Untersuchung auf einem Praxisbetrieb zum Serumproteingehalt als Referenz für die Immunglobulinversorgung der Kälber in Verbindung mit einem definierten Kolostrum-Tränkeschema


Wissenschaftliche Studie, 2011
22 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziel

3. Kolostrum
3.1 Bedeutung des Kolostrums für die passive Immunität des Kalbes
3.2 Immunglobuline
3.3 Erfolgskontrolle des passiven Transfers
3.4 Tränkeschema

4. Material und Methoden

5. Ergebnisse

6. Diskussion

7. Schlussbetrachtung

8. Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Schematische Darstellung eines Immunglobulins

Abb. 2: Korrelation zwischen IgG und TP im Plasma

Abb. 3: Kolostrometer

Abb. 4: Blick auf die Messskalen des Refraktometers

Abb. 5: Aufteilung der gesamten Kälbergruppe nach der S freiwillig aufgenommenen Tränkemenge

Abb. 6: Unterteilung der Proben gemäß ihrem kolostralem Globulingehalt sowie der durchschnittliche Globulingehalt pro jeweiliger Gruppe

Abb. 7: Durchschnittlicher Serumproteingehalt in Abhängigkeit vom S Globulingehalt des Kolostrums

Abb. 8: Einteilung der Serumproben nach ihrem Gesamteiweißgehalt

Abb. 9: Anteil der Kälber mit einem Gesamteiweißgehalt von <5,5g/dl in S den nach ihrem kolostralen Globulingehalt eingeteilten Gruppen

1. Einleitung

Die Versorgung des Kalbes mit der Erstmilch, dem sogenannten Kolostrum, ist ein Schlüsselfaktor in der erfolgreichen Kälberaufzucht. Gemäß §11 der Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung müssen die Kälber innerhalb der ersten 4 Stunden post partum Kolostrum aufnehmen. Die Verordnung besagt aber nicht, wie viel Kolostrum getränkt werden muss und wann die nächste Mahlzeit zu folgen hat. In der Milchkuh- haltung sind die Anforderungen an die Versorgung der Kälber in Bezug auf eine rechtzeitige Versorgung mit Kolostrum früher wie heute bekannt. Da sich aber die Haltungsbedingungen und die Herdengrößen geändert haben, bedarf es bei der Um- setzung der Anforderungen an ein effektives und praxisorientiertes Kolostrum- management auf den Betrieben angepasster Strategien. Ein solches Kolostrum- management setzt voraus, dass das betreuende Personal die zu versorgenden Käl- ber rechtzeitig und kontrolliert mit einer ausreichenden Menge an Kolostrum versorgt, wie zahlreiche Studien bereits belegt haben. Dies stellt besonders in den Ruhezei- ten, hier besonders nachts, große Anforderungen an das Personal, die ausreichende Menge an qualitativ hochwertigem Kolostrum zu verabreichen.

2. Ziel

In dieser Arbeit wird auf einem Milchviehbetrieb der Serumproteingehalt von 24-48 - Stunden alten Kälbern untersucht, die unmittelbar post partum mit 2 Litern Kolostrum getränkt wurden und denen innerhalb von 8 Stunden post partum weitere 2 Liter Ko- lostrum angeboten wurden. Durch die Korrelation des Serumproteingehaltes mit dem Gehalt an IgG im Blut soll die Anzahl der Kälber mit einem ungenügenden passiven Transfer ebenfalls ermittelt werden. Dadurch sowie durch die Berücksichtigung mit Studien gleicher Zielrichtung kann auch die Effektivität des eingesetzten Trän- keschemas für die optimale Versorgung der Kälber mit IgG auf dem Praxisbetrieb beurteilt werden. Ferner soll festgestellt werden, inwieweit die angebotenen Kolos- trumportionen freiwillig von den Kälbern aufgenommen werden. Schließlich soll ver- sucht werden, aus der Qualitätsprüfung des Kolostrums sowie der Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf den Gesamteiweißgehalt der Serumproben Rückschlüsse auf die Praktikabilität des Tränkeregimes zu ziehen.

3. Kolostrum

Der Einsatz von qualitativ hochwertigem Kolostrum ist von zentraler Bedeutung für den Gesundheitsstatus der Kälber. Sowohl die Morbiditäts- als auch die Mortalitätsrate der Kälber sind oftmals in direktem Zusammenhang mit einer unzureichenden Versorgung der Kälber mit hochwertigem Kolostrum zu sehen. Somit ist die Überprüfung des Kolostrummanagements immer wieder erforderlich, um Fehlern vorzubeugen und das System zu optimieren (QUIGLEY, 2001).

