtungen dieser Finanzsysteme entsteht das globale Finanzsystem. Es fließt Kapital zwischen den Ländern, sei es im Sinne einer Investition oder einer Finanzierung. Bei der aktuellen Finanzkrise waren die Investitionen der Grund. Viele ausländische, auch europäische Banken haben ihr Geld bei amerikanischen Banken auf unterschiedlichste Art und Weise angelegt. Sie wollten an deren Boom teilhaben und daraus hohe Renditen erzielen. Das Endergebnis dieser Hoffnung auf hohe Rendite war jedoch, dass sie durch die ausfallenden Subprime Kredite an deren Verlust teilhatten und hohe Abschreibungen in Kauf nehmen mussten.

2.2.4 Die Finanzkrise in Deutschland

2.2.4.1 Erste deutsche Banken geben Verluste bekannt

Neben der viertgrößten englischen Hypothekenbank Northern Rock und der Schweizer Großbank UBS traf die Krise vor allem deutsche Bankinstitute. Zum Beispiel die „Deutsche Industriebank AG“, im Folgenden kurz „IKB“ genannt, die Hypo Real Estate, aber auch die deutschen Landesbanken waren stark betroffen.28 Sie alle hatten stark im Geschäft mit den verbrieften Immobilienkrediten mitgemischt.

Als erste europäische Bank gab die IKB im Juli 2007 bekannt, durch Investitionen am US - amerikanischen Subprime Markt in eine existenzbedrohende Schieflage geraten zu sein und ein Rettungspaket zu benötigen, um der Insolvenz zu entgehen.29 Diese Ad - hoc Mitteilung folgte 10 Tage nach dem vorläufigen Quartalsbericht der Bank, in welchem der Vorstand der Bank deren Situation noch als ungefährdet darstellte. Um nicht das Vertrauen in das deutsche Bankenwesen zu gefährden, wurde die IKB durch ein Rettungspaket in Höhe von 3,5 Milliarden Euro, finanziert zum Großteil durch die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“, im Folgenden kurz „KfW“ genannt, gerettet.30

Nach und nach kamen auch in Deutschland immer mehr Verluste und Insolvenzen bei Unternehmen des Finanzsektors zum Vorschein. Bereits 2007 wurden Abschreibungen in Milliardenhöhe bekannt gegeben.31 In Deutschland waren es vor allem staatliche Landesbanken die stark in US - Subprime Kredite investiert hatten, nun große Abschreibungen hinnehmen mussten und auf Liquiditätsspritzen anderer Banken angewiesen waren.32

Das peu a peu zum Vorschein kommende Ausmaß der in Deutschland betroffenen Finanzunternehmen und die immense Höhe der Abschreibungen verunsicherten die Vorstandsetagen.33

2.2.4.2 Das Bankenmisstrauen

Die Banken begannen sich untereinander zu misstrauen und taten sich schwer sich gegenseitig Kredite zu gewähren, da nicht ersichtlich war wie sehr die einzelnen Bankbilanzen mit faulen Krediten belastet waren. Kaum ein Institut war noch bereit einem anderen Geld zu leihen. Eine Vertrauenskrise zwischen den Banken brach aus und der Interbankenhandel begann zu stocken.

Die Folge war, dass selbst solide Banken in Gefahr gerieten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können. Die Banken liehen sich vor der Krise täglich circa 500 Milliarden Euro untereinander.34 Durch das Misstrauen in der Bankenbranche stieg der „Euribor“, ausgeschrieben: „Euro Interbank Offered Rate“, deutlich an. Unter dem Euribor versteht man den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem sich europäische Banken gegenseitig Kredite geben. Jeder wollte sich sein Risiko eines möglichen Ausfalls mitbezahlen lassen.35 Dadurch stiegen am Finanzmarkt die Zinsen. Niemand wollte aufgrund der ungewissen Lage längerfristig Geld ausleihen und der Tagesgeldzinssatz schwankte ungewöhnlich stark.36 Dazu kam, dass die Anleger aufgrund der schlechten Aussichten auf Rendite nicht weiter investierten, beziehungsweise ihr Kapital aus dem Finanzmarkt abzogen. Dies führte, zusammen mit dem steigenden Liquiditätsbedarf der Banken, zu einem starken Anstieg der Zinsen auf dem Finanzmarkt.37 Der Interbankenhandel kam praktisch zum erliegen.

