Die vorliegende Arbeit mit dem Titel „Parteieliten in der BRD“ beschäftigt sich, wie der Titel verspricht, mit Parteieliten. Diese bilden den Führungsapparat der Parteien und bestehen, um sie mit Positionen zu benennen, aus den Bundesvorständen der Parteien. Obwohl sie eine wichtige Funktion innerhalb des Parteiensystems erfüllen, nämlich die Leitung der Partei und die Politikkoordination, und sich ihre Relevanz auch theoretisch begründen lässt, wurden die Parteivorstände als Untersuchungsobjekte sowohl in der Eliten- als auch der Parteienforschung bisher vernachlässigt. In dieser Arbeit geht es daher darum, diese Versäumnisse aufzuholen und die Bundesvorstände der fünf wichtigsten deutschen Parteien, CDU, SPD, Bündnis 90/Grüne, FDP und PDS bzw. Linke einer genaueren Analyse zu unterziehen. Es geht darum zu zeigen, wie die Parteivorstände beschaffen sind und welche Karrierewege sie durchlaufen, bevor sie in den Vorstand gelangen. Zu diesem Zweck wurden biografische Daten der gesamten Vorstände über einen Zeitverlauf von 20 Jahren, von 1990 bis 2009, erfasst. Das Jahr 1990 wurde ausgewählt, um dem Vereinigungsprozess der BRD Rechnung zu tragen und damit sowohl ost- als auch westdeutsche Parteieliten untersuchen zu können. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich die Parteivorstände insbesondere in ihren Ausbildungs- und Berufsstrukturen ähneln. Der Großteil der Vorstandsmitglieder besteht aus Akademikern mit breitem Fächerkanon und Berufspolitikern, d.h. die Vorstandsmitglieder waren schon vor ihrer Eliteposition politisch tätig. Dies bestätigen die Karriereverläufe, die zeigen, dass vor allem Erfahrungen in Ämtern auf Bundes- und Landesebene gesammelt wurden. Auch während der Tätigkeit im Vorstand werden sowohl legislative als auch exekutive und Parteiämter ausgeübt. Viele Vorstandsmitglieder sind gleichzeitig Teil des staatlichen Politikbetriebs, doch bleiben die Vorstände auch vermittels kommunaler Tätigkeiten mit ihrer Basis verwurzelt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Vorgehensweise
II. Theoretischer Teil
1. Eliten: Begriffsbestimmungen
1.1 Eliten und Demokratie
1.2 Politische Eliten
2. Zur Relevanz von Parteieliten
2.1 Drei Organisationsmodelle von Parteien
2.2 Das Macht- und Einflussgefälle der Parteieliten
3. Die Bundesvorstände der Parteien
3.1 Die CDU
3.2 Die SPD
3.3 Bündnis 90/Grüne
3.4 Die FDP
3.5 Die PDS.Linke
III. Empirischer Teil
1. Identifikation der Parteieliten mittels Positionsansatz
2. Datengrundlage
2.1 Soziale Merkmale
2.2 Karriereverläufe
3. Ergebnisse
3.1 Altersstruktur
3.2 Ausbildung
3.3 Berufsstruktur
3.4 Herkunft
3.5 Geschlecht
3.6 Karriereverläufe
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die personelle Zusammensetzung und Rekrutierungsmuster der Bundesvorstände der fünf bedeutendsten deutschen Parteien (CDU, SPD, Bündnis 90/Grüne, FDP und PDS.Linke) im Zeitraum von 1990 bis 2009, um aufzuzeigen, wer die politischen Parteieliten in der BRD stellt und welche Hintergründe diese Personen aufweisen.
- Soziostrukturelle Analyse der Parteieliten
- Untersuchung von Ausbildungswegen und Berufsbiographien
- Analyse von Rekrutierungsmustern und Karrieretypen
- Untersuchung des Einflusses der Wiedervereinigung auf die Personalstruktur
Auszug aus dem Buch
1.2 Politische Eliten
Nachdem nun geklärt ist, welchen Bedingungen Elitenrekrutierung in Demokratien unterliegt, soll dies im Folgenden für politische Eliten spezifiziert werden.
Politische Eliten sind „durch demokratische Auswahlverfahren legitimierte[] Führungsschichten[...] , die unmittelbaren Einfluss auf die Besetzung politischer Ämter und auf die Substanz politischer Entscheidungen nehmen“(Kevenhörster 2008: 126).
Zur politischen Elite gehören daher Personen, die „qua Amt oder Position gesamtgesellschaftlich verbindliche Entscheidungen [treffen] oder diese zumindest beeinflussen oder auch verhindern [können]“(Grabow 2006: 21).
Politische Eliten gehen in demokratischen Systemen aus Wahlen hervor. Das Volk entscheidet, welcher kleine Personenkreis aus politischen Kandidaten für einen bestimmten Zeitraum gesamtgesellschaftliche Entscheidungen trifft, indem es zwischen konkurrierenden Parteien auswählt. Sind die Wähler mit den Handlungen des so hervorgegangenen politischen Führungspersonals nicht zufrieden, so müssen die politischen Eliten damit rechnen, zum nächsten Wahltermin nicht wiedergewählt zu werden (Grabow 2006: 25). Diese Rückbindung politischen Handelns an die Vorstellungen der Bürger ist das Fundament repräsentativer Demokratien.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung der Untersuchung von Parteieliten, den Forschungsstand sowie das methodische Vorgehen mittels Positionsansatz.
II. Theoretischer Teil: Es werden die theoretischen Grundlagen zu Elitenbegriffen, der Rolle von Parteieliten im demokratischen System und der Aufbau der Bundesvorstände der fünf untersuchten Parteien dargelegt.
III. Empirischer Teil: Dieser Hauptteil analysiert auf Basis biographischer Daten die soziostrukturellen Merkmale wie Alter, Ausbildung, Beruf, Herkunft und Geschlecht sowie die Karriereverläufe der Vorstandsmitglieder.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der empirischen Analyse synthetisiert und ein Fazit über die Charakteristika der Parteieliten sowie den Forschungsbedarf gezogen.
Schlüsselwörter
Parteieliten, BRD, Bundesvorstände, Parteienforschung, Rekrutierungsmuster, Karriereverläufe, Positionsansatz, Politische Führungsschicht, Wiedervereinigung, Parteiorganisation, Elite, Berufspolitiker, Demokratietheorie, Sozialstruktur, politische Ämter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Parteieliten in der Bundesrepublik Deutschland, konkret mit der Zusammensetzung und dem Rekrutierungshintergrund der Bundesvorstände der fünf größten Parteien im Zeitraum 1990–2009.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Analyse der soziostrukturellen Daten der Vorstandsmitglieder, deren Ausbildung, berufliche Laufbahnen sowie ihre Einbettung in das politische System.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Versäumnisse der bisherigen Forschung aufzuholen und aufzuzeigen, wer die Parteieliten sind, welche Hintergründe sie haben und wie ihre Rekrutierung erfolgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt den Positionsansatz, um die Inhaber von Führungspositionen zu identifizieren, ergänzt durch eine deskriptive Analyse biographischer Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten empirischen Untersuchung der Vorstandsmitglieder in Bezug auf Alter, Ausbildung, Beruf, Herkunft, Geschlecht und deren spezifische politische Karrierepfade.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Parteieliten, Rekrutierungsmuster, Karriereverläufe, Bundesvorstände, Politische Führungsschicht und Parteienforschung.
Wie unterscheidet sich die PDS.Linke in Bezug auf die Herkunft ihrer Vorstandsmitglieder?
Im Gegensatz zu den anderen Parteien, die primär westdeutsch geprägt sind, weist die PDS.Linke einen sehr hohen Anteil an Vorstandsmitgliedern mit ostdeutscher Herkunft auf.
Welche Rolle spielt die „Ochsentour“ für politische Karrieren?
Die „Ochsentour“ stellt ein zentrales Rekrutierungsmuster dar, bei dem Politiker durch langjähriges Engagement in parteiinternen und kommunalen Ämtern die notwendige Erfahrung und Vernetzung für höhere Führungspositionen erwerben.
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- Katrin Bogner (Author), 2010, Parteieliten in der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177659