3.1 Bedeutung des Kolostrums für die passive Immunität des Kalbes

Als passive Immunität bezeichnet man den Transfer von humoralen Abwehrkompo- nenten von einem Organismus zum anderen in Form von Antikörpern. Der Aufbau der passiven Immunität beim Kalb findet in den ersten 24 Stunden post partum statt. Dies geschieht durch die Aufnahme und den Transfer dieser maternalen Antikörper in Form von Immunglobulinen über das Kolostrum und/oder durch handelsübliche, mit Immunglobulinen angereicherte Produkte (QUIGLEY, 2002). Entscheidend für den erfolgreichen passiven Transfer ist die Aufnahme einer ausreichenden Menge an Immunglobulinen, welche mittels Pinozytose über den Darm in den Blutkreislauf ge- langen. Die Darmzellen nehmen Tropfen der extrazellulären Flüssigkeit auf und bil- den kleine Vesikel. Dieser Vorgang verläuft nicht selektiv sondern unspezifisch mit allen Substanzen, die in der extrazellulären Flüssigkeit enthalten sind. So ist die Passage von Molekülen der Größenordnung der Immunglobuline möglich. (CAMP- BELL et al., 2006). Die Immunglobuline werden durch das Enterozythenepithel hin- durch in das lymphatische System geschleust (STALEY et al., 1972 zitiert in MCMORRAN, 2006) und gelangen schließlich über den Ductus thoracicus in den Blutkreislauf. Die Fähigkeit des Darmes zum Transfer dieser Makromoleküle geht in den ersten 24 Stunden post partum stark zurück. So beträgt die Aufnahmefähigkeit von Antikörpern 6 Stunden post partum noch 66% und nach 24 Stunden noch 11% und nach 36 Stunden können die großmolekularen IgG nicht mehr aufgenommen werden (SCHWARZ, 2008). Gleichzeitig sind Enzyme im Darm nach 24 Stunden post partum dazu in der Lage, einen Teil der Immunglobuline aufzuspalten und zu verdauen (AMARAL-PHILIPS et al., 2006). Die Absorptionsfähigkeit ist also stark zeitabhängig. Um also einen erfolgreichen passiven Transfer zu gewährleisten, muss die frühe Aufnahme von Kolostrum gewährleistet werden, um die kurze Phase der effektiven Absorptionsfähigkeit zu nutzen. Die Zielgröße eines erfolgreichen passiven Transfers liegt beim Erreichen einer Serumkonzentration an IgG von 10 mg/ml.

3.2 Immunglobuline

Im Rinderkolostrum werden die unterschiedlichen Immunglobulinklassen in IgG1, IgG2, IgM, IgA und IgE eingeteilt (LAMBRECHT et al., 1982). Im Hinblick auf die pas- sive Immunität kommen hierbei den Klassen IgG, IgM und IgA die größte Bedeutung zu. IgG nimmt hier nochmals eine Sonderstellung ein, da es den Hauptteil der Im- munglobuline im Serum stellt. IgG-Antikörper sind große Moleküle, die aus 4 Peptid- ketten zusammengesetzt sind. Sie enthalten jeweils 2 identischen schwere Ketten und 2 identische leichte Ketten. Die beiden schweren Ketten sind jeweils miteinander sowie mit einer leichten Kette durch Disulfidbrücken verknüpft. Die daraus resultie- rende Tetramerstruktur hat zwei identischen Hälften, die gemeinsam eine Y-Form bilden. Jedes Ende der Gabel enthält eine identische spezifische Antigen- Bindungsstelle (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung eines Immunglobulins (NN, 2011)

IgG spielt bei der Übertragung der maternalen Immunität auf das Kalb, also der pas- siven Immunisierung des Kalbes, die wichtigste Rolle (BUTLER, 1973). Durch die Immunglobuline wird das passive Immunsystem des Kalbes unmittelbar post partum bereits effektiv vor pathogenen Erregern geschützt (FOLEY und OTTERBY, 1978). Dieses ist von zentraler Bedeutung, da Kälber zum Zeitpunkt der Geburt nur sehr geringe Eigenimmunglobulinspiegel im Blut aufweisen (KASKE et al., 2003).