2.2.4.3 Reaktionen der Zentralbanken

Um nun aber weiterhin Liquidität am Finanzmarkt gewährleisten zu können, pumpten Zentralbanken aus aller Welt beachtliche Reserven in das globale Bankensystem. Es handelte sich hier um ein Leihgeschäft. Die betroffenen Banken übergaben als Pfand für diese Finanzspritzen Wertpapiere an die Zentralbank. Zahlten die Banken das geliehene Geld zurück, bekamen sie im Austausch ihre Wertpapiere zurück.38 Was folgte war ein Wechsel von positiven Nachrichten, welche ein Ende der Finanzkrise erhoffen ließen, mit neuen Hiobsbotschaften über Verluste, Abschreibungen, Insolvenzrisiken.39

2.2.4.4 Die Finanzkrise spitzt sich zu

Der Höhepunkt der Finanzkrise war aber sicher der September 2008. Hier überschlugen sich die Ereignisse. Die beiden weltweit größten US - amerikanischen Hypothekenbanken Fanny Mae und Freddie Mac wurden zahlungsunfähig und wurden wegen des drohenden Bankrotts durch die Aufsichtsbehörden in staatliche Obhut genommen. Die amerikanische Investmentbank Lehmann Brothers stand vor dem Aus. Die US - amerikanische Regierung wollte das Institut nicht, wie zuvor bereits andere, retten. Laut Bericht des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung könnte die mangelnde Hilfsbereitschaft der US - amerikanischen Regierung darin zu sehen sein, „dass die Gläubiger des Institutes international weit gestreut waren“.40

Rettungsaktivitäten würden also auch den Gläubigern im Ausland zu Gute kommen und davon hatte Lehman Brothers, durch sein ausgeprägtes Europageschäft, überdurchschnittlich viele.

Des Weiteren wurde Meryll Lynch, eine der weltweit führenden US - amerikanischen Investmentbanken, an die Bank of America notverkauft. Die weltweit größte, amerikanische Versicherung „American International Group“, im Folgenden kurz „AIG“ genannt, wurde mehrheitlich verstaatlicht. Der deutschen Holding Hypo Real Estate drohte die Insolvenz. Sie wurde durch Bürgschaften von Staat und Banken gerettet.41 Die Nachrichten aus den USA erschütterten die Börsen. Der DAX fiel auf seinen tiefsten Stand seit 2006. Die Finanzlage spitzte sich zu. Nun wurde klar, es musste drastischer gehandelt werden. Geldspritzen der Zentralbanken alleine reichten nicht mehr aus. Der Finanzmarkt konnte sich nicht mehr selbst helfen. Es musste der Kollaps des gesamten Finanzsystems verhindert werden. Ein Eingreifen der Politik wurde gefordert. Um die Anleger zu beruhigen, haben die Regierungen der EU - Mitgliedstaaten, so auch die Bundesregierung in Deutschland, Komplettgarantien für private Spareinlagen in Aussicht gestellt. Außerdem schnürte die Bundesregierung im Oktober 2008 ein 500 Milliarden schweres Rettungspaket, zur Stabilisierung des Finanzsystems. Banken, die auf Unterstützung durch dieses Paket zurückgreifen wollten mussten sich bestimmten Bedingungen unterwerfen,42 dazu jedoch später mehr in Kapitel 3.3.1.

2.2.5 Die Krise der Finanzwirtschaft wird zur Krise der Realwirtschaft

Die Hoffnung, dass sich die Krise alleine auf die Finanzwelt beschränken würde, wurde bereits im Verlauf des Jahres 2008 zunichte gemacht. Die Auswirkungen der Finanzkrise begannen auf Bereiche der Realwirtschaft überzugreifen. Vor allem und zuerst wurden diese im bereits vorher angeschlagenen Automobilbereich sichtbar und erreichten im weiteren Verlauf den deutschen Mittelstand, der in vielen Branchen abhängig von den Aufträgen der Automobilkonzerne ist. Dazu jedoch später mehr in Kapitel 3.2.2.1.

Liquiditätsprobleme, sowie das Misstrauen in der Bankenbranche ließen die Kreditinstitute in ihrem Kreditvergabesystem nun noch restriktiver werden als es durch das Basel II Abkommen bereits geschehen war.43 Diese restriktive Kreditvergabe traf die Unternehmen, welche Kredite zur Finanzierung ihrer Investitionen, Gehälter, Löhne, Maschinen, Fabrikhallen, Entwicklungen und so weiter bedurften, stark. Die Wirtschaft begann aufgrund des gestörten Kreislaufes zwischen Kreditausgabe, Investition, Umsatz und Rückzahlung der Kredite zu lahmen. Der erschwerte Zugang der Unternehmen zu Finanzmitteln verringerte die Investitionen. Unternehmen reagierten mit Kosteneinsparungen, zum Beispiel im Bereich der Lohnkosten. Dadurch wurde eine konjunkturelle Abwärtsspirale ausgelöst, welche sich im Endeffekt negativ auf die Bonität aller Kreditnehmer auswirkte. Nun waren nicht mehr nur die Sparer und Anleger beunruhigt. Die beinahe täglich veröffentlichten Verlustmeldungen der Unternehmen ließen bei den Arbeitnehmern die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wachsen. Diese Unsicherheit führte dazu, dass weniger Geld ausgegeben wurde. Der Sparwille stieg und die Nachfrage nach Gütern sank.44 Ein gutes Beispiel an dieser Stelle ist der einst weltgrößte US - amerikanische Automobilhersteller General Motors, der bereits 2007 Verluste einfuhr, welche sich im Jahr 2008 noch vervielfachten,45 bis hin zum Insolvenzantrag im Jahr 2009.46

[...]


1 Vgl. Stern: DAX steigt auf Rekordstand, Abruf 07.11.2009, 13.07.2007 online, http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/boerse-dax-steigt-auf-rekordstand- 593000.html

2 Vgl. Spiegel Online: Dax - Verfall alarmiert Analysten, Abruf 09.11.2009, 27.07.2007 online, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,496880,00.html

3 Vgl. Welt Online Finanzen: Steinbrück sieht keinen Grund zur Nervosität, Abruf 08.11.2009, 17.08.2007 online, http://www.welt.de/finanzen/article1114025/Steinbrueck_sieht_keinen_Grund_zur_N ervositaet.html

4 Vgl. Handelsblatt.com: Spekulationsblase, Abruf: 10.08.2009, online: http://www.handelsblatt.com/finanzen/wirtschaftslexikon/spekulationsblase;2186230

5 Vgl. Otte, M.: Der Crash kommt, Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können, 3. Auflage, Berlin 2009, S. 87

6 Vgl. Soros, G.: Das Ende der Finanzmärkte und deren Zukunft: Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet, 1. Auflage, München 2008, S. 12

7 Vgl. Köhler, W.: Wall Street Panik: Banken außer Kontrolle, 1. Auflage, Murnau 2008, S. 19 - 21

8 Vgl. Baader, U. (Gründer Baader Bank AG): Vortrag zum Thema Finanzkrise, an der HfWU in Nürtingen, Wintersemester 2008/2009

9 Vgl. Fidelity International: Die Subprime-Krise und ihre Entstehung, Abruf: 12.08.2009, Januar 2008 online, http://berater.fidelity.de/common/pdf/maerkte/subprime_krise_entstehung.pdf

10 Vgl. Wirtschaftswoche: Chronik Finanzkrise: Vom Immobilienboom zum Börsen-Crash, Abruf: 12.08.2009, 04.05.2009 online, http://www.wiwo.de/finanzen/finanzkrise-vom- immobilienboom-zum-boersen-crash-271063/ S. 1

11 Vgl. Münchau, W.: Kernschmelze im Finanzsystem, 1. Auflage, München 2008, S. 8

12 Vgl. Handelsblatt: Der Erdbeerpflücker mit dem 720000 Dollar Haus, Abruf 12.08.2009, 25.07.2007 online, http://www.handelsblatt.com/finanzen/bulle- baer/der-erdbeerpfluecker-mit-dem-720-000-dollar-haus;1299038

13 Vgl. Informationsportal Globalisierung: Neoliberales Modell?, Wachsende Ungleichheit und private sowie öffentliche Verschuldung, Abruf 09.10.2009, 05.07.2007 online, http://www.jjahnke.net/us.html

14 Vgl. Baader, U. (Gründer Baader Bank AG): Vortrag zum Thema Finanzkrise, an der HfWU in Nürtingen, Wintersemester 2008/2009

15 Vgl. Hellerforth, M.: Immobilieninvestition und - finanzierung kompakt, 12. Auflage, München 2008, S. 116

16 Vgl Bundesministerium der Finanzen: Vom klammen Häuslebauer zum Untergang der Weltfinanz, Abruf 17.10.2009, 21.07.2009 online, http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_53848/DE/Buergerinnen__und__Buerger/ Geselschaft__und__Zukunft/finanzkrise/Entstehung__finanzkrise/170709__Finanzkrise. html?__nnn=true

17 Vgl. Berg, B.: Finanzkrisen und Hedgefonds, Finanzmagier oder Krisenauslöser, 1. Auflage, Tübingen 2008, S. 229, 230

18 Vgl. NZZ Online: Das FED hebt den Leitzins auf 5,25 %, Abruf 14.08.2009, 30.06.2006 online, http://www.nzz.ch/2006/06/30/wi/articleE9EHX.html

19 Vgl. Focus online: Immobilien, Immobilienblase vor dem Platzen, Abruf 14.08.2009, 12.03.2007 online, USA: Immobilienblase vor dem Platzen - Finanzieren - FOCUS Online

20 Vgl. Schneider, G., Toyka - Seid, C.: Die Finanzkrise, 1. Auflage, Würzburg 2009, S. 26

21 Vgl. FAZ.NET: Der Weg in die Krise, Abruf 14.08.2009, 2008 online, http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EEF6FC52887ED 40AE806C30DC3B129E8D~ATpl~Ecommon~Scontent.html, 16.07.2009

22 Vgl. Lähn, M. V.: Hedge Fonds, Banken und Finanzkrisen, 1. Auflage, Wiesbaden 2004, S. 23

23 Vgl. Obst, G., Hinter, O.: Geld-, Bank- und Börsenwesen, 40. Auflage, Stuttgart 2000,

S. 3

24 Vgl. finanzkrise.eu: Finanzmarkt und Realwirtschaft, Abruf 05.08.2009, 2009 online, http://www.finanzkrise.eu/

25 Vgl. Berg, B.: Finanzkrisen und Hedgefonds, Finanzmagier oder Krisenauslöser, 1. Auflage, Tübingen 2008, S. 228

26 Vgl. Soros, G.: Das Ende der Finanzmärkte und deren Zukunft, Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet, 1. Auflage, München 2008, S. 18

27 Vgl. FAZ.NET: Warum in Finanzkrisen Märkte versagen, Abruf 18.08.2009, 2008 online, http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E4004FAE10247 47A5B9135708E9D05460~ATpl~Ecommon~Scontent.html

28 Vgl. Brunner, J.: Finanzkrise 2008, Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, 2. Auflage, München 2009, S. 44

29 Vgl. IKB Deutsche Industriebank: Ad - hoc Mitteilung 30.07.2007, Abruf 20.08.2009, 02.08.2007 online http://www.ikb.de/content/de/ir/news/ad-hoc- mitteilungen/index.jsp#

30 Vgl. IKB Deutsche Industriebank: Vorläufiges Quartalsergebnis (1. April-30.Juni 2007), Abruf 20.08.2009, 20.07.2007 online, http://www.ikb.de/content/de/presse/pressemitteilungen/2007/070720_vorlErgebnis Q1.jsp

31 Vgl. Brunner, J.: Finanzkrise 2008, Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, 2. Auflage, München 2009, S. 44

32 Vgl. Finanzkrise-2008, Fakten, Hintergründe und Informationen, Abruf 20.08.2009, 2009 online, http://www.finanzkrise-2008.de/

33 Vgl. Brunner, J.: Finanzkrise 2008, Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, 2. Auflage, München 2009, S. 45

34 Vgl. Stern: Banken - Retter in der Not, Kein Vertrauen mehr, Abruf 21.08.2009, 07.02.2009 online, http://www.stern.de/wirtschaft/geld/finanzkrise-banken-retter-in- not-653372.html

35 Vgl. Börsenlexikon: Stichwort Euribor, Abruf 21.08.2009, online, http://boersenlexikon.faz.net/euribor.htm

36 Vgl. FAZ: Warum in Finanzkrisen Märkte versagen, erschienen am 31.08.2007, S. 21

37 Vgl. Finanzkrise-2008, Fakten, Hintergründe und Informationen, Abruf 21.08.2009, 2009 online, http://www.finanzkrise-2008.de/

38 Vgl. Stern: Die Fakten zur Finanzkrise, Warum gewähren die Notenbanken Milliardenhilfen?, Abruf: 23.08.2009, 25.08.2007 online, http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanzen/:Bankenkrise-Geld- Gefahr-Die-Fakten-Finanzkrise/596117.html?p=3&backref=%2Fwirtschaft%2Ffinanzen- versicherung%2Ffinanzen%2F%3ABankenkrise-Geld-Gefahr-Die-Fakten- Finanzkrise%2F596117.html%3Fp%3D2%26backref%3D%252Fwirtschaft%252Ffinanzen- versicherung%252Ffinanzen%252F%253ABankenkrise-Geld-Gefahr-Die-Fakten- Finanzkrise%252F596117.html%26postid%3D2&postid=3

39 Vgl. Wirtschaftswoche: Vom Immobilienboom zum Börsencrash, Abruf 23.08.2009, 04.05.2009 online, http://www.wiwo.de/finanzen/finanzkrise-vom-immobilienboom- zum-boersen-crash-271063/3/, S. 3-12

40 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Situation: Die unerwartete Ausbreitung der Krise, Abruf 18.10.2009, 2009 online, http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/ziffer/z173_186j08.pdf S. 122

41 Vgl. Brunner, J.: Finanzkrise 2008, Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, 2. Auflage, München 2009, S. 47 - 49

42 Vgl. Wirtschaftswoche: Vom Immobilienboom zum Börsencrash, Abruf 22.08.2009, 04.05.2009 online, http://www.wiwo.de/finanzen/finanzkrise-vom-immobilienboom- zum-boersen-crash-271063/3/, S. 5 - 12

43 Vgl. Brunner, J.: Finanzkrise 2008, Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, 2. Auflage, München 2009, S. 51

44 Vgl. Finanzkrise-2008, Fakten, Hintergründe und Informationen, Abruf 26.08.2009, 2009 online, http://www.finanzkrise-2008.de/002.html

45 Vgl. Tagesschau.de: General Motors fährt in die tief roten Zahlen, Abruf 26.08.2009, 30.04.2008 online, General Motors fährt in die tief roten Zahlen | tagesschau.de

46 Vgl. Tagesschau.de: GM geht in die Insolvenz, Abruf 26.08.3009, 01.06.2009 online, General Motors geht in die Insolvenz | tagesschau.de

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,8
Autor
Jahr
2009
Seiten
92
Katalognummer
V177629
ISBN (eBook)
9783640994144
ISBN (Buch)
9783656446903
Dateigröße
1564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Mittelstand, Konjunkturpaket, Rettungspaket, Spekulationsblase, Immobilienblase, Dot-Com Blase, US-Immobilienkrise, Verschuldung USA, Überschuldung USA, Subprime Kredit, Bankenmisstrauen, Krise Realwirtschaft, Realwirtschaft, Bedeutung Landwirtschaft, Krise im Automobilbereich, Bedeutung deutscher Mittelstand für Volkswirtschaft, Kreditklemme, Wechselkursverluste
Arbeit zitieren
Nina Rösch (Autor), 2009, Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177629

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