Nordeuropa im Zweiten Weltkrieg: Finnland im Winter- und Fortsetzungskrieg


Hausarbeit, 2005
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Winterkrieg
1. Voraussetzungen
1.1 Hitler-Stalin-Pakt
1.2 Jarcev-Gespräche
2. Der Weg zum Krieg
2.1 Erneute finnisch-sowjetische Sondierungen im Frühjahr 1939
2.2 Zuspitzung im Herbst 1939
2.3 Mainila-Zwischenfall
3. Kriegsverlauf
3.1 Militärische Lage Finnlands
3.2 Hilfe aus dem Ausland
3.2.1 Nichtkriegführende europäische Staaten und die Großmächte
3.2.2 Skandinavische Länder
3.3 Militärischer Verlauf
4. Der Weg zum Frieden
5. Der Moskauer Vertrag
6. Folgen und Bedeutung des Winterkriegs

III. Der Fortsetzungskrieg
1. Voraussetzungen
1.1 Finnische Annäherung an Deutschland
1.2 Barbarossa
2. Kriegsbeginn
3. Kriegsverlauf
3.1 Der Weg zum Separatfrieden
3.2 Die Außenministerkonferenzen von Moskau und Teheran
4. Friedensschluss
4.1 Friedensverhandlungen und Waffenstillstand
4.2 Der Lapplandfeldzug 1944 - 1945

IV. Zusammenfassung und Ausblick

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Zweite Weltkrieg machte auch vor Nordeuropa keinen Halt. Dänemark war seit dem 9.04.1940 von Deutschland besetzt und blieb es auch bis zum Ende des Krieges. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch Norwegen, das ebenfalls seit April 1940 Besat- zungsgebiet der Deutschen war. Schweden bewahrte während des Zweiten Welt- kriegs seine Souveränität und Neutralität. Das einzig aktiv am Krieg beteiligte Land Nordeuropas war Finnland.

Vom 30.11.1939 bis zum 15.03.1940 führte Finnland Krieg gegen die Sowjetunion (SU), den so genannten Winterkrieg, den es alleine und unzureichend vorbereitet führen musste. Der Winterkrieg hatte enormen Einfluss auf die Neuorientierung Finnlands und führte schließlich zur Annäherung an Deutschland. Im Juni 1941 wur- de Finnland Operationsgebiet der Deutschen bei Hitlers Ostfeldzug. Dieser zweite Krieg, der vom 25.06.1941 bis zum 19.09.1944 dauerte, wurde von der finnischen Regierung als Fortsetzung des Winterkriegs angesehen und daher auch als Fortset- zungskrieg bezeichnet.

Die folgende Arbeit wird aufzeigen, wie Finnland in den Winterkrieg geriet und welche Folgen dies für die finnischen Handlungen im weiteren Verlauf des Zweiten Welzkriegs hatte. Während Finnland weitestgehend unschuldig in den Winterkrieg geriet, kann dies für den Fortsetzungskrieg nicht gelten. Finnland entschied sich bewusst zur Teilnahme an Hitlers Ostfeldzug.

Da diese Annäherung an Deutschland ohne den Winterkrieg vermutlich kaum vor- stellbar gewesen wäre, liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auch auf dem Winter- krieg.

Die Daten des Fortsetzungskriegs zeigen, dass Finnland schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs Frieden geschlossen hat. Finnlands Weg zum Separatfrieden im Fortsetzungskrieg wird in dieser Arbeit daher auch aufgezeigt werden.

II. Der Winterkrieg

1. Voraussetzungen

1.1 Hitler-Stalin-Pakt

Im Geheimprotokoll des am 23.08.1939 geschlossenen Hitler-Stalin-Pakts zwischen dem Deutschen Reich und der SU wurde das Baltikum inklusive Finnland der sowjetischen Einflusssphäre zugesprochen. Die SU wollte Finnland in ihre eigenen Vorsichtsmaßnahmen gegenüber Nazi-Deutschland einbeziehen.1

Finnland war für die SU wegen ihres klassischen Sicherheitsproblems wichtig: Die Verteidigung für Leningrad und Nordwestrussland sollte Zugang zum Finnischen Meerbusen erlangen.2

1.2 Jarcev - Gespräche

Die eigentliche Vorgeschichte des Winterkriegs begann schon am 14.04.1938, als sich der russische Gesandte Boris Jarcev an den finnischen Außenminister Holsti wandte. Jarcev sollte Finnland als Verbündeten an der Verteidigungsstellung gegen das Deutsche Reich gewinnen. Daher forderte er von Finnland die Garantie, nicht zum Aufmarschgebiet der Deutschen zu werden, was Finnland ablehnte. Dieser ers- ten Fühlungnahme der SU wurde in Helsinki nicht entsprechende Bedeutung beige- messen.

Die Gespräche mit Jarcev wurden erst wieder im Sommer 1938 fortgesetzt und vom finnischen Ministerpräsident Cajander sowie dem Finanzminister Tanner aufgenommen. Am 11.08.1938 unterbreitete Tanner Jarcev folgende Vorschläge: Finnland werde seine Neutralität zu Skandinavien beibehalten, seine territoriale Integrität bewahren und nicht als Basis für fremde Aggressionen gegen die SU dienen. Außerdem werde eine Garantie der SU für die finnische Grenze verlangt.

Am 18.08.1938 lehnte Jarcev die finnischen Vorschläge mit der Begründung ab, dass diese der SU nicht ausreichten. Wenn es schon zu keinem Militärbündnis kommen könne, solle Finnland zumindest eine Verpflichtungserklärung abgeben, im Angriffs- fall die Militärhilfe der SU anzunehmen. Außerdem forderte er die Errichtung sowje- tischer Militärstützpunkte auf der finnischen Insel Suursaari. Am 28.09.1938 lehnte Finnland Jarvecs Vorschläge ab, da sie mit der finnischen Neutralitätspolitik und Souveränität unvereinbar seien. Finnland brachte dann auch keine weiteren Vor- schläge mehr vor. Es kam zu keiner Einigung, da die Vorstellungen der beiden Länder zu gegensätzlich waren.3

2. Der Weg zum Krieg

2.1 Erneute finnisch-sowjetische Sondierungen im Frühjahr 1939

Am 11.03.1939 schickte der sowjetische Außenkommissar Litvinow den sowjeti- schen Botschafter Boris Stein nach Finnland, um die Dringlichkeit der sowjetischen Sicherheitsforderungen zu betonen. Die SU wollte einen Außenposten für die Zu- fahrtswege nach Leningrad aufbauen und bat im Gegenzug an, Finnland einige ost- karelische Gebiete zu überlassen. Die finnische Regierung sah dadurch wiederum ihre Neutralität gefährdet und lehnte den Vorschlag am 13.03.1939 ab.4

2.2 Zuspitzung im Herbst 1939

Am 10.10.1939 reiste der finnische Botschafter in Stockholm, Paasiviki, nach Moskau, um mit den Sowjets zu verhandeln. Gleichzeitig bezogen finnische Grenzbataillone Stellung. Damit zeigte Finnland, dass es zwar bereit war zu verhandeln, nicht aber sich zu unterwerfen.

Paasiviki hatte die Instruktionen, bei gleichzeitiger Entschädigung durch ostkareli- sche Gebiete einige Inseln im Finnischen Meerbusen an die SU zu überlassen. Nicht aber sollte ein finnisch-sowjetischer Vertrag geschlossen, keine Grenzkorrekturen sowie keine sowjetischen Stützpunkte in Finnland zugelassen werden. Am 12.10.1939 ließ die SU ihre Forderungen mitteilen. Diese waren die Verpach- tung Hankos für 30 Jahre, die Überlassung einiger Inseln im finnischen Meerbusen, eine Verlegung der finnisch-sowjetischen Grenze nordwärts, die Zerstörung der fin- nischen Befestigungen auf der Karelischen Landenge sowie die Überlassung der Fi- scherhalbinsel. Die finnische Regierung lehnte dies am 14.10.1939 ab. Am 21.10.1939 empfahlen Paasiviki und Tanner der finnischen Regierung, der SU ent- gegenzukommen und einige Zugeständnisse zu machen. Vor allem war man bereit, die Unantastbarkeit der finnischen Grenzen aufzugeben sowie die Hälfte Hankos und der Fischerhalbinsel zu überlassen. Am 23.10.1939 reisten Paasiviki und Tanner nach Moskau, aber dort war man nicht mehr bereit zu verhandeln.5

2.3 Mainila - Zwischenfall

Am 26.11.1939 verbreitete die SU die Meldung, finnische Truppen hätten in der Nä- he der Grenzstadt Mainila auf sowjetische Soldaten geschossen. Daraufhin ließ Mos- kau verlauten, dass der finnisch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 21.01.1932 ge- kündigt sei.

Die finnische Regierung bot an, den Streitfall Mainila zu erörtern und die finnischen Truppen zurückzuziehen,6 doch am 29.11.1939 brach Moskau die diplomatischen Beziehungen zu Finnland ab.7

Am 29.11.1939 kam es zu ersten Grenzverletzungen durch die SU im finnischen Petsamo - Gebiet.8 Um 2 Uhr morgens des 20.11.1939 berichtete Radio Moskau, dass die Rote Armee mit der Abwehr der finnischen Grenzverletzungen begonnen habe.9 Damit begann der 105 Tage andauernde Winterkrieg.

3. Kriegsverlauf

3.1 Militärische Lage Finnlands

Am 1.12.1939 proklamierte auch Finnland den Kriegszustand und Präsident Kallio berief Feldmarschall Mannerheim zum Oberbefehlshaber der finnischen Armee.10 Marschall Mannerheim war ein erfahrener und begabter Offizier, der über große Fä- higkeiten in der Truppenführung verfügte und außerdem eine außerordentliche Popu- larität in Finnland genoss. Schon seit 1932 war er Vorsitzender des finnischen Ver- teidigungsrats und übte entscheidenden Einfluss auf die Organisation der Landesver- bände aus. Do gelang es ihm, eine schlagkräftige Verteidigungslinie aufzubauen.

Die finnische Armee zählte in der Schieß- und Winterausbildung zu den besten Eu- ropas, die Offiziers hatten ein hohes Niveau und die finnischen Artillerie war von hoher Qualität. Außerdem hatten die finnischen Soldaten eine außerordentlich gute Moral. Dennoch war der Stand der finnischen Landesverteidigung schlecht: Finnland besaß kaum Flugzeuge und Kriegsschiffe. Obwohl Finnland seit Mitte November 1939 Gewehre aus dem Ersten Weltkrieg einkaufte, waren die finnischen Verbände denen der Sowjets an Feuerkraft stark unterlegen. Die finnische Armee zählte rund 340 000 Mann, doch konnten nur 250 000 davon bewaffnet werden. Außerdem ver- fügten die finnischen Divisionen über eine Sollstärke von 13 000 - 15 000 Mann, die der Sowjets dagegen über 17 000 - 21 000. Die finnische Brigade zählte 2 000 - 4 000 Soldaten, die sowjetische 6 000 - 10 000.11 Der Winterkrieg war also von vor- neherein ein asymmetrischer Krieg.

3.2 Hilfe aus dem Ausland

3.2.1 Nichtkriegführende europäische Staaten und die Großmächte

Der sowjetische Angriff auf Finnland kam für die Welt überraschend und wurde als ungerecht empfunden. Daher erhielt Finnland vor allem Sympathiebekundigungen, insbesondere von Island, Jugoslawien, Spanien, Belgien, der Türkei und Ungarn. Letzteres lieferte auch Kriegsmaterial an Finnland. Auch Italien ergriff Partei für Finnland und wollte vor allem Flugzeuge nach Finnland liefern. Deutschland verweigerte allerdings die Durchfuhrerlaubnis und mischte sich auch sonst - gemäß Hitler-Stalin-Pakt - nicht in den Winterkrieg ein.12

Auch die beiden alliierten Westmächte Großbritannien und Frankreich erklärten sich bereit, Finnland mit Waffen und Flugzeugen zu beliefern. Die geographische Entfernung stellte allerdings Hinderungsgründe dar, so dass die ersten Lieferungen erst nach dem 20.12.1939 eintrafen.13

[...]


1 Hovi, Kalervo, Der Hitler-Stalin-Pakt und Finnland, in: Erwin Oberländer (Hrsg.), Hitler-Stalin-Pakt 1939. Das Ende Ostmitteleuropas?, Frankfurt am Main 1989, S. 61 - 74, hier S. 65.

2 Klinge, Matti, Geschichte Finnlands im Überblick, Keuruu 1995, S. 130

3 Ueberschär, Gerd R., Hitler und Finnland 1939 - 1941. Die deutsch-finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes, Wiesbaden 1978, S. 43ff.

4 Ebd., S. 50.

5 Sandström, Allan, Krieg unter der Mitternachtssonne. Finnlands Freiheitskampf 1939 - 1945, Graz 1996, S. 32ff..

6 Ueberschär, Gerd R., Hitler und Finnland 1939 - 1941. Die deutsch-finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes, Wiesbaden 1978, S. 92f.

7 Sandström, Allan, Krieg unter der Mitternachtssonne. Finnlands Freiheitskampf 1939 - 1945, Graz 1996, S. 40.

8 Ueberschär, Gerd R., Hitler und Finnland 1939 - 1941. Die deutsch-finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes, Wiesbaden 1978, S. 90.

9 Sandström, Allan, Krieg unter der Mitternachtssonne. Finnlands Freiheitskampf 1939 - 1945, Graz 1996, S. 40.

10 Ueberschär, Gerd R., Hitler und Finnland 1939 - 1941. Die deutsch-finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes, Wiesbaden 1978, S. 94.

11 Sandström, Allan, Krieg unter der Mitternachtssonne. Finnlands Freiheitskampf 1939 - 1945, Graz 1996, S. 37f.

12 Ueberschär, Gerd R., Hitler und Finnland 1939 - 1941. Die deutsch-finnischen Beziehungen während des Hitler-Stalin-Paktes, Wiesbaden 1978, S. 100.

13 Ebd., S. 102.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Nordeuropa im Zweiten Weltkrieg: Finnland im Winter- und Fortsetzungskrieg
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Geschichte Skandinaviens und Finnlands 1400 - 2005
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V177666
ISBN (eBook)
9783640993604
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finnland, Geschichte, Winterkrieg, Fortsetzungskrieg, Zweiter Weltkrieg, Nordeuropa, Skandinavien
Arbeit zitieren
Katrin Bogner (Autor), 2005, Nordeuropa im Zweiten Weltkrieg: Finnland im Winter- und Fortsetzungskrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177666

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