3.3 Erfolgskontrolle des passiven Transfers

Wie bereits unter Kapitel 3.1 beschrieben ist die Zielgröße eines erfolgreichen passiven Transfers das Erreichen einer Serumkonzentration von 10 mg/ml IgG. Daher definieren sich die qualitativen Anforderungen an Kolostrum unter anderem in einer darin enthaltenen ausreichenden IgG - Konzentration. Diese soll ≥50 g/L betragen. Liegt sie bei 21-50 g/L, ist die Qualität als fraglich einzustufen und die Verwendung als Ersttränke nicht empfohlen. Weiter soll das Kolostrum nur von eutergesunden Kühen eingesetzt werden, so dass hier ein Keimgehalt von ≤100000 Keime/ml als Grenzwert anzusetzen ist (FOSTER, 2006).

NAYLER et al. konnten in einer Studie den Zusammenhang einer ausreichenden IgG - Versorgung und somit einer geringeren Krankheitsanfälligkeit der Kälber mit dem Gesamteiweißgehalt im Plasma aufzeigen. Hierzu überprüften sie die Plasma- konzentration von Gesamteiweiß mit einem Refraktometer. Die Krankheits- anfälligkeit lag in der Gruppe der Kälber, bei der ein Gesamteiweißgehalt im Plasma ≤6g/dl gemessen wurde, bei 59% während sie in der Gruppe mit einem Gesamtei- weißgehalt im Plasma ≥6g/dl lediglich bei 19% lag. Sie schlossen daraus, dass die Bestimmung des Gesamteiweißgehaltes unter Praxisbedingungen die zuverlässigste Methode für einen erfolgreichen passiven Transfer ist (NAYLER et al., 1977).

WOLFE konnte in einer firmeneigenen Studie des Unternehmens APC Inc. die Korrelation (r=0,84) zwischen dem Gehalt von IgG und Gesamteiweiß im Plasma nachweisen. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Gesamteiweißwert von ≥5,5 g/dl in Serum oder Plasma als Grenzwert für eine ausreichende Versorgung mit IgG anzusehen ist (WOLFE, 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Korrelation zwischen IgG und TP im Plasma (WOLFE, 2002)

Diese Korrelation zwischen Gesamteiweiß und dem Gehalt an IgG konnte aber nicht mehr nachgewiesen werden, wenn Kolostrumersatz verwendet wurde oder das Erst- kolostrum mit einem Kolostrumaufwerter behandelt wurde (QUIGLEY et al., 2002)

In einer weiteren Studie wurden 65 Kolostrumproben auf den Gesamteiweiß-, den IgG-, GGT- und ALP - Gehalt hin untersucht. Es konnte ein signifikanter Zusam- menhang zwischen dem Gesamteiweißgehalt und dem GGT- sowie dem ALP- Plasmaspiegel nachgewiesen werden. Diese Korrelation galt auch für den IgG - Ge- halt in Bezug auf GGT und ALP. Somit kann sowohl die Untersuchung des Ge- samteiweißgehaltes sowie die Bestimmung von GGT und ALP zur Qualitätsbestim- mung von Kolostrum herangezogen werden. Der Wert für GGT sollte 48 - 72 Stun- den post partum über 200 U/L betragen. Liegt der Wert deutlich unter 200 U/L, so ist davon auszugehen, dass eine nicht ausreichende Menge an Kolostrum aufgenom- men wurde, um einen erfolgreichen passiven Transfer zu gewährleisten (ATYABI et al., 2006).

In der Praxis kommt zur Überprüfung der Kolostrumqualität häufig das sogenannte Kolostrometer zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein Aräometer, das über die Bestimmung der Dichte eine Aussage hinsichtlich des IgG - Gehaltes im Kolostrum treffen soll (siehe Abb. 3).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Untersuchung auf einem Praxisbetrieb zum Serumproteingehalt als Referenz für die Immunglobulinversorgung der Kälber in Verbindung mit einem definierten Kolostrum-Tränkeschema
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V177635
ISBN (eBook)
9783640994151
ISBN (Buch)
9783640995660
Dateigröße
1645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, praxisbetrieb, serumproteingehalt, referenz, immunglobulinversorgung, kälber, verbindung, kolostrum-tränkeschema
Arbeit zitieren
Stefan Krüger (Autor), 2011, Untersuchung auf einem Praxisbetrieb zum Serumproteingehalt als Referenz für die Immunglobulinversorgung der Kälber in Verbindung mit einem definierten Kolostrum-Tränkeschema , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177635

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Untersuchung auf einem Praxisbetrieb zum Serumproteingehalt als Referenz für die Immunglobulinversorgung der Kälber in Verbindung mit einem definierten Kolostrum-Tränkeschema


